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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-01 · N° 1. (1.1.1887) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 1. (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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- 2 - תגעו), doch direct nichts Irreligiöses thun. Für undenkbar aber hält es offenbar der Talmud, dass jemand den Wunsch ausspreche: ״Verbrennt mich nach meinem Tode“, weil er sich damit selber eine im Sinne der Bibel schändende Behandlung wünschen würde, wie sie nach der Bibel nur in schändender Absicht an Leichnamen verübt 7,u werden pflegte. Der Talmud hält einen solchen Wuusch offenbar sowohl subjectiv vom Standpunkte des Todteu für uumöglich, weil אק אדם משים עצמו רשע, als auch im Hinblick auf die Ueberlebenden für eine unmögliche Zumuthung, weil sie eine thätige Verübung der jedenfalls abnormen Procedur verlangt. Auch das אין דרך לשרפו hätte nunmehr keine Schwierigkeit. Der Talmud steht eben, wie ich schon sagte, in dieser Frage ganz auf dem Standpunkte der Bibel, die allerdings vom Verbrennen der Todtengebeine als ▼on etwas Abnormem und Verächtlichem, aber jedenfalls hin und wieder Vorgekommenem redet. So klar es mir nun auch zu sein scheint, dass vom biblisch-talmudischen Standpunkte aus eine Feuerbestattung, wenn auch nicht gerade verboten, doch unzweifelhaft verpönt sei, so möchte ich doch mit den vorstehenden Bemerkungen nur eine litterarische Lösung der Frage gegeben, oder vielmehr zur Herbeiführung einer solchen ein wenig beigetragen haben. Denn ich meine, da weder Bibel noch Talmud ein ganz unzweideutiges Verbot der Todten- Verbrennung ausspricht — darin werden wir ja Herrn Dr. Wiener gewiss Recht geben müssen — und die Verpönung desselben, die allerdings nicht zu leugnen ist, offenbar von der damals herrschenden culturhistorischen Anschauung abhängt, dass Verbrennen eine verächtliche Vernichtungsart sei, so wären wohl noch folgende zwei Fragen offen: 1 Ob in einer Zeit, die in solcher Verniohtungsart nichts Verächtliches mehr erblickt, in der also jenes culturhistorische Moment völlig ausscheidet, das Verbrennen der Todten vom übriggebliebenen rein religiösen Standpunkte aus stattgegeben werden könnte? 2. Ob wir berechtigt seien, unsere Gegenwart für eine solche Zeit zu halten? — Die noch bei weitem überwiegende Aversion gegen Leichenverbrennung möchte eine Bejahung der letzteren Frage wohl kaum begünstigen. Dennoch wird es jeder Wahrheitsfreund für verdienstlich halten, wenn auch solche Fragen in wissensohaftlich-objectivem Geiste geprüft werden. Die Wahrheit kann jedenfalls nur dabei gewinnen. ״Theologischer Jahresbericht für 1885. Federzeichnungen v. Dr. Kroner, Rabb. in Brandenburga.d.H. in. Ein gewisser Herr L. Techen veröffentlichte 1884 seine Inauguraldissertation: eine Beschreibung zweier Göttinger Machsorhandsohriften, die nur 79 Seiten zählt und sich dennoch als cloaca maxima fast beispielloser Unwissenheit und Ueberhebung darstellt. Jeder Kenner der jüdischen Liturgie und der hebr. Grammatik, der das Libell liest, ist starr vor Verwnnderung über die Kunst, auf 80 winzigen Raum so viel Unkenntniss des behandelten Gegenstandes und so viel Dünkel zu concentriren; oft aber weicht diese Verwunderung hochgradiger Heiterkeit, denn an unfreiwilligem Humor ist in dem Büchlein das Menschenmöglichste geleistet. Schon das, was es über ישני TH שני und über eine ״Subscription“ sagt, sowie das grammatische Unikum תחינים statt תחנות muss bei einem auch nur halbwegs gut unterrichteten jüdischen Schuljungen bedenkliche Laohexplosionen erzeugen, geschweige