Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 41. (7.10.1886)
- Date
- 1886-10-07
- Page
- Seite 161 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 161 — ,geben. Maimonides dagegen, dessen Wirken dem ״Ende des folgenden Jahrhunderts angehört, hat ״seiner nicht gedacht, wahrscheinlich weil er seine ״Stellung im Talmud nioht begründet fand.“ 2. ״Die dem 18. Jahrhundert angehörende Tossa- ״photglosse zu Tractat Sohabboth f. 87 b, erwähnt ״den שכת הגדול als bereits bestehende Bezeich- ״nung mit Beziehung auf eiu Wunder, das am 10״. Nisan mit den ersten Paschalämmern vor dem ״Auszuge aus Egypten vorging. Die Legende dieses ״Wunders findet sich bereits im Jalkut, in der grossen ״Midraschsammlung zu 2. Moses 12,3.“ 3. ״Auf dieselbe Legende, die er mit kleinen Ver- ״schieden hei Um der Lesart wiederholt, führt die Ent- ״stehung des grosseu Sabbats Jakob ben Ascher in ״dem Buch Orach Chaim § 430, dem ersten der söge- ״nannten Turim, zurück. (Die Turim, welche ältere ״Talmudgesetze mit Zusätzen aus den Schriften der ״Geonim zusammenstellen, sind wahrscheinlich schon ״in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gesammelt, ״vgl. Jost III, 63.)“ 4. ״Der Sammler Joseph Karo, der Maimonides ״des 16. Jahrhunderts, handelt von ihm in seinem ״zuerst in Venedig 1565 gedruckten Werke: Schulchan ״Aruch (vgl. darüber Jost III, 129).“ 5. ״Auch die Karäer beobachten den grossen ״Sabbat und zeichnen seine Feier namentlich durch ״den Vortrag des grossen Hallel, wegen der Erinne- ״rung an den Auszug aus Egypten aus. ״Wenn dies ״Jost II, 314 ausführlich bespricht, so darf man in- ״dessen daraus nicht mit Hilgenfeld schliessen, dass ״die Feier schon bis in die Anfänge der Sekte (diese ״fallen nach Jost II, 294 Anm. 2 in das Jahr 754) ״zurückreiche; Jost hat in der Schilderung der karä- ״ischen Einrichtungen Aelteres und Jüngeres zu- ״sammeugestellt. Die Karäer haben den Tag von den ״orthodoxen Juden angenommen; der Erste, welcher ״für sie liturgische Gesänge zur Feier des Tages ״dichtete, ist Aaron ben Joseph (um. 1294, vgl. über ״ihn Jost II, 300), ״der Aben Ezra der Sekte“, zu- ״gleich der Begründer des karäischen Synagogengebet- ״buches. Sein Namensvetter Aaron ben Eiiah, ״der ״geistreiche Lehrer des Gesetzes“ (um 1353 in Con- ״stantinopel, vgl. über ihn Jost a. a. 0.) giebt im ״Gesetzbuohe unter Anderem eine Erläuterung der ״Gründe der Synagogenordnung und leitet darin die ״Einführung des grossen Hallel gleichfalls von den ״Paschalämmern am 10. Nisan ab. Das sehr späte ״Alter der karäischen liturgischen Formulare für den ״grossen Sabbat zeigt das Gebet für den Messias ״und die Erlösung, namentlich um Befreiung aus dem ״Joche des Jslam, der Römer (Byzantiner) und der ״anderen vielen Feinde. Das Gebet gegen Gog-Magog ״scheint gegen die Mongolen gerichtet. (Die letzteren ״Notizen sind aus Herrn Dr. Jost’s karäischen ״Manuscripten gezogen.) Da im Talmud der grosse ״Sabbat nirgends vorkommt, selbst an der Stelle ״nicht, wo vier Sabbate als theils unmittelbar, theils ״mittelbar dem Paschafeste vorangehend mit ihren ״Namen aufgeführt werden (in der Mischna Tract. ״Megilla III, 4), so sohliesst Herr Dr. Jost, dass ״derselbe wahrscheinlich zwischen 600—800, in welcher ״Zeit die Synagogengebete in Babylon geordnet ״wurden, durch die Geonim geregelt und in Spanien ״und Frankreich angenommen wurde. Wann der ״Name zuerst in der Volkssitte, unabhängig von der ״Synagogenordnung, entstanden sein mag, ist nicht ״zu ermitteln.“ (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht, Recensionen. 2. Wollt, Dr. G. Die Gesnhichte Israels für die israelitische Jugend. Sechste verbesserte Auflage. 3. Bäck, Dr. S. Die Erzählungen und Religioussätze der heiligen Schrift. I. Theil. Für die unteren Klassen höherer Lehranstalten. II. Auflage. Lissa, Scheibel’sche Buohhandlnng. (Fortsetzung.; 2. Wolff’s Geschichte Israels für die israelitische Jugend zerfällt in vier Theile; das erste Heft giebt den geschichtlichen Theil des Pentateuch, das zweite erzählt die Geschichte Israels bis zum Tode Salomos, das dritte bis zur Zerstörung des Reiches unter Titus, das vierte Heft führt die Geschichte der Juden von der Zerstörung des zweiten Tempels bis auf unsere Zeit. Die Sprache und Ausdrucksweise ist in dem ganzen Werke eine meisterhafte, dabei hat der Verf. es verstanden, die einzelnen biblischen Geschichten äusserst interessant und fesselnd zu erzählen; leider aber ist der Ton der Erzählung für die Schule nicht immer geeignet Das erziehliche Moment des bibl. Geschichtsunterrichtes ist zum weitaus grössten Theile in der erhabenen, dabei aber schlichten und einfachen Darstellungsweise der Bibel selbst begründet, es hiesse gegen den Geist der Bibel sich versündigen, wollte man hierbei zu einer pompösen, phrasenhaften Ausdrucksweise Zuflucht nehmen. Der gelehrte Herr Verf. paraphrasirt an ungeeigneten Stellen. Hier einige Beispiele. Die Bibel sagt von dem sechsten Schöptungstage: ״Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Der Verf. umschreibt: ״So war denn die Welt in sechs Schöpfungstagen vollendet; der Himmel mit den leuohtenden Gestirnen und die Erde mit den Menschen, Thieren, Pflanzen und Steinen(!). Da überschaute Gott das, was er geschaffen hatte, und in seiner unendlichen Weisheit fand er es sehr gut. Mit väterlicher Liebe und Güte hatte er ein jedes Geschöpf mit den Gaben, die zu dessen Fortbestand nöthig sind, versorgt. “ Die Geschichte Abrahams beginnt Verf mit folgender Einleitung: ״Eindringlicher als durch Strafgerichte — vorangegangen ist die Erzählung vom Thurmbau — wurden jedoch die Menschen durch Lehren und edle Beispiele auf den Weg des Heiles(!) geführt. Die göttliche Vorsehung bestellte einen Mann, der seiner Mit- und Nachwelt als echtes Jugendmuster voranleuchten sollte. Dieser Manu hiess Abraham. Alle Völker der Erde von Sonnenaufgang bis zum Sonnen- Untergang erkennen und verehren in Abraham einen der edelsten und hochherzigsten Menschen. Wir aber verehren in ihm nnseren Stammvater — Patriarchen: Er war der erste, der den einigen, ewigen Weltengott erkannte, weshalb wir ihn das Haupt, den Ersten der Gläubigen(!) nennen.“ Soll man wirklich siebenjährigen Kindern in solcner Weise die Geschichte Abrahams vortragen? (Für diese Altersstufe hat doch aber der Herr Verf. wohl nicht geschrieben? Red.) Noch Beispiel. Die Erzählung von den zweiten Bundestafeln wird mit folgenden Worten eingeleitot: ״Schnell trübte sich der Glanz, der das Volk umgeben hatte, denn gar bald war das Gebot vergessen, das es am Sinai hatte verkünden gehört. Und doch war dieses Volk dazu berufen, eiu Volk von Priestern zu sein, andern Völkern die Lehren der Wahrheit und des Lichtes zu bringen.“ Wunderschön für'die — Kanzel, ob aber auch für die Schule geeignet? Der Mangel an Raum gebietet mir, abzubrecheu; ich würde soust