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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-27 · N° 5. (27.1.1887) · p. Seite 19

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 5. (27.1.1887)
Date
1887-01-27
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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auch der Nachdruck nicht auf dem Verbum, sondern auf der Zeitbestimmung ruht,! als schroffer Gegensatz zu ״ ,לא תלין נבלתוdu sollst seine (des Justificirten) Leiche nicht am Holze übernachten lassen, sondern ihn ja und ja desselbigen Tages bestatten“, und unmittelbar darauf die Motivirung: desshalb soll er schon desselbigen Tages bestattet werden — vom Holze entfernt werden—,כי קללת אלהים תלוי, " weil eine Schmähung Gottes ein Gehängter ist“, er ist ja doch einmal im Ebenbilde Gottes geschaffen. Hat, frage ich, nach dem talmudischeii ßaisonnement, dass die "רבו von תקברנו die Bestattung auch für שאד מתים befehle, die Motivirung: ״denn eine Geringschätzung Gottes ist ein Gehängter“ auch nur irgend einen Sinn? (Ich komme auf diesen Punkt noch zurück.) Und deswegen schweigt der Jeruschalmi. Nach R. Hai im Aruch ('s. v. ארגז*) wäre auch R Chama und nicht bloss der Heide Schabor mit der den klaren, deutlichen Wortsinn unseres Verses verdunkelnden und verwischenden Interpretation der Gemara durchaus nicht einverstanden gewesen, und dm deswillen hätte er dem Parsen gegenüber geschwiegen, hier heisst es: שתיקה כהודאה דמיא, d. h. Beerdigung und namentlich gar von אר מתים$ ist nicht מן התורה. sondern מנהגא בעלמא. Jetzt verfolge ich die Eutriistungsaufrute des Dr. K in geordneter Reihenfolge צל ראשון ראשון ובו״. so schwer es mir auch meines schwachen Augenlichtes wegen möglich ist. Das מחטטי שכבי, jedem Talmudjünger bekannt, brauchte wahrlich nicht mit, so vielem Pomp und dem nachfolgenden grossen Gitat aus Jebem (>d b aufgeführt zu werden, und doch sind jene zwei Worte sehr ungenau paraphrasirt worden, ein ״Herauszerren der Gebeine“ fand bei den Parsen durchaus nicht statt, wie aus meinem, dem Dr. K. vorliegenden Votum in der ״ Flamme“ genugsam zu erhse^ien. Raschi zur Stelle berichtet ebenfalls nur: sie ’ brachten die Beerdigten aus den Gräbern hervor. Aruch (s. v חברי) motivirt das Verbot in Bezah li bezüglich des zweiten Feiertags damit, dass, wenn die Parsen sähen, die Israeliten beerdigen ihre eigenen Leichen am zweiten Feiertage, sie diese Ansprüche auch betreffs der parsischen ].:eichen stellen würden, das bezieht sich wohl auf die Beisetzung der Gebeine, die, wenn die Fleischtheile von den Vögeln, der Sonne oder irgend einer elementaren Gewalt vernichtet waren, nicht mehr als die heilige Erde verunreinigend galten. Nun wird aber Schabor II. als fanatischer Tyrann geschildert und er hätte im Ernste sich durch eine Belehrung aus der Bibel sollen bewegen lassen, die —Uebertretung der strengen sanctionirten Vorschriften seiner Religion von Seiten der winzigen schwachen Juden zu dulden?! Lässt sich ein Christ gegen sein Evangelium durch eine Correctur aus dem Kofan oder dem Talmud, ein auf den Talmud schwörender Jude durch einen Widerspruch des Evangeliums überführen? Ich glaube, eher als eiue Belehrung aus der Thorah hat Bestechung zur Zulassung der Beerdigung beigetragen,מקבלי שוחדא, war, wie die Gemara berichtet, die Beruhigung für R. Jochanan. Alles dies bestärkt mich darin, dass der Disput und die Raisonneinents in der schon so oft allegirton Synhedrinstelle nicht in vollem Ernst, zu nehmen sind. Dass es Zeiten gab — auch ausser der hadriani-ch ■11 und parsischen Verlolguugszeit—in denen den Israeliten die Beerdigung streng verboten war, ist nicht zu bezweifeln, das *) Auf dun in der ״.Jüdischen!,resse“ 1N0. :14, ISS:'>) ausgesprochenen Wunsch dos Herrn I)r. K. werde ich weiterhin mit Aeuderung von nur zwei oder drei Buchstaben mit Anschluss an die Kohut'sche Ausgabe die unter dem obigen Stichwort in den anderen Ausgaben des Aruch abgegebene ganz Unverstandliehe dunkle Erklärung völlig nuthellen. ganze Büchlein To bi bewegt sich wohl um dieses Thema, der alte Tobi betheuert einmal über das anderemal, dass er unter den grössten Schwierigkeiten und Gefahren die Beerdigung an einigen Israeliten vollzogen habe.*) Dieses Moment dürfte wohl ein Fingerzeig für die Abfassungszeit und die Heimath dies Apokryphenbuches sein; unter den Parsen ist sie nach dem Talmud nicht zu suchen, denn diese Hessen sich ja bestechen und die Boerdigung erkaufen, während der fromme Tobi doch gerne seine ganze Habe hingegeben hätte, wenn er sein frommes Werk ohne Lebensgefahr hätte vollziehen können. Aber, so ich im Geiste schon meinen Widerpart ausrufen höre, wäre nach dem jüdischen Gesetz die Verbrennung gestattet gewesen, so konnte Tobi die Leichen doch verbrennen. Ich glaube, wenn es dem Feinde, abgesehen von den Parsen, doch nur darum zu thun war, den Israeliten Kränkung, Schmach, Leid und Weh zu bereiten, so hat er die Crematiou nicht minder als die Beerdigung verboten, und jene konnte um so weniger als diese vollbracht werden, ohne die Vollstrecker zu verrathen. Wie kommt aber unser eifervoller College dazu — ich tadele es nicht, dass er ein קנא ist, das rührt ja nach dem Talmud von dem priesterlichen Blute her — aber wie kommt er dazu, bei einem so ernsten Thema statt, wie seine Kollegen die HH. DDr. Krakauer und Steekelmacher, ruhig, gemessen und würdevoll seine divergirende Ansicht zu äussern, bisweilen zu witzeln. Wortspiele über Wortspiele zu machen, denen man keinen rechten Ernst amnerkt und einmal über das anderemal von Käuzen (sic) zu sprechen, ״deren es in seiner Phantasie schon zu R. Chama’s Zeiten gegeben, Käuze, die es schöner, lieblicher fanden, von singenden Vögeln, als von kriechenden Würmern gefressen (sic) zu werden, Käuze, die es den Parsen gleichthun wollten.“**) Das nenne ich geistreich Geschichte construiren. Mich und viele Andere — ich habe Beweise davon von sehr würdigen, streng conservativen Collegen in Händen — widern zumal bei einem so ernsten Thema die sarkastische und dabei schöngeistige Sprache eines Rabbinern der von קנאת ד׳ צבאות erfüllt ist, recht sehr an. Wenn anders — was ich durchaus nicht unterschreibe — die aufgeworfene Frage, ob für die Beerdigung das Motiv בזיונא oder כפרה sei, wie Dr. K. zu meiner Belehrung aufstellt, eine historische Unterlage hätte, so wären es wahrlich nicht die nur in der masslosen Phantasie des Dr. K. figurireuden ״Käuze“, die gern und aus Nachäfferei den Parsen nachahmen wollten, sondern der Horror gegen Gruft und Verwesung, wie die ohne Vergleich probablere Vermuthung des Herrn Rabbiner Dr. Krakauer in No. 4G dieses Blattes es darstellt. Ich würde unbedingt viel eher diese acceptiren, weil die Erfahrung dafür spricht. ***) Nur hätte der gewiss *) Es befremdet mich, dass statt so vieler Agadoth, die sich als solche für jeden Unbefangenen von selbst dokninentiren. dieses Apokryph von meinen Antagonisten ganz ignorirt wird. **) (,'est tont eonnne rhez nous: liberales, tolerantes, besoheidenes Wesen, aber auch bierare.bise.her llochnmth, Intoleranz(?׳ und Verketzerungssucbt bei Kabbinon, 1?) katholischen Bischöfen, lutherischen Superintendenten und llotpredigern. Man vergl. unter Anderem die aut die <'remation hinschielenden und anspielenden Ausdrücke ״Käuze“ und ״Abtrünnige“ in No. IT des Litt.-Bl. mit meinet .Mittheilung in No. 5'2 aus einem Antisemitenhlatt über die daitscheu!sie) Juden bezüglich der Cremation. ***) Aus mehrfachen Erfahrungen die folgende: Von der Beerdigung ihrer greisen 'JOjährigen Mutter zurückkehrend, ausserten sich mir gegenüber deren ebenfalls in Jahren bereits vorgerückten Hinterbliebenen: Mutter ist ja allerdings leicht und gottergeben aus dem Leben geschieden, aber der Gedanke an dio Verwesung im Grabe und was damit im Zusammenhange stellt, hatte etwas Beunruhigendes und Quälendes für sie. L’ml der .Sohn .1. F. votf hier, wieselten in unserer Zeit streng

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