Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 4. (20.1.1887)
- Date
- 1887-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 4. Jüdisches Jahr*?. XVI. Litteratur-Blatt. Zar Bele«<־htn1g aller J»4e*lh«» •h4 Jaden betreffenden Htternrltclien Kr• *ehelnnagea nnf de» Gebiete der Philo״ »)ptai«, Genchteht«, Kthnogrnphle, Theolugfe, Oriente!!«» Kxtgeie. Homiletik, Mtnrgik, PidagogU. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Kahmer. 0T£a<j9e6׳wtvj, 20. 5amicrr- 1887, SHoker 11er cln«chliiglg«11 l«Olflral1tr,nelet1• der ttedaci.»» lugeundt werden, flidei 1■ diesen« Klette eingehende Besprechend Bei Kineemteng toh ewei Keeenston»• Kxemplnren erfolgt einmalige karae Uratla-Inaertten. Da» «J(Mische Lltteratar-BIatt« erscheint wöchentlich in einem halben Rogen Preis bei allen Buchhandlungen (ir Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bet allen Postanst<en und Buchhandlungen 8 Stark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werde» mit 2ft Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 1& Stark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. MC* Buchhändler, welche direct oder durchRobert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25־ Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Zur Eschatologie in Talmud und Midraschim. Von Dr. J. Caro, Rabbiner in Pilsen. — Theologischer Jahresbericht für 1885. Federzeichnungen von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. Litt erat.urberi cht: Recensionen: Rubin, D. שירי היכל Tempel-Cesiinge für Chor- und Solostimmen mit Orgelbegleitung.!Schluss.) — Zirndorf H., Jsaak Markus Jost und seine Freunde. L itterarische Notizen. Nachduck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Zur Eschatologie in Talmud und Midraschim. Von Dr. J. Caro, Rabbiner in Pilsen. II.*) Sülme. Todeszustand. Gäi zlich urgei ec ht fertigt ist der Vorwurf, den b esonders christliche Theologen der jüdischen Lehre m&chfn, sie fassen, vom biblischen Opfer ausgehend, die Sünden6ühnung nur als Leistung, die Busse nur als That und nicht als Aenderung des Sinnes (pera- Vota) auf. Das trifft schon bei dem Opfer nicht zu, denn "Widdnj, (ודר, Sündenbekenntniss) war nothwendig, sollte dasselbe sühnend wirken. Von jeher aber wurden alle Buss leist ungen nur als die Folgen der inneren Scham, der aufrichtigen Reue und der Selbst- ▼ ernrtheilurg des Sünders aufgefasst. Berachot 12 b heisst es: Wer sich einer Uebertretung der Gebote schuldig gemacht hat und sich derselben schämt, dem werden alle seine Sünden vergeben; Chagiga 5a: Wer etwas Unrechtes begeht und er bereut es, dem wird sofort verziehen. Hier wird doch augenscheinlieh nur auf den innern Seelenvorgang Gewicht gelegt. Das in seiner Wirkung so hochgeschätzte Sündenbekenntniss (Bileam wird um de# einen Wortes willen: ich habe gesündigt, vom Tode gerettet), basirt doch hauptsächlich aut einen innern Vorgang, und Fasten Kasteiungen, AlmoseDspenden und andere Sühnemittel erscheinen überall nur als Bethätigung einer ״innerliehen Umkehr“ (תשובה) von bösen zu guten Gesinnungen.*) Etwas anders verhält es sich mit dem eschatologischen Sühnebegriff, seiner Natur nach ist er mehr passiv. Es ist nicht die Sühne, die der Sünder ergreift und veranlasst, es ist die Sühne, die sich seiner ohne seinen Willen zu befragen, bemächtigt. Aber trotzdem die Sühne, von der wir spreohen, der Alles *) Artikel I. s. No. 5 des vor. Jahrgangs. *) Und wie oft wird auf David's reumüthiga Verlialten and seine Busspsalmen als Vorbild hingewiesen! (Red.) לא חטא חד אלא כדי להורות תשובה לאחרים. j bezwingende Tod ist, 80 erfordert auch sie ein ge- ■ wisses Entgegenkommen des zu Sühnenden, er muss; gewissermassen für eine solche Sündenvergebung empfänglich sein, er muss den Wunsch haben, den Tod zu diesem Zwecke auf sich wirken zu lassen. Bei einen! gefahrdrohenden Gange bete man: ״mein j Tod sei meine Sühne“ (Berachot 00) und der zum 1 Tode Verurtheilte verzichtet auf die Sündensühue durch den Tod, wenn er das bezügliche Verbrechen \ begangen habe. (Synhedr. 44 b) Also findet der Grundsatz: כל המתים במיתה מתכפרים (Sifre P.Schlach), seineEinschränkung dadurch, dass der Tod in einem bussfertigen Zustande erfolgt sein muss. Aboda sara 17 a giebt in der rührenden Erzählung von dem sündhaften Eleasar ben Durdaia ein treffliches Beispiel von der sündentilgenden Kraft des bussfertigen Todes. Ausdrücklich aber wird (Joma 8(1 b) die ßussfertigkeit (תשובה) als integrirender ן Bestandtheil aller anderen Sühnemittel und auch des 1 Todes angegeben. (Siehe auch Jernsoh. Jomä Cap. 8 s.f.) | Dieser Unterschied zwischen bussfertigem und unbussfertigem Tode muss festgehalten werden, da sonst die Strafe der Sünder im Jenseits unerklärt bleibt. Auch sonstige Widersprüche erscheinen hierdurch gelöst. Während jener ben Durdaja auch für fleischliche Vergehen im Tode Sühne findet, stellt Aboda sara 17a den Ketzer, B. Mezia 8 den Ehebrecher, Bamidbar rabba C. 14 eine ganze Reihe von Sündern und Sünden auf, die durch den Tod nicht gesühnt werden. Jerusch. Pea I, 1 zu Ende heisst es ausdrücklich: Vor dem Bussfertigen besteht keine Sünde, nur vor dem Unbussfertigen bleiben Sünden bestehen. Schon oben wurde bemerkt, dass die dem Tode vorhergehenden Leiden, besonders das die Frommen treffende Unterleibsleiden, und besondere Missgeschicke beim Begräbniss die sühnende Macht des Todes verstärken (Synhedr. 47 a). Das ist — abgesehen von der geistreichen Erklärung Kohn’s contra Wiener — auch der Sinn von קבורה משום כפרה (SyDh. 46 b), Grab und Begräbniss wirken sühnend. Sota 14a lässt Mose beiBet-Peor begraben werden, um hierdurch die Sünde Israels mit Bal-Peor zu sühnen, umgekehrt sühnt ein Grab an heiliger Stelle unwürdiges Leben und Sterben. (Jerusch. Kilaim״IX,8.) Ein Grab im heiligen Lande sühm das Vergehen, ausserhalb desselben gelebt zu haben. — Dies lenkt unseren Blick noch auf eine andere Seite des eschatologischen Lehrbegriffes der Sühne durch den Tod, in welcher auoh die christliche Lehre vom Erlösungstod Jesu ihren Ursprung findet. Nicht nur ad personam, sondern auoh״ für Andere erlösend und sühnend wirken Leiden, Tod und Begräbniss des Ge-