Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 50. (9.12.1886)
- Date
- 1886-12-09
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492408-5990841-5991180--1068-5368327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
195 — Tyrus, Ebedmeleoh, der Retter des Jeremias, Bytia, die Tochter Pharao’s, lebend in das Paradies eingingeu. Der Tod als Sändenstrafe ist aber auch zugleich in der Stufenfolge von Reue, Versöhnungstag und Schmerzen das wirksamste Sühnemittel. Alle Sterbenden werden durch den Tod entsühnt heisst es in Sifre (שלח לך Pi8ka 112) und je mehr Leiden mit dem Tode und mit dem Begräbniss verbunden sind, desto wirksamer ist die Sühne. (Synhedrin 47 a). Das führet uns zum eschatologischen Begriff der Sühne überhaupt. (Fortsetzung folgt.) Litteratu!־bericht. Kecensionen. Maier Schlesinger, Salomon Spitzer, Nauka religii mojzeszowej w szkole ludowej czeso I ulozyli i napisali. (Iur. Religionsbuch in poln. Sprache.) Der immer steigende Aufschwung, den das Volks- Schulwesen im allgemeinen in unserm Kronlande innerhalb der letzten zwei Dezennien erfahren, und die daraus resultirenden Errungenschaften liefern unleugbar eiu beredtes Zeugniss der Kulturbestrebungen der Jetztzeit, und sind wohl geeignet, jeden Schul- und Jugendfreund in weitester Bedeutung zu befriedigen, umsomehr, wenn der Umstand ins Auge gefasst wird, dsss, gegenüber den deutschen Provinzen der Monarchie, uusere galiz. Jugend die mühevolle Schwierigkeit zweier, im östlichen Theile des Landes sogar dreier Sprachen zu überwinden hat Desto tiefer und schmerzlicher muss unwillkürlich die traurige Wahrheit Denjenigen berühren, der für sein echtes Judenthum Herz und Gefühl besitzt, dass gerade der hervorragendste und wichtigste Gegenstand, die Religion, wie mit Absicht in den Hintergrund gedrängt wird, und kann dem Bedauern nicht genug Ausdruck gegeben werden, dass die meisten galiz Gemeinden so wenig, ja fast gar kein Gewicht dsrauf legen, dieser immer weiter um sich greifenden Krankheit mit Energie zu begegnen. Die Kultus- Vorstände haben noch lange ihrer heiligen Pflicht nicht Genüge gethan, wenn sie aus dem Gemeindesäckel, blos der behördlichen Vorschrift Rechnung zu tragen, zur etwaigen Vertretung des Religiousunterrichtes jährlich irgend eine Summe aussetzen, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob der betr. Vertreter zur Leitung eines so hochwichtigen Objectes auch die erforderliche Qualifikation besitzt, oder sonst die Leistungen eines solchen Unterrichts zu controliren und zu prüfen, in Ermangelung einer behördlichen Controle, welche in der Regel durch den k. k. Schulinspektor der christlichen Religion zu Tbeil wird Während unsere Glaubensgenossen in Deutschland, die hierzulande in Sachen der Religiosität verschrien werden, alle Anstrengungen machen, selbst in den unbedeutendsten Gemeinden Religionsschulen zu gründen, Lehrerversammlungen zum Zwecke der Verbesseruug des Lehrplanes von Zeit zu Zeit berufen u. s. w., scheinen unsere sogenannten ״Frommen1• in Galizien dafür weder Sinn noch Gefühl zu haben und lassen ihre Kinder entweder ganz ohne jegliches jüdische Wissen heran wachsen, oder betrachten im günstigsten Falle das alle Moral und gute Sitte verderbeude ״Chedor“ dafür als entsprechendes Aequi valent, welches doch nichts weniger als eine Religionsschule repräsentiren kann. Es würde uns zu weit führen, wollten wir hier eine Untersuchung vornehmen, um genau auf die Spur dieser misslichen Verhältnisse zu kommen, und das Uebel an der Wurzel zu fassen; jedooh dürfen hier zwei wichtige Momente nicht unerwähnt bleiben, welche unseres Erachtens schwer in die Waage fallen dürften. In erster Linie liegt, wie bereits erwähnt, ausser in wenigen Volks - und Mittelschulen des ganzen grossen Kronlandes der Religionsuntericht in den Händen unberechtigter, unberufener Lehrer, die weder die gesetzliche Ermächtigung zum Lehrfache besitzen, noch es verstehen, den Gegenstand nach pädag.-didaktisehen Normen zu behandeln, das Gemüth der Jugend für die heil. Lehren der Religion zu erwärmen und ihr dieselben durch belehrende Beispiele zu beleuchten und interessant zu machen; — noch weniger beherrschen sie den Ausdruok der Landessprache, die doch einen wesentlichen Faktor beim Vortrage gerade dieses Gegenstandes bildet, da der Lehrer doch nur durch die fertige Gewandtheit des Ausdruckes sich dem Kinde verständlich zu machen und ihm die erhabenen Religionslehren zu Gemüthe zu führen vermag. Da nun in den galiz. Schulen gesetzlioh keine audere, als die polnische Unterrichtssprache zulässig ist, so kann der Lehrer beim besten Willen unmöglich das erwünschte Ziel erreichen, weil er durch Unbeholfenheit des Ausdruckes nicht selten Gefahr läuft, von den Schülern dadurch ins Lächerliche gezogen zu werden. Die Kinder verlieren selbstverständlich jede Achtung vor dem Lehrer, somit auch vor dem Gegenstand. In zweiter Richtung dürfte der Mangel an geeigneten Hiilfsbüchern für den Lehrer wie für den Schüler viel dazu beitragen, dass der Religionsunterricht so weit von dem eigentlichen Ziele Zurückbleiben muss. Die Kinder müssen, gleichwie bei andern Lehrfächern auch liier ein Buch vor sich haben, durch das ihuen die Möglichkeit geboten wird, bei häuslicher Wiederholuug das Gelernte gehörig zu erfassen und iu sich autnehmen, und wenn schon hie und da auf diesem Gebiete manches versucht wurde, so war dies zumeist eine ungenügende, gebrechliche Uebersetzung irgend eines unbrauchbar gewordenen, veralteten Katechismus, wie er noch gegenwärtig in Krakau im Gebrauche steht, oder sonst die schwere Geburt eines dieses Faches unkundigen, unerfahrenen Schulmannes, der dem Mangel nur zeitweilig abzuhelfen sich gedrängt sah. Mit um so freudigerem Gefühle müssen wir das uns vorliegende, etwa 8 Bogen starke Büchlein begrüssen, welches in Bezug auf Form und Inhalt den unteren Klassen der Volksschule vollkommen entspricht. Die Herren Autoren haben bei der Abfassung des Werkchens die rationelle didaktische Lehrweise im Auge behalten und sich möglichst an die bibl. Erzählungen angelehnt, aus denen sie in geschickter Weise die erhabenen Religionslehrsätze entwickeln, wodurch das Büchlein auch dem Lehrer ein guter Wegführer ist. Es beginnt mit der Sohöpfungsgeschichte und endigt mit dem Dekalog, dem der hebr. Text an die Seite gestellt ist. Das Ganze ist mit den nöthigen Belegstellen aus dem Urtexte versehen. Am Ende jedes Abschnittes, deren es 45 enthält, folgt zum bessern Verständnisse eine in katechetischer Form gehaltene Besprechung des Pensums zwischen Lehrer und Schüler, wodurch das Gelesene dem Gedächtnisse des Kindes sich besser einprägt. Ebenso schliesst jeder Abschuitt mit poetischen Denk- und Sittensprücheu, die viel zur Veredelung des jugendliehen Herzens und Gemüthes beitragen. Möge den verdienstvollen Verfassern die allgemeine Theilnahme und Anerkennung nicht ausbleiben und sie zur weitern Thätigkeit auf diesem Felde, zunächst zur baldigen Herausgabe des 1L Theiles dieses nützlichen Schulbuches erinuthigen. A. W. Ozerowicz, Schulinhaber iu Kzeszdw (Galizien.)