Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 48. (25.11.1886)
- Date
- 1886-11-25
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 187 duroh einen von oben nach unten gehenden Haken links von den beiden יי bezeichnet ist. Hinsichtlich der Vooali* *ation unterscheidet man deutlich zwei Schreibungen mit verschiedenen Dinten. Die eine ältere scheint nur in den Vocalen - und T, die zweite jüngere in den Vocalen ״,?, in den Schewa’s, Ch itef s und in der Dageschirung bestanden zu haben, während das Rafeh-Zeichen consequent bei allen בגדכפת Buchstaben gebraucht ist. Während die ältereu Vocal- Zeichen fast durchgängig links vom Buchstaben stehen, stehen die jüngeren gerade unter ihm. Merkwürdig ist, dass das Zere an einzelnen Stellen steht, wo wir ein Segol erwarten, wie ,אל השמים, אל מכון, ופשע, ויראה יעלה, שהחיינו, ja sogar statt eines Kamez, wie in ונתתם; dass ein Patach gebranoht ist, wo wir ein Kamez erwarten, wie bei ,יי, העולם, עלינו, בך, לך, שמעת, פשעו חטאו, הרחמים, לאלפים. ישראל, המבורך, und ein Kamez, wo wir ein Patach erwarten, z. B.: היום, אפים, קיימין ja sogar משפטים statt משפטם , oder gar דאיחרטנא; dass die Scriptio plena angewendet ist in ,תפילת, מלכינו קולינו, בטילין, כיפור, תחינתם statt לא ein לא stehe. Die Punctation von verschiedenen Händen deutet nicht nur die verschiedene Dinte an, sondern der Umstand, dass עבדיך unpunktirt ist, dass u. A. הטובה הסליחות, וסלח, הנח, השמים keinDagesoh chasak haben, während in המברך, התפלה das ,ת u.מי ja ein solches haben, ebenso in לגר das ג» Oder sollte auch hier der zweite Punctator selbst eine Regel angewendet haben? Denu in לזמן fehlt das Dagesch im ז; ferner zeigen auf eine von Verschiedenen ausgeführte Punctation die Worte ת־נונינו mit Chatet unter אלהינו, ח mit Chatef, ebenso הרחמים, אלוה, אשר, עבדיך, — während וריחמום, אשמות kein Chatef haben, abgesehen davon , das die Vooale andere Dinte zeigen, als die vor ihnen stehenden Sche.va’s beziehungsweise Chatef’s. Man sieht hier grammatische Auffassungen, die auch im Tosiftacodex ihre Analogien haben, und auf welche Herr Dr. Berliner in seinem Werkchen über die Massora zum. Targ. Onkelos S. 127 Anm. 6 hinzuweisen scheint und deren nähere Erörterung er dort in Aussicht stellt. Ganz Aehnliches findet sich auch in dem von Dr. Jaraczewsky in seiner ״Geschichte der Juden Erfurt’s“ in Nota L näher beschriebenen Codex vom Jahre 1142. Auch habe ich diese Erscheinung auf einem andern Fragmente hierselbst beobachtet. Wir sehen, dass wir es hier nicht mit Fehlern des Copisten, sondern mit einer Nüanoirung unseres Vocalisations- und Interpunctionssystems zu thun haben, an welchem sich die Einflüsse des tiberianischen und babylonischen Systems erkennen lasseu und welches doch keines von beiden ganz ist. Die Grammatiker unserer Zeit erwähnen, soweit es mir bekannt ist, dieses System nicht, und somit gewinnen diese zwei Pergamentblätter eine Bedeutung für die grammatische Wissen- Schaft. Nicht minder interessant ist aber das Blätterpaar in ritue 11er Beziehung. Nicht nur, dass וידבר משה da steht und כי ביום הזה nicht, sondern noch Anderes. Das eine Pergamentblatt bildet offenbar den Anfang der ־ כל נדרי Liturgie, aber es fehlt der Ritus von על דעת המקום וכי; die Lesart des כל נדרי ist die des רבנו תם, wie ihn die Tossafot zu Nedarim angeben,1) l) Tosaf. Nedarim zum fol. 23 b aut fol.öOa, ,תדרנא ודאחרטנא, Ascheri erwähnt auch דאישתבענא\ Nur hat Aschen איחרטנא und nicht דאיחרטנא Wie unser Manuscr. Zu Joma bringt Ascheri die Lesart אחרטנא ohne י nach dom א. Der Tur in Tit. 619 dagegen hat die Lesart דמישתבענא! und איחרטנא, Beth Josef aber das. די נדירנא und דמיש תבענא der לבוש hat auch דאישתבענא, er tadelt aber diese Lesart es ist genau angegeben, dass man 3 כ״נmal sage,*) dann folgt ברכו, (4שההיינו, (*ונסלח bis המברך. Das שמע u. die תפלה sind nicht anfgeschrieben, aber bemerkt, d ass man mit ופרוס ’) schliesst, וידבר*) sagt, und wenn 68 שבת ist-, auch ושמרו,‘) dann ז,ת׳ שבע. (‘קדיש) die ודוי•) u. wenn es שבת ist ויכלו•) bis מקדש השבת sagt. Darauf folgt יעלה in der Lesart des deutschen Ritus bis 0׳.פדיונינו עד ערב) (Schluss folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Allgemeine Ethik von Dr. H. Steinthal, ausserordentlicher Professor für allgemeine Sprachwissenschaft etc. Berlin. Georg Reimer 1885. Steinthal, der Meister der Linguistik und Psychologie, hat nun den Kranz seiner ruhmvollen Leistungen für die Wissenschaft mit einer neuen Perle bereichert. ״Logik, Psychologie und Grammatik* war eines der ersten und bedeutendsten Werke Steinthals, und obgleich die Sprachwissenschaft später sein Spezialfeld wurde, so haben Logik und Psychologie, wenn auch nur als dienende Mägde, dennoch stets die werthvollsten Beiträge von demselben erhalten, besonders Psychologie, die durch die sprachwissen- und schlägt eine andere vor und zeigt dabei, dass er die aramaischen Conjugationrtormeln der 1. Person Plur. nicht kennt. Auch ,הנהוח מ liest דנדרנא• Die commentatoren מנן דוד und עטרת וקנים erklären die Formen aberjohne sichere Kenntniss des Aramäischen. Heidenheim hat in seinem מחזזר di« Lesart דנדרנא U. s. w festgehalten, glaubt aber, dass auch diese nicht die des ר״ת sei; diese hatte די נדרינא u. ודמשתבעינא lauten müssen. Unser Manuscr. hat also die Lesart derTosatoth und punktirt דנדרנא. *) Zuerst vom רא״ש zu Rosch haschana erwähnt. *) Aber ohne בכתוב. Zuerst vom מהר״ם ראטענבורג erwähnt. Auch dies zeigt auf eine Schreibung des Manuscr. zur Zeit dieses Gelehrten oder kurz nach ihm er starb 1293); mit ככתוב wird es schon von R. Saadiah erwähnt, sogar von R. Amram. *) Zuerst von Gaon R Paltoi in Pumbadita (842—858) erwähnt (siehe Sid. R. Amram). Dass man diese Eu'.ogie vor ברכן sagt und nach כל נדרי wird zuerst von R. Amram Gaon (889—889 nach Grätz, 846 -864 nach Sed. had.) erwähnt. •) Der Schluss mit פרם סכת שלום zuerst von R. Amram Gaon erwähnt (S. R. A. I. 25 u. 47). ‘1 Dass mau ושמרו am שבח sagte, wird zuerst von R. A. Gaon erwähnt (S. R. A. I. 25). Von וידבר selbst an den 'ימים טובי berichtet diese (Quelle Nichts. Aber sie sagt, dass R. Natronai erklärt habe, das Abendgebet sei nach Raw nur רשות, und deshalb hätten die Späteren nach שומר ישרי noch Bibelverse, welche שבחות ושמירות enthalten, eingeführt, aber am שבת hätte man diese der Gefahr wegen nicht gesagt. Demnach bestand schon damals in vielen Synagogen die Sitte , am שבת die Verse ושמרו zu sagen. Von den Versen תקעו und כי ביום הזה habe ich als erste Erwähnung eine Notiz im דרכי משה von R. M. •Tsserles (gest. 1573) zum Tur 582 gefunden. Sein Schüler R. Mord. Jaile spricht in dem Lewusch § 267; 582 619 ausführlich davon, u. R. Josua Falk gest. 1615 im דרישה bespricht es genau, aber wie von einer alten Sitte. Mir scheint, dass unser Manuscr. das älteste vorhandene Zeugniss ist, dass man überhaupt des Abends וידבר sagte. •) Dieses קדיש ist schon von R. Amram erwähnt. י) Dass das Siebengebet gesagt wurde, ist uralt (Tos Joma ed.; Zuckermandel p. 191), aber die Beschaffenheit der einzelnen Eulogien ist sehr verschieden gewesen. Da unser Manuscript aber sie nicht einzeln nennt, so unterlassen wir eine nähere Beleuchtung. •) Erwähnt im Siddur K. Amram; am frühesten in Tosifta Joma ed. Zuckermandel p. 191. ’) Ebendaselbst (Sid. R. Amrain). 10) Die früheste Erwähnung desselben im Mordechai (p. 1289) bei Hilch. Jom. hak,, aber ohne genauere Angabe des Wortlautes der einzelnen Strophen. Im liag, Maim. zu Ramb. hil. thelilla wird der יעלה aber in der im polnischen Ritus üblichen Strophirung und Lesart angeführt.