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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-10-01 · N° 40. (1.10.1886) · p. Seite 156

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 40. (1.10.1886)
Date
1886-10-01
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
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— 156 tungen seiner Gegner za widerlegen oder ab zuschwächen. Welche Gründe hat Graetz für seine Annähme? Es wird vom Könige aasgesagt, dass er Gerechtigkeit liebe, Frevel hasse (V. 8), dass sein Scepter der Unparteilichkeit gelte (V. 7) und dass Anmuth auf seinen Lippen ausgegossen, was 80 viel sagen will, dass er selbst Dichter ist. Und Hiskia war ja Dichter Je8. 38,10 ff.; ist von ihm. Und auch Psalm 101 hat Hiskia, allerdings nur nach Graetz’ Dafürhalten, gedichtet. Und V. 11? Auck darüber weiss Graetz Bescheid. König Hiskia hat eben einer Frau sich vermählt, die ihr Vaterhaus nicht habe vergessen können. Und עמך?עמך bedeutet nicht Volk, sondern Familie. Wie konnte aber der Hochzeitsdichter schon am Hochzeitstage wissen, dass die Braut bei allen königlichenGenüssen und allerUeppigkeit ihr Vaterhaus nicht werde vergessen können? Und musste sie es vergessen? welches war das zwingende Motiv? Waren sie doch desselben Stammes, desselben Volkes und desselben Bekenntnisses, wie der König? Olshausen denkt gar an einen nichtjüdischen König, an Alexander, König von Syrien, bei Anlass seiner Vermählung mit der egyptischen (also nicht tyrischen) Königstocher Cleopatra zu Ptolmais (1. Makk. 10, 57.58). Und wie kamen die Juden dazu? Sie fanden sich veranlasst, ihn und die Cleopatra zu feiern, weil er ein Gönner des Makkabäerfürsten und Hohenpriesters Jonathan war. 0. gesteht aber selbst ein, dass ein spezieller Grund innerhalb des Psalms nicht zu finden ist. Wird nun aber einmal angenommen, wie nicht anders möglich, dass dieser Psalm bei Anlass einer Vermählung eines jüdischen Königs mit einer fremdländischen Königstochter gedichtet wurde, so muss es sehr befremden, wie dieses Lied in diesem Liederbuche habe Aufnahme gefunden, ja habe finden können? Unmöglich aber ist dieser Psalm ein Tendenzpsalm, wie das Buch Ruth und das Buch Ester Tendenzgeschiohten sein sollen, um gegen Ezra und Nehemia, die die gemischten Ehen auilösten, zu demonstriren. Kommt doch ausser der übersohwängliehen Lobhudelung des Brautpaares nichts vor, was die Sammler hätte bestechen oder verblenden können, wie in den angeführten Büchern. Es muss daher nach einem Fall gesucht werden, in welchem eine solche Ehe nach mosaischen Grundsätzen zulässig wäre, ohne die Rechtgläubigen und Gesetzestreuen öffentlich zu ärgern, oder die damalige theokratische Empfindlichkeit zu verletzen. Und siehe da — es giebt in der heiligen Schrift eine Norm, auf Grund der eine Ehe mit einer fremdländischen Königstochter eingegangen werden darf. Nur ist diese an Bedingungen geknüpft. Die Braut muss nämlioh im Kriege erbeutet werden und so schöu sein, dass das Herz des Kriegers ihr wieder zur Beute falle. Eine שביה, die zugleich יפת תואר ist (5. Mos. 21, 10—13). Und die Herzen vieler jüdischen Könige und Krieger waren für Anmuth und Schönheit sehr empfanglieh. Nach einem Berichte des Talmud sollen zu Zeiten des David viele solche Ehen geschlossen worden sein.*) Rabban Gamliel hatte sogar eine eigene Benediktion beim Anblick einer solchen. Dieser Fall konnte sich daher bei mehr als einem jüdischen König oder Kriegsobersten ereignet haben. (Fortsetzung folgt.) *) Synl.edrin 21. 41» Nochmals über ש׳ הגדול. Die Erklärung, welche Herr Dr. Kr oner-Brandenbürg in No. 30 S. 117 a des ״jüd. Littbl.“ über die‘ Bezeichnung שבת הגדול für den Sabbath vor HDC giebt, hatte er früher bereits ein Mal in der ״Allg. Zeit. d. Judth.“ 1880 Jahrg. 44. S. 171 veröffentlicht.') Dieselbe ist jedoch nicht so neu, wie Herr Dr. Kr. meint; denn zu Anfang der sechziger Jahre, wenn ich nicht irre, im Jahre 1862, hat Jsak Roth, weil. Rabbiner in Ung. Brod (Mähren) die gleiohe Erklärungim״Hamagid“ veröffentlicht.ג) Rabbiner Roth דל wollte mit dieser seiner Erklärung Propaganda machen für die Ansicht des R. Eliabu Spiro, welch Letzterer in seinem אליה רבה, Commentar z. א“ח> behauptet, die Haphtara: ״וערבה״ (Maleachi 3, 4—24) müsse an jedem ש הגי gelesen werden, nicht bloss dann, wie der allgemeine Gebrauch, wenn ש' הל auf "ערב פסח" fällt. Da nun aber der allgemeine Braue b, wie wir weiter unten zeigen werden, mit Recht,ג) gegen die Ansicht Spiro’s ist, so zeigte dies allein schon, dass die Bezeichnung ש' הל nicht auf dem Ausdrucke הגדול! der (Mal. 3,23) in der Haphtara וערבה vorkommt,4) beruht. Der Hinweis Kr.’s auf: ש' חזוץ und ש' נחמו beweist gar nichts. *) In Ermanglung einer anderweitigen Bezeichnung, werden die betreffenden Haphtaroth nach dem ersten Worte, mit dem sie beginnen, benannt, wie Aehnliches auch sonst in der jüd. Litt, häufig*) vorkommt. Der Midrasch zum H. L. heisst: חדת, weil er mit Spr. Salom. 22,29 beginnt und der Midr. zu den Psalmen heisst: שחר טוב, weil er mit Spr. Sal. 11,27 beginnt. Von den Haphtaroth haben dann die Sabbate die Namen 'ש' ח und ש, ל erhalten, ganz so wie der Sabbath in den Bussetagen den Namen ש שובה von der Haphtara, diese wieder ihre Bezeichnung שובה von dem Worte: שובה (Hosea 14,2) mit dem sie beginnt, erhalten hat. Wo die Haphtara hingegen ihren Namen von dem Thema, das sie behandelt, erhalten, da führen die Sabbate wieder die Namen des der Haphtara zu Grunde liegenden Thema’s, an den gewöhnlichen Sabbathen den der laufenden Sidra, an den ארב, פרש den des Thema’s der betreffenden besondern פרשה, wobei wieder, bei den meisten Sidroth des Jahres und bei י) Diese Erklärung habe ich neben der Besprechung der Tricesima Sabbata reproducirt, um Herrn Dr. Duschak, der neben seiner Notiz bezüglich der T. S. die Fragen über ש הגדול in No. 2J d Bl. angeregt hatte, sowie andere gelehrte Leser desselben zu einer Erörterung dieser, uns alle hochinteressirende Frage zu veranlassen. Ich bin daher Herrn Dr. G o 1 d f a h n für seine Diatribe dankbar, und habe um deren ungekürzte Veröffentlichung die verehrliche Redaction, die mir die Abhandlung zu etwaigen Gegenbemerkungen gütigt übermittelt, dringe*na ersucht. Dieselbe hat mich freilich eines Bessern noch nicht belehrt, jedenfalls ist sie indess geeignet, die Frage wieder in Fluss zu bringen. Er. *) Für diese Mittheilung verdient Herr Dr. G. ganz besonderen Dank. Denn da die Erklärung des sei. Roth, wie ich hiermit konstatire, mir niemals bekannt geworden, so kann die Mittheiluni nur darthun, dass zwei von einander völlig unabhängige Erklärer des fragt Gegenstandes zu derselben Ansicht über denselben gelangt sind, was wohl Niemand für ganz belanglos halten dürfte. Uebrigens bedaure ich aus mehrlachen Gründen, dass Herr G. den Wortlaut der ״gleichen“ Erklärung des sei. Roth nicht wiedergegeben; vielleicht erweist er uns den Gefallen, sie wörtlich zu reproduciren, noch nachträglicli; ich bitte darum! Kr. ’) Wirklich? Diese Behauptung G.'s ist, wie wir weiter unten zeigen werden, sehr gewagt. Kr. *) Freilich allein auf diesem Ausdruck, ohne die Idee, die er andeutet, nicht. Kr. *) Wie viel Herr G. beweist, zeigt er sofort Kr. •) Wie fein vorsichtig! Jawohl ״häufig“ — wer hat das bestritten? Finden sich indess keine Ausnahmen? Das ist hier die Hauptfrage Die ganze weitere Diatribe erscheint auch der elementarsten Logik sofort bedeutungslos, wenn Herr G. I Ausnahmen zugiebt und zugeben muss. Kr.

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