Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 48. (25.11.1886)
- Date
- 1886-11-25
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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in seinen Studien über indogermanisoh-seinitische Wnrzelverwandtschaft; Victor Ryssel, der von Herrn S. selbst (S. 22 des Jahresber.) als ״gründlich“ geprifsen wird, und der im Schlusswort des von ihm neu bearbeiteten hebr. und chald. Fürst’schen Wörterbuchs in Uebereinstimmung mit Fürst und Friedrioh Delitzsch (und — mit Gen. Cap. 11) schreibt, es müsse als gesichert angesehen werden, dass ein enger Zusammenhang zwischen den Urbestandtheilen der semitischen und indogermanischen Sprachen vorhanden ist, und das sorgiältige und sprachlich gesicherte Material, das Friedrich Delitzsch in seinen qu. Studien zusammengestellt habe, werde auch manchen bis dahin Zweifelnden zur Ueberzeugung gebracht haben, sicherlich werde sich bei fortgesetzten Forschungen ein noch viel reicheres Material ergeben; Karl Faulmann, der in seiner Illustrirten Geschichte der Schrift seine Ansicht von der Einheit und ursprünglichen Gemeinsamkeit aller menschlichen Kultur (Vorwort S. VIII.) erhärtet, S. 79 und 100 erweist, dass Arier und Semiten ein und dasselbe sind, und dazu S. 626 bemerkt, es sei unbegreiflich, wie die Philologen einen Unterschied *.wischen Arier und Semiten annehmen konnten, denn stützten sie sich auf die biblische Tradition, so konnte von Ariern, welche die Bibel nicht erwähne, keine Rede sein, sondern nur von Semiten, Chamiten und Japhetiten, die letztem aber, welche ״die Inseln bewohnten“, waren eher Schiffer als Hirten. Kein unbefangener Forscher wird jetzt mehr bestreiten wollen, dass die Juden, wie die Germauen, der kaukasischen Rasse angehören. Prof. Faulmanu’s Geschichte ist übrigens das Werk eines emsigen und redlichen Forschers, der, wie wir den Rassenjägern gegenüber betonen, ebensowenig ״Semit“ sit, wie Rudolf v. Raumer, Friedrich Delitzsch, Victor Ryssel. Stimmen wir auch nicht allen Darlegungen Faulmanns bei, so bleibt uns doch, so oft wir sein Werk studiren, stets noch eine so reiche Fülle anregender Ideen übrig, dass wir dem Verf. für seine Gabe uns tief verpflichtet fühlen. Der Grundsatz: ״ מקכלין האמת ממי שאמרוman nehme das Wahre ▼on Jedem an“ ist auch der unserige. Dem Juden 8011 jede Wissenschaft — freilich die eine in höherem Grade, als di6 andere — heilig sein, denn jede redliche Forschung, mag sie auch von mancherlei Irrthümern begleitet sein, trägt zur Ergründung der Wahrheit bei, und ״die Wahrheit ist das Siegel Gottes“, wie der Talmud sagt. Wir unsererseits müssen zu der Behauptung Faulmann’s, dass die Bibel die Arier nicht erwähne, bemerken, dass wir den Namen Ar ieir in Ar am (Hochland, Höhenbewohner) wiederzufinden glauben. Die organische Wurzel von Aram ist ara hara — hoch sein, das Mem finale modifizirt hier, wie oft, den Wurzelbegriff. Atier (im Sanskrit: Arya, d. i. Hohe, Erhabene, vergl. goth. ara, mhd. ar Aar hoc 11 fliegender Vogel) nannten sich selbst die drei obern Kasten der alten Inder, die von den Gebirgslandschaften im N. W. Vorderindiens herab sich über gauz Ilindostan verbreiteten. Denselben Namen legten sich auch die ältesten Perser (in dem Zendavesta: Airya) und andere Völker bei, wie sich denn auch derselbe in den geographischen Namen Aria und Ariana, Jran (Zend Airyana) und Jrak, dem bibl. Elam (Send: Airyama) etc. kundgiebt; Fürst-Ryssel s. v. הרא (Bergland) bemerkt, dass dessen urspr. Bedeutung als aussersem. Wort Arien gewesen, wie im Alterthum (Her. 7,62) Medien hiess. Wir behalten uns vor, aut diesen etymologischethnographischen Gegenstand an anderer Stelle zurückzukommen, und heben nur noch hervor, dass wir uns im Grunde mit Faulmanu in Uebereinstimmung befinden, und wir beide mit der Schrift, die Gen. 10,22 Aram als einen Sohn Sems bezeichnet. Zu ähnlichen Ergebnissen, wie die gedachten Männer der Wissenschaft, gelangten viele andere bedeutende Sprachgelehrte, sowie namhafte Geschichts- und Naturforscher. Felix Da hu führt im Vorwort seiner Deutschen Geschichte aus: In fernster Vorzeit lebten alle diese Völker (Germanen, Inder, Perser etc.) ungeschieden nebeneinander in Asien .. . Die in jüngster Zeit wieder vertheidigte Annahme europäischer Ursitze für alle Arier ist unhaltbar. Ueber die längere oder kürzere Zeit der Lebensgemeinschaft, sowie über den gemeinsamen Kulturgrad, welchen die Völker vor ihrer Trennung bereits gewonnen, verbreitet. Licht die vergleichende Sprachforschung. Bekanntlich war es für Darwin nicht im mindesten zweifelhaft, dass alle sogen. Menschenrassen von einem gemeinsamen Stamme herrühren. Gerhard Rohlfs meiute in einem Vortrage über die Kolonisation von Ostafrika, dass jene Ansicht Darwins heutzutage wohl kaum mehr Gegner haben wird. In der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte, die im Sept. 18S4 zu Magdeburg abgehalten wurde, hielt Prof. Kirohhoff aus Halle einen Vortrag, der mit dem lebhaftesten Interesse aufgenommen und als bahnbrechend bezeichnet worden ist, über den Darwinismus in der Völkerentwickelung; in diesem Vortrage sagte er unter anderem Aehnliohen: Die Alten 'glaubten an Autochthouen, an seit ewigen Zeiten in dem Lande, das sie bewohnen, lebende Ureinwohner; heute wissen wir, dass es nirgends Autochthonen giebl, dass alle Völker in die Länder, welche sie bewohnen, eingewandert sind. — Gegenüber solchen Forsohungsresultaten aus solchen Gelehrtenkreisen wurden nachgerade die schellenlauten ״arischen“ Bramarbasse etwas kleinlaut. Wir erinnern uns da an ein Erlebniss aus dem Jahre 1883. In einer Gesellschaft mehrerer Juden und Christen befand sich auch ein, wie man später erfuhr, verkappter Antisemit, einer der ״ Arier mit der Devise: Unverschämtheit.“ Das Gespräch kam auf die übereifrigen jüdischen Palästinafreunda, die sogen. Nationalisten, welche die Auswanderung der von der ״praktischen Liebesreligion“ unterdrückten Juden nach Palästina um jeden Preis betrieben. Wandern Sie nicht mit nach Ihrem Stammlande Asien aus? fragte wie zum Scherz der Antisemit seinen jüdischen Tischnachbar. Dann müssen Sie mich begleiten, denn auch Ihr Stammland ist Asien, erwiderte dieser. Die Ursitze der Arier, meinte der Bramarbas, sind in Europa zu suchen und zu finden. Das glauben aber, versetzte der Jude mit Hinweis auf Felix Dahns und anderer Koryphäen Gegenansichten, gewisse ״Arier“, die mehr als wir beide zusammen wissen, keineswegs . . . Tableau! (Fortsetzung folgt) Zwei Pergamentblätter der Königlichen Bibliothek zu Erfurt. Von Dr. Th. Kronor in Hannover. (Fortsetzung von No. ■10.) Sehen wir uns den Text der Schreibweise und Vocalisation noch genauer an, so firnleu wir, dass der Ductus der Buchstaben etwas schräg ist, die Mitte haltend zwischen eckiger und runder Schrift, das ח sich fast gar nicht vom ה unterscheidet, und an der linken Ecke oben eiuen dornigen Aufstrich hat, die Verbindung von א und ל durch ein von demunsrigen abweichendes besonderes Zeichen, der Gottesname