Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 47. (18.11.1886)
- Date
- 1886-11-18
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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183 — •von Bestattung gegenüber lehrt das Judenthum: ״ כי קל1ר תמכרנו־Du musst den Todten beerdigen!“ Also nicht ״um Bestatten und Unbestattetlassen,“ sondern um die zwei Arten von Be- •atattung, — um die jüdische und heidnisoh-persische Art — handelt es sich in der Abhandlung des Talmud, und es unterliegt gar keinem Zweifel, wäre damals bei den Heiden in Babylonien die ״Feuerbestattung“ üblich gewesen, der Talmud hätte mit derselben Schärfe und Entschiedenheit die heidnische Feuerbestattung bekämpft, weil es in der Bibel heisst: "בי קבור תקברנו» du sollst den Todten beerdigen. — Gälte es im Talmud blos ״die Unterlassung der Leichenbestattung überhaupt* zu bekämpfen, dann wären ja die Fragen des Herrn Dr. Wiener vollkommen gerechtfertigt. — ״Wozu erst beweisen, dass man einen Todten bestatten müsse, lehrt das nicht die Noth und der Verstand?“ Allerdings! Die Noth und der Verstand lehren aber nur, dass man einen Todten ״bestatten“ müsse, aber nicht die Art und Weise, wie man bestatten soll, ob ״verbrennen“, den Vögeln aussetzen oder ״beerdigen.“ Die Menschen denken sehr verschieden, die Einen halten diese Art Bestattung für die beste, die Anderen schaudern vor derselben zurück, wie denkt, was lehrt dis Judenthum über diesen Gegenstand? fragt der Talmud, und die Antwort lautet: für den Bekenner des Judenthums giebt es nur eine Art von Bestattung, und das ist ״Beerdigung“, denn es heisst in der Bibel כי קבור תקברנו; jede Art der Bestattung also, die nicht unter den Begriff von ״ «קבורה״Beerdigung“ fällt, gleichviel ob ״Verbrennen“ oder ״Frass der Vögel“, ist unjüdisch und verboten.- Den Beweis für die Richtigkeit unserer Auffassung bietet die weitere Discussion des Talmud in Synhedrin, deren halachische Schärfe und Tiefe dem Herrn Dr. Wiener leider entgangen, und die er deshalb — gewiss zum Erstaunen aller Talmudisten — eine aga!ische Discussion nennt. — Der Talmud nämlich beschäftigt sich mit einem Menschen der da sagt: ,״ לא בעינא דלקברנich will nicht, dass man mich beerdige“, wie ist ein solcher Mensch zu behandeln? — Als denkende Wesen müssen wir uns fragen, was ist das für ein Mensch, den der Talmud einer Discussion würdigt! ״Ich will nicht, dass man mich bestatte“, lautet die (incorrecte) Uebersetzung des Herrn Dr. Wiener! Ist, der also spricht, nicht ein Narr, ein unzurechnungsfähiger Narr! Was 8011 denn aus der Leiche werden, wenn man sie nicht bestattet! Und was veranlasst ihn zu diesem unerfällbaren ״letzten Willen?“ Wir begreifen es, wenn Jemand aus Bescheidenheit letztwillig bestimmt, dass keine Leichenrede (הספד) gehalten werde, aber ״nicht bestatten“? Ist das möglich? Und dann die Frage des Herrn Dr. Wiener! Der Talmud sagt von diesem Menschen: ״הא אמר לא בצינא כפרה״. Er sagt dooh, ״ich will keine Sühne“. Wer hat das gesagt, fragt Herr Dr. Wiener, wer geoffenbart, dass N. N. auf die Sühne verzichtet? Giebt es doch nur Einen der Herz und Nieren prüft? Ist das nicht Ketzerrieoherei?“ Nein, Herr Dr., gar keine Ketzerrieoherei, sondern strenge, absolute Wahrheit. — — Wir haben es hier offenbar mit einem jüdischen Anhänger der Parsen-Sitte zu thun, der der jüdischen Art der Bestattung, der ״Beerdigung“, abhold ist und deshalb sich die ״Beerdigung“ letztwillig verbittet. — ״Ich will bestattet werden, aber ״לא בצינא דלקבתהד nicht in jüdischer Weise ״begraben“, sondern in persischer Weise dem Frass der Vögel ausgesetzt werden“ — lautet der letzte Wille dieses der Väter-Sitte den Rücken zuwendenden Abtrünnigen. Wie heute nämlich die Anhänger der ״Feuerbestattung“ sagen: ״ ■»לא בצינא דלקברנהדWir wollen nicht ״beerdigt* sondern ״verbrannt“ werden, 80 spraohen damals die ״aufgeklärten* Israeliten Babyloniens, ״wir wollen nicht ״beerdigt“, sondern den Vögeln zum Frass ausgesetzt werden.“ — Von diesen Abtrünnigen aber, die der jüdischen Sitte in dieser Weise abhold, die die heidnische Sitte der jüdischen vorziehen, und auf alle religiösen Vortheile, die die jüdische Sitte mit sich bringt, verzichtete, von dem kann dooh der Talmud mit vollem Recht und ohne jede Ketzerrieoherei sagen: "הא אמר לא בצינא בפרה" er sagt doch ausdrücklieh: ״Ich mag die Beerdigung nicht und auch die mit der Beerdigung verbundene Sühne nicht“, ich will nach der Parsen-Sitte bestattet werden! Wie ist ein solcher Mensch zu behandeln? fragt der Talmud! Und die Haiacna antwortet (S. MÜaituoniu H. Abel.) ״אץ שומצין לו״, wir können einem solchen Wunsche nicht willfahren, und wenn er tausendmal sagt und äussert, er wollte in anderer als in jüdisoher Weise bestattet werden, es hilft nichts, wir müssen ihn beerdigen, denn die Thora sagt: כי קבור תקברנו ״du sollst ihn beerdigen!“ Diese halachische Entscheidung hat aber heute naoh 1500 Jahren noch nichts an Werth und Bedeutung verloren, sie besteht heute nooh in voller Kraft und Wirksamkeit. Wenn nämlich die heutigen jüdisehen Anhänger der ״Feuerbestattung“ an uns herantreten und letztwillig äussern: ״לא בצינא דלקברנהו״ ״wir wollen nicht beerdigt, sondern verbrannt werden“, wenn eine solche Frage an uns herantritt, dann müssen wir, wenn wir der Halacha gereoht werden wollen, entschieden antworten: «אץ שומצין לו״ ״Wir können solchen extravaganten, un jüdischen Wünschen, und wären sie nooh so gut gemeint, nioht willfahren, der Israelite kann über die Art und Weise seiner Bestattung nicht verfügen, denn die Thora hat bereits verfügt und geboten: ״כי מבול תקברנו״. Es giebt für den Israeliten nur Eine Art Bestattung und das ist ״ קבורהBeerdigung“ und dieser Weisung müssen wir folgen. — Das ist unsere Ansicht und Entscheidung, und wir hoffen, Herr Dr. Wiener wird als 8 מודה צל האמתioh sicherlich derselben ebenfalls anschliessen. — Auch wir, sehr geehrter Herr Redacteur, ersuchen Sie höflichst, diesen unseren Artikel, — wie die folgenden in dieser Frage — vollinhaltlich aufoehmen zu wollen, Sie werden Ihre Unparteilichkeit gewiss dem Einen wie dem Anderen augedeihen lassen.*) — Mit vorzüglicher Hochachtung. K 0 h n - Ino wrazlaw. Litteraturbericht, Recensionen. Kuenen, Dr. A. ״Historisch-kritische Einleitung in die Bücher des alten Testamentes, übersetzt von Prof. Dr. Th. Weber. Leipzig. (Schluss.) Wenn wir die sachlichen Gründe naoh dieser Richtung prüfen, 80 wird jedem Einsichtigen klar, dass das Buch Josua zunächst aus dem Bedürfniss entstanden ist, eine Brücke in der Geschichte auszufüllen, welche zwischen Mose’s Tod und dem ersten Richter Othniel dem Kenisiten klaffte, oder mindestens zu klaffen schien. Die Erzählung, welche Othniel zu einem Neffen Kalebs macht, durfte wohl zur Voraus- Setzung haben, dass Othniel bei der Invasion Kanaans das Richteramt übernommen habe, will man aber die Reihenfolge vollkommen schliessen, so muss man *) Selbstverständlich; so lange die Polemik streng objectiv ist und der wissenschaftliche Ton gewahrt wird. iHed.)