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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-12-16 · N° 51. (16.12.1886) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 51. (16.12.1886)
Date
1886-12-16
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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1 - 198 — 9 Wir erklären uns diese etwas dunkle Talmud• stelle in ganz einfacher, natürlicher Weise, ohne irgend welche ״übernatürliche Wunder“ in Anspruch zu nehmen. Die ,Beerdigung“ ist für den Bekenner des Judenthums von zuriefaoher Bedeutung. Sie hat eine negative und eine positive, eine menschliche und eine religiöse Seite. Zuerst verhüten wir durch die ,Beerdigung“, w־as der Talmud בזיון nennt, die ״Schmach“, dass der Leichnam nicht vor unserem Angesichte in Verwesung, in Fäulniss übergeht, das ist die negative Seite. Zweitens aber erfüllen wir durch die ״Beerdigung“ ein positives, directes bib• lisch es Gebot כו קביר תקברנו und bathätigen ein göttliches Wort, die Verheissung Gottes ״denn Staub bist du, und zum Staube wirst du zurüokkehren*) (1. B. M. :U'.l). An dem Tage nun, sagt der Talmud, wo es Israel gestattet war, die vielen Tausende gefallener Krieger der ״Erde“ zu übergeben, dankte Israel dem ״All* gütigen zwiefach: Einmal dafür, dass die Leichen nicht nnbestattet geblieben, also, nicht im Angesichte der Menschen in Verwesung und Fäulniss übergehen, (שלא תברחו) das —ist die allgemein-menschliche Seite: noch mehr dankten sie aber dafür, dass es ihnen gegönnt war, ihrer religiösen Pflicht zu geniigen, und sie, diese unsterblichen Helden, in jüdischer Weise, nach jüdischer Sitte, der biblischeu Vorschrift gemäss bestatten d. h. beerdigen konnten — ,לקבירד WW זהמט־ב. (Easchi Baba bathra 121 b erklärt in diesem Sinne שניתנו להבורה mit שזכו לקב־רה.‘ Wir hollen, Herr Dr. Wiener wird mit unserer Erklärung dieser Talmudstelle vollkommen einverstai ib n sein, obgleich sie von der üblichen, die in שלא הבריחו ein ״übernatürliches Wunder“ erblickt, in etwas abweicht. (Schluss folgt.) Theologischer Jahresbericht für 1885. I'’etler/.cich1mnge11 v. D1-. Kroner, Rabb. in Brandenburga.d.H. II Ungleich mehr 111s die Halbgebildeten und die Biissermann’schen Gestalten, die von diesen Gegenan.-icbten seltener, und zwar nur in Tagesblättern, lesen viel seltener, als sie früher betitelte und unbetitelte Bierredner die Blaubliitigkeit der ״Arier“ verherrlichen hörten — scheuen die Scbulbankgelehrten, welche die Wucht der vielseitigen Begründung dieser Gegeiiansichten tiefer fühlen, die humoristische Beurtheilung, die heutzutage die Ariomanie herausfordern würde. Solche Scheu allein hält die Schnlbankgelehrten ab, die Ai iervergotteruug fortzusetzen und den dieselbe direkt oder indirekt bekämpfenden Forschern ihre Antipathie zu bekunden. Bisweilen jedoch wird es jenen Herren zu schwer, die Gemüthswallung zu bemeistern, wenn sie ihre Lieblingsideen als leere Hirngespinnste erwiesen sehen; und was man nicht offen wagt, das wagt man nach ’) Wir konnten uns kaum einos Lächelns erwähren, als wir sahen, wie sich Herr Dr. Wiener nachzuweisen bemüht, (lass das Wort ״und zum Staube sollst du zurückkehren“ kein hihlisches Geliot ״ei, sonst, meint er, ״würde ja der Talmud die Beerdigung unbedingt zu den sieben Noachidischen Satzungen zahleu“. Sonderbar! Seit wann ist es denn Mode im Juden(hum, den Teilten, Verstorbenen, ״Gebote‘'zu geben! Das Wort ואל עפר תשיב gilt ja von dem Menschen ״ nach dem Tode״. Soll der Todte sich selber begraben? Wie kann bei einem Todten von einem ״Gebote“ die Rede sein? כיח שאדם מת נעשה חפשי מז תמצות! tsabbath 30a), Es ist. keingöttliebes ״Gebot“, sondern ein göttliches ״Wort“, das wir nicht durch eine