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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-20 · N° 4. (20.1.1887) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 4. (20.1.1887)
Date
1887-01-20
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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— 14 — rechten und Frommen. Den Ausgangspunkt bildet das ott erläuterte Cap. 53 in Jesajah. Gleichviel, ob mit älteren Commentatoren das Volk Israel oder mit neueren der Prophet selbst der leidende Dulder ist, das stellvertretende Leiden der Gerechten zur Sühne für Ungerechte ist hier biblisch begründet* *) Wir finden sogar in Vers 1• dieses Capitels einen merkwürdigen Anklang an den oben citirten Ausspruch Sota 14a: ״Bei den Sündern giebt er sein Grab und beim Reichen (Uebermüthigen) seine Hügel (Grabhügel lies: במותיו) obwohl er nicht Gewalt hat geübt und kein Trug war in seinem Munde“. Die Schmach einer unwürdigen Grabesstelle für den Gerechten wirkt sühnend für die Ungerechten. Während aber der christliche Lehrbegriff diese stellvertretende Sühne nur einem Gottmenschen zuertheilt, erblickt die talmudische Lehre in jedem leidenden oder sterbenden Frommen einen Heilsvermittler für seine sündigen Mitmenschen und Zeitgenossen. Die Beweisstellen hierfür aus Talmud und Midraschim sind zahllos. Als klassisch citiren wir Chagiga 5: Der Tod der Frommen entsündigt, wie die Asche der rothen Kuh; der Tod des Gerechten sühnet wie die Priesterkleider. Ferner jenes selbstbewusste, ihm gewiss nur in den Mund gelegte Wort des R Simeon b. Jocha’s;Jerusch. Berachot IX, 2): ״Abraham sühnte alle Geschlechter bis zu mir, und ich sühne alle Geschlechter bis an’s Ende der Welt. Will Abraham nicht sühnen, so unternehme ich das Werk mit Achija aus Schilo“. Mit dem Tode des Gerechten, der lebend durch sein Verdienst die Zeitgenossen schützt, wird aber auch ein sündiges Geschlecht bestraft. (Jer. Berach. II, 8.) Endlich sei noch erwähnt, dass das fromme Wirken der Lebenden als Sühne für die Sünden Verstorbener, wie es in der christl. Kirche durch Messelesen für Verstorbene Ausdruck findet, auch Sifre (112b ed. Friedmann) und ausführlicher im Tanchuma Haasinu I betont wird. — Bekanntlich begründen Josef Karo und i Jakob Weil (RGA 191) hierauf das Ritual der Seelenj gedächtnissfeier am Versöhnungstage.**) In gleicher j Weise erweist sich aber auch die Fürbitte der Todten j für die Lebenden wirksam, was Taanit Ui a supponirt j wird und was als Grundton durch zahllose Selichoth- | liturgieen geht. Auch die Nennung eines theuren i Verstorbenen mit dem Zusatz הרגי כפרת משכבו (Kid- : dusehin 31) entspringt dieser Anschauung. Die Toten | leiden aber auch ebenso durch unwürdiges Betragen der Lebenden (Jebam. 63). Durch die Sünde der Lebenden werden die Todten ausgegraben.***) Zusammengefasst ergiebt die eschatologische Lehre von der Sühne Folgendes: Der Tod ist für den bussfertigen Sünder die wirksamste Sühne. Der Gerechte erleidet den Tod, theils um seine Zeitgenossen von Sünden zu entlasten, theils um sie wegen ihrer Sundhaftigkeit zu bestrafen. Nicht nur dem Sterben, sondem auch dem Grabe und dem Begrabenwerden wohnt solche sühnende Kraft bei. Durch frommes Wirken können wir zum Seelenheil der Verstorbenen beitragen, durch sündhaftes ihre Ruhe stören. Unseren Gebeten für sie entspricht ihre Fürbitte für uns. 1 Forts, folgt.) *)(legen diese Auflassung hat Fei 1 e h 0 n feld-Posen einen lesonswertken Commentar des 53. Cap. verüflentlicht, auf den, um jeder irrt humlichen Auffassung zu begegnen, liier hingewiesen sei. (Red.) **) Jac. Weil a a. Ü. findet im Plural הבפורים QV die Sühne für Lebende und für Todte ausgedrüokt, למשמל תן“י. ***) Gleichfalls ein gegen die Feuerbestattung zu vorwerthender Ausspruch. 0. Theologischer Jahresbericht für 1885. Federzeichnungen v. Dr. Krone r, Rabb. in Brandenburga. d. H. IV.*) Dass gewisse deutsche. Professoren, auch wenn sie sich den Ansehein gehen, die ganze Litteratur des Judenthmns in «len Primänpiellen durchforscht zu haben, nicht eiumal «len Bihclkomnientar Rasclii’s oder den der Mendelssohn'schen Schule, der sogen. Biuristen, kennen, nimmt uns weiter nicht Wunder, wir sind längst daran gewöhnt; «hiss aber jene Herren biblische Hebraica, welche so echte Vollblut-Arier wie Gesenius und Ewald bereits ge.hrt1e.ht und neuerdings Jemand — ob abhängig oder unabhängig, kann füglich uneiö« «eil bleiben — wiederholt, ausdrücklich als ״b ea e. Iltens - wert he•1 Nova hitistellen, daran sind wir noch nicht so recht gewöhnt. Und werden es wohl auch nicht werden, denn so etwas ist geradezu unmöglich — dürfte Mancher einwenden. Nun denn, hier sind des Herrn S. ureigene Worte (S. 36 des Jahresberichts), «lenen gegenüber auch wir zuerst unserii Augen nicht trauen wollten: ״Von Einzeluntersuohungen sind heachtenswerth die Erklärung des זכיר von Sclnniedl in Ps. 103,14, welches «1er Verf. aktivisch __ der Denkende fasst. Ebenso nimmt er חץ שרוט in .)er. 19,14 — tödtender Pfeil und weist auf לצום, אנוש und ähnliche Beispiele hin“. — Diesen ״beachtenswerthen Einzeluntersuchungen“ stellen wir gegenüber: 1. Raschi zu Ps. 103,14: זכור זכר הוא ולא שכח שאנחנו לפר. Deutlicher und entschiedener kann wohl Niemand ausdriieken. dass זכור hier ..ak- T tiviscli zu fassen11 ist. 2. Raschi zu Jerem. 9,7:;י■ חץ שחוט . .. ל״א לישו (tranchant)שחיטה ממש טראנקאנט בלל״ז Kann die aktivische Bedeutung des שחוט klarer «largestellt werden? 3. Joel Löwe, gen. Bril; in s. Biur zu Ps. 103,14 bemerkt er: זכור.... ויתכן יומר שתא מאותן הפללים הנבנים כפלולים והוראתם כפוללים ... וזה (Deponentia) מה שקורין כלשון רומי דלפאנענציא (recordatus) .. . וכן הוא בלשון רומי רלקארדאטום וגם בל״א יש לההויא׳ הזאת תיבה מיוחדת: איינגעדלנק (eingedenk). Genügt dieses Excerpt, Herr Professor? Dem ״semitischen“ Terzett folge ein ״arisches“ Duett: 1. Gesenius, Lehrgeh. § 91 No. 18 nennt von passiven Participien mit aktiver Bedeutung u. a. 3טוח eonfisus, שכון wohnend (löge) Richter 8,11, sonstpfc? Jer.25’24,זכור eingedenk Ps. 103,14 und אחז אחוז haltend' Hohesl. 3,8. 2. Ewald 1. c. § 149d nennt von Participien fraglieher Art u. a. לצום gewaltig (Gewalt, Macht hethätigend), שלום friedsam (Frieden liebend) 2. S. 20.19, לרום schlau (Schlauheit ausübend), 1 שחוטu«r «10 rist: 11, sch a r f (in o r d e nd) Jer. 9,7, חוש eilig (eilend) 4 M. 32,17, בטוח eonfisus Ps. 112,7, זזבור eingedenk 103.14,'אתו amplexus. יקולז aueeps. Ewald meint, dass es sich leicht erkläre, wie neben בטוח und אחוז die aktiven Participien stehen können: בוטח confidens uuil אוחן amplectens. Aber וכור eingedenk, bemerkt Ewald sehr schön, ist wirklich tiefer als זוכר oder מזכיר gedenkend. *) No. 2 d. Bl. 8. 6 b Z. 1 v. u. muss 08 51, Z. 7 v. a. *in*m hfli88en.

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