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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-11-25 · N° 48. (25.11.1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 48. (25.11.1886)
Date
1886-11-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Litteratur-Blatt. Zar Beieaefetaag aller Jideitke■ •ad Jade■ betreffend•• lltterarlsehea Er•!ehelaaagea aaf dem Gebiete der Phile• •ophle, Geechlchte, Etfcaograpbl•, Theo• logli, OrleaUIla, Exegeae, Bomfletlk, Lltarglk, Pidagogik. Herausgegebeu von Rabbiner l)r. Moritz llahmer. 9Tt׳a^9e6nt^, 25. 0£׳ovew6^ 1886. Bleher der elMBehligigcn Mtteratur,we)cl1 •er Kedaet:0N zageeandt werden» finde■ |a diesem Blatt« eingehende Besprechung* Bei Einsendung ron *wel Beeenslon•• Exemplaren erfolgt einmalige knrse Gratis'Ins'.rtlon. Das «yJ8dlsche erscheint wöchentlich in einem halben Bozen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig hei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark• Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanetalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 85Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit IS Hark! berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Dm* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten ‘23 yi Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Theologischer Jahresberieht für 1885. Federzeichnungen von Dr. Krön er, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. — Zwei Pergamentblätter der Königlichen Bibliothek zu Erfurt. Von Dr. Th. Krön er in Erfurt. (Fortsetzung.) Litteraturbericht: Recension: Allgemeine Ethik von Dr. H. Steinthal, ausserordentlicher Protessor für allgemeine Sprachwissenschaft etc. Nachdruck nur mit ־voller Quellenangabe gestattet. Theologischer Jahresbericht für 1885.*) Federzeichnungen v. Dr. Krone r, Rabb. in Brandenburga.d.H. I. Ein neckisches Geschick waltet seit längerer Zeit über unserer Recensenteupflicht: Kaum haben wir die ״Gedanken eines Juden“ beleuchtet, erhalten wir ״Zwei Briefe“ der Leipziger Firma ״Institutum Judaicum“ mit dem Ersuchen, dieselben zu charakteri-ireu; und schon glauben wir, dass nun genug sei des grausamen Spiels — geht uns der rubricirte Jahresbericht zur Besprechung zu. In diesem schauen wir uns nach Durchsicht des angefalteten panegyrischen Prospects des Herausgebers und der Verlagshandlung (Georg Reichardt in Leipzig) selbstverständlich vor Allem das uns am meisten interessirende erste Referat, das des Herrn Prof. Siegfried über die Litteratur zum A. T., erwartungsvoll an; aber wie oft finden wir uns herb enttäuscht, wie oft entschlüpft uns unwillkürlich das Wort: Ein nettes Trifolium! Denn Herr Prof. Siegfried zeigt sich in dem gen. Referat, narnentlieh in Bezug auf Juden und Judenthum oft ebenso wissenschaftlich, ebenso vorurteilsfrei, und ebenso human wie die eigentlichen Verf. der ״Gedanken“ und der ״Briefe“. Si qua est ea gloria — kann und wird Herr Prof. Siegfried auf seine Meister- und Musterleistungen stolz sei. Nach dem Prospect soll allerdings der Jahresbericht den Charakter strenger Objectivität und Gerechtigkeit tragen, allem Cliquenwesen einer bestimmten Theologenschule fernstehen, lediglich der theologischen Wissenschaft dienen, und dergleichen mehr schöne Qualitäten aufweisen. Wie unschöne Qualitäten indess in dem Beitrage des Herrn S hervortreten, mögen einige Federzeichnungen darthun, die in ein Gesammtbild zusammenzufassen, wir den gesch. Lesern überlassen. Wir schliessen uns der Reihenfolge der bezüglichen Bemerkungen des Herrn S. an. Den ersten und einigen späteren Verdikten seines *) Redigirt von Prof. Lipsius unter Mitwirkung des Prof. Siegfried in Jena für die Litteratur des A. T. Referats müssen wir ein paar Kleinigkeiten über den Rassenschwindel voranschicken. Bei aller epischen Breite und doctrinären Grossspurigkeit, mit der gewisse Schulbankgelehrte unserer jüngsten Vergangenheit über das sogen. Arierthum gesprochen und geschrieben, haben dieselben der Welt nichts als böotische Trugbilder geboten, welche freilich die urtheilslose Masse bereitwilligst sich aueignete. Was ist da nicht alles phantasirt worden! Es widerstrebt uns, das wirre Durcheinander, das bunte Gemisch all jener Pbantasiegelilde auch nur flüchtig zu skizziren. Nur Eins war klar in dem ganzen Dunkel: die Absicht, die ״Arier“ zu verhimmeln und die ״Semiten“ zu verdammen. Der Dünkel, mit dem selbst katilinarische Existenzen, stolz auf ihre ״arische“ Abstammung, die ehrwürdigsten nieht״arischen“ Gestalten aller Zeiten und Länder beurtheilten, kontrastirte in geradezu tragikomischer Weise mit dem Spott, den jene Existenzen in demselben Athemzuge über die Bezeichnung Israels als ״auserwähltes Volk“ ergossen. Der hiergegen von verständigen Juden und Christen erhobene Einwand, dass jene Bezeichnung Israel nur als Träger der Idee des Monotheismus, d. i. der Gottes-, der Menschen- und der Welteinheit hinstelle, dass Israel nur das auserwählte Volk des Erhabenen in der Religion, und zwar in dem Sinne, wie der hellenische Stamm das auserwählte Volk des Schönen in Kunst und Wissenschaft heisse, dass jene Bezeichnung von der hebr. Bibel und Liturgie (־ בנו - ונתן לנו אתTD תורתו) und von der Geschichte gerechtfertigt werde — dieser Ein wand blieb unbeachtet. Das ״arische“ Korybantenthum feierte sich immer wilder als allein auserwählt und allein befähigt zu allem Vortrefflichen und trieb eine so unsittliche, religionslose Menschenmäkelei, wie sie wohl einzig in der Kulturgeschichte dasteht. Mau wies bei der rasenden Sei bstbeweihräucherung hin auf ״die Aussprüche der Gelehrten über das Arierthum.“ Das Licht siegt aber doch endlich über die Finsterniss, das Urtheil über das Vorurtheil. Was hervorragende Forscher, wie Sohelling, Bimsen, Heinrieh Ewald, bereits gefühlt und erklärt hatten, (lass nämlich ein letzter Zusammenhang sämin! lieber Spiachen und Kulturen überhaupt bei allen Eigenthümlichkeiten der einzelnen aus unsere gesummten näheren Erkenntnissen hervorleuehtet, dis haben aildere Forscher ersten Ranges begründend dargethan: Rudolf von Raumer m seiner bislang unwiderlegten und auch wohl unanfechtbaren Abhandlung über die Urverwandtschaft der semitischen und der indoeuropäischen Spraohen; Friedrich Delitzsch

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