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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-01 · N° 1. (1.1.1887) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 1. (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— 4 Die erste Abhandlung des Heftes behandelt ,Briefe von, an und über Mendelssohn,“ von L. Geiger und R M. Werner u. liefert einige werthvolle Beiträge zur Kenntniss der Geschichte M’s. und seiner Zeit. Für unsere orthodoxen Zeitschriften, die bei der Säcularfeier Mendelssohns den ״Weisen von Dessau* 80 ganz und gar zu den ihren zählten, dürfte eine Stelle eines bisher ungedruckt gebliebenen Briefes von M. an Henuings von besonderem Interesse sein, in der es heisst: ״Meine Rabbiner sind seither ziemlich stille. Was sie zum Schweigen gebracht haben mag, weiss ich nicht. Bessere Erkenntniss sicherlich nicht Aus einem Brief- Wechsel zu urtheilen, der mir zufälliger Weise in die Hände geratben, scheinen sie ziemlich entschlossen auf keine an der e Geda n ke n k om m en zu wollen. Indessen möchte ich sie weder auffordern, noch lächerlich machen Was hätt’ ich auch davon, wenn ich die Gelehrten meiner Nation verachtlieh machte? Dadurch haben Sie mir einen wichtigen Dienst geleistet, mein theurer Freund, dass Sie mir von hoher Hand Pränumeration verschafft haben. Die Altonaer werden wenigstens dadurch abgehalten, keinen voreiligen Schritt zu thun, ein Buch zu verdammen, bevor sie es gesehen“ etc. eto. (S. 114—115). Dieser eine Brief würde ausreichen, jenes orthodoxe Ammenmärchen gründlich zu zerstören, wenn es gewissen Kreisen überhaupt um ״bessere Erkenntniss“ zu thun wäre. In vieler Beziehung bedeutend ist der mitgetheilte Brief Hennings an Mendelssohn vom 27. April 1782. Es heisst darin: ״In unseren Zeiten sind die Juden, ob sie gleich in einer Art Dienstbarkeit leben, nicht duldsamer und verträglicher geworden, als in der Wüste und in Palästina.So haben Sie auch bei Ihrer Bibel- Übersetzung die Barbarei der Juden erfahren, und wenn man hier einige der angesehensten Juden über die Geschichte des Markus reden höret, so sollte man glauben, dass dem Rabbi in Altona grosses Dnrecht geschehen wäre, weil die Regierung ihn verhindert hat, seinen Gegner zu Tode zu peinigen“ etc. (S. 121.) Wie wenig jene Behauptung der Orthodoxie berechtigt ist, geht auch aus der nachstehenden Briefstelle Friedländers hervor: ״In M.’s Commentar sind herrliche, wiewohl sehr leise Winke für den Nachdenkenden, und es war dreist von M., dass er seinen Glaubensgenossen Eichhorn’s Einleitung etc. empfahl, die über Offenbarung die freiesten Meinungen enthält.“ (S. 131.) Der Schluss dts Aufsatzes wirft einige neue und interessante Schlaglichter auf das Yerhältniss Lavaters und Mendelssohns zu -einander. ״In dem Streite zwischen Lavater und M. war Nicolai der buohhändlerische Vermittler. (S. 133) In einem Briefe Nicolai’s an Lavater bezüglich der bekannten Antwort ״L.’s“ heisst es u. A.: ״Ich unterfange mich nicht Ihnen darin einen Rath zu geben, so sehr ich mit vielen Freunden der Wahrheit wünschte, dass der Streit zwischen Ihnen und Herrn Moses nicht weiter fortgesetzt werde, so wenig kann ich Ihnen abrathen, öffentlich zu sagen, was Sie zu Ihrer Verantwortung für wiohtig halten. Sie sind gewiss gegen Herrn Moses eben so billig, dass Sie ihm nicht verargen, wenn er zu seiner Verantwortung Verschiedenes darauf erinnern muss. Wenn dadurch der Streit erneuert wird, 80 geschieht es gewiss sehr wider seinen Willen. Seine Zeit ist so sehr eingeschränkt, dass er sie aufs Streiten am ungernsteu anweudet, er siehet, dass Sie und er 80 verschiedene Grundsätze hegen, dass Sie kaum recht durch Privaterörterungen, am wenigsten aber durch öffentlichen Schriftwechsel, etwas ausmachen werden, und Sie werden auch merken, dass ihm nach seinen Grundsätzen der Streit so wiohtig nicht ist, als Ihnen nach den. Ihrigen. Er kann viele Sachen dahingestellt sein lassen, die Sie genau erörtert wissen wolleu. Sie wünschten, dass er ferner kein Jude bliebe, er hat aber nichts dawider einzuwenden, dass Sie ein Christ bleiben.“ Characteristisch für diesen Streit ist es, dass Lavater bezüglich seiner ״Antwort“ an Nicolai den Auftrag giebt ״auf der ersten reitenden Post nach Vollendung des Druckes zwölf Exemplare davon an M. zu senden und dass auch nach diesem Streit L. niemals versäumt, Nicolai Grüsse an M. aufzutragen und N. sie in dessen Namen immer erwidern darf. ״ Das war ehrlicher Streit! “ schliesst die Skizze. Die Abhandlung Hoenigers ״Zur Geschichte der Juden Deutschlands im Mittelalter“ ist nur für fachwissenschaftliche Kreise bestimmt, desgl H. Bresslau’s ״diplomatische Erläuterungen zu den Judenprivilegien Heinrichs IV.“ währendjdieKonfiskation der hebräisohen Schriften in Frankfurt a M. in den Jahren 1509 und 1510“ von Dr. .1 Krakauer durch Stoff und Behänd- ( lung in jeder jüdischen Familie Interesse erwecken wird. Wir bemerken bei dieser Gelegenheit, dass über die Bücherconfiscation in Frankfurt a. M. i. J. 1727 Raphael Kirchheim (nach den Akten und Correspondenzen in dem Gemeindearchiv) in uns. Litteraturblatt Jahrg. 1874 NNo. 9, 11 und 12 sich verbreitet. — G. Wolf in Wien bringt aus seiner raiohen Vorrathskammer einen Beitrag ״zur Geschichte der Juden in Oesterreich“ (speziell in Prag), und L. Neustadt einige Notizen über ״die Bedeutung der jüd. Gemeinde in Frankfurt a. M. seit dem 16. Jahrh.“ (S. 190—193). Den Schluss des Heftes bilden ״Miseellen“ von Leop. Löwenstein über ״Memorbücher“, er giebt eine Uebersicht der bereits im Druck erschienenen, u. z. der Gemeinden Wien, Worms (v. Jelliuek), Mainz (Lowe . und Neubauer), Koblenz (Lewin im ״ Litteraturbl. “ I 1881), Pferseee (Perles in Grätz’ Monatsschr. 1873), und setzt nach einer Münchener Handschrift die der Gemeinden Münden (in Hannover), Mecklenburg, Mark Brandenburg fort. Es folgen dann: Kleinere Beiträge zur deutschen Geschiohte aus jüd. Quellen“ von Moritz Stern, und diverse ״Nachrichten“ vom Herausgeber. Wir haben das Heft mit Befriedigung aus der Hand gelegt. An die jüdisch. Lehrer! g 1 Vom Januar er. an soll moi natlich erscheinen: | Paedagogium j fUr die Interessen der israel. Religionsschule. j Ein Mentor für den jüd. Reli ן gionslehrer — unter Redaction , des Bezirksrabbiners Dr. Gold־ schmidt i. Weilburg a. d. I,. — Monatlich ein Heft — Preis pro (Quartal 1 Mark. Das ״Pädagogium“ wird folgende Rubriken enthalten: Pädagogische Abhandlungen. — Methodik für die Disciplinen der jüdisch. Religionsschule. — Unterrichtsproben. — Mitthei• lungen aus der Uellglonsschule. —Recensionen über pädagogische Werke und Schulbücher. Der Umtang wird von dem In• teresseabhüngeu, das die jüdische Lehrerwelt diesem ihr gewidmetenUnternehmen entgegenbringt darum ersuchen wir die Herren Lehrer, baldigst ihre Besteilungen an uns gelangen zu lassen. Exped. d. ״Isr. Wochenschrift.“ Beachtungswerth für Ge׳ lehrte, Dozenten, Candldaten,ן Forscher der hebräischen LI-1 teratur und Verleger hebräl-1 scher Werke. Zur sauberen und geschmackvollen Herstellung Hebräischer Werke zu billigsten Preisen empfiehlt i sich die Buch- und Kunst Druckerei [ von ■ G. Zahn & H. Baendel I Kirchhain N.-L. j Walper’ä Schulbücher: $rbr, 2c!1rrtbunb «rfr*ftU1ri. 7. Rufi., 1p־b. 50 ®f. Xctilla fe^ara jurn elften Heber־ fepimgäunterrid)(, I. ISurf., 7. Rufi, (mit Rnhann: R118 b. ®eutntcud)) fleb. 05 ®j. Uoffelbr 11. (Surfuö. $>ebt\ ®ebetb. für bie 3ußeub mit ®ocabuhu unb!!ramm ®emerf. 5. Rufi. gcb. 1 ID;. 31t belieben burd) J. Kauffmann, ftrnulfuvt a. 9J1. Rnfiditdeycmplate aud) burd) bie ®jpebition bf8־. ölt-5. V crantwort.licher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert F r i es e, Leipzig.

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