denn bei Männern, welche die jüdische Liturgie und die hebr. Grammatik genauer kennen; so haben wir bei der Lektüre des Büchleins mitten aus unserer Erregung über die masslose Keckheit, womit da über weltbekannte jüdische Gelehrte abgeurtheilt wird, ohne deren Schriften Christen soviel wie Nichts ▼on dar jüdischen Liturgie gewusst hätten, oft helle Thränen lachen müssen Ja, wenn der von uns — anlässlich seines plumpen Versuchs, auch den geweihten Boden der Wissenschaft antisemitisch zu durchseuchen, — heimgewiesene frühere Hilfsprediger und jetzige Gymnasialprofessor Nestle eine der Techensehen ähnliche Leistung von einem jüdischen Doktorauden aufweiseu kann, dann — werden wir zwar noch immer nicht glauben, dass die ״Unverfrorenheit“ nur ״semitisch“ sei, aber wir werden rückhaltlos gestehen, dass in derselben die ״Semiten“ den ״Ariern“ gleichzukomuaen vermögen. Wie urtheilt nun Herr S. über den ״Subscriptions- und Techinimdoktor,“ den seines würdigen Lehrers Herrn Prof. Paul de Lagarde würdigem Schüler L. Techen, der die deutsche Wissenschaft geradezu blamirt hat? Ist ihm und gewissen sogen, (richtiger: sich selbst so nennenden) Leitsternen der Wissenschaft in dem Jahresbericht, der streng objectiv und *־ gerecht, allem Cliquenwesen einer bestimmten Theologenschule fern, lediglich der theologischen Wissenschaff dienlich sein will, gebührend heimgeleuchtet worden? Hat Herr S. dahin mitgewirkt, dass fürder die unfreiwillige Komik jener Litt.eraten, die Lessing so treffend ״Papierbesudler“ nennt, sich nicht der ernsten Wissenschaft geselle, dass der Hoohmuth jener Schriftsteller, die, aut den Schultern der Riesen stehend, sich ungeheuer gross Vorkommen und diese verspotten, während sie in vielen wesentlichen Be- Ziehungen doch eigentlich nur Schriftstehler sind, gedämpft, dass die Wissenschaft berichtigt, aber nicht berüchtigt werde? Gewiss — so gewiss, wie die Herren Siegfried und de Lagarde Juden und Judenthnm gegenüber ein Herz und ein Schlag sind:'^ Bekannt ist in dieser Richtung schon längst die Ge» sinnung des Herrn de Lagarde. Wie angenehm wird ihn der, wenn auch kläglich ausgefallene Versuoh be■ rühren, die wissenschaftliche Ehre seines Schülers zu retten! Man höre und staune über die Wissenschaftliehe Gerechtigkeit des Herrn Siegfried: ״Das Urtheil, welches der Verf. (Techen) bei dieser Gelegenheit über Zunz ausgesprochen hat, dass seine Kritik meist nur ▼on subjektiver Laune eingegeben sei, u. a. (es ist uns nicht leicht geworden, diesen ״wissenschaftlichen“ G—eniestreich zu reproduciren.K.) hat ihm im Theologisohen Litteraturblatt 8 Zu- Stimmung, im Jüd. Litt.-Bl. 24 und 28 und in der Oesterr. Monatsschrift für den Orient 4 und 5 heftige Befehdung eingetragen.“ Nun ist aber die ״Zustimmung“ im Theol. Litteraturbl. (herausgegeben von Luthardt!*) im Grunde ein noch viel beschämenderes Armuthszeugniss für den ״Subscriptions- und Techinimdoktor“ als dasjenige, welches ihm das Jüd. Litt.-Bl. und die Oesterr. Monatsschr. ausgestellt haben. Das weiss und fühlt auch Herr S. und dämm fährt er in gnädiger und zugleich hochweiser — sagen wir nicht: schlauer — Protektorart fort: ״Wir fühlen uns gedrungen, zu erklären, dass wir derartige Urtheile über Zunz, auf dessen Schultern die ganze gegenwärtige jüdisohe Litteraturforschung steht, durchaus missbilligen müssen“. Wie gnädig, nicht wahr? Doch der verewigte Zunz bedarf auch'"^ *I Wie Uerr S. selbst den Herrn Luthardt zeichnet, sei hier nicht einmal angedeutet. Das hindert aber Herrn S. nicht, das Luthardtsche Blatt gegen Juden zu citiren. Kr.

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