Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 39. (23.9.1886)
- Date
- 1886-09-23
- Page
- Seite 153 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 153 — welcher sie die eine Welt voll Sohmerz in sioh sohliessenden Worte aufs frühe Grab gesetzt: Hier raht in Gott meine einzige Tochter Bianca Elbthal Freudlos war ihr armes Leben, reich an Tugenden und seltener Herzensgute, war sie stets die Stütze und das GllUck meines Lebens. Ihr, der Erblindeten, ist ihre schöne Stiftung für Blinde tmd Augenkranke gewidmet. In der Nähe der letzterwähnten Gräber finde ich auf dem Grabe einer Mutter die herrlichen trostreichen Worte: Ich schlafe, aber mein Herz ist wach. Vereinzelt nur lassen uns die Grabsteine einen tieferen Einblick thun in das einstige Geschick und die Lebensschicksale des stillen Schläfers, wie auf jenem schlichten Steine: ״Nach des Lebens Milh’n und Sorgen, Ruht sich’s sanft im Schooss der Erde.“ Es geht mit den GrabesinschrifteD, wie mit Photographien und Bildern überhaupt. Sie verändern ihr Aussehen und Gepräge je nach dem Punkte, von dem aus wir sie betrachten, und je naoh der Lebensjahreszeit, in der wir das Bild aufgenommen.- Ich bin für heute am Ende meiner stillen Wanderung und stehe stumm vor der Gruft einer schlichten Frau. Sie hat 9 Kindern das Leben geschenkt, sie alle vorzugsweise durch ihr verständiges, rast- und selbstloses Walten mit den bescheidensten Mitteln zu brauchbaren Menschen herangebildet, alle selbst genährt, gepflegt und gewartet ohne Dienstboten und fremde Beihülfe und noch sehe ich im Geiste ihre Kleinen in den ersten Morgenstunden vor mir stehen, wie dieses kleine Regiment, nachdem sie einen nach dem andern abgefertigt, losmarschiert ins Freie, so sauber und so sohmuck, dass sie sich neben den reichsten ihrer Spielgenossen sehen lassen können. Noch sehe ich sie vor mir, wie sie später mit unsäglicher Traurigkeit eines nach dem andern fast hilf los in die weite Welt schicken muss, um zu lernen und sich für das Leben vorzubereiten, die unvergesslichen Ermahnungen und Segenswünsohe ihrer Mutter als einzigen grössten Schatz im Gerzen mit sich tragend. Noch sehe ich sie vor mir, diese seltene Frau, wie sie die Nachricht empfängt, das eine oder andere ihrer Kinder werde demnächst auf wenige Stunden oder Tage zum Besuch heimkehren ins Elternhaus, und nie werde ich die Glückseligkeit vergessen, die dann ihr edles Antlitz verklärte. Thränen der Freude und Wehmuth perlten in ihren treuen Angen und sie entzog sich daun für ein Weilchen den Blicken ihrer noch unter ihrer sichern Hut weilenden Kleinen. In der Mittagshöhe ihre3 selbst- und rastlosen Schaffens und Wirkens haben ihre Kinder sie hinausgeleitet, an diesen stillen Ort, als sie eben daran waren, ihr Liebe um Liebe und Treue um Treue ein klein wenig zu vergelten. Ich habe ihr die Worte aufs Grab gesetzt: Wo wohnt der Erde höchste Lust? In frohbewegter Mutterbrust. Und wer umfasst den tiefsten Schmerz? Ein armverwaistes Kindesherz. Aoh 1 es war ja meine unvergessliche, unvergleichliehe Mutter. Schlafe wohl! Litteraturbericht. Recensionen. Neubauer, Ad. M. A. Exeter College, Oxford. Catalogue of the hebrew Manuscripts in the Bodleian libraryand in the College librariea of Oxford inaluding Mss. in other languages, whioh are written with hebrew oharacters, or relating to the hebrew language or literature, and a few samaritan Mss With forty Facsimiles. Oxford. At the Clarendon Press 1886. XXXII und 1168 Seiten. Ein gut bearbeiteter Catalog der Handschriften in der Bodleiana war sehr lange schon von Bibliographen und Literarhistorikern gewünscht worden, diesem Wunsche nachzukommen hat Dr. A. Neubauer versucht. Bei einem 80 gross angelegten und gleichzeitig so mühevollen Werke ist es natürlich, dass nicht alle Wünsche eines jeden Forschers berücksichtigt werden konnten. Das jedoch, was wir als unentbehrlich für die Brauchbarkeit eines Cataloges, der so kostspielig ist, erachten, wollen wir im Verlaufe unseres Referats näher auseinandersetzen; hier sei nur bemerkt, dass der grösste Theil der hier angeführten Orts- und Familiennamen nur mit hebräischen Buohstaben und geschrieben nic^t transcribirt auch kein Hinweis gegeben ist, wo wir die betreffende Stadt zu suohen haben. So ist z. B. in No 630 בומסל UQd in No. 1130 כומפלא ®rwähnt, das man leicht als Bun7,lau erklären kann; nun giebt es in Böhmen selbst 2 Städte dieses Namens und zwar Alt- und Jungbunzlau; in preussisch Schlesien ist gleichfalls eine Stadt Bunzlau. Welche von diesen Städten ist hier zu verstehen? Darauf und die meisten ähnlichen Fragen bleibt uns der Catalog die Antwort schuldig. No 1021 erwähnt den Ort ביזצמן, auoh da dürfte der Forscher nicht leioht die Stadt Bisenz (Bzence) in Mähren herausfinden. Vorläufig genug davon. In der Einleitung giebt Neubauer eine kurze Geschichte der hebr. Manusoripte der Bodleiana und der Catalogisirunz derselben. Hiernach folgt die Inhaltsangabe des Werkes; dieses bringt: 1. Verzeichniss der öfter citirten Werke in abgekürzter Form; 2. Concordanz der früheren Cataloge mit dem neuen; 3. biblische Handschriften; 4. Uebersetzungen der Bibel; 5. Midrasch und dessen Commentare; 6. Commentare und Supercommentare; 7. Talmud und zwar Halacha; 8 Talmud und zwar Hagada; 9. Liturgie und Commentare hierzu. Dieser Theil ist von besonderem Interesse für die Geschichte der Liturgie, die trotzZanz’grundlegendem Werke: ״Sy nagogale Poesie“, Ritus d. syn Poesie, Literaturgeschichte der sya. Poesie u. Nachtrag, noch gar sehr der bearbeitenden Haud harren. 10 Theologie, Philosophie uud Ethik; ll Massorah, Grammatik und Lexioographie; 12. Kabbala; 13 Poesie und gereimte Prosa; 14 Mathematik, Astronomie, Astrologie, Magie und Cosmographie; 15. Medicin; 16. Miscellanea und zwar: a) Polemische Litteratur, b) Historische Litteratur, c) Urkunden, Literatur und Formeln jüdischer Documente,d) Jndices, e) Collectanea und Varia; 17. Neue Manusoripte und Ergänzungen zu den früheren; 18. Manusoripte der Colleges in Oxford; 19. Manusoripte mit romanischen Buchstaben, die auf die hebräische Litteratur sich beziehen; 20. Jüngst angekaufte Handschriften; 21. Samaritanische Handschriften; 22. Indioes und zwar: a) der Autoren, b) der Uebersetzer, da bekanntlioh die Juden eine grosse Rolle als Uebersetzer des Arabischen und anderer Sprachen gespielt, 0) der Familiennamen, d) Titel der Werke, Anonyme Schriften und Classification, e) Schreiber, f) Eigeuthümer der betreffenden Manusoripte, g) Zeugen, die das Eigenthumsrecht bestätigen, h) Censoren, Nachträge und Verbesserungen, i) Geographische Namen; 23. Appendix (Anhang) zu den neu angekauften Handschriften; 24. Index zum Appendix; 25. Auszüge und Noten;