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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-01 · N° 1. (1.1.1887) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 1. (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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solch gnädiger Protektion, war er doch weder Professor noch Kirchenrath, wie Herr S. Aber, sagen Sie uns doch gefälligst, ▼erehrter Herr Professor und Kirchenrath, was der hochweise Plural ״derartige Urtheile“ soll? Es liegt Ihnen doch fern, gewisse Nachbeter zu einem, dem Techenschen gleichen Urtheil zu veranlassen, sie glauben zu machen, dass schon eine Legion ״derartiger Urtheile'1 über Zunz gefällt worden und dass der ״Subscriptions- und Techinimdoktor“ sich dieser Legion angeschlossen habe? — Jawohl, jawohl, so etwas liegt Ihnen fern; also fürchten Sie in Ihrer aufrichtigen Verehrung für Zunz, es könnten sich dem ״Subscriptions- und Techinimdoktor“ Nachbeter zugesellen. Seien Sie unbesorgt! Die Lektionen, die derselbe sammt seinem Anhang im Jüd. Litt.-Bl. und in der Oesterr. Monat&sehr. bekommen, sowie das Armuthszeugniss, das in der ״Zustimmung“ des Theol. Litt.-Bl. von Luthardt liegt, werden sich die Latrinenlitteraten für eine geraume Zeit merken. Nur Herr de Lagarde dürfte vielleicht aus verschiedeuen naheliegenden Gründen eine Ausnahme machen. "Wir wünschen es, damit ihm einmal gründlich heimgeleuchtet werde.*) Wahrhaft rührend ist die Milde, mit der Herr S. sein Urtheil über Techen schliesst: ״Andererseits sind doch wohl die Fehler, die Techen begreiflicherweise in einer Erstlingsschrift gemacht hat, noch nicht der Art, dass man der letztern jeden Werth absprechen dürfte.“ Das sagt derselbe Berichterstatter, welcher der Schrift Barzilai’s ohne Weiteres entschieden jeden Werth abgesprochen. Und doch ist die Schrift Barzilais (326 S.) im Vergleich mit den paar Blättchen Techen’s — — wir brechen ab, schon der Vergleich beider Bücher wäre wissenschaftlicher Frevel. ״ Andererseits “ gestehen wir gern, dass man dem Techenschen Buch nicht jede nWerth absprechen dar f; d i e .*b erreiche Fülle von Citaten aus den Werken der in dem Büchlein geschmähten jüdischen Schriftsteller, in erster Reihe Zunz, und s onstiger Ausbeute aus denselben sind durchaus nicht werthlos. Was die hervorgehobene Verzeihlichkeit der ״begreiflichen“ Fehler dieser ״Erstlingsschrift“ anlangt, so sei nur daran erinnert, dass auf Grund derselben die Göttinger philosophische Fakultät Herrn Techen promovirt hat! Also aut . . . aut. . . Sapienti sat. In einer textkritischen Arbeit von H. Oort über Spr. Sal. 1 —9 wird Grätz angegriffen. Diesbezüglich schreibt nun Herr S. wörtlich: ״Oort bestätigt zu unserer Befriedigung das bei andern Gelegenheiten über die textkritischen Kapriolen des Herrn Grätz von uns ausgesprochene Urtheil “ Zu unserer Befriedigung! Wer hätte daran gezweifelt, dass bei einem Angriff auf Grätz' Forschungen Herrn Siegfried's Herz in Seligkeit schwelgt? Aber alle Seligkeit darf doch den litterarischen Anstand einem Manne wie Grätz gegenüber nicht so weit vergessen lassen, die Forschungen desselben als ״Kapriolen“ zu bezeichnen. Am allerwenigsten durfte man das von Herrn S. erwarten, der kurz vorher (S. 28 des Jahresber.) angebliche Verletzungen des litterarischen Anstandes (durch Herrn Zacher) als ״ergötzliche Ungesohliffenheiten“ rügt. Sind etwa Ausdrücke wie ״Kapriölen“, in Bezug auf einen Grätz gebraucht, ergötzliche Geschliffenheiten? Ueber andere Kleinodien aus .dem reichen thesaurus der Geschliffenheiten des Hm. S. später. Was kann uns dieser, den ״Kapriolen“ des *) Soeben ging uns No. 52. des Jüd. Litt.-Bl. zu, aus deren Schlussnotiz wir ersehen, dass unsere Ahnung und unser Wunsch in Bezug aut' Herrn de Lagarde sich erfüllt. Kr. Professors Grätz gegenüber, als Auswahl, als מובחר מן המובחר, aus den ״die Weisheit Salomon’8“ übertreffen sollenden Oortschen Vorschlägen darbieten.? Man höre: 1) Spr. 1, 3 השכיל (ist wohl nur Druckfehler statt השכל. Kr.) שכל als nomen zu fassen und מוסר zu t * * v v r lassen, so dass zwei nomina auf einander folgen.“ O, wie viel שכל bekunden hier die Herren Oort und — der sich ihm anschliessende — Siegfried! Wer hat dort je, zumal bei Hinblick auf Jerem. 3, 15 und Dan. 1, 17 השכל anders denn als nomen gefasst? Und was lässt sich gegen das fragl. attributive Verhältniss einwenden? Nein, es ist und bleibt מוסר השכל — verständige Zucht ebenso unanfechtbar wie Spr. 21, 16 דרןד השכל — verständige Lebensführung. (Hrn. Oort’s Textkritik war allerdings noch nicht bis Kap. 21 vorgedrungen; oder 8011 auch dort דרך St abs. sein?) Cfr. Ewald, Ausf. Lehrbuch der Hebr. Spr. 7. Ausg. §. 156 c; Gesenius, Lehrgeb. §. 120 Nr. 29. 2) Spr. 1, 5 תחבולות״ als Richtschnur zu verstehen.“ Wie funkelnagelneu! Denn — schon weiland Gesenius hat תחבולות zunächst von חבל Seil, Schnur v v 7 abgeleitet. 3) Spr. 1, 11 צפן״ als Synonym zu ארב zu verstehen.“ Haben wir denn nur fvirklich richtig gelesen? Lesen wir nochmals — abermals-nein, der Vorschlag des Herrn Oort wird nicht anders! Aber ist denn das nicht uralt? Oder hat uns unser Gedachtnisn augenblicklich so ganz und gar verlassen? Wir holen uns die Lexika von Gesenius-Dietrioh, Fürst- Ryssel und Bensew-Letteris, wir lesen einmal, nochmals, abermals, unser Gedächtniss ist uns, Gott Lob, noch recht treu: Die Herren Professores begehen das Jubiläum einer Worterklärung! Doch halt, zurück ins elfte Jahrhundert; zurück zu einem Gelehrten, der allerdings weder Professor, noch Kirohenrath titulirt ward, zurück zu Rabbi Schelomo Jizchaki, genannt Raschi; derselbe bemerkt zu unserer Stelle: נצפנה ל׳מארב. Den beiden gelehrten Herren wird Angesichts dieser uralten Erklärung, die sie für einen funkelnagelneuen Vorschlag ausgeben, doch wohl ein wenig schwül werden. Wir gestatten uns nooh den Hinweis aut Spr. 1, 18 und Ps. 10, 8. Wer lacht nun da? Wir nicht, wahrhaftig nicht, wir schämen uus . . . Das nennt sich moderne, resp. deutsche Wissenschaft, das will die Zunz, die Grätz und andere Zierden der Wissenschaft meistern, resp. gnädig prote- ־’" '* ' " ' ' Novums kichern . . . (Forts, folgt.) Litteraturbericht Recensionen. Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutsch- (and, herausgeg. v. Prof. Dr. L. Geiger. Bd. I. Heft 2. — Braunschweig C. A. Schwetschke & Sohn 1886. (3 M.) Es ist wohl keine Frage, dass Zeitschriften wie die vorliegende vom Standpunkt des jüd. Litteraturblattes aus der allerwärmsten Sympathie begegnen und dass die Neigung zu loben grösser ist, als zu tadeln. Deshalb freut es uns, oonstatiren zu köuneD, dass dieses Heft an Werth das erste überholt und neben dem Fachwissenschaftlichen auch Manches enthält, was durch seinen populären Inhalt sich auch weiteren jüdisohen Kreisen bestens empfiehlt.

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