Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 41. (7.10.1886)
- Date
- 1886-10-07
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 160 werfen, verfolgen, ihnen viele Beute abjagen. Und in diesem Kriegeszuge hat er in Galiläa und Aebat viele Weiber zu Gefangenen gemacht und mit grosser Freude nach Jerusalem geschleppt il. Makk. 5, 17—23).*) Genug, ausnahmsweise wird vou Simon berichtet, dass er Weiber zu Gefangenen gemacht. Und wie leicht ist es, dass unter diesen eine sich befand, die seine Sinne gefangen nahm. Sie musste auch nicht geradezu die Tochter eines Königs nach unsern Vor- Stellungen, sondern eines Fürsten oder Vornehmen gewesen sein. Wir finden es daher begreiflich, dass später, als durch diese Ehe Simons mit einer Fremdländischen so viel Unheil erwuchs,**) der /on den Hasmonäern Makkabäern eingesetzte Gerichtshof בית דין של השמונאים eine נכרית d. h. eine fremdländische unter allen Umständen, also auch eine שביה und יפת תואר eine kriegsgefangene Schöne verpönte. (Aboda sara 36). Dass man später die Hohepriestersch tft desJohann Hyrkan II. nicht anfocht, war einfach, weil er schon der dritte dieser Abstammung war (5. Mos. 23,,J). Und auch dieser Simon, von dem Reuss sehr treffend sagt: ״Er ist iu der Geschichte ein seltenes Beispiel wahrhaft königlicher Grösse und zwar ohne diesen Namen, in der israelitischen das einzige, an welchem keiu Fehl haftet“ (Reuss, Gesell, d. h. Schrift 491)_, und auf dessen Vermählung mit einer fremdländischen Königstochter oder Tochter eines Obersten, mit einer Kriegsgefangenen, wurde dieser Psalm gedichtet, wie denn auf ihn dieser Psalm im Grossen und Ganzen passt. (Schluss folgt.) Ueber die Bezeichnung ש' הגדול. 1 Fortsetzung.) Ps. 136 wieder führt den Namen הי הגדול, weil derselbe ein Lobpreis auf die Werke des allmächtigen, allliebenden und gnadenvollen Gottes ist, wie Abudraham im Anschlüsse an Ps. 145,3 sehr sinnig erklärt, welcher Erklärung die des Talmud (Babli 1. 1. *) Zwar berichtet Josephus, dass auch Juda zu Jazerou Weiber gefangen weggetührt hatte (Ant. 12, 8.1), allein dies beruht augenscheinlich auf einen Uebersetzungsfehler. Josephus, der das I. Buch der Makkabäer eintach abschreibt, hat noch das hebr. Original vor sich gehabt. Dort stand יע1ר ובנותיה d■ 11, wie es vou einem jeden Kenner des Hebräischen nicht anders übersetzt werden kann: ״Jaaser n. seine Dorfschaften od. Gehöfte“. Josephus, der alles autbauschon möchte, nahm בנותיה in seiner urspr. Bedeutung und machte noch dazu die Töchter zu Weibern. Besser die andern Versionen des Makk. - Buches. (Siehe I Makk. 5.8.) F.ine noch grössere Ungeheuerlichkeit leistet ein Verteilt aus Unverstand 1m Buche Judith. Im Dankliede der Judith heisst es: ״Die Söhne der Mädchen durchbohrten sie“ (de Wette), oder gar: ״Die Söhne j unger Madch eu durchbohrten sie“ (Gutmann). Auch diese ungeheuerliche Ungeheuerlichkeit beruhet einfach aut einen Uobersetzungstehler. Der Stammbaum der Judith wird bis auf Zaraschadai zurückgetührt (8.11. Zurischadai war aber Stammtürst vom Stamme Simons, des zweiten Sonnes Jacob-Israel. Nur ist Simon in der Genealogie ausgefallen. Judith war somit eine Simonitin und auch Wittwe eines Mannes desselben Stammes (8.2). Der Ort, wo die Heldengeschichte der ehraufopfernden .1 udith sich abspielt, war Betylua und muss unter denOertlichkeiten des Stammes Simon wiederzutinden sein. Es ist בתואל ('■ Chr. 4.3a) oder zusammengezogen בתולJÜ08. 11• .4. — כסיל J08. 1530 ist einfach Schreibfehler). Im Urtexte muss es also gelautet haben ובני בתול דקרום d. h. die Einwohner Betimis durchbohrten sie, oder gar ובני תולד ובתול דקרום die Männer von Tolad — ein Ort nachbarlich von Bethul (1. Chr. 4.30) und Bethul durchbohrten sie. Der Uebersetzer nahm ילד תולד kaum geboren und בתולה — בתול Jungtrau, Mädchen, und erzeugte hierdurch eine Ungeheuerlichkeit, der man so lange nachgebetet. **) Unter Alexander Janai allein wurden 600 Pharisäer auf einmal hingerichtot (Jos Ant. XIII. 13.5). und Jerusohalmi 1. 1.) nicht zu widersprechen scheint nur dass der Talmud in der Gabe des täglichen Brodes die herrlichste Offenbarung, den grössten Beweis der Allmacht, der Allliebe und der unendlichen Gnade Gottes erkennt.13) —Wäre die Behauptung, dass der Sabbath vor Pessach seine Benennung von der Hapktara Maleachi 3, 4—24 erhalten, richtig, so müsste der genannte Sabbath: שבת וערבה heissen, weil die betreffende Haphtara bei den Decisoren ה' וערבה heisst, nach dem Worte וערבה (Mal. 3,4) mit dem die Haphtara anfängt und weil dieses Wort bezw. der betreffende Vers (Mal. 3,4) wie ich vorweg bemerke, das Thema oder genauer ausgedrückt, die Tendenz der HapLtara kennzeichnet.״) Bevor ich jedoch diese meine Bemerkung genauer begründe, will ich nach einem Excerpt,1J) das ich mir während meiner Studienzeit in Berlin, im Jahre 1870, angefertigt, die Ansicht des sei. Jost über die Entstehung der Benennung ״grosser Sabbat“ hier mittheilen, da dieselbe in einer Abhandlung enthalten ist, welche nicht nur den geehrten Lesern dieser Blätter im Allgemeinen, sondern selbst vielen der Herren Oollegen unbekannt sein dürfte. In den Jahrbüchern für deutsche Theologie, Jhrg. 1861 S. 122—24 schreibt Steitz, Stadtpfarrer von Frankfurt a. M : ״Dass der Ausdruck ״grosser Sabbat“ zur ״Bezeichnung des dem Paschatage vorangehenden ״Wocheusabbates in den rabbinischen Schriften erst ״dem spätem Judenthum angehört, und dass es ganz ״unthunlich sei, aus ihm den ״grossen Sabbath“ in ״dem smyrnäischen Sendschreiben (Vgl. über dasselbe ״die trefflichen Bemerkungen in Joel: ״Blicke in die ״Religionsgeschichte“ II, S. 152 —162.) zu erklären, ״habe auch ich im Art. ״Pascha“ iu Herzogs Real- ״Encyclopädie angedeutet. Ein weiteres Eingehen auf ״das Alter dieser Bezeichnung im Judenthume schien ״mir damals überflüssig. Nachdem aber Hilgenfeld ״auf freundliche Mittheilung des Herrn Kirchenrathes ״Dr. Hoffmaun in Jena sich bemüht hat nachzu- ״weisen, dass dieser Ausdruck bei den Juden zuerst ״im 14. und 16. Jahrhundert in den Schriften Oraoh ״Chajim und Schulchan Aruch vorkomme, mit dem ״Anfügen, dasss selbst Jost erst seit der Entstehung ״des Islam die grosse Sabbatfeier in den Got’tös- ״diensten der Juden nachzuweisen vermöge, halte ich ״es an der Zeit, mit Hülfe meines vieljährigen ״verehrten Freundes, des gelehrten Ver- ״fassers ״der Geschichte des Judenthums und seiner ״Sekten“ Herrn Dr. Jost, die sämmtlichen bis jetzt ״zugänglichen Erwähnungen dieses Namens in der ״jüdischen Litteratur hier übersichtlich zusammenzu- ״stellen, damit diese Frage einfür allemal ihre Er- ״ledigung finde.: 1. ״Die früheste ausdrückliche Erwähnung findet ״sich in den Synagogen-Gesängen, die R. Joseph ״ben Samuel Tob-Elem (d. h. Bon fiis in Limoges um 1040—1030״; vgl. über ihn Jost a. a. O. II, 388) für ״diesen Tag gedichtet hat und welche dem Machsor ״(allgemeinem Gebetbuche) einverleibt sind. Es werden ״darin ausführliche Vorschriften über die Knetung ״des süssen Teiges, die Gefässe für seine Bereitung ״etc., überhaupt über die Feier des Paschatages ge- 1*1 Abudraham und Talmud sehen also in Ps. 136 Gottes ״Grösse“ gefeiert; und diesen Hauptinhalt des Psalms soll eben das demselben entnommene Attribut in הלל הגדול andeuten. Kr. ") Das bestreite ich vorweg entschieden; Gründe später. Kr. ") So interessant das Excerpt auch ist, beweist es für Herrn G. doch im Grunde nichts. Schliosst das Excerpt doch — um nur Eins daraus gegen Herrn G. hervorzuheben — mit dem Geständniss, dass die Zeit, wann der Name ש־ הגדול zuerst in der Volkssitte entstanden sein mag, nicht zu ermittein sei. Kr.