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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-12-16 · N° 51. (16.12.1886) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 51. (16.12.1886)
Date
1886-12-16
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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als den ersten der nachsintflutigen Yolksstämme annimmt. Ueber K. Abel and seine ״Einleitung in ein aegyptisch-semitisch - indoeuropäisches Wurzelwörterbuch“ ereifert sich der Herr Jahresberiohterstatter weit weniger. Einmal ist Abel, obgleich Träger eines hebr. Namens, doch als ״Arier“ bekannt; sodann ist seine Schrift von so weltberühmten Gelehrten bereits empfohlen worden, dass es doch recht bedenklich wäre, durch eine abfällige Beurtheilung der Schrift denselben entgegenzutreten. Im Vorwort zu der ״Einleitung“ bemerkt Abel, dass die gleichmässige Anwendung der ägyptischen Laut- und Stammwandlungslehre auf das Ägyptische, Semitische und Indoeuropäische eine ursprüngliche wesentliche Gemeinsamkeit der Wurzeln und der Laut-, Stamm- und Sinnbildungsgesetze in den drei Gruppen ergiebt; und dass die Sondergesetze der drei Gruppen, die nach der Trennung entstanden, demnach als das Sonderleben derselben beherrschend, das ursprüngliche Werden des vorher nach gemeinsamen Gesetzen Gestalteten aber nicht tangirend erkannt werden. Dies wird weiterhin lichtvoll und überzeugend dargethan und meisterhaft begründet. Wir gestehen, dass wir die ״Einleitung“, die uns alsbald nach ihrem Erscheinen zuging, mit tiefinnerer Freude studirt und den Verf. im Herzen beglückwünscht haben, wie wir ihm denn auch hier offen unsere warme Huldigung darbringen. Wer die weittragende Bedeutung solcher Forschungsergebnisse für die Dämpfung der arisch-blaublütigen Mensohenmäkelei und somit für den Fortschritt der Humanität kennt, wird unsere Freude, unsern Dank, unsere Verehrung für Herrn Prof. Abel begreifen. Beim Studium seiner Schrift fühlten wir so recht, wie der redliche Forscher zugleich Priester der höchsten Gesittung ist, und wie gerecht und weise die Vorschrift des Talmud, beim Anblick eines solchen Forschers, er sei Jude oder Niohtjude, einen Segen zu sprechen. — Herr S. findet nichts dagegeu zu erinnern, dass die Grundläge der Vergleichung der semitischen und der arisehen Sprachfamilien die ägyptische Laut- und 'Stammwandlungslehre ist; wir unsererseits haben, wie bereits gesagt, gewiss nichts dagegen zu erinnern. Ja, Herr S. geht in seinem Beifall so weit, dass er die Behauptung wagt, der Unterschied zwischen dem Abel’schen Versuch, eine Brücke zwischen Semiten und Ariern zu schlagen, und den bisherigen Versuchen dieser Art liege darin, dass der Verf. der ״Einleitung“ in seiner Vergleichung systematisch vorgehe. Soweit können wir uns freilich nicht versteigen, wenn wir auf sprachvergleichende Vorarbeiten wie Rudolf v. Räumers bereits erwähnte Abhandlung (in seinen Gesammelten sprachwissenschaftlichen Schriften, Frankfurt am Main 1863), aut seine sechs Broschüren über die qu. Urverwandtschaft, geriohtet an und gegen die Professoren Schleicher und Whitney (Frankfurt am Main 1864 — 1876), sowie auf die gleichfalls schon gedachten Arbeiten von Friedrich Delitzsch und Faulmann zurüokblicken. Will etwa Herr S. alle diese Arbeiten als unsystematisoh bezeichnen? Darf er auch nur die Sprachvergleichenden Abhandlungen von Heinrich Ewald (1861 f. in den Abh. der K. Ges. der W. W. Göttingen Bd. IX und X, aber auch in besondere Abdrücken erschienen) so nennen? Und warum hat Herr S. nicht wenigstens angedeutet, wie viel Gewioht u. A. bereits Champollion in der Grammaire Egyptienne auf die Verwandtschaft des Koptischen mit dem Semitischen gelegt und mit wie viel systematischem Geschick er sie in manahem Betraoht dargethan? Solche, der wissenschaftlichen Gerechtigkeit entsprechenden Andeutungen hätten dem Werk Abels keineswegs Abbruoh gethau. Aber Herr S. scheint eben Arbeiten fraglicher Art nicht sehr hold za sein; darum lässt er auch sein Referat über die ״Einleitung“, die er als allein systematisch gepriesen und als geistreich preist, in der Selbstberuhigung ausklingen: ״Es wird die weitere Ausführung des geistreich entworfenen Werkes abzuwarten sein.“ (Fortsetzung folgt) ilecensionen. Allgemeine Ethik von Dr. H. Steinthal, ausserordentlichem Professor etc. (Forts, statt Schluss.) Zu diesen Abweichungen von Herbart, zu dessen bedeutendsten Schülern uud Vertretern ja Prof. Steinthal, wie Prof. Lazarus, welchem das Buch gewidmet ist, gehören, kommen noch andere nicht minder eiaschneidende. So in der Ideenlehre, dem Fundamente der Ethik nach Herbart. Herbart hat, wie sohon oben citirt, die 5 ethischen Ideen der: Inneren Freiheit, der Vollkommenheit, des Wohlwollens, des Rechts und der Billigkeit; Prof. Steinthal hat dafür: Sittliche Persönlichkeit, Wohlwollen, Vereinigung, Rechtlichkeit, Vollkommenheit. Die Idee der Billigkeit fehlt also bei Steinthal: auch eine Folge des consequenten Rigorismus; das Gute verdient keinen Lohn, es ist selber Lohn und umgekehrt.*) Die Vollkommenheit hat Prof. Steinthal zuletzt, weil er eben spezifisch ethische Gefühle neben den ästhetischen annimmt, demnach die Vollkommenheit sich nur auf die andern ethischen Ideen beziehen kann, die also vorausgehen müssen. Diese Idee ist, wie Steinthal sagt, ״synonym mit der Sittlichkeit überhaupt“ (S. 155). Sie fordert, dass der Mensch immer mehr eine sittliche Personlichkeit werden solle.“ — Die Abweichung von Herbart erscheint an dieser Stelle ganz besonders bedenklich. Jede Idee sohliesst sohon an sich die Idee der Vollkommenheit ein, denn die Idee geht über alles Wirkliche und Unvollkommene hinaus. Wenn daher die Idee der Vollkommenheit sich auf die ethisohen Ideen bezieht, dann ist sie überflüssig, denn jede der Ideen zieht in ewigem Fortschritt den Mensohen an, ohne dass dieser sie je ganz darstellen kann. — Nach Herbart sind die Ideen ästhetischer Natur, und die Idee der Vollkommenheit bezieht sich nicht blos auf ideale Verhältnisse,1) sondern auf Alles, selbst Unsittliches un׳l Unschönes: das grössere Quantum gefällt mehr als das kleinere, wenn jede andere Rücksicht fortbleibt. Dadurch ist Vollkommenheit keine unnöthige Tautologie mit den andern Ideen, was aber bei Steinthal’s Ideeulehre ja zu sein scheint. — Nicht anders steht es mit der ersten Idee der ״innera Freiheit“ oder nach Steinthal der ״sittlichen Personliohkeit.“ Diese Idee bezieht sich auf die Uebereinstimmung der Einsicht mit dem Wollen. Nach Herbart ist nicht blos die ethische Einsicht gemeint■, sondern jede solohe Uebereiustimmung gefällt. Nach Steinthal bezieht sich diese Ueberein- Stimmung wieder nur auf die ethische Einsicht: wir haben also eine zweite Synonymik innerhalb der Ideen, 80 dass also eigentlich nur 3 ethische Ideen übrig bleiben: Wohlwollen, Vereinigung, Rechtlichkeit. Aber da Prof Steinthal das Wohlwollen auch wieder nur auf Förderung in der Sittlichkeit be- *) Man vergleiche hiermit (len Ausspruch Ben Asai’8 in den Sprüchen der Vater iv, 2: ששכר מצוד. מצוה (K.) ל Vgl. Herhart Eusyclopädie der Phylosophie Kap. 5, (Halle 1841 S. 71.) 2. Aum. zu § 44 uud § 52 Anm. zum Schluss (S. 88).

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