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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-09-16 · N° 38. (16.9.1886) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 38. (16.9.1886)
Date
1886-09-16
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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— 150 — durch seinen reichen Inhalt nnd angemessene Aus- 8tattung (guter und deutlicher Druck, schönes, festes Papier, hoch Octav) unstreitig den hervorragendsten Platz ein. Das Kalendarium, welches das ganze bürgerliche Jahr (bis Ende Deoember 1887) und ausserdem das jüd. Kalenderjahr umfasst, ist mit allen üblichen synagogalen Bandbemerkungen aasgestattet; das ״ Jahrbuch “ bringt litt. Beiträge von Rabb. E. Karpeles (über Pessimismus und Judenthum, ein gründlicher und jeden Gebildeten ansprechender Vortrag), von Babb. Dr. E. Plessner ein Wort zu seiner Zeit: Ueber die gesellschaftliche Stellung der Juden, von Babb Dr. Jo öl beherzigenswerthe Worte über das ״Einst und Jetzt“ der jüdischen Schule und von Landrabb. Dr. Hamburger einige Biographien von Talmudlehrern (Bar Kappara, Ben Soma u. a.). Soweit die wissenschaftlich belehrenden Beiträge. Aber auch an unterhaltenden fehlt es nicht. Da ist von F. Gotthelf ein mit vieler Liebe gezeichnetes Lebensbild des sei. B. Akiba Eger und eine mit humoristischem Anstrich geschriebene schöne Novelle aus dem Russischen von H. A. Levin, die u. a. eine abergläubische Aeusserung des Midrasch über die vorgeburtliche Ehe8chlxessung ad absurdum führt.. Während wir es für eine eines Volkskalenders recht würdige Aufgabe halten, das jüd. Familienleben von dergleichen abergläubischen Vorstellungen zu reinigen, hat ein orthodoxes Blatt gerade hieraus Veranlassung genommen, den Liebermann’schen Kalender als unreligiös zu verdächtigen und vom Ankauf desselben abzurathen. Wer aber weiss, dass der Bedactcur jenes Blattes selbst unter die ״Kalendermacher“ gegangen und nur ״koschere Waare“ fabrizirt — der es meist wie dem ״koschern Wein“ ergeht, der nicht im Rufe der besten Marke steht, — wird das Motiv jener Verdächtigung einfach in der Concurrenz erblicken. Was den Lieberxnann’schen Kalender noch besonders auszeiohnet und empfehlenswerth macht, das sind seine Mittheilungen über den unabhängigen Orden B’nai B’rith und dessen Ausbreitung in Deutschland; die abgedruokte Bede des Herrn A. Peiser in Breslau, gehalten beim Umzuge der Lessing-Loge in ihr neues Sitzungslokal, athmet den Geist echter Friedensliebe und Humanität, der in allen Logen gepflegt werden soll. — Gedichte und jüdische Anekdoten bilden die unvermeidliche Beigabe dieses beliebten Kalendermannes, der zum neuen Jahre in recht viele jüdische Familien seinen Einzug halten möge. (Jüdische Cultusbeamte, die sich die Verbreitung desselben angelegen sein iassen, erhalten hohen Rabatt vom Herausgeber) 2. Der in kleinem Format erscheinende Pascheles’sche Volkskalender enthält ausser dem vollständigen Kalendarium auch eine ״Gallerie jüd. Denkwürdigkeiten“, die für unsere Glaubensgenossen in Oesterreich von ganz besonderem Interesse sein müssen. Die historische Skizze über die ״Juden in Böhmen“ (vom Regierungsantritt Ferdinands I. bis Josefs II.), sowie die Uebersioht über ״das geistige Leben und Streben der Juden in Böhmen von 1526—1781“, haben den fleissigen Forscher Dr. M. Grünwald, (jetzt Rabbiner in Jungbunzlau) zum Verfasser und beruhen auf Quellenstudien. Die ״Prager Ghettogescniohten“ von B. Auerbach sind recht interessant, zeigen aber am Style sofort, dass sie nicht etwa aus dem Nachlasse Bert hold Auerbachs, sondern aus der Feder eines Pseudonymus Bernard Auerbach herrühren. Der Verf. erzählt ganz hübsch, aber der Styl muss sorgfältiger sein. ״Der Zauber des Jdus im Jahre 1848 (S. 131) 18t mehr als ein grammatischer Schnitzer; wozu Fremdwörter gebrauchen, wenn man ihre Bedeutung nicht kennt? ״Dass Schlome Weiss jetzt glücklich an das ״rechte Eck“ in seiner Er- Zahlung angelangt war“ (S. 148) ist wohl nur ein lapsus calami. ״Gallach“ mit ״Seminarist“ wiederzugeben, dagegen dürfte mancher lockige Lehr- oder Predigtamtscandidat protestiren. ״In diesem Salon pflegten .... junge Streber sich einzufinden, die dem Hof günstig gesinnt waren, welchen sie den beiden schönen .... Töchtern eto. machen konnten*״ (S. 140) ist doch eia allzu sehr mit den Haaren herbeigeschleppter Wortwitz. Trotz dieser kleinen Ausstellungen, die dem Verf beweisen, wie aufmerksam wir seine Erzählung gelesen״ sei auch dieser mit dem gutgetroffenen Porträt Salomon Herxheimers als Titelbild — warum ist nicht auch seine Biographie beigegeben? — versehene, sowie mit obligaten Gedichtchen und jüdischen Witzchen ausgestattete Kalender seiner gesunden Hausmannskost wegen, bestens empfohlen. Litterarisohe Notizen. I. Die Censnr Im Hesorath Uamaor. (Schluss.) Bezeichnend sind auch folgende Streichungen im: 12. [מאוסה היא הערלה] :נר ב׳, כלל א׳ דולר! א־ פרק א׳ שנתגנו הרשעים. Daselbst Perek 2: די׳מאומר גדולה היא מילה. שבל עצות שעשה אברהם אבינו לא נקרא ]שלם עד שמל]. Ferner: :גדולה היא מילה שאמלא היא ולא ברא] הקב־ 'ה את עולמו. 13. Daselbst Perek 3: מלמד 1שיושב1 הקב״ה 1וםופר את רביעיותיהן של ישרא ואומר מתי תבא טיפה שהצדיקו נוצר ממנה.. Von derartigen Stellen sind noch mehrere gestrichen. 14. בכל זמן שיש בעולם :נר נ־ כלל ג׳ חלק א־ פרק ה׳ מי(שהוא מאמין באלהות אחרו בלתי וכד. und gleich darauf .להנקם מארבי השם שהם אויבי] ישראל[. 15. Gegen Ende dieses Abschnittes heisst es: וכשמקבצין וכ״ו י י י [מסתלק׳ ובוכה על שתלתה את בניה בלומר דואגת] על שחטאו וכו. שמעתי, קול ושמנהמת כיור ואומרת אוי לי שחרבתי:Ferner את ביתו ושרפתי את היכלי והגליתי את בני לבין אומות העולם1. :nahe am Schlüsse heisst es נר ג/ כלל ני, חלק א׳ פרק כ׳ד..16!מלמד שנתעטף] הקב״ה!כשליח צבור] 17. Von den noch folgenden vielen Stellen, die durchstrichen sind, mögen'zum Schluss noch_zwei erwähnt werden: 1כל היושב בתענית נקרא חוטאן 18. Am Schluss von ',נר ד Perek 10 ist gleich zu Anfang gestrichen•:!המלך המשיח שעתיר לינלות מובטח לנו שעתיד ויהיה] זמן רב ואמר רבותינו.להחזיר מלכו׳ של דוד וכו 1שמלך אחר שאינו מזרע דודו יקדימנו ויהרג וקראוהו [משיח inowraziaw. .[בן יוסף Js. Herzberg. N II. Einen grossen Uebelstand in der jüdischen Litteratur bildet, wie der Herr Red. d. Bl. schon öfters bemerkt hat, die Nichtberücksichtigung vorangegangener Arbeiten über den betreffenden Gegenstand. So finden wir in No. 36 d. Bl. unter den litterarischen Notizen No. 3 eine Mittheilung des Herrn Heller, dass Raschi’s Todestag nunmehr aus einem in Paris befindlichen Manuskripte eruirt worden und d'irch Datumvergleichung richtig gestellt sei. Nun wurde aber diese Stelle des Pariser Ms’s. bereits vor mehr als 40 Jahren, A■ 1844, nämlich von Carmolv in seiner Geschichte der jüdischen Aerzte, citirt und berichtigt. Carmolv hatte sich jedoch in seiner Kalenderrechnung geirrt, und Lnzzato war es, der (Orient Ltbl. Jhrg. 1846 No. 27) die Rechnung richtig stellte, dass Freitag fiel. Ueber die Richtigkeit des von jeKer angenommenen Jahres 4866 kann übrigens um so weniger ein Zweitel obwalten, als ausser der bereits von Bloch und nachher von Graz aus einem Ms. in Parma angeführten Stelle, auch von Luzzatto schon in seinen Prolegoineni, so wie im Orient 1. c. aus einem reichen handschriftlich vorhanden gewesenen סדור רשי v. J. 1282 folgendes Epigraph allegirt wird: לשי נאסף לעולמו בשנת ם״ה למאה תשיעי של אלף חמישי, והייני שנת תתס״ה לפרט וסימנך ששים וחמש שנה יחת אפרים מעם. Prag. S. Hock. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig

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