Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 38. (16.9.1886)
- Date
- 1886-09-16
- Page
- Seite 149 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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in Nazareth verlebt hat, werden Sie unter Hinweis I auf Lucas 1,26; 2,4 und 39 antworten und über den Babbi ob seiner kinderleioht zu beantwortenden Frage lachen. Aber, bitte, laohen Sie einige Minuten später, wenn Sie es dann nooh können. Sie weisen auf Lucas hin, aber Luoas ist nicht Matthäus, Matthäus nicht Lucas. Am Schluss des zweiten Kapitels Matth, heisst es: ״Im Traum empfing Joseph Befehl von Gott und zog in die Oerter des galiläischen Landes, und kam und wohnete in der Stadt, die da heisst Nazareth, auf dass erfüllet würde, was da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heissen.“ Wo im A. T. steht denn diese Weissagung? Wissen Sie cs, Erleuchteter? Wir wissen es nicht und sind so anmassend, zu behaupten, dass es Niemand weiss, weil eben diese Weissagung nirgends im A. T. vorkommt. Wie nun aber das Wort des ״süssen Evangeliums“ retten? Nun, Bettung können Sie hier, so sauer es Ihnen auch wird, einzig und allein ״ von dem Gekünstelten der rabbinisohen Exegese“ erhoffen — hier haben Sie die von Ihnen verabscheute ״absurde und verschrobene“ Gesetzesdeutung des Midrasch, wie sie leibt und lebt. Bereits in No. 11 des ״Jüd. Litt.-Bl.“ 1831 haben wir ״die häufige Verwendung derLautähnliohkeit zu agadisohen (midrasohischen) Zwecken“ Ausführlich erörtert, dort aber nur Beispiele aus der talmudisohen Litteratur citirt. Diese Beispiele sind indess wohl geeignet, das vorliegende und die weiteren frappanten Exempel fraglicher Gesetzesdeutung im N. T , welche wir im ״Jüd. Litt.- Bl.“ zu veröffentlichen uns Vorbehalten, in ihrem Ursprung und Wesen genügend begreifen und würdigen zu lehren. Nun zurück zu der Prophetie: Er 8011 Nazarener heisseni Luther, der wahrscheinlich von Babbinen — die ihm bekanntlich bei seiner Bibelübersetzung manohen Dienst erwiesen — das Wesen agadisoher Deutung «inigermassen kennen gelernt hatte, — parallelisirt: I. 5. M. 33,16: Das Alles komme auf das Haupt Josephs, auf den Scheitel des Ausgezeichneten — nesir — unter seinen Brüdern. Die Stelle 8011 typisoh für Joseph, Christi Vater, sein und nesir als lautähnlich mit n o z r i (טנרי *= Na£wpaT0; Nazarenus) typisch für die Nazarener, Vater und Sohn“) II. Je8. 11,1: Und es keimt ein Beis aus dem Stamme Jsai, und ein Sprössling (nezer) aus seinen Wurzeln (schorasohaw) bricht hervor. Hier wird aus der Lautähnlichkeit von nezer und nozri die Identität beider gedeutet. IH. Jes. 53,2: Er wuchs auf wie ein Beis vor ihm und wie eine Wurzel (schoresch) aus dürrem Lande. Hier steht also schoresch, Jes. 11,1 steht schorasohaw, und zwar dieses neben nezer, und da nezer mit nozri lautähnlioh ist, ergo: schoresoh nozri. Wir haben iu der alleg. No. 11. des J. L.-Bl. ein Beispiel aus Synhedrin 106 b gebracht, das eine ganz ähnliche Deutungsweise vorführt. IV. Secharj. 6,12: Siehe, ein -Mann, Spross (zemach) ist sein Name und unter ihm wird’8 sprossen, der wird bauen den Tempel des Ewigen. Zemaoh (Spross) ist synonym von nezer (Sprössling), nezer lautet ähnlich mit nozri, ergo: zemach nozri. Wie viel ״Künstelei, Abgeschmacktheit und Verschrobenheit“! würde der Herr Kopist sicherlich deklamiren, wenn er ähnliche Deutungen aus dem Sohriftthum *) So übersetzt schon Hieronymus יד!! “Iplphl (1• c.): et in vertice ״Nazaraei“ und so steht's auch in der vom Tridentiner Concil sanctionirten Vulgata. (Red.) der Juden hörte; aber nun, da wir ihm leibhaftige Ebenbilder im N. T. zeigen?- Fahrt nur 80 fort, an den paar Aesten des Lebensbaum es zu sägen, auf denen ihr selbst sitzt; diese Aeste würdet ihr bald fällen, den Baum aber und seine andern Aeste nie und nimmer. Recensionen. Zimmels, Dr. B. Leo Hebraeus, ein jüdischer Philosoph der Benaissanoe; sein Leben, seine Werke und seine Lehren. Breslau 1886. Verlag von W. Köbner. Während über die mittelalterlichen jüdischen Philosophen von Saadia bis auf Josef Albo zahlreiche Schriften erschienen sind, in denen die Leistung dieser Philosophen gebührend gewürdigt, ihr Verhältni8s zu einander klar gelegt und ihre Stellung zur zeitgenössischen Philosophie gekennzeichnet wird, hat ein jüdischer Philosoph, weloher an der Schwelle der Neuzeit steht, wiewohl er nicht ohne Bedeutung ist, bisher noch nicht genügende Beaohtung gefunden, vielleicht, weil er als jüdisoher Philosoph in seiner Zeit und in seinem Lande vereinzelt dasteht, ohne gerade epochemachend zu wirken, vielleicht auoh, weil sein Hauptwerk ״Dialoghi di amore“ in italienischer Sprache verfasst und, obgleich schon früh in’s Hebräische übersetzt, doch bis vor kurzer Zeit iu hebräischer Sprache nur handschriftlich vorhanden war. Dieser Mann, dessen Leben, Werke und Lehren die vorliegende Schrift behandelt, istDon Judah Abarbanel, bekannt unter dem Namen Leo Hebraeus. Der Verfasser hat das Verdienst, uns durch seine belehrende Abhandlung diesen ״Philosophen der Benaissance“ näher gebracht zu haben, dessen B9deatung für seine Zeit schon aus dem Umstande hervorgeht, dass sein bereits erwähntes Werk ״Dialoghi di amore“ im 16. Jahrhundert innerhalb eines Zeitraumes von 70 Jahren 19 Ausgaben in italienischer, franz , spau. und lateinischer Spraohe erlebt hat. Auf das Klarste entwickelt der Verf. die Stellung Leo’s zur Philosophie der Benaisflanoe, und sein Bestreben, platonische und aristotelische Lehren, um die damals der Streit heftig entbrannt war, mit einander auszugieioheu (S. 7, 12, 84 u. ff.). S. 27 und 28 führt Z. den Nachweis, dass Leo mit dem jüngern Grafen Pico von Mirandola verkehrt habe, während man bisher vielfach angenommen hatte, dass es der ältere Graf Pico gewesen sei, zu dem er Beziehungen gehabt habe; ebeuso zeigt Verf. mit grosser Gründlichkeit, dass der hebräische Uebersetzer der Dialoge Josef Baruch aus Urbino gewesen sei. Ueberhaupt enthält die Schrift manche treffende und anregende Bemerkung, nur wäre es wünschens werth gewesen, dass Verf. durch Uebersetzung der italienisch angeführten Stellen den Lesern die Leotüre seines Buches erleichtert hätte. 1. Liebermann, H. Deutscher Volkskalender, insbesondere zum Gebrauch für Israeliten auf das Jahr 1887 (תרמ״ז). Mit literarischen Beiträgen. 34. Jahrgang. PreisM. 1.25. ImVerlage vonH.Liebermann inