Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 47. (18.11.1886)
- Date
- 1886-11-18
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 noch Josua eine gewisse Zeit und eine Reihe von Thaten zuweisen. Der Bericht, dass Othniel mit der Eroberung von Kirjath-Sefer seine ersten militärischen Verdienste sich erworben habe, ist in Josua (60.15) aus dem Buche der Richter l.ll fast wörtlich hinübergenommen. Ein weiteres Moment, welches für die Jugend dieses Buches spricht, ist die genaue Bekanntschalt mit dem deuteronomischen Gesetz, das strenge Festhalten an der einheitlichen Cultusstätte, welches dem Exodus und dem ersten Buche Samuel unbedingt fremd ist, ebensowohl auch der Genesis, die ja Beth-El zu einem von Jakob gestifteten Heiligthutn macht und welches endlich im Buche der Könige als wohl nicht de lege aber de facto bestehend angesehen wird. Im Buche Josua hingegen erscheint der Altar jenseits des Jordans als blosses Symbol und nicht als Opferaltar, es setzt also dieses Buch eine Einrichtung als bestehend voraus, welche erst in nachexiliseher Zeit ] zum Durchbruche gelangte und aus Gründen einer natürlichen Entwicklung nicht früher entstanden sein konnte. Auch die Gibeonitergeschichte mit ihrer Reihe von Details kann nur als Erklärungsversuch dafür gelten, wie diese jüdischen Heloten zu ihrer nachherigen Stellung gelangten. Endlich kommt noch das Wundermoment.. Es ist wohl richtig, dass keinem Theile der Bibel das Wunder völlig fehlt, d. h. die religiöse Anschaumig aller Zeiten, in welcher die Verfasser der biblischen Bücher gelebt haben, geht von dem Princip aus, das Wunder sei nicht etwa blos eiue gelegentliehe, sogenannte Heilstliatsache, sondern eine zu allen Zeiten mögliche Einwirkung Gottes auf die natürliche Weltordnung, trotzdem ist innerhalb der biblischen Wundererzählungen ebenso eine Abstufung zu erkennen, wie zwischen diesen und den talmudisehen — ich will hierbei nur an die merkwürdige Erzählung von Rabba Bar Nachmani’s Tod (Baba mezia 86a) erinnern. So wird sicherlich einem jeden der gewaltige Unterschied zwischen Elialms und Elisebas Wuuderthaten in die Augen fallen. Für die willkürliche, meist bei den geringsten Anlässen hervortretende Wunderthätigkeit Eüscha’s, wie etwa das Verfluchen der Kinder, das Heilen der Quelle, das Heraufholen der 1ns Wasser gefallenen Axt, fehlt in Eliahu’s Leben ganz und gar jede Analogie; so sehen wir auch im Buche Josua Wunderberichte, welche theils in directer Abhängigkeit zu den älteren biblischeu Berichten dieser Art stehen, wie die Theilung des Jordans, theils durch den geringfügigen Anlass, der sie hervorgerufen oder durch ihre, der Erfahrung scharf widersprechenden Art, als etwa das Stehenbleiben der Sonne in Gibeon, ganz besonders befremden. Dieses Alles zusammengefasst■, scheint dem Referenten die Sachlage unzweideutig zur Ueberzeugung zu führen, dass der Verfasser des Buches Josua die Thora vollkommen in ihrer heutigen Gestalt als abgeschlossenes Werk gekannt hat, dass er seiue religiösen Gesichtspunkte ebenso in die Zeit der Occupatiou Cauaans verlegt hat, wie es etwa salva venra ein heutiger polnischer Rabbiner mit seinen theologischen Ansichten in Beziehung auf die Amoräer thut, dass mit einem Worte der Verfasser des Buches nichts Anderes gethan hat, als dass er in eine Be- Schreibung Palästinas nach Stammgebieteu einige Reflexionen und breitspurige GeschiclUeu verflochten hat. Demnach ist von einem Hexateuch zu sprechen, etwas ganz Unhaltbares und sogar Bedenkliches, indem ein solches Schlagwort sehr leicht falsche Auslegungen in der Folge hat. der Platz, das hauptsächlichste, positivste Ergebniss der Pentat8uchkritik, die Annahme dreier Gesetzes- Stadien, das älteste im Exodus enthaltene Gesetz, das deuteronomische Gesetz, und der Priester codex ist auch hier acceptirt. Was die Einzelheiten betrifft, welche Gesetze eine Fortentwicklung des einen charakteristischen Standpunktes darsteilen, wird wohl noch lange streitig sein, ja sogar wohl nie ausgemacht werden. Sicher ist, dass Kuenens erschöpfende, gründliche und übersichtliche Behandlung der einschlägigen Fragen selbst bei Gegnern ernste Beachtung finden wird, soweit sie dem deutschen Leserkreise nicht schon durch Bleeks Einleitung herausgegeben von Wellhausen I. A. S. 152 ff. bekaunt geworden sind. Besonders die jüdischen Gelehrten sollen um 80 dringender ermahnt werden, das Buch zu studieren, als die meisten von ihnen es lieben, vor der Pentateuchkritik den Kopf in deu Busch zu verstecken. Brünn. Dr. Deutsch. Nachträge zu meinem Artikel über Erd- und Feuerbestattung. 1. Die alten Uebersotzungcn mul Paraphrasen in i 11 rer Abnängigkeit v״n den zu ihrer Zeit gerade vorherrschenden An sichten im Judonthum, je nachdem die Leichen Verbrennung aus vorgefasstem Vorurlheil ihnen unsympathisch und zuwider war, suchten manche über stattgehubto Feuerbestattung berichtende oder über dieselbe zu berichten scheinende Bibelstello tendenziös zu deuten. Es wäre dies auch ein Beweis mehr, dass die• griechische Bibel keine einheitliche Arbeit ist, sondern verschiedeno Uebersetzer hatte; denn, während die fraglichen Stellen in der Chronik nur als Abbrennen von Spezereien aufgefasat werden, fasst die Septuaginta und Vulgata die Stelle ganz gleichen Inhalts der. 31,5 als Leicheiiverbrenuung aut. Keine der alten Versionen treibt es aber so arg, wie die des Jonathan, der selbst die ganz unzweideutige Relation 1. Sam 12,13 nur als Verbrennen von Spezereien, aber nicht der Leichname Sauls und seiner Söhne antfasst. Der Misclma-Oommentator R. J. T. Holler (Pess. 4,!)), dessen llochorthodoxie doch niemals von■ Jemand in Zweifel gezogen wird, boharrt hei dem natürlichen Schriftsinne, dass an letzter Stelle von Feuerbestattung die Rede ist und sucht sogar den Worten Jonathans eine solche Deutung zu gehen, dass dieser die Oremation aus unserem Belichte nicht eliminire. 2. Dass in der Bibel die Todesstrafe des Verbronnens nicht ein Eingiessen geschmolzenen Bleies in den Schlund, sondem ein Verbrennon durch Scheiterhaufen ist ׳s. den Angriff Dr. JI.’sinNr. 31 S. 316 der ״Jüd. Pr.“ 1885), kann Niemand bozweifoln, der nicht den Wortsinn veriougnet. Es heisst: 3. M. 20,11: ״Im Feuer soll sie verbrannt werdon“. Jos. 7,15, ״Er und all das Soinige soll im Feuer verbrannt werden“. Wenn Rahb. Dr II. gegen mich bemerkt, dass nur sadncäische Geiichtshöfe die Verbrennung durch Scheiterhaufen vollführten, so war diese Bemerkung ganz überflüssig; denn an derselben Stelle, wo K Elieser sein Zeugniss ablegt, wird ihm ja der den Saducäeru entgegenstehende Usus der Pharisäer eutgegengehalten. Diese letzteren freilich, von dom Buchstaben dor Schrift — was ja bisweilen aus löblichen, humanen Gründen geschah — abstrahirend, führten eiue, wie sie glaubten, mildero Art des■ : Verhreunens ein; die rigorosen Saducäer aber blieben bei dem | Buchstaben der Schrift stehen, und dieser verlangt unbedingt i ein Verbrennen im Scheiterhaufen. Ganz ebenso, wie ich hier, j äusserte sich ja keine geringere Autorität, als die des Maimonides I (M. N. 3,41 Aut'.).! 3. Wenn die Worte 1. M. 3.10: ״Staub bist du, und Staub (oder Asche) wirst du wieder werden“, die aber von den Verpönern der Gremation für ihren Zweck ״sollst du zurückkehren“ übersetzt werden, wie sie Vorgehen, in Wahrheit das stricto Gebot der Leichenbeerdigung enthielten, so würde ja der Talmud dieses Gebot, anstatt es von der Vorschrift über den Justifiziorten 5. M. 2i,23 herauszukünsteln, vielmehr aus unserer Steile schwarz aut weiss beweisen und (Synh. 5öa u. b) unbedingt zu den sieben noachidisehen Satzungen gezählt haben. Die Einwendung dagegen, dass die noachidisehen Verordnungen nur Negatives, Vorbote, aufgenommen, übersieht ja ganz, dass die letzte, die siebente Verordnung, Gesetzespflege, die Ein- Setzung von Richtern, also etwas Positives beliehlt (s. die gezwungene Erwiderung Synh. 50a). Dr. Wiener- Oppeln Ueber das Einzelne zu sprechen ist hier nicht Verantwortlicher Redactcur Dr. Rah mor, Magdeburg. Dmck von D. L. Wol ff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig