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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-11-11 · N° 46. (11.11.1886) · p. Seite 179

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 46. (11.11.1886)
Date
1886-11-11
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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I— 179 — ״die Schlafenden im Staube“, eine Vorstellung, die durch die Cremation gänzlich beseitigt wird.* **)) Wenn wir nun erkannt haben, aus welchen Gründen ״die Cremation keine Halacha gegen sich habe,“ so werden wir begreiflich finden, dass Tossafot Chullin 125b nicht etwa lauten konnte דאסור לשורפו — auf welche Halacha hätte sich hier Tossafot beziehen können? — sondern lauten musste: דאין דרך לשורפו• Was nun die künstlichen Leichen Verbrennungen anbelangt, von denen in Nidda 27 und 28 die Rede ist, so sind dieselben allerdings künstlicher Natur; sie sind aber keineswegs offiziell erlaubte Cremationen, sondern Thaten verthierter Rachsucht, wie ganz deutlieh aus der Zusammenstellung mit מת שנתבלבלה צורתו zu ersehen ist. Was des Weiteren die Stelle in Ohol. 4,2 betrifft, so ist es die persönliche Ansicht des Rabbi Jose, dass diese in dem engen Raume eines Thurmes sich vorfindenden spärlichen und unbekannten Leichenreste auch verbrannt werden könnten; eine Ansicht, die übrigens keine Sanction als Halacha erhalten hat. In einem zweiten Artikel bezieht sich Herr Rabb. Dr. Wiener auf die Stelle in Tossafot Taanit 15 d. v. ונותנין אפר, woselbst es heisst: ואותו אפר הוי מלצם אדם שהרי הוא האפר הוי לזכרון העקידה. Diese Stelle, meint Herr Dr. Wiener, weise auf Leichenverbrennung hin. Wir fragen: In welcher Beziehung steht die Asche eines auf gewöhnliche Weise verbrannten Menschen zur Akeda? Ohne Zweifel ist hier die Asche von Märtyrern gemeint, die ihr Leben für die Heiligung des göttlichen Willens hingegeben haben, wie dies auch der Grundgedanke der Akeda ist. Eine solche Asche sollte dienen לזכרון העקידה, Die Diskussion in Joma 85 a und Sabbat 43 b, ob es am Sabbat gestattet sei, den Leichnam eines Todten aus dem Brande zu retten, ist Herrn Dr. Wiener selbst etwas schwierig erschienen, weil ״aus dieser Stelle geschlossen werden könnte, dass Feuerbestattung in Israel anstössig und unstatthaft wäre“. Nun meint er, dass R. S. b. L., der die Rettung des Leichnams gestattet, diese Ansicht vertritt, ״nicht weil Leiohenbrand an und für sich selbst etwas Anstössiges ist“, sondern מתוך שאדם בהול על מתו. Nun fragen wir: Ist denn die durch Menschen zum Zwecke der Leichen bestattung bewirkte Cremation und die durch ein entstandenes Feuer bewirkte Verbrennung eines Leichnams ein- und dasselbe. Keineswegs. Um uns den grossen Unterschied, der hier besteht, noch klarer zu machen, weisen wir darauf hin, dass im Talmud der Grundsatz gilt איסור בטל כרוב, dennoch heisst es aber auch אין מבטלין איסור לכתחילה — Der Sabbat tritt nach der Halacha in dieser Hinsicht nur vor פיקוח נפש zurück — übrigens bleibt die Halacha wie Rabbi Jehuda. (Sabb. 44 a). Zum Schlüsse bitten auoh wir, dass die voraufgehenden Ausführungen in demselben objectiven Sinne beurtheilt werden mögen, welcher uns bei der Dar- Stellung derselben geleitet hat. Pasewalk. Rabbiner Dr. M. Krakauer. *) Die Verbrennung der Leichen Sauls und seiner Söhne, von welcher Sam. I, 31,12 berichtet wird, erfolgte zweifellos nur aus dem Grunde, weil zu befürchten war, dass auch deren Grabesruhe von den Fhilistäern gestört werden würde. Siehe die vorangeh. Verse 9 u. 10. (Oder: weil die Münner von Jabesch Gilead, 11m der philistäischen Bestrafung zu entgehen, die ״corpora delicti“ gänzlich wegzuschaffen sich genöthigt sahen. Red.) **) Um etwaigen vorzeitigen Entgegnungen vorzubeugen, theilen wir mit, dass uns eine eingehende, neue Gesichtspunkte aufstellende Abhandlung über das ganze Thema von Herrn ■Rabb. Dr. Kohn-Inowrazlaw heute zugegangen, die wir in nächster Nr. bringen werden; ebenso einige ״Nachträge und Berichtigungen“ von Herrn Rabb! Dr. Wiener. (Ked.) Zwei Pergamentblätter der Königlichen Bibliothek zu Erfurt. Von Dr. Th. Kroner in Hannover. Bei einem Besuche der K. Bibliothek zu Erfurt zeigte mir der freundliche Bibliothekar, der greise Herr Professor Weissenborn, eine kleine Zahl von Pergamentblättern mit hebräischem bezw. aramäischem Texte, welche durch Herrn Rabbiner Dr. Caro seiner Zeit genauer am Rande bezeichnet worden waren. Unter diesen fielen mir besonders ein Paar Blätter auf, welche noch als Umsohlag eiues Manusoripts mit demselben verbunden und die Reste eines Machsor waren. Es stand auf dem einen der Anfang der כל נדרי^^"^, bis zu den Worten פדיונינו עד ערב, auf dem andern ein Theil der סליחות, anfangend mit פניו ויקרא, enthielt derselben die י״ג' מדות, die Verse וסלחת bis קוראיך, die Verse ואחה אלה הסליחת bis ושמעת וסלדת und schloss mit den Worten aus der כלח נא anfangenden Selichah: בל יהרה זעמיך. Herr Dr. Caro war seiner Zeit von Herrn Oantor Rothschild, welcher das Mauuscripb auoh gesehen hatte, darauf aufmerksam gemacht worden, dass nach dieser Liturgie וידבר משה nach ופרם עלינו gesagt worden sei. Es veranlasste dies auoh die in No. 38 des ״Litteraturblattes“ aufgeworfene Frage nach dem Alter und Ursprung des Ritus, nach welchem כי ביום הזה am יה״ב gesagt werde. In No. 42 antwortete darauf Herr Salomon Spinner von Tarnow dahin, dass älter; 00 lioes den Ritus nicht erwähnen und derselbe vermuthlich eine Zuthat neuerer Zeit sei. Diese Vermuthuug wird damit von Herrn Spiuner bekräftige, dass eia solcher Ritus nicht ganz correct gewesen wäre, weil er den Satz לסמוך גאולה לתפלה verletzt hätte. Aus den Worten des ראש zu Tr. Berachoth sohliesst derselbe, dass man zur Zeit des ראש weder von ושמרו noch von וידבר etwas gewusst habe. Das Interesse, welches diese zwei Pergamentblätter erregen, wird aber ein um so grösseres, wenn man sie einer näheren Prüfung uuterzieht. Erstens ihre äussere Beschaffenheit. Sie sind die traurigen Zeugen jenes unseligen Judensturmes 1349 und tragen die Spuren der uuseligea Leidensgeschichte an sich. Ein rother Fleok am Räude mit einem siegellaokähnlichen Belag, allerlei Kritzeleien lateinischer Buchstaben, wie sie ein Sohulkuabe zur Kurzweil treibt, zwischea den Zeilen und am Rande, Notizen, die einen Schreiber verrathen, welcher sich mit der Philosophie des Albertus Magnus beschäftigte, sind stumme und doch beredte Zeugnisse von der Profanirung roher Zeiten. In dieser Tragik ihres Gesohiokes sind sie aber werthvolle Belehrungsmittel über die Kulturzustände eiuer sehr alten Zeit. Das Pergament ist au den Rändern stärker, im Innern bisweilen so dünn, dass Löcher entstehen konnten, welche vom Abreiben einer früheren Schrift herrühren. Man sieht anoh an den Rändern nooh deutliche Spuren grosser lateinischer Initialen und zwisohen den Zeilen Spuren eines lateinischen Textes. Es war also das Pergament einst zu eiuem lateinischen Codex verwendet worden, wurde später abgekratzt und für das מחזור verwerthet. Aehnliohes berichtet Herr Rabb. Dr. Zuokermandel von dem Tosiftha- Manusoript. _ (Fortsetzung folgt.) ftecensionen. Kaeneu, Dr. A. ״Historisch-kritische Einleitung in die Bücher des alten Testamentes, übersetzt von Prof. Dr. Th, Weber. Leipzig. Otto Schulze. 1886.

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