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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-27 · N° 5. (27.1.1887) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 5. (27.1.1887)
Date
1887-01-27
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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IS — Oder .sollen wir jeder Bacille, die je iu einem j menschlichen Leibe gesessen, eine ״Familiengruft“ i bauen, jeder ßacterie, die sich eines menschlichen ״Stammbaumes“ rühmen kann, eine ״Pyramide errichten? Maden und Würmer, Bacillen und Bacterien stehen halachisch mit ״Aschenresten“, wie gesagt, auf einer und derselben Stufe, — — von dem Einen wie von dein Anderen sagt die Halacha: 1 פירשא בצלמא הלא — und mit welchem Rechte kann man für | פירשא ״letzte Ehren“ beanspruch n? (Forts, folgt.) P. S. Inzwischen hat Herr Dr. Wiener seine Erwiderung (in No. 2 d. Bl ) begonnen, freilich bevor wir | mit unseren Erörterungen zu Ende waren. Er macht i uns darin den Vorwurf, dass wir auf das punctum! saliens nicht eingegangeu wären, uud nicht gesagt hätten, wie wir über Aschenreste, Urnen etc denken, der geehrte Herr Redacteur wird uns bezeugen, dass sich unsere Antwort auf diese Fragen schon seit d—4 Wochen in seinen Händen befindet (Wir be-. stätigen dies hiermit. Red.) Beerdigung und Feuerbestattung in Bibel und Talmud. Da Herr Rabbiner Dr. Steckelmaoher sich in einem zweiten Artikel aut das Gebiet des Talmud begeben, so werde ich meine in vorvoriger Nummer geäusserle Absicht, auf die Bibel zurückzugehen, erst später ausführen, und ich plaidiero heute aut demselben Boden, um von hier aus beiden Collegen zugleich zu erwidern, damit ich ein drückendes Gefühl los werde. Denn während Dr. St. ruhig, sachlich, nicht vorher eiligenommen, unser Thema gleichsam gleichzeitig mit mir untersucht, bescheidene Zweitel äussert und erst zu einem festen, unangreifbaieu Resultat zu gelangen sucht — icli werde ihm noch besonders in derselben ruhigen sachlichen Weise antworten — kommt Herr Dr. K. mit einem fait accompli, es verlohnt sich ihm gar nicht erst mit der dissentierenden Ansicht zu diskutieren, sondern sie, wie er gewiss glaubt, gleich vornweg ad absurdum zu führen. Es ist für mich auch sonst, recht schwer mit Dr K. zu debattieren, denn wie icli gleich am Eingang meines Artikels sagte, bin **) Wir möchten hei dieser <ödegeukeit einen historischen lrrthum iu dieser ״Fnviderimg“ richtig stellen. Herr Dr. W. nennt das ״Schul-Oherltaiipt“ liah ('hama einen n 11 \v isse 11 den ltahhi, weil er eine l’riestertoc.lner \ urbrennen Hess“. — (!Synhedrin •'>210 Uns scheint,!lass der geschützte College zwei verschiedene K. Uhanta's, die einander nie gekannt, nie geseiien. weil etwa mehrere Jahrzehnte, zwischen ihnen liegen, mit einander verwechselt hat. Fs hat nämlich mehr als ein Dutzend K. t'liama's gegeben, und Herr Dr. W. greif! auts (ierathewold einen tierseihen, der eine Friestertoeliter verbrennen liess, heraus uud macht aus unserem berühmten St liulnherliaiipt K. Uliama, von dem es im Talmud!Haha hatra 1 Io heisst: In allen Dingen bleibt die Halaeha wio K Uhauia, ausgenommen bezüglich תברא — einen ״unwissenden Kabln?“ Hin Klick in das .,Seiler Iladoroth ‘ iu ,.Snherira's llriet“ hätte ihn danibor belehrt,!lass dies zwei ganz verschiedene It Ohaina's sind, be-nuders im Nitnuke .leset hatte er getimden. dass derjenige der die PneMertochtei verbrennen liess, garuieht Kn h!'hama, somtern emlitc.lt Cltama har Tobiu (,TZ1Ü לצא צל) geheissen, also eine unbekannte 11ml, wie Nimuke •loset bemerkt, seht spat lobende Persönlichkeit gt wesen, uud zu dem ״Schul- 1 Iborliatipt K. Chain» in gar keiner lieziclning stehen konnte. Diese l.esart (לכלא בל םוב״ה) hat auch Kubbinowitsch in seinen C"^'C *רקדיל. und mehrere andere Ilaiitlsclirifteii. Wer dieser Chamn b Tohia gewesen, wann 11 litt wo er geloht, ist unseres Wissens noch nicht ermittelt : es wäre sehr verdienstlich, wenn ein gesell. Leset d. Kl.!lies naher untersucht(* und hier min heilte Dir Umstand, dass K. Joseph die Handhmgsweise dieses! '11:111111 tadelt, wäre ein Fingerzeig für diese Untersuchung, wenn zunächst testgestellt würde, oh dies U. Joseph b. Citija oder der ״Hlinde“ war. Krsterer starb :i.'J.'i als tSchulnberhuupt zu Pumpadita: 21 Jahre später (.')">7, trat K. Cltama dieses Amt an. Dieser kann also unmöglich identisch mit Cltama 1>. Tolna gewesen sein. ich kein Verbimmler des Talmud, schwöre nicht blindlings auf seine Worte und glaube, dass dasselbe auch bei sehr, sehr vielen meiner akademisch gebildeten Collegen der Fall ist. wenn sie auch gerade nicht so en:- schieden wie ich auftreten. Dr. K. fand es für etwa Ungeheuerliches, dass ich den Talmud eine Schraube ohne Ende nenne, aus ihm könne man alles Mögliehe — ich bitte den geschätzten Herrn Redacteur nicht zu eliminieren, wenn ich hinzufüge — Unmögliehe und noch etwas mehr beweisen. Herr Dr. K. macht mich aufmerksam auf diese und jene Talmudstelle, er meint vielleicht, dass ein sogenannter Reformer sich wenig mit Talmud beschäftige; er täuscht sich. Doch habe ich bei meinen Lehrern, und besonders als ich 1827 und 28 zu den Füssen R. Akiba Egers זצ״ל sass, vielleicht eine andere Methode in der Lehrart des Talmud kennen gelernt, die abhold •lein Pilpul immer nur die einfache, nüchterne Wallt heit, zu eruieren suchte.*) Habe ich mit der •Schraube ohne Ende zti viel gesagt? Rühmt sich nicht R. Ghanina (B. Mez. 85b): Es könnte, geriethe auch das ganze Gesetz Jsraels, die Thora, in Vergessenheit, durch seine Dialektik (Pilpul) es wiederherstellen? Musste nicht nach der babyl. Gemara ein Synhedrialtnitglied ein שלץ מן לתולה als rein zu erklären befähigt sein? (Ernb. 18 b.) Der gute R. Tham, schlicht und aufrichtig wie sein Name, ruft darüber aus מה לנו בפלפול של הבל ... Das Haupt- und fast ausschliessliche Argument, auf das Dr. K. immer wieder zuiiickkommt, bewegt sich um meine Bezeichnung des Raisonnement in unserer Talmudstelle als eiue blos akademische Studie. Wie hätte e. sonst seiner Verwunderung uud Exklamationeu durch mehrere seitenlang״ Nummern Ausdruck geben können? Nun, ich frage ihn nochmals, da er es ganz unbeachtet gelassen, war in Wirklichkeit für die Praxis das Resultat ein verschiedenes, ob das Motiv für Leichenbestattung בדונא oder כפלה ist? War es der Gemara ernst•, dass "קבול eine מצות צשה ist, so mag ja nach den! talmudischen Canon der S!erbende 100 mal den Wunsch aussprechen, nicht bestattet zu sein, das göttliche ן Gebot muss ja doch zur Ausführung kommen. Da j lächelt mein Autagouist uud glaubt mich vor dem; Publikum ad absurdum geführt zu haben, weist mich! noch ausserdem auf das mir gewiss bisher unbekannte במתיבב חפשי hin. Und das wagt, man den Lesern der Wochenschrift aufzutischen? Sagt sich nicht jeder. I die Lebenden, die Erben, das ב* ת לין haben die | Verpflichtung, die!קבולל, weun sie wirklich ein bib- I lisches Gebot wäre, zu exekutieren, pereat mundus 1 fiat lex diviua מבין אותם צד שתצא נפשם. Eine stütze j für sich glaubt Dr. K. in dem Umstande zu finden,! dass nur der babyl., der jerusal. Thalmnd aber jenes ן Raison11״ment nicht bringt. Nun wir wissen ja, was! für ein Urtheil die Palästinenser sich über den בבלי | gebildet. ״In Fiusterniss hat er mich versetzt“, darunter sei die babyl. Lehrweise zu verstehen, (Synh. 24ai u. R. Seira fastete ja, um den babyl. Talmudismus zu vergessen. Der Jeruschalmi verschloss sich : nicht der Ueberzeuguug (vielleicht auch nicht der! Babli, ich komme später noch hierauf zurück 1, dass! die Schriftstelle, um die sich die fragliche Discussiott bewegt, nur u. ausschliesslich von einem Justificirten handelt,!lass die intensive Bedeutung der Verdoppelaug ״ לבד תקברנוja und ja“ auf ביום ההוא liegt, (ebenso wie ואם האכל יאבל ביום השלישי (:{• M. 10,7;, wo ja *; Es mögen hier einige Ausdrucksweisen des hervorragendsten unter den Talmiulisten der alten Schule dieses Jahrhunderts, die er kamptes.lustigen, heissspornigen Jüngern zuriet': ״Ich bin kein Freund eines פלפול; der mehr ein בלבול ist“, und ein andermal: ״Ihr seid so krumm, wie ein Keilen, und noch krümmer“, mitgetheilt werden.

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