Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 42-43. (14.10.1886)
- Date
- 1886-10-14
- Page
- Seite 166 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 166 — nung *ש׳ ה haben, oder bloss der vor dem ״Wochenfeste“, aa dem, wie Landshuth iB seinen ״Amude-ha- Aboda“ S. 313 mittheilt, die אזהרות des R. Simon aus Maas und die des R. Salomo ben Gabirol recitirt werden. Im letztem Falle würde ich mir sodann erlauben, den geneigten Lesern d. Bl. eine Erklärung des Ausdruckes ,ש, הג vorzulegen, eine Erklärung, welche Josef ben Samuel Tob-Elem, der Verfasser der Synagogengesänge für den grossen Sabbat, an die Hand giebt; vgl. die קרובות vom Anfänge bis zu den Worten ימלוך לעזלם וכו־. So viel steht jedenfalls fest, dass die Bezeichnung ש' הד nicht über 600 d. ü. Z. hinaufreicht, wie Jost in der oben angeführten Bemerkung richtig nachgewiesen; die gegentheilige Ansicht Landshuths, der sich auf eine Abhandlung Dr. Jellineks (im Littbl. des Orient 1851,) beruft, und Dr. Kroners, wonach diese Bezeichnung bereits zur Zeit der Apostel üblich gewesen und im Ev. Johannes 19,31 bereits vorausgesetzt sei, beruht auf einem Missverständnisse der betreffenden Stelle im Evangelium 1c) Günstiger als um die Ermittelung der Entstehung und Bedeutung des ״grossen Sabbats“, steht es um die der Einführung und Bedeutung der Haphtara וערבה (Maleachi 3,4—24); hierüber giebt uns ein altes Responsum, angeführt im אור זרוע (Sitomir Tom. II folio 162a), solch klare, bestimmte und den geschiehtliehen Ereignissen genau entsprechende Aufklärungen, dass meines unmassgeblichen Erachtens ein Jeder ohne weiteres deren Richtigkeit anerkennen muss. ״) Es wird die Frage ventilirt, warum die Haphtara, welche wir am Sabbat פרשת צו lesen, Jeremia 7,21—8,4 nicht cassirt und an deren Stelle וערבה (Mal. 3,4—24) eingeführt worden? Die gewöhnliche Meinung war die, dass man dieserhalb וערבה nicht eingeführt habe, weil der: סיום דוערבה יום דין הגדול ונורא. Rabbi Menachem, der Verfasser des Responsums, dem es darum zu thun ist: לקיים מנהג אבותינו שהיא תורה, ושמשי גדולי הדור, ורואה אני את דבריהם ist anderer Meinung! er glaubt, die richtige Haphtara für Sabbat ם, צו sei Jeremia 7,21 ff. nur wenn der 14. Nisan, der יום שחיטת הפסה, auf diesen Sabbat gefallen war und es sich nicht schickte להפטיר אשר לא צרתי וי. א עלתה על לבי (Jer. 7,31) 4) משום דכתיב במועדו. M. 9,2) und es sich auch nicht schickte am יום שחיטת הפסח zu verlesen: גזי נזרך והשליכי (Jer. 7,29) ושאי על שפים קנה, um nicht den Muth der festfeiernden Israeliten herabzustimmen (ולהפיל לבן של ישראל עולי רגל), dann ward gelesen worden die Haphtara וערבה. Von der Richtigkeit dieser seiner Ansicht habe er, R. M., sich dann nachträglich überzeugt, denn es kam ihm, R. Menachem, ein aus Babylon gebrachtes, dem Rabbi Mose bar Meschulam וצ״ל gehört habenden Exemplar der Bibel in die Hände: והיו בהנביאים סימני הפטרות לפרשיות התורה לכל השנה וראיתי סימן צו את אהרן גבי עלותיכט ועוד סימן צו את אהרן גבי וערבה לד .... Ga nun der 14. Nissan sehr selten auf einen Sabbat fällt ״) Herr G. würde uns zu Dank verpflichten, wenn er uns bezüglich der Stelle eines Bessern belehrte; der — sehr leichte — Vorwurf des Missverständnisses allein thut’s nicht. Kr. ״) Herr G. vergisst, was jeder Sachkundige ohne Weiteres als richtig anerkennen muss, dass die Haphtara Vorlesung schon lange vor der Tempelzerstörung (Lueas 4,1(»•—19; Apostelg. 13,14 —15 etc.) üblich war; ferner, dass die Ordnung der Huftaroth v ie 1 e Ja h r h u n d e rt e nochnicht feststand und die heutige Ordnung, in der die verschiedenen Riten auch jetzt noch hier und da von einander abweichen, erst aus einer spätem Zeit datirt. Zur Zeit des Tempolbestandes, in welche ich die Entstehung des Namens ש׳ גתל setze, bedurfte es selbstredend der ״Beschwichtigung“ durch Jerom. 23—22,ל noch nicht; gegen die damalige Ueblichkeit der Haphtara וערבה für ש הגדול lässt sich nichts feststellen, für diese XJeblichkeit aber der Hauptinhalt der Haphtara וערבה, der sub. 18 angegeben wird. Kr. und auch dann nur in einem gewöhnlichen Jahre auf Sabbat פ' צו, dagegen in einem Schaltjahre auf Sabbat פ* אחרי מות, an welch letzterem die Haphtara וערבה, welche zu צו gehöre, auch nicht gelesen werde, 80 komme doch וערבה äusserst selten an die Reihe; darum sei sie, וערבה, auch nicht in die Verzeichnisse der Haphtaroth aufgenommen, sondern zu פ׳ צו bloss עלותיכם verzeichnet לפי שחוא תדיר. So ist der Sinn des in seiner zweiten Hälfte ungenauen Responsums zu fassen, da sonst nicht לעלותיבם sondern וערבה die übliche תדיר wäre. Auf die eigentliche Frage, warum man am Sabbat פ' צו Jeremia 7,21 ff. עלותיכם lese und nicht Maleachi 3,4 ff; וערבה wird keine ausdrückliche Antwort ertheilt; doch lässt sich die beregte Frage leicht aus dem Zusammenhänge beantworten. Zweck der Haphtara ist stets Vertrauen und Hoffnung zu erwecken und Bangen und Zweifel zu bannen. Die Sidra צו, welche die Lehren über die Opfer und über Weihe und Dien3t der Priester enthält, war am meisten dazu angethan, in Folge des Umstandes, dass die Opfergesetze wegen der Zerstörung des Heiligthums unmöglich erfüllt werden können, in den Herzen der Zuhörer peinliche Unruhe zu erregen und zwar, bei den Einen Trauer, dass sie diese Gebote nicht beobachten können, (vgl. Baba Bathra folio 60 b) bei den Anderen Zweifel, ob nicht, nachdem dieser eine Theil der Gesetze aufgehoben, nun nicht auoh das ganze Gesetz aufgehoben sei, Zweifel, zu denen Angriffe von christlicher Seite (vgl. Jelamdenu, citirt Jalkut zu Jeremia 33,18) noch besonders Anlass gegeben. Diese verschiedenartigen Beunruhigungen beschwichtigt die Haphtara durch den Ausspruch des Propheten (Jeremia 7,22; 23), dass die Opfergesetze keine wesentlichen Gesetze gewesen (vgl. Rabba zu 3. M. 17,2 Cap. 22), vielmehr die Opfer der damaligen Israeliten als nichtig verworfen wurden, weil sie die anderen Gebote, welche das Wesen des Gesetzes ausmaohen und allerorten beobachtet werden sollen, nicht beobachtet hatten. Allein diese Antwort genügte nur, in soweit von den Opfern im Allgemeinen die Rede war, sobald aber der Sabbat פ‘ צו auf den 14. Nisan fiel, an welchem Tage zur Zeit des Bestandes des Heiligthums das Passaopfer geschlachtet worden und an dessen Abend eine an das Passaopfer erinnernde Feier begangen ward, da konnten die Worte des Propheten Jeremia, dass Gott die Opfer beim Auszuge aus Egypten nicht anbefohlen hatte, nicht in Anwendung gebracht werden; denn die Opferung des Passa; 4) במצדו. M. 9,2; 3) wird strenge anbefohlen und zwar durfte dieselbe ״nur an dem Orte, den Gott erwählen wird, seinen Namen dort wohnen zu lassen“ (5. M. 16,5; 6) d, h. in der nachdavidischen Zeit; Jerusalem, geschehen. Justin Martyr führt darum auoh hauptsächlich die letzteitirte Bibelstelle (5. M. 16,5; 6) gegen den Fortbestand des Gesetzes ins Treffen, indem er behauptet, der in Jerusalem gekreuzigte Jesus sei das wahre Passaopfer gewesen; die fernere Passafeier könne daher nur in der Erinnerung an ihn, Jesum, der das wahre Passalamm gewesen, geschehen, wie denn auch die weitere Befolgung des Gesetzes nur in der Verehrung Jesus bestehe, weil er in seinem Tode das Gesetz erfüllt habe. Vgl. Justin! Phil, et Mart. Opera Tom. I. P. II Dial. cum Tryph. Jenae 1848 Cap. 49 pag. 130—132, wo der Herausgeber Karl Otto in Note 6 bemerkt: ״Hoc argumento, quod evidenter ״probat legem non aeternam esse, ut Judaei sibi ״ffngebant, sed ad tempus datum, usi sunt (Maran.) ״multi alii scriptores, ut Tertullianus adv. Jud. c. 5, (Fortsetzung in der Beilage. Verantwortlicher Redacteur Dr. R&hmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese. Leipzig