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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-06 · N° 2. (6.1.1887) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 2. (6.1.1887)
Date
1887-01-06
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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6 Hindernisse ist! Auch auf dem Gebiete der Wissenschaff, namentlich der talmudischen Wissenschaft, giebt es solche zwei Wege. Entweder wir mühen lind plagen uns, wir sinnen und forschen, so schwer es uns anfangs zuweilen wird, bis uns das Wort der ״Weisen“ endlich klar und einleuchtend geworden, oder wir machen es uns viel bequemer, wir mühen und plagen uns nicht., wir sinnen und forschen nicht, sondern, wenn uns im Talmud etwas unverständlich, auffällig ist, dann sagen wir einfach: ״Ja, der Talmud hat seine Schwächen“, ״der Talmud ist nicht unfehlbar“, oder gar ״der Talmud hat diese oder jene grammatische Regel nicht verstanden“,’) — und wir sind aller Mühe und Plage, alles Forschen» und Denkens, enthoben. — Diesen letzteren Weg scheint Herr Dr Wiener bei seiner Arbeit, die wir besprechen, gewählt zu haben. — — Er findet zwei Stellen im Talmud, die sich scheinbar widersprechen, die eine sagt קבורה משום בפרה, die ״Beerdigung“ dient dem Menschen zur Sühne (Synliedrin Jlibi, die andere wieder (Joma ,So) lehrt: ״Versöhnungstag, Busse und Tod sühnen auch die allerschwerste Sünde“! ״Wozu also die Sühne der ״Beerdigung“, wenn der Tod schon alle Sünden gesühnt hat?“ fragt Herr Dr. W , und er sucht gar nicht den scheinbaren Widerspruch zu lösen, was ihm ja fast ohne jede Mühe gelungen wäre, sondern, er ist mit seinem Urtheile gleich fertig und sagt, die eine Stelle ist richtig, die andere aber falsch, die eine Stelle ist Halacha, die andere, müssigeHagadah, die ein e Stelle ist ernst, die andere ist nicht ernst gemeint etc! Und ist diese Lösung, diese Aeussernng des Herrn Dr. W. von ihm wirklich ״ernst gemeint,“?! Sind die Verstorbenen nach jüdischer Tradition, nach jüdischen Begriffen, wirklich nicht, mehr der ״Sühne“ bedürftig? Sind alle Menschen, gleich nach dem Tode, alle, alle, reine Engel, an denen Nichts von Sündhaftigkeit haftet, und die desshalb, ohne die Sühne der Beerdigung, wie die ״Seraphim“ in ״Feu e rsg lut!1 en“ sich zu den lichten Höhen der Himmel-Himmel *mporschwiugen können? Wir können also unser Lebelang alle, auch die schwersten Sünden begangen haben — und wenn wir daun nur so ״liebenswürdig“ sind, die Augeu zu schliessen, dann ist Alles vergessen und vergeben! Dann giebt’s keine Verantwortlichkeit, keine Vergeltung! Und גן צדן יניהנם-ידין יהשבין ־ י שבי־ וע־נש:■ Momente, die sich in der hebräischen Litteratur tausendmal wiederholen, sollten nur für ״grobe Verbrecher“ gelten, für uns ״anständige Menschen“ aber gar nicht existiren!*) Kann das ernst gemeint sein?! Wie viele Dutzende von Stellen aus der Schrift, Mischnah, Talmud, Toseftn etc. sollen wir citiren. die diese Behauptung als falsch und unhaltbar hinstellen?! Dass שא״ר und גיהנם Hölle, in Schrift und Talmud als Läuternngsstütt.eii für die Menschen nach dessen Tode g׳dt.11״, wenn sie auch keine ״groben Verbrecher“ sind, weiss Jedermann . . . Die Tosefta (S ■13 1. Edit. Zuckerinandl) ebenso die Boreit.ha (Roscli haschanah lü—17) aber lehrt: Es giebt drei Arten 1 111־1־1־ K.'ilminci Dr. Hildesheimer war so treundlirh. mir No. l‘.1 der ..riamme״ z.uzusenden. und darin haben wir obige Wolle des IleiTo Dr. W. gelesen! Also der Talmud liiitte die grammatische Bedeutung von *;ך pp קבור. die ('nnstnn-tion des Inlinitiv r. Futur.. nicht verstanden! Wir ersuchen Herrn |1r. W., die Misehnali baba Mezia pag. ■‘ü> 1 > und die dazn gehörige (lemara pag. öl lesen zu wollen, was Miselmali und Tainmi n1!er;rp - העניק תעניק — פתח תפתח נתל עזב תעזוב - הוכח תוביח - שלח תשרה'- השב תשיבם - sagt und lehrt, und er wird .sich überzeugen, dass die Lehrer des Talmud diese grammatische Regel sehr genau gekannt und verstanden haben! *, Das hat doch aber Herr I)r. W. nirgends behauptet. (R.) von Menschen:!.vollkommen Fromme; 2. vollkommen Böse und 3. בינינים d. i, ״Mittelschlag“, Menschen, die weder ganz böse, noch ganz fromm sind .... Diese Letzteren kommen nach dem Tode in die Hölle, schreien und jammern dort ob unerträglicher Schmerzen, und kehren dann gesühnt und geläutert aus der Hölle zurück, denn es heisst: ״Und ich bringe ein Drittel (der Menschen) ins Feuer, uud läutere es, wie man Silber läutert“ iSecharja 13.9). Das ist freilich nur die Ansicht der strengen Schammaiten, Hillel denkt viel milder; wenn aber unter den Sünden, die Jemand begangen, sich auch die befindet, dass derselbe uie Tefillin gelegt, nie das Tischgebet verrichtet, dann gesteht auch der milde Hillel, dass die Furchtbarste der Strafen, die Cremation, den Sünder nach dem Tode trifft. ״Solche Sünder weilen zwölf Monate in der Hölle, nach zwölf Monaten aber wird ihre Seele vernichtet-, ihr Körper verbrannt2) die Hölle speit sie daun aus, und der Wind verweht und zerstreut die Asche der Verbrannten, bis sie unter die Fiisse der Frommen gerathen, denn also heisst es (Mal. 3,211: ״Denn sie, die Frevler, sollen Asche sein unter Euren Fussballen, am Tage, den ich schaffe!“ (Forts, folgt.) \ Theologischer Jahresbericht für 1885. Foilerzeichnungcn v. Dr. Krone r, Rabb. in Brandenburga.d. H. III. (Fortsetzung.*) 4) Spr. 1,19 בעולה״ statt ״בעליו. Also soll das betr. Heinistich lauten: את נפש* בעולה יקה. Ganz abgesehen davon, dass der Accusativ bei unbestimmten Substantiven nur höchst selten, nur ausnahmsweise durch את bezeichnet, wird, giebt. die Korrektur keinen Sinn. Soll sie heis״en: er (der Räuber) nimmt Seelen mit Unrecht für sich ein? Oder: er nimmt das Leben mit Unrecht? Cfr. Spr. 11,3(1 — wo man aber nicht ״mit Unrecht“ Seelen für sich gewinnt, uud 1. KöiJ. 19,10 — wo gleichfalls nicht ״mit Unrecht“ hinzugefügt, ist., was ein Nonsens wäre, und wo die Person angegeben wird, der man das Leben nehmen will. Entweder לקח נפשיות Seelen für sich einnehmen, oder לקח נפש פ לוג י Jemandem das Leben nehmen. Tertium non datur. öl Spr. 2,1שיתה;יל״ א *u lesen (sie hat ihr Haus auf den Tod gestellt)“. So, sie (die Buhlerin) hat ihr Haus aut den Tod gestellt — sehr geistreich! Das zweite, parallele Hemistieh müsste also lauten: und ihre Geleise hat sie auf die Schatten gestellt — noch geistreicher! Schade nur, dass der parallele Spruch 22,11: שוהה צמקה פי זרות der Oort’schen Geistreichigkeit und der Siegfried’schen Bewunderung derselben im Wege steht. Oder ist dieser unbequeme Spruch vielleicht ״als Glosse auszuscheiden“? (i) Spr. 3,8 שארף, שרןד״, naohLXX aebpx zu lesen st. ,שרף". Nicht nur LXX, sondern auch Syr. haben hier שאו־ף שרף gelesen. Was sagt uns also Herr Oort Neues? Uebrigens haben wir dies greise Novum (inan verzeihe dies!■ wiederholte Contradietio in adjeeto!) gar nicht uöt.hig, was der ״gründliche“ Ryssel imHefir. undChalä. Handwörterbuch .■י. v. שר bestätigt. 1I Wir übersetzen liier nach dem Wortlaut der Tnsel'ta (Svniiedrir 1. c.): im babvbmisclien Talmud heisst cs נופי בי“ה״ ונשמתז נשרפת". Jedentalls gilt aber die Vernichtung des Körpers ״גופן בלה״ als ,,Hölle 11sträfe“. *I Nachgerade entnehmen wir einen Bericht über den verstorbenen Vater des Orientalisten K. Abel, dass dieser nicht ״Arier“ ist, wahrend wir vorher von verschiedenen (namentlich christlichen) Seiten das (iegenthoil vernommen hatten. Wüssten wir, dass Ahol’s ״Semitenthum“ Herrn S. bekannt gewesen, so würden wir die Selbstberuhignng desselben, die wir am Schluss unseres Artikels in No. ö'J reproducirt, noch hegreitiieher finden K.

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