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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-20 · N° 4. (20.1.1887) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 4. (20.1.1887)
Date
1887-01-20
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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überlieferten Melodieen sie Ausdrücken. Ich bekenne offen, darin zn den (konservativen zu zählen, ohne das gute Neue zu ▼erkennen. In vielen unserer uralten überlieferten Melodieen liegt ein grosser, ungeahnter Schatz von tiefen Empfindungen, und sowohl die katholische wie evangelische Kirche kann uns darum beneiden. Lieber opfere ich alle פיוטים, als mir die aus frommen Empfindungen, aus Gottgläubigkeit und Gottvertrauen entsprungenen Melodien nehmen zu lassen. Ich würde dies gerne noch weiter ausführen, wenn ich uieht die Glocke des Präsidenten, wollte sagen: den Rothstift des Herrn Redakteur, respektirte. Noch mehr als der Text, sagt oft die Melodie. Darum kann ich die in D-moll geschriebene Composition die Orgelstimme ist tadellos — nicht gutheissen. Die letzte No. schliesst mit ״En Komoscho“, einer schönen, wirkungsvollen Arbeit für Solo und gemischten Chor, das Heft ab. — Wenn ich mich kurz zusammenfässen soll, so muss ich gestehen, dass es Arbeiten sind, die von einem auf dem Gebiete des Synagogengesanges erfahrenen Manne geschrieben sind. Man sieht, dass er die Leistungsfähigkeit der Synagogenchöre im allgemeinen kennt; aber auch, dass er ein gewiegter Musiker und namentlich aus manchen Stellen der Orgelstimmen, dass er auch auf dem Gebiete der Instrumentalmusik zn Hause ist. Auf die Accentuation des Textes hat er genau geachtet, im Gegensatz zn manchen Auderen. Nur möchte ich die Vortragsbezeichnuugen, die selten Vorkommen, mehr deutsch wissen. Wozu eon abbaudons für ״mit Hingebung“, svavemente für lieblich, anmuthig, trasporto für entzückt, begeistert, con sentimento e risolut.o für “mit Gefühl und entschlossen“ u. a. Das bringt nur dem Verleger der Musiklexika Nut.zeu. l)eu Chören, welche über nicht zu grosse Stimmmittel zu verfugen haben, wird das Werk sehr willkommen sein. Es ist leicht ausführbar. — Desselben Werkes I. Theil ist mir nicht zugegangen, und kann ich deshalb über denselben nicht referieren. Essen, 21. Dezember lSStj. Siegfried Gral. Zirndorf H., Isaak Markus Jost und seine Freunde. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Gegenwart. Leipzig und New-York. B. Westermann & Co. 188t>. ״Errinnerungen an den treti'licheu Jost“, ״ein Beitrag zum Ehrengedächtniss dieses unvergesslichen Mannes“ nennt der Verfasser in der Einleitung sein mit pietätvoller Verehrung und grösster Sorgfalt entworfenes Bild. Mit dieser Einschränkung aber hält Herr Zirndorf weit mehr als er versprochen, und die Jostfreunde haben in der That alle Ursache ihm fiir seine interessante umfassende Arbeit recht daukbar zu sein. Die ganze Jostepoche der jüdischen Zeitgeschichte in seinen hervorragendsten Vertretern zieht in lebendigster Weise an unserin geistigen Auge vorüber und die Streiflichter, die dabei auf die Mitstreitenden und Mitstrebenden dieses ersten grossen jüdischen Historikers unseres Jahrhunderts fallen, sind ebenso lebenswahr, als geistvoll gezeichnet. Die Bedeutung Jost’s, sein Verhältnis und seine Beziehungen zu Grätz, Abraham, Salomon und Lazarus Geiger, zu Zunz, Holdheim, Jacob und Berthold Auerbach, zu Steinschneider, Michael Hess, Johlson, Leopold Stein, Creizenach, Formstecher Fürst, Dukes etc. finden hier Erwähnung und kommen mehr oder weniger zur Gel- ung und es darf zum Ruhme Zirndorfs gesagt werden, dass er trotz der begeistertsten Liebe und grössten Verehrung für seiuen grossen Meister sich von Ueberschwänglichkeiten völlig frei hält, fiir seine Fehler und Mängel ein offenes Auge hat und auch den Gegnern Josts vollauf gerecht wird. Ich brauche hier zum Belege nur auf die Darstellung des Verhältnisses von Jost zu Grätz, Holdheim, Geiger, und Stein- Schneider zu verweisen, die mit vielem Verständniss und ohne jede Voreingenommenheit zum Ausdruck gebracht sind. Allen Freunden jüdischer Geschichte unseres Jahrhunderts, kann die Zirndorfsche Arbeit daher auf das Wärmste empfohlen werden. Nicht minder aber wird sie auch den zahlreichen einstigen Schülern, wie den vielen Freunden Zirndorfs eine willkommene Gabe sein. Max Weinberg. Litterarische Notizen. 1. Ad voce m שבור מלם א♦ Als Ouriosum mag hier angotüliit werden, dass die latein. l'ebersetzung des הליב׳ה כולם von lEinperenr, die Bezeichnung שביר £למא tiir Samuel, wie sie sich einigemal im Talmud findet, mit: fr actio regia wiedergiebt!? Wem fällt hierbei nicht das ״sic narrat. Rahhinus Talmud“ von llenricus Leyensis ein? l'ebrigeus verfallen viele jüd. Gelehrte noch jetzt oft in denselben Fehler. Statt: ״Es heisst im Talmud oder der Talmud lehrt“ müssten wir eorroct sagen: Der und der Rabbi sagt, dies (im Talmud da und da)“, denn ein anderer Rabbi sagt in demselben Talmud olt ganz etwas Anderes, nicht selten sogar das Entgegengesetzte. Ich z. B. führe die humane leutselige Aeusserting eines Rabbiuen an, dass Busse, Besserung Versöhnung und Tod die Sühne herheitühren, mein College Herr Dr. Kolm dagegen schwort auf das Verdict eines andern Rabbi, erst 1 יחבוט הקבר Fegeteuen bewirkt, in gewissen Fällen die Sühne - wir berufen uns Beide auf den Talmud : ״es heisst so in der Gemara." W iener-Oppeln. 2. Chronologisches. Zun/. ״Etwas über die rahbinische Litteratur“ Berlin 181K (S. auch ״Gesammelte Schritten.״ Bd. I. S. 11, Anni. •>) hat folgende Notiz: ״Von Ahr. 1>. Oliia’s astr. Werke hat ein Exemplar die Angabe, dass es Anno Nil׳«, den '-':steil des Omer, am Freitag Mittag, welches der 10. April sei. verfertigt, worden. — Vergl. aber Biblioth. de Rossi etc,., wo dev 1. סיון angegeben ist.“ Hier hat Zuuz richt ig einen Fehler vernuthet, aber ihn nicht richtig gestellt. Die correspondiren sollenden Daten stimmen auch in der That nicht. Der '22. Omer, welcher immer aut den 7. אייר fällt, war in diesem Jahre mit der Formel גבה nicht am 10., sondern am 2:5. April und zwar an einem Freitage Der 10 April fiel dagegen mit dem eorrespondirenden 24. p״j aut einen Sonnabend. Dieser fällt aber eben so wenig als der 4. JVC mit dem 22. Omer zusammen und muss demnach das Datum Riveiit,, in welchem Omer und Wochentag stimmen, nach Kniendirung des 40. April in den 21 April, das einzig richtige sein. L. Cohen-Rees a/Khein. •">. Italien. Die Akademie dei Lincei hat den grossen k״nigliehen vierjährigen Preis für Sprachwissenschaft dem hieroglyphisch-koptisch-hebräischeu Wörterbuche des Dr. Simon Le vv /.!!erkannt. Dasselbe wird in Kurzem in Druck erscheinen. — In den V erhandlungen des römischen Parlamentes über das Unterrichts-Budget trat der berühmte Schriftsteller Bonghi für den Religionsunterricht in den Schulen ein, besonders Ihr den Cntavriiht. in der Bibel, ״welche von hoher Bedeutung tür die Bildung des Charahtevs ist, und die glänzendsten Beispiele von Vaterlandsliebe enthält.“ Am L>. Januar ist in Rom das Collegium Rabbiiiicum eröffnet worden. 4. Neu-York. Das jüdisch theologische Seminar hier-oibst ist am 2 Januar mit S Schülern eröffnet worden. •*>. l'utet den im vorigen Sommer in London ausgestellten Gegenständen aus Cypern befand sich auch folgende piwnizische Inschrift, die Herr Warren während seiner jüngst veranstaltetnn Ausgrabungen in der Nähe der alten Stadt Tamassos (I X|taa׳JC׳;) entdeckt hat. Dieselbe bestellt, aus 0 /eilen und lautet wie folgt,: 1 סמל או אשיתן ויטנ ׳-■ א מנחם בן בנחדש בן מ: ערק לאדני לודמוף p •׳■׳> חם י) אליית בירח אתנם בשנת ־•) שלשם . .. למלך מלכיתן מלך יי כתי ואדיל כשמע קל יברד• llarrow. י Dr. Ch. , Magdeburg. Verlag von Robet F riese, Leipzig Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. W011

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