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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-13 · N° 3. (13.1.1887) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 3. (13.1.1887)
Date
1887-01-13
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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— 10 — gar nicht Rede stand oder stehen konnte;***) dann hat ja derselbe R Chama sich in doppelter Weise als unwissend in rabbinicis dadurch docnmentirt, dass er (s. Synh. 52 b) eine Priestertochter, die sich sittlich vergangen, durch Scheiterhaufen verbrennen liess, obgleich diese Jurisdiktion dem jüdischen Gericht damals nicht mehr zustand, und ausserdem diese Art von Verbrennung nach dem Talmud nur von den Saddueäern. aber nicht von den Pharisäern exekutirt wurde. Dann aber muss ich jenem sog Disput auch um deswillen Wichtigkeit und Ernst absprechen, da es ja dort im suspenso bleibt, ob die Leichenbestattung als eine ausdrücklich biblisehe Vorschrift oder nur als מגהגא בעלמא zu halten sei; das wäre ja gleichsam zu der unmittelbar vorhergehenden Behauptung des R Jochanan מעש־ יסתיר. Nach diesen Präliminarien werde ich meinem Gegenpart, wie es der ernsten wissenschaftlichen Unter- Buchung geziemt, ohne weitere rhetorischen Floskeln, die mehr in die Kxnzelberedtsamkeit gehören und ohne Deklamationen und Exklamationenf) Schritt für Schritt folgen und unbefangenen Lesern zeigen, dass seine Argumente פורח" באייר. Heute will ich nur noch hervorheben, dass Herr Dr. K. auf alles andere Nebensächliche und nur nicht auf das eigentliche punctum saliens einging, nämlich, ob wir ebenso, wie einige zelotische christliche Geistliche, Personen, deren letzter Wille es war, feuerbestattet zu werden, die üblichen Riten, Gebete und Ehrenbezeugungen, die Beisetzung ihrer in Urnen gesammelten Aschenreste nebeu den in üblicher Weise Beerdigten verweigern sollen oder nicht. Ich bitte nur noch, da mein Amanuensis meine Worte in No. 52 des Litteraturblatts nicht ganz deutlich wiedergegeben, dort also zu lesen: Nach dem Li vorn er Gutachten יענה באש darf dem Feuerbestatteten keine von den üblichen Riten, Gebeten u. s w. verweigert, die Aschenreste sollen unterschiedslos wie die der eigentlich Beerdigten beigesetzt werden u. s. w., das ist ja der eigentliche Schwerpunkt, um den sich mein Gutachten hauptsächlich bewegt. Nach Beendigung dieser Zeilen kommt mir soeben der in sehr lobenswerther, wissenschaftlicher Objektivität gehaltene Artikel des Herrn Rabb. Dr. Steckeimach er zu Gesicht. Ich bitte densel י• n meine Artikel nochmids genau durchlesen zu woll.n namentlich auch, was ich No. •J7 als Nachtragff) s rieb, auch Thoss. Jom tob zu Pess. 49 zu vergleichen. Jn meinem Gutachten in der ״Flamme“, die meist nur christliehe Leser im Auge hat, habe ich wohl den biblischen Standtpunkt erörtert; die Erörterung des Herrn Dr. Steckelmacher giebt mir allerdings Veranlassung im nächsten Artikel auf die Bibel wieder zurückzukommen. Auch sollen zwei sehr lesenswerthe, vor mehreren Jahren erschienene Broschüren über unser Thema, die eine von Herrn Überr&bbiuer Dr. Stern in Neupest, die andere von dem den Lesern der Wochenschrift wohlbekannten jüd. Litteraten Herrn Arthur Weissmann vorgeführt werden. ***) Wozu ja B. Acha bemerkt; Die Welt ist Thoren (diesem Itesr.h Mpthihthai in die 11111140 «eben. Und während hdi mich so euphemistisch — akademische Unterhaltung — Ausdrücke, «KCJ Prof. (!ratz. I 1 ganz. derb. dass eiuo einzige Anekdote de!׳ t'ragliclie Disput — den R. ('Iiama charaktcrisirt. Warum als״ die aufg111musd1steKmriistunggegcnmic.il■'!מה הרי האף י .הגדול הזה ■;•) Der. inan kann sagen, weltberühmte Aug. Ihieckh, Prot eloqu. und dabei so schlicht und einfach in seinen classiseben Vorlesungen, sft«׳le, manche Gelehrte sprechen über die einfachston Themata w'o gewisse Rhetoren in einer gespreizten u. s. w. Sprache, wie Tlmkydides nicht in seiner Priifatio zum pelopoimesischen Kriego. ff) Der dort, befindliche Druckfehler muss verbessert werden;u: 1 Saui. 31. 12. Oie Erd- und Feuerbestattung. Von Rabbiner Dr. Kohn in Inowrazlaw. IV. (Schluss.) Sind aber Menschen, die nie Tefilin legeu, nie das Tischgebet verrichtet haben, ״grobe Verbrecher?■* Warum werden Sie nach dem Tode so hart bastraft?! Die Mischuah tSynhedrin 90a) lehrt: ״Folgende haben nicht Theil am ewigen Leben, wer da sagt: ״Auferstehung der Todten ist nicht biblisch begrün let“, wer da sagt, ״die Thorah ist nicht von Gott, oder auch nur ein einziges Wort aus der Thorah ist nicht von Gott, sondern von Mosche selber“ etc. Maimonides (H. T’sohubah III.) lehrt: ״Alle diese 24 Klassen von Sündern, wie, wer da leugnet die Tuorah, ii>.1guet die Auferstehung, das Kommen des Messias, leugnet die mündliche Lehre, diese werden ausgerottet und gerichtet bis in alle Ewigkeit.“ — Ebenso wer seinen Nebenmenschen beleidigt, erröthen macht, wer da Gelehrte verachtet etc., alle diese haben nicht Theil am ewigen Leben ... Sind alle diese, die Mischnah und Maimonides nennt, ״grobe Verbrecher“? Die Boreitha (Synhedrin 110b) und Tosefta 1. 0. lehren: ״ Die kleinen Kinder der israelitischen Sünder haben nicht Theil am ewigen Leben3), denn es heisst, (Maleachi 3) ״denn siehe der Tag kommt, brennend gleich dem Ofen, und er wird sie — die Uebermüthigen — entzünden der kommende Tag, spricht der Herr, der ihnen nicht zurücklassen wird weder Wurzel noch Ast.“ Sind diese kleinen Kinder ״grobe Verbrecher“?! Freilich gelten alle diese Strafen nach dem To de nur von Menschen, die nicht Busse gethan, denn derjenige, der seine Sünde aufrichtig utni von ganzem Herzen bereut, sagt der Talmud (Kidduschin 40 b), und, wenn er sein Lebelang die schwersten Sünde^ begangen, dem wird Alles verziehen und vergeben, denn es heisst (Jecheskel 33,12): ״Und der Frevel des Frevlers, er wird nicht strauchelu darüber, am Tage, da er umkehrt von seinem Frevel“. (S. Maimonid. H. Teschuba III. 14)! Wer weiss das nicht? Aber wo sind sie denn die Menschen, die mit ganzem Herzen zurüokkehren, und ihre Sünden aufrichtig bereueu?! Ist aufrichtige, innerliche Reue, Busse, so etwas Alltägliches, häufig Vorkommendes, dass man davon, wie von etwas Selbstverständliebem sprechen könnte! ״Der ״Reuige“ steht• höher als der ״vollkommen Fromme“, sagt der Talmud (Berach. 34), wäre aber Reue, Busse eine solche Bagateile, wie käme der Talmud dazu ihr eiue solch’ hohe Bedeutung beizulegen?! Der ״Reuige“ sagt Maimouid. (H. Theschuba II. 4) hat beständig vor Gott zu schreien und zu weinen, zu beten und zu flehen; seinen Namen und seine Thaten zu äuderu, womöglioh auszuwandern, den Wohnort zu verlassen, damit er gedemüthigt, innerlieh zerknirscht zu Gott zurückkehre, uud ihm die Sunden vergeben werden“ .... Wie viele ״Bäche von Thräneu“, oder wie viele zerrissene Gebetbücher, möfliten wir unseren geschätzten Aintsbruder Herrn Dr. Wiener fragen, hat er in seiuer Praxis bereits gesehen, von solch reuigen Israeliten, die darob geweint und gejammert, gebetet und gefleht, oder gar in’s Golutb gegangen und ihren Namen geändert, weil sie das Speisegesetz übertreten, keine Tefillin gelegt, das Tischgebet nicht verrichtet, oder gar, weil sie die Göttlichkeit der mündlichen Lehre geleugnet haben?! Vielleicht könnte er uns, und wenn auch nur ein halbes ״Minjau“ solch ״weisser *) Diese Ansicht R. Uamliels wird von R. .losua bestrittea

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