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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-02-17 · N° 8. (17.2.1887) · p. Seite 32

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 8. (17.2.1887)
Date
1887-02-17
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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— 32 — ״Erörterungen“ soll an der Hand der Mischna und Halacha nachgewiesen werden, dass 1. die ״Feuerbestattung“ halachisch ■verboten sei und 2. dass liir Urnen mit Aschenresten nach dem jüdischen Gesetze ebensowenig ״letzte Ehren, kurze Gebete“ zu beanspruchen sind, wie für Maden, Würmer, Haare, Nägel, etc. die von Todten herrühren . . . ״Selbstredend“, schreibt Herr Dr. Kohn, ״werden diese ״Erörterungen“ in streng-wissenschaftlicher Objectivität gehalten sein“. Wir beabsichtigen jedoch aus Rücksicht gegen unsere Leser sowohl, wie gegen viele andere gesch. Mitarbeiter, deren Arbeiten aut Veröffentlichung harren, sodann eine Pause in dieser zwar durch die entflammte Controverse etwas hitzig behandelten, aber durchaus nicht brennenden Feuerbestattungsfrage eintreten zu lassen. Red. Zur Feuerbestattungsfrage. ״Ist aus Bibel und Talmud ein ausdrücklicher איפור gegen Feuerbestattung anzufinden?“ — Das ist, wie Herr Dr. Wiener mit Recht, ohne sich durch die rhetorisch glänzenden Ausführungen des Herrn Dr. Kohn blenden zu lassen, betont, der Kernpunkt der Frage. — Dass die Thora weder eine direkt ver- \ neinende noch bejahende Antwort auf diese Frage giebt, muss eingestauden werden; aber ich meine doch ״ .מעשה אבות סימן לכניםDie Geschichte (,der Beerdigungj der Väter ist ein Fingerzeig für die Kinder.“ Eben dadurch, dass der Erzvater Abraham ein Feld um so hohen Preis als Begräbnissplatz erwirbt, und der Umstand, dass die Erwerbung desselben in der Bibel so ausführlich Erwähnung findet, sollte doch darauf hin weisen, dass nur Beerdigung der Leichen von der Thora empfohlen wird. Und die einschlägigen Stellen über die Beerdigung Jacob’s, Josefs, Mosehe's u. A. legen doch den Standpunkt der Bibel zur Bestattungsfrage klar uud bestimmt dar. Doch dies nur nebenbei; weil ja immerhin durch diese That- Sachen ein ausdrückliches Verbot jeder andern Bestattungsweise nicht ausgesprochen ist. Aber da ist es doch die Gemara, die uns auf den ausdrücklichen איסור hinleitet. Es wird Dämlich Chullin llti die Frage erörtert, ob es gestattet sei, den Leichnam eines Gemordeten seoireud zu untersuchen, um durch diese Untersuchung festzustellen, ob der Getödtete nicht etwa schon bei Lebzeiten mit einem inneren Schaden behaftet gewesen, der eine längere Lebensdauer ausschloss. Die Frage wird verneint und als Grund לניוול המת Verunstaltung, des Leichnams, angegeben. Es geht also aus dieser Stelle hervor, dass es ein איסיר דאוריתא ist, die Leiche eines Menschen durch irgend welche Manipulationen zu verstümmeln und zu verunstalten, selbst dann nicht, wenn — wie es ja bei dem Leichnam eines Ermordeten der Fall ist — eine Verunstaltung bereits durch den ausgeführten Mord stattgefunden hat, uud man das Ergebniss einer solchen Untersuchung sogar als Grundlage für die Freisprechung oder Verurtheilung des Mörders machen wollte. Es entsteht nun aber die Frage: Ist der Begriff von ניוול המת und dementsprechend auch der איסור auf die Kremation auszudehnon oder nicht? Es ist klar, dass man sich keinen grösseren ניןרל denken kann, als den, der durch den chemischen Vorgang des Verbrennen» am Leichnam hervorgerufen wird, wodurch derselbe nicht bloss verstümmelt und verunstaltet, sondern sogar durch menschliches Zuthun vollständig zersetzt wird, so dass ihm jede menschliehe Gestalt genommen wird. Wohl weiss ich, dass die Beerdigung auoh einen ähnlichen chemischen Prozess, die Verwesung und Auflösung des Körpers, nicht verhindern kann, allein dieser Vorgang wird doch nicht durch mensohliohe Veranstaltungen und Vorbereitungen hervorgerufen. Wolff- Aurich. Recensionen. Friedlaender, Dr. M. H. Geschichtsbilder aus der nachtalmudischen Zeit. Vierter Theil.! Von Moses Mendelssohn bis auf die Gegenwart]. Verlag von Bernhard Epstein in Brünn 1887, 15(3 S. Wir haben schon seit Jahren auf Lehrerconferenzen und in pädagogischen Artikeln den Standpunkt vertreten, dass die Kenntniss der nachbiblischen Geschichte unseren Kindern, d. h. der erwachsenen Jugend, am besten und eindringlichsten durch Vorführung von Lebensbildern der hervorragendsten Personen jedes Zeitalters, um welche die geschiehtlioheu Ereignisse, sowie die andern miteingreifenden Personen zu gruppiren sind, beizubringen sein dürfte. Herr Dr. Friedlaender hat zu unserer und aller Freunde jüd. Geschichte Freude diesen Weg in seinen״ Geschieh tsbildern“ eingeschlagen, von denen nun der letzte Theil vorliegt — der 1. behandelte die Tanaiten und Arnoräer, der 2. die nachtalmudischen Koryphäen vom Jahre 5—1500, der 3. die Zeit von R. Joseph Karo bis Mendelssohn — und wir müssen gestehen, dass er mit seiner nicht leichten Aufgabe zusehends gewachsen ist, in jedem Theile ist ein sichtbarer Fortschritt in der Lösung derselben wahrzunehmen. Der vierte Theil, der die wegen der Ueberfüllung des Stoffes am schwersten zu bearbeitende nachmendelssohnsche Zeit behaudelt, wobei die Auswahl und das Einhalten des rechten Maasses besonders schwierig gewesen sein muss, ist — wir wollen den früheren Theilen damit nicht zu nahe treten, — nach Anlage und Ausführung der gelungenste. Es sind die einflussreichsten politischen Männer, die Träger der Generationen, die Schule bildenden Meister, die hervorragendsten Gelehrten, die Vertreter der verschiedenen religiösen Richtungen, unparteiisch gewürdigt, die dii minorum gentium werden in den Anmerkungen und mit vollem Recht etwas kürzer behaudelt. Es hätte noch so manches Detail aus dem Oberstock in das Souterrain gewiesen werden können, wodurch die Lebens- und Geschichtsbilder nur an Abrundung gewonnen hätten. Manche der noch lebenden Persönlichkeiten bedurfte der etwas stark aufgetrageneu Schminke nicht, und mancheu nützt sie nicht; der talmudisohe Grundsatz אומרין מקצת שבחו בפניו gilt ja auch von den noch im Leben Anwesenden und hätte, unbeschadet dem Ganzen, vom Verfi etwas mehr in Anwendung gebracht werden sollen. Doch wir wollen dieserhalb mit ihm nicht zu streng zu Gerichte gehen, er hatte das grosse Gebiet menschlicher und — was noch mehr sagen will — schriftstellerischer Eitelkeit zu berücksichtigen. Nur so ist es zu erklären, dass er zum Schluss auch einer ganzen Anzahl jüd. Journalisten Erwähnung thut. Allein trotz, aller Unparteilichkeit scheint der eben- | falls mitaufgeführte Redacteur eines bekannten orthodoxen Blattes dennoch wegen des, wie er glaubt, ihm und seiner Partei zu wenig gespendeten Lobes dem Buche abhold, wie er ausdrücklich in der absprechenden Recension desselben zu erkennen giebt. Wir können .las Buch für jüd. Familien als Hausbuch, für Schulen als Prämien, und zu Geburtstagswie Confirmationsgesclienken nur bestens empfehlen. Es verbreitet durch anregende und unterhaltende Darstellungsweise eine gesunde Kenntniss der jüd. Geschichte und ist darum von hohem Werthe für die religiöse Erziehung unserer reiferen Jugend, die nicht durch religiöse Dogmenlehren, sondern nur duroh eine Kenntniss der Geschichtswahrheiten unserer Religion an diese gefesselt wird. — Zu wünschen wäre ein Namensverzeichniss zum Sohluss des ganzen Werkes gewesen; möge die zweite Auflage es bald bringen. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rah 111 e r, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Frie* e, Leipzig

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