heidnische Sitte vereiteln, unmöglich machen dürfen. — Wenn wir den Körper gewaltthätig in Asche umgewaudelt — was 8011 dann zum Staube werden?!!! Was zum Staube zurückkehren? der Weise des Vogels Strauss, ja man beliebt nicht selten Andeutungen, welche ״Bände sprechen* — oar on revient toujours 4 ses premiers amours. G. Barzilai und seine ״Jdeografla semitica e trasformazione della radice ebraica nelle lingue indoeuropee“ (Semitische Begriffsschrift — welche nicht Laute, sondern ganze Begriffe durch Schriftzeichen darstellt — und Verwandlung der hebr. Wurzel in den indoeuropäischen Sprachen) glaubt der Jahresbericht durch folgende paaar Zeilen gänzlich abthun zu können: Barzilai unternimmt es, die indoeuropäischen Sprachen vom Hebräischen als gemein- SRmer Muttersprache herzuleiten. Damit ist wohl zur Würdigung genug gesagt Dass wir unsererseits die hebr. Sprache als ״gemeinsame Muttersprache“ zu rühmen kein Gelüste tragen, bezeuge nur ein Passus aus unserm in der Wiss. Beilage zur Augsb. (jetzt Münchener) Allg. Ztg. vom 18. Sept. 1881 veröffentlichten Aufsatz ״Der Talmud und die Farben“, lautend: Demjenigen, der es für profanirend erachtet, auch die heilige Sprache der alten Hebräer als mit den indoeuropäischen Sprachen urverwandt hinzustellen, geben wir zu erwägen, ob dies dem Charakter jener Sprache als der ״Universalsprache der Eeligion“ nicht ungleich angemessener ist, als die gegenteilige Behaupt.ung. Die unbestreitbare und unbestrittene Thatsache, dass die hebr. Sprache ״die Universalsprache der Religion“ ist, gereicht ihr entschieden zu grösserer Ehre, als dass sie ״die gemeinsame Muttersprache“ gewesen sei. Dieser Ansicht waren wir stets und sind wir auch heute noch unentwegt. Wenn indess die qu. Urverwandtschaft feststeht — und sie ist und bleibt trotz aller konversationslexikalischen Plusquamperfaktumweisheit und mancher rassengehässigen Schulbankgelehrtenfabel unwiderleglieh erwiesen — so ist es doch wohl einerlei, ob erneute Forschungen auf dem Gebiete der bezügliehen Sprachvergleichung vom Hebräischen oder — vom Aegyptischen ausgehen; ja, unsere Wissenschaftliehe Befriedigung kann sich nur steigern, wenn verschiedene Forscher, von verschiedenen Sprachen ausgehend, zu der gleichen Wahrheit der qu. Urverwandtschaft gelangen. Denn alsdann erscheint diese herrliche Wahrheit, ohnehin eine gewaltige Satire auf die Eassenjäger des neunzehnten Jahrhunderts, nur noch siegreicher. Aber gewissen deutschen Professoren ist der Ausgangspunkt jener Forschungen nicht einerlei, zumal wenn . . . nun, wenn der betreffende Forscher in der Wahl seines Namens nicht vorsichtig genug war. Wie kann man aber auch nur 80 prononcirt hebräisch heissen, wie Barzilai es ist, und zugleich — nomen et omen — die eiserne Stirn besitzen (man verzeihe diesen Lieblingsausdruck eines deutschen Hofpredigers!), eine wissenschaftliche Wahrheit stützen zu wollen, die gewissen Kreisen anfängt, fürchterlich zu werden. Im Grunde will Barzilai auch seinerseits lediglich diese Wahrheit stützen, und wenn er dabei nicht nur vom Hebräischen ausgebt, sondern auch dieses als ״gemeinsame Muttersprache“ hinstellt, so schmälert das sein Verdienst ebensowenig, wie das Verdienst Rudolf von Räumers und anderer hervorragender Kenner dadurch geschmälert wird, dass sie vorzugsweise das Hebräische zum Ausgangspunkt ihrer Forschungen auf dem Gebiete mehrgedachter Sprachvergleichung genommen haben. Uebrigens ist uns unerfindlich, wie Herr Prof. S. etwas dagegen einwenden darf, wenn er, in der Auffassung von Gen. 10,21 dem ״gründlichen“ Ryssel und zahlreichen andern Gelehrten folgend, Sem als den ältesten Sohn des Noah und die Semiten

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