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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-02-10 · N° 7. (10.2.1887) · p. Seite 26

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 7. (10.2.1887)
Date
1887-02-10
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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Die ״Beerdigung1‘, das ״Grab“, ist ein. Brunn••!! ■ der Weisheit, eine Quelle der Selbsterkenntniss, wie es eine zweite kaum auf Erden giebt Nirgends ist; das ״Erkenne, dich selbst“ so überzeugend, so klar 1 und deutlich mit dem ״Finger Gottes״!ungeschrieben, wie über die ״Pforten des Grabes“. Und diese ur- : alte, nach •Jahrtausenden zählende, geheiligte Quelle der Belehrung, der Selbsterkenntnis, der Denmth und Bescheidenheit wollen uns die Anhänger der Feuerbestattung nehmen und für immer verscliliesseu! Diesen Brunnen, ״den Fürsten gegraben,“ wollen sie uns verschütten, verstopfen, und mit . ״Aschenresteu־‘, mit Gerolle, mit nichtsnutzigen heidnisehen S! herben, Urnen füllen! Oder glauben vielleicht,!lass der rohe heidnische Akt der Feuerbe- , Stauung dieselben Gefühle der Demuth und Bescheiden-! heit in uns weckt, jene Herren wie die Beerdigung? Welche Absurdität! Wie kann ein solch’ roher Gewaltakt, die gewaltthät.ige Vernichtung des ׳ göttlichen Ebenbildes versittlichend und heiligend auf!len Menschen wirken? Daun müsstja jeder ״Mord,“ durch!len ja auch in gewissem Sinne die Hinfälligkeit des Menschen bewiesen wird, läuternd und versittlichend auf den Menschen wirken? Und wir können und dürfen es nicht verschweigen, wir halten die ״Feuerbestattung“ für eine Art ״Mord“, den der ״Richter“ nicht bestrafen, den aber kein Israelite begehen darf. Es giebt nämlich keinen ab- »oluten Tod in der Natur, jedes Wesen lebt ein ihm eigenthümliches Leben, und auch der Todte, der Verstorbene, lebt ein,• wenn auch uns unbekanntes, dicht verschleiertes Leben. — Auf dieser Wahrheit beruht ja die Benediction, die wir täglich wiederholt sprechen: ״Er belebt die Todten in grosser Barmherzigkeit; und wir dürften uns vermessen, dieses ״latente“ Leben, gewaltthätig, durch Feuer zu vernichten und aus der Welt zu schaffen? ״Beraubet nicht den Armen“ sagt die 11. Schrift, da er doch ohnehin schon arm ist“ (Sprüche C. 22, V. 22; und so möchten wir nach Gotha hiuüberufen: ״Tüdtet nicht den Todten, da er doch ohnehin schon todt ist!“ Und diese רציחה sollten wir Israeliten, Rabbiner, predigen, lehren, die wir am Sinai gestaudeu und aus dem .Munde Gottes vernommen: לא תרצה?! Den Christen verargen, verdenken wir es nicht, wenn sie die ״Sühne der Beerdigung“ verschmähen, dieselbe als überflüssig erachten. Sie haben nach der Lehre des Christenthums den Versohuuugstod ihres Erlösers, wie es im Hebräerbrief IX—X heisst,: ״die Sühne ihres Hohenpriesters“ und bedürfen einer andem Sühne nicht: was sollen wir Israeliten aber machen, die wir jenen ״Versöhnuugstod“ nicht kennen? Was sollen wir machen, wenn uns die heiligste Quelle der ״Sühne“ genommeu, verschlösse!! wird, und anstatt des erquickenden Labetrunkes der Religion, die Feuerbrände des Heidenthums, כי תחת יופי ,,(ti'nmlniühl anstatt Schönheit‘*!Jesaja d, 2-1) geboten wird? Wie kann sich der Israelit überhaupt iu Sühneaugelegeuheiten mit Christen auf einen Standpunkt stellen, nachdem gerade die ״Sühuenlehre“ die eigentliehe Scheidewand zwischen Judeuthmu und Christentlium bildet?! —!Das P. S.kam für diese No. zu spät. R.1 Beerdigung und Feuerbestattung in Bibel und Talmud. Von Rabbiner lh\ Wiener in Oppeln (Knrtsot/.ung.)•''‘; Die Alten hatten Recht: דברים שבע״פ לא ניתני לכתוב, ein schrill ik'her Disput ist oft erfolglos, be- *) In vor. No S. ־J.'ia. ist in der Nove :׳.u lesen: ״für die eine oder mdere Art. der Leivheubestiiv.iiug‘־. — Ibid. Sp. b. sonders wenn, wie es bei dem gegenwärtigen der Fall, die Disputirenden zu gleicher Zeit in einer und derselben Nummer schreiben."’; Mündlich und in Gegenwart von Competenteu könnte die Coutroverse auf einmal und in einer Stunde erledigt sein. Während ich wiederholeutlich aut die Gemara selber hiogewiesen,!lass nach dieser, wenn דבורה behufs ,כפרד vorgeschrieben wäre, erster* nicht anwen Ibar wäre, kommt Hr. Dr. K. immer und immer, und auch in der jüngsten Nummer, auf diesen, wie er meint, siegreicher. Angrift zurück: כפלה muss einmal für jeden Menschen nach dem Tode eintreten, darum die Höllenstrafen,!lamm sagt die Thora: Beerdigung muss sein Wäre ich früher, wie jetzt, so überzeugt gewesen,!lass meine Wege nicht seine Wege und seine Gedanke»! nicht die mehligen sind, so würde ich auf eine Erwiderung seiner Artikel verzichtet haben; wir nehmen, wie ich sehe, ganz verschiedene Standpunkte ein, die einen Ausgleich nicht zulassen. Er unterscheidet in seinem entwundenen isic) wundersamen Artikel über die הרוני כיתר und!he Benediction הטוב והרטיב zwischen Humanität und Religiosität: die damaligen Israeliten dankten Gott, dass sie mit der Beerdigung der vielen Leichen eine Pflicht der Humanität, dann aber noch mehr, dass sie eine religiöse Pflicht damit erfüllt haben, er ״lernt“ (am mich iu der alten Schulsprache auszudrücken) so wie Herr von Puttkamer, ״die Humanität sei im Vergleich zur Religiosität ■ nur ein uferloses Meer“, und ich lerne wie Hillel und B. Asai, huldige ihrem Wahlspruch, dass Humanität (dieses ist die zutreffendste Uebersetzuag für גכלות חכר> die höchste Religiosität ist: הורד. חחלתה גמלות ח׳ וסופה ג״ח Da ich kaum glaube, dass ich mich, wenn das bereits von früher iu den Händen der gesch. Redaction sich befindende Manuskript zum Abdruck gekommen sein wird, noch ferner iu eine Erwiderung einlassen werde, so wende ich mich zunächst an die Bemerkungen iu der jüngsten Nummer;f>). Hier ist mit Hrn. Dr. K. eine merkliche Metamorphose vorgegangeu, er ist mit einmal ganz rationell, überschwenglich freisinnig geworden. Hier huldigt er den humanen Worten: ״Wann und wo von Lohn und Strafe nach dein Tode die Rede ist, kann dies nur geistig, nie aber materiell gemeint sein.“ Hier schreibt er: ״Das Judenthum und seine mannigfachen der ßiohtuug nach verschiedenen Vertreter dachten stets rationell und weise über das Jenseits, und keiner, der den Namen Jude trägt, (welche Hyperbel!) glaubt au ein materielles Fegefeuer“ — und doch will ich ihm einen Juden nennen, der noch vor wenigen Woohen glaubte, mit dem Dogma vom Fegefeuer den Schreiber dieser Zeilen zu bekehren oder doch vor aller Welt za widerlegen. Denn das sind ipsissima verba des Hrn. Dr. K. in No. 2: ״Wenn aber unter den Sünden, die jemaud begangen, sich auch die befindet, dass er ein Tischgebet nicht verrichtet*). . daun gesteht auch der milde Hillel ein, dass die furchtbarste der Strafen, die Cremation, den Sünder nach dem Tode triftt. ״Solche Sünder weilen!2 Monate in der Hölle, nach 12 Mouaten aber wird ili: e Seeie vernichtet, ihr Körper verbrannt“ —durch diese höllische B'egefeuer-Oremation sollten wir nämlich vor unserer facultativen Crematiou nach unserm Tode hienieden abgeschreckt werden, — 1׳ v. 11. muss es heissen: Was nach unseni (xetühlen mul l'rm/.ipien gewiss u. s. w. **) Da boide Oollegen aut beschleunigten Abdruck 1;0snuiden, so blieb uns weiter nichts anderes übrig, als ilon Wuuscheu Heiller — naclizukommon. »Red.) ***) Wahrscheinlich muss dies uacli seinen! vollen l-mtaug, wie es im Gebetbuch oder docl! bei Maimuni abgedruckt stobt, geschehen, wenn man aber in wcuigen.iubrüustigen Worten dankt in hebriliseher oder in einer andern •Sprache tiir Speise und Trank, so ist!las pro nihilo!

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