Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 5. (27.1.1887)
- Date
- 1887-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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.A« 5. Jüdisches Jahrg. XVI. Litteratur-Blatt. ^ur Belexrlitung aller Judenttium un<l J«dtn betrefT«u«len IfttenirUrlien Kr• •eheinanpen aaf dem («ebiete der l'hilo• 0)phie, Geacblchte, Ktbaographie, lheu• logt«, Orient*]!«, Exegese, HomMetllt. Lltnrgtk, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Kahmer. £)tt.a^3e'6utc|, 27. cJa n׳ucu. 1887. BSeiier dereinschligiirrTi!.ItterntNr,welche der KedAct.M•! xugt*«u<tt Herden, linden In dienen! Klette eingehende l»*Nprertiun* Bei Ei**en«lu11K von z!rel Kecenaiona- Exemplaren erfolgt eiumallge knrse MratiN-lnftertlon. Dao j>JSdiSch€ jLItt^1*Atur-B1»t1•• erscheint wöchtmtiich in tnuem Imiheu Bogtm Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteramr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile. Beilagen mit 15 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Mt* Buchhändler, welche direct oder durchRobert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten '25 X Rabatt. 11111 a 11: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Erd- und Feuerbestattung. Von Rabbiner Dr. Kohn in Inowrazlaw. V. — Beerdigung und Feuerbestattung in Bibel und Talmud. — Litteraturbericht: Recensionen: Haassif, hebräisches, liistorisch-litterarisches Jahrbuch, herausgegeben von N. Sokolow. L itterarische Notizen. B erichtignng. Nachduck nur mit •voller Quellenangabe gestattet. Oie Erd- und Feuerbestattung. Von Rabbiner Dr. Kohn in Inowrazlaw. V. Die ״vorläufige Erklärung des Herrn Rabbiners Dr. Wiener in No. 52 des ״Litteraturblaites“ zwingt uns — bevor wir noch mit der halachischen Auseinander- Setzung der Beerdigungsfrage beginnen — unserer Erörterung über ״Sühne der Todten“ ein Wort hinzuzufügen, das wir bisher der ״Kürze wegen“ unterdrücken wollten; nunmehr aber nicht unausgesprochen lassen können noch dürfen. Herr Dr. W. schreibt in dieser ״Erklärung“ unter Anderem ״von Kabbalisten, die sich vom Jenseits wer weiss welche Vorstellung machen, kann voraussichtlich nicht anders als die Beerdiguug zur Sühne empfohlen werden“. Weit entfernt uns zum Anwalt der Kabbalist,m aufwerfen zu wollen, können wir aber nicht, verschweigen, dass Dr. W. auch diesen entschieden Unlecht thut. Nachmanides, ein ״Heros“ der Kabbalah, schreibt im ״Schaar Hag’mul“ seine Ansichten über das ״Jenseits“ in klarer, ausführlicher und erschöpfender Weise nieder, Ansichten, deren sich weder Plato noch Aristoteles, weder Mendelssohn noch Kant zu schämen brauchten. ״Es •giebt nichts Physisches, Körperliches, Materielles im ״Jenseits“ . . Die Strafen nach dem Tode können also den Körper in keiuerlei Weise treffen. Der todte Körper ist wie ein fühlloser Stein, und wenn du ihn durch Kalk verbrennst, er weiss nichts, er fühlt niohts. ״Zwischen dem todten Körper des Tugendhaften und dem des Ruchlosen ist keinerlei Unterschied, den Körper des Ruchlosen kann nach dem Tode keine .Straf׳‘ treffen, wenn und wo also von Lohn und Strafe die Rede ist, kann dieses nur geistig, nie aber materiell gemeint sein!“ Diese Worte des Nachmanides sind citirt im Commentar zu Maimonides H. Tschubah VIII. 1. und der berühmte Hebraist H ,rtwig Wessely, der in seinem JH מאמר חקור alle talmudischen, nachtalmudischen, und selbst die kabbalistischen Ansichten Mose de Leon’s über das ״Jenseits“ auseinandersetzt, schliesst mit den bedeutungsvollen Worten :*) Aus all dem wirst Du ersehen, dass kein Einziger' der jüdischen Gelehrten auch nur im entferntesten daran dachte, dass es im ״Gehinnom“, in der ״Hölle“, etwa ein physisches, materielles Feuer gebe, das da brennt und lodert, das da des Raumes und eines verbrennbaren Objectes bedarf, wie unser Feuer — Alles ist nur geistig gemeint.“ Ein Zeugniss aus solchem Munde wird gewiss Jedermann überzeugen, dass das Judenthum und seine mannigfachen, der Richtung nach verschiedenen, Vertreter, stets rationell und weise über das ״Jenseits“ 4ac^ten< und Keiner, der den Namen ״Jude“ trägt, an ein ״ignis purgatorius“ an ein materielles ״Fegfeuer“ glaubte, wie es in der christlichen Eschatologie zu finden und wie es im Concil zu BTorenz 1439 zum Glaubensartikel der röm.- kathol. Kirchenlehre erhoben worden ist! Selbstredend darf auch nach all dem Gesagten unter dem Ausdruck חיבוט הקבר — der übrigens im Talmud garnicht vorkommt, da heisst es צצרא דקברא (Synhedrin 47 b) - nicht etwa ein ״physischerSchmerz“ des Verstorbenen verstanden werden, und ist auch dieses Wort in einer Weise zu erklären, die sich mit den lichteu Anschauungen des Judenthums verträgt. Bevor wir im Folgenden nunmehr daran gehen zu beweisen, dass der talmudische Satz: קבורה משום ״ כפרהdie Beerdigung bildet eia Siihnemittel der Menschheit“ eine einfache, natürliche, jedem vernüntiigen Menschen zugängliche Wahrheit ist, möchten wir vorher noch erklären, dass das Bes׳reben, den Aschenresten der Feuerbestatteten die ״letzten Ehren“ zu sichern, gesetzlich ihalachisch) ungerechtfertigt und unbegründet sei, dass diese ״letzten Ehren“ für die ״Aschenreste“ aut dein Wege des ״Rechtes und Gesetzes“ nie und nimmer beansprucht und höchstens auf dem Wege der ״Toleranz und Duldung“ gewährt werden könuen. Die mit Aschenresten eines Feuerbestatteten gefüllte Urne steht nämlich nach jüdischem Gesetze mit einem Topfe, gefüllt, mit lebendigen oder todten Maden und Würmern, herrührend vom menschliehen Leichnam, auf einer Stufe. Wer wird uus aber die Absurdität zumuthen, einem Topfe voll lebendiger oder to iter ״ Madeu und Würmer“ ״letzte Ehren“ erweisen zu müssen?“ *י טור* דבר תרא׳ מכל הדעות, שאין נם אחת מהם תקבל שהגיהנם שהזכירו ד כמינו דל יהיה אש לוהט ושורף כאש שלג• הצריכה ימקום ולניפים שתאהז בהז. (בכורי העתים תקפ־.)