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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-02-10 · N° 7. (10.2.1887) · p. Seite 27

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 7. (10.2.1887)
Date
1887-02-10
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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— 27 — .die Hölle vspeit..״״, nu!v die Asche der sie dann aas, und der Wind verweht Verbrannten*! Ins sie unter die JFftsse der Frommen geratheD, dem. also heisst es etc.“ Gewiss, dies passt zu dem Citat von Rationalismus und sage ich 1*מר אמר חדא!־מר אמר חדא - ופל’יגי; hatte dann seine Adepten und seine Gegner, zweifele keinen Augenblick, dass sehr viele — um mich in der alten Schulsprache auszudrücken — so jeder Ich Freisinn bei den Kabbalisten, wie Torqtiemada zu — להבדיר בין רשע לצדיק — Hillel. Von Maden und Würmern, Bacillen und Bakterien (welch’ ein Glück, dass für Dr. K, dem Rabbiner, solche entdeckt wurdeu von Dr. K! och), dem Mediciner, damit unser etwas heisssporuiger, gesch. College wieder entrüstet und schöngeistig zugleich ausrufen kann: ״die Aschenreste gelten der Halacha (o, was wird nicht Alles der Halacha aufgebürdet.! W.) nichts mehr als Maden, Würmer, als Bacillen, Bacterien, denen mau ja keine Ehre zu erweisen habe. Ich aber wollte ja nur, dass mau, wie es von zelotischer Seite ausserhalb Israels geschieht, Personen, die nach ihren letzten Wunsch leuerbestattet sein wollen, in der Sterbej stunde nicht ohne Gebet und Trost verlasse, Waschling und sonstige Riten nicht entziehe, das Gebet : ,.ind eine Paranese auf deren Wunsch nicht versage, i TJnd' wenn mau selbst während der Beisetzung der Aschenreste noch ein kurzes Gebet verrichtet, so j würde das um so mehr zeugen von unserem Glauben au die Fortdauer unseres Geistes auch nach dem Hiuscheideu und der Verwandlung des Leibes, gleich- | viel ob in Erde oder Asche. Oppeln, .'?0. Januar. Wiener.*”') ״lernen“ werden, wie mein College Kohn, ich hoffe jedoch, dass einige so lernen werden, wie sein College Wiener. .,Fortsetzung totgt.; JEiecensionen. Reynaud, Leonoe. La FVauce n’est pas juive Paris 1886. 8. Auflage, XVIII und 852 Seiten, 8*. La France n’est pas juive —Frankreich ist nicht verjulet. Muss diese These wirklich erst mit. allen Chicanen der Pedanterie auf 370 Seiten umständlich erwiesen werden? Mau sollte meinen, die These unseres Verfassers sei geradezu ein Axiom der socialen National-Oekonomie; allein diese Frage fällt nicht unserem Autor zur Last, sondern seinem Antagonisten, Drumont, dessen Brand- und Schaudschrift: La Frauce juive bei den leicht erregbaren, heissbliitigen Franzosen schier unglaubliche Sensation erregt hat. Unser Autor, der in der Eigenschatt eines höheren staatlichen Finanzbeamten mehrere Decennien hindurch sattsam Gelegenheit hatte, den gesunden wie den kranken Herzschlag des socialen Lebens in Frankreich zu belausehen, setzt sich bereits mit der 82. Auflage von Drumont’s Schmähschrift auseinander. Wir lassen nun den früher geschriebenen Artikel; des Herrn Dr. Wiener (von! 25. Januar) folgen: ן Da ausser Herrn Dr. Kohn immer von neuem auch andere Stimmen über die mit meinem Gutachten j bezüglich ״der Feuerbestattung“ durchaus nicht zu-! sammenhäugende und nur ganz nebensächlich hinge- >. worfeue Aeusserung über בפרה erheben, so führe ich bezugnehmend auf meine jüngste Notiz in No. 4***) nur noch 2 Stellen an, die für mich sprechen: 1. Sifre zu שלה (Piska U2 zu עונה בה) lautet wörtlich übersetzt: ״Alle Todten werden durch den Tod gesühnt mit einziger Ausnahme der iu V. 30 erwähnten Sünde,“ aber, so wird ausdrücklich hinzugefügt, ״doch nur solange keine Busse eintritt.“ (Raschi zur Thora hebt dies noch besonders hervor.) — II. Joma 86. Wenn aber die schwerste Sünde begangen worden (Chillul haschem), da reichen die früher genannten Sühnemittel nicht aus, sondern erst ״der Tod purgiert ganz von der Sünde“ (freilich wird Busse vorausgesetzt), und dies wird ausdrücklich aus Jes. 22.14 erhärtet. — Mögen nun noch so viele Talmudstellen anders lauten, wir werden uns trotz der uns von dem Collegeu so liebevoll, aber etwas schulmeisterlich ertheilten Lection nicht übermässig anstrengeu, die entgegengesetzten Ansichten auszugleichen, denn chacun ä son goüt; den milden humanen Ausspruch hat der eine Rabbi nach seinem milden Naturell, jenes harte, excommunicierende Anathema hat ein anderer Rabbi von ganz anderem Naturell, von anderer theologischer Richtung, gethan. Wie viele Fragen in der Gemara würden da gegenstaudlos, wie viele Aut- Worten ganz überflüssig sein, wenn wir auf dieses verschiedene Naturell der einzelnen Rabbi’s Rücksicht nähmen.****) Abweichend von der talmudischenMaxime *) Dies stand sogar gesperrt gedruckt, damit der lesende Laie das Kolm’sche Fegefeuer־Dogma mit ״unserer Oemation ''sder Todten liinieden‘• ideusiliuireu. Siehe die Litterar.-Notizen No. 1 11. - iu dieser No, ***) Wo esst. ״Versühnung“ heissen muss ״ Vorsöhnung.stag“. ****•) Vielleicht wäre os nicht unzutreffend, den Talmud ein ״unparteiisches Litteraturhlatt.“, wie das unsere hier, zu houennen, da rinden ja auch von einander ditlerioronde, ja auch contradictorische Ansichten unparteiisch Autnalune von der Redaction, die nur dann und wann tür die eine oder andere sich entscheidet. Gauz Frankreich zählt bekanntlich noch lange nicht so viele Juden, wie unsere Metropole Berlin. Diese Handvoll Juden, die mit wahrem, uugeheucheltem Stolze zu den besten Kernpatrioten Frankreichs zählen, sollte eine social-nationale Gefahr in sich bergen? Und darum Räuber und Mörder! Difficile est, satiram non seribere. Es liegt in Drumont’s Vorgehen eine Tragik ganz eigener Art für den Menschenfreund im Allgemeinen und für deu französischen Patrioten im Besonderen. Seit 16 Jahren insceniren die autoritativen Sehreier in Frankreich einen Rjvanche-Lärm, wovon die Berge und Thäler, die Flüsse and Ströme, die Städte und Dörfer widerhallen; allein die arglistigen Prussiens haben wieder einmal das jus talionis geübt und strenge Revanche verhängt über Frankreich, über das republicauische Frankreich mit der Divise: liberte, fiaternite, ögalite. Berlin hat seinen Stöcker und Paris seinen Drumont, und so ist nicht nur Elsass-Lothringen deutsch, sondern auch — was den wahren französischen Patrioten viel peinlicher berühren muss — der Anti- *) Giebt es denn eine einander mein■ widersprechende, sich gegenseitig völlig paralysirende Coutroverse, als wenn hier die vermeintlich ernste Frage aufgeworfen wird, oh nicht Beerdigung die dadurch zu erlangende כפרה zum .Motiv habe, während R Nathan (Sifre Ende שלח> Synh. 17 a) behauptet, es sei gerade ein gutes Omen für Denatus, dass er Sühne erlangt, wenn er unbeerdigt bleibt Da ist ja alle Mühe und Arbeit des herbeigeschafften so vielen Materials für den 'A\\- saminenharig von Grab und Sühne von Seiten Dr. K. pro nihilo, wenn gerade ein Fnbeerdigtor 1er Sühne am sichersten ist. Und ich wäre ja so gegen jeden Angriff' gefeit, und alle Geschosse müsste ja mein Gegner auf den mich weit überflügeln-! den U. Nathan abschleuderu. Der Ausgleich, den die Thossuph.; bezüglich dieses so eklatanten Widerspruches versuchen, ist; wahrlich als misdungen zu betrachten, dazu noch ist dort die t Lesart, wie auch aus der Randglosse zu ׳•!-sehen, eomuupirt. Nun gar vollends wenn na.■11 K Nathan .(er von einem Tliiere . verschleppte oder verzehrte To.lt!• .”!"!גררה׳ אבלה' ל• wie '6° Lesart bei Sifre verschieden von der Gemara lautet, um die Sühne unbekümmert sein könne, so waren die in der Kohn- ' schon Phantasie• während der l’arsenherrv.hatt ligurirendon 1 aufgeklärten ״Käuze und Ahtrüimige“ das gerade Gegeilt heil: um Sühne zu erlangen, wollten sie von ״singenden Vögeln" 11. s. w. verzehrt werden. Odor hält Dr. Iv. den U Nathan vielleicht gar titr einen verkappten Parsen, der mit seinem Ausspruch in verschmitzte! Weis״ iür die Parsenlehre Propaganda ma ■h.׳n wollte?

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