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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-20 · N° 4. (20.1.1887) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 4. (20.1.1887)
Date
1887-01-20
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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Wie harmonisch klingt hier ״Altsemitisches“ und ״Neu,■irisches“ zusammen, und doch — welche Miss- Stimmung wird diese Harmonie in manchen Leitsternen der Wissenschaft hervorrufen! ..Bea c h t e n s wert 11 e Ein/.eluntersuchungen“! U. wer uns als Schuljungen gesagt hätte, anno 1880 werde ein deutscher Professor und Kirchenrath als Kritiker hebräischer Litteratur die anno 18>י:"> gewagten Repetitionen einiger Erklärungen Raschis und der Bumsten, resp. zweier christl. Sprachforscher der neuern Zeit ״he achtenswert he Einzel- Untersuchungen“ nennen — wir hätten ihn verlacht, wir hätten ihn für einen Phantasten gehalten! Nun dürfte uns aber Herr Siegfried entgegnen: Die Erklärungen des Herrn Schmiedl (oder Schmidt, wie der Mann der ״beachtenswerthen Einzeluntersuclmngcir S. 31 und im Register des Jahresberichts heisst 1 sind ja zuerst von Grätz in seiner Monatsschrift für (}esrhichte und Wissenschaft des Judenthums aufgenonmirn wurden — ei wie nun? Gewiss, diese Entgegnung wäre einigermassen berechtigt; eini ge rin a ss en . aber noch lang!' nicht vollends. Der Herausgeber einer Zeitschrift wie der (Jrätz'schen darf mancherlei Altes wieder holen lassen, insofern es in besserer wissenschaftlicher Anordnung und Begründung als bisher vorgetragen wird, oder insofern durch die Wiederholung eine solche Anordnung und Begründung angeregt werden soll, oder aus andern ähnlichen Rücksichten. Wir wollen indess nicht verhehlen,!lass wir unsererseits an Grätz,‘ Stelle Herrn Schmiedl oder Schmidt seine fraglichen Erklärungen brevi manu unter Hinweis auf die erwähnten ״semitischen■‘ Kommentatoren und ..arischen“ Grammatiker zurückgeschickt hätten; denn nach unserm Dafürhalten hat Schmiedl nichts Besseres geboten als namentlich Bril und Ewald. Herr Siegfried wolle auch hieraus ersehen, dass wir keineswegs litterarisehe Schlepp- Präger des Herrn Grätz sind, was übrigens dieser, als wirklicher Forscher, noch Niemandem zugeniutbet hat und Niemandem zumuthen wird. Von einem b i bel k rit i s c h e n B e ri eilte r s t a 11 e r. zumal einem solchen, der in Allem und noch Einigem Bescheid wissen, die Zuuz gnädig beschützen und die Grätz magistral tadeln will, wird jedoch mit Fug und Recht■ erwartet, dass er wenigstens andeute, wie schon frühere Gelehrte die betreffenden ״Einzeluntersuchungen“ ausgeführt haben. Doch was verlangen wir von Herrn Siegfried! Ein Schelm, der mehr giebt als er hat! Herr Professor und Kirchenrath befassen sich mit so unbekannten Grössen wie Raschi, Biuristen. Gesenius und Ewald garnicht, resp. nur wenig. Dass professoralc und kirclieiiräthliche Grandezza Raschi und die Biuristen als Minores ansieht und von deren Erklärungen keinerlei Notiz nimmt, gleichwohl aber konvenirenden Falles über diese Minores aburtheilt, erscheint gewissen Kreisen selbstverständlich; dass aber professorale und und kirchenräthliche Grandezza Gcsenius und Ewald, die doch schon als ״Arier“ Dii maiorum gentium sind, so wenig, so spottwenig kennt, dass sie Repetitionen (■esenius'scher und Ewald'seher Erklärungen als ״bea c 111 o nswe rthe Einze 1 un ters uc hungen“ von anno 1885 hervorhebt: dies wird sicherlich selbst jene Kreise nicht angenehm überraschen; für andere Kreise ist und bleibt es ein be ac 11te ns we r t lies Zeichen der Zeit. Herr S. wird uns nun wohl zugehen miissen. dass wir die epigrammatische Bemerkung auf S. ' 88 des Jahresberichts, das Gedächtniss Moses Mendelsseines habe M. Dessauer im Jüdischen Litteraturblatt 40. ■11. 43 wieder aufgefrischt, recht verstehen; ebenso wird uns Hr. S. nun wohl zugeben müssen, dass wir nicht fehlgehen, wenn wir behaupten, dass für den Herrn Professor und Kirchenrath sowie für seinen Anhang!las Gedächtniss Mcndelssohn’s und der biuristischen Schule desselben ganz erfolglos — wieder auigefrischt worden. _!•Fortsetzung tolgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Rubin, D. שירי היכל Tempelgesänge für Chor- und Solostimmen mit Orgelbegleitung, II. Theil, Prag Eigenthum des Componisten. (Schluss.) Eine schwierigere Composition ist der näohste Trauungsgesang Mi addir für 2 Soprane, Alt, Bass und Tenor- oder Bariton-Solo mit Orgel in B-dur C, von Takt 15 ab in */״ Allegretto, vom Takt 38 ab wieder im C-Takt, tempo primo. Er gehört mit zu den schönsten Piecen des Werkes. Um aber einer willkürlichen Kürzung vorzubeugen, sind die event. zu benutzenden ״vide“ angegeben. Und daran hat Herr Rubin recht gethan. Von diesem Hoohzeitsliede führt er uns zu den י,,'נ מידית No. 12, vielleicht deshalb, damit das junge Paar auf seinem gemeinsamen Gang durch das Leben stets an Gott und seine Eigenschaften denken und ihn im Herzen bewahren solle. Auch diese Composition für Chor und Orgel wird des Eindrucks nicht entbehren. Sie ist leicht ausführbar und doch schön. Es folgt ein einfach gehaltener Priestersegen (ברכת כהנים). Ebonso ist das darauffolgende 12 taktige ידשהו (NeumondsVerkündigung) in B-dur. No. 15 und 16 enthalten je eine K’duschah. Die erstere in G-dur lässt die Aufforderung zur Heiligung ״Naarizcho“ von den Männerstimmen unisono singen. Aber dieser Satz wird nur klingen, wenn die dabei gesetzte Orgelstimme hoch ausgeführt wird, sonst nicht. Ich halte diese Chortorm auch für rationeller. Der Satz Kodausch für gemischten Chor ist einfach, aber packend. Sie schliesst mit dem Sch’ma für Chor. Ich bedaure, dass der Componist diese herrliche K’duschah nicht zu Ende geführt. Dasselbe lässt sich auch von der in Es-dur sagen. Aus dieser will ich besonders den Grazioso-Satz in */g hervorheben. — In No. 17 wird uns ein אדק ייולם für vierstimmigen Männerchor a capella in G-dur vorgeführt. Hier zeigt der Componist seine Kunst im Modulieren. — In den 4 darauf folgenden Pieren befinden wir uns wieder in den Jomim noroim. No. 18 bringt ein Jaaleh für Solo und dreistimmigen Chor (Sopran, Alt und Bass.) Einfach und gut klingend! No. 19, ״das ist der Tag des Gerichts“ betitelt, ein ונתנה תקר für 2 Tenöre und Bass — Solostimmen — in B-dur J/4 Grave. Diese Pie9e lässt sich mit geringen Mitteln gut ausführeu, ebenso wie das darauf folgende ״Emess, kiattoh hu joz’rom“ in A-moll,espressi70, das manche Schönheiten aufzuweisen hat. Als tief empfunden und dankbar für die Vortragenden ist die ודר (Sündenbekenntuis8) in h-moll, für Solo oder Chor mit Orgel. Ich glaube, es klingt besser für eine Einzelstimme, als für den Chor unisono. Die Orgelbegleitung lässt nichts zu wünschen übrig. Das ״osobamnu“ für die Gemeinde ist selbstverständlich nur einstimmig zu singen. Ein Gemeindegesang muss stets unisono sein. Deshalb ist die Bemerkung ״Unterstimme unobligat“ wohl angebracht. Nun folgt die No. 22, mit der ich mich nicht einverstanden erklären kann, das ברייך אתה — Beginn der Schmone essre — לר״ה ולי״כ וגם לברכחןהטל וגשם• Gerade bei diesem Gebetstücke sind wir die uralten, herkömmlichen Melodien gewöhnt und zwar ist die Melodie zum טל וגשם eine ganz andere, wie die zu ר״ה וי״כ. Aber nicht bloss, weil wir sie gewöhnt sind, nein, weil kein Componisc so treffend die Stimmung der bezw. Tage auszudrücken vermag, wie unsere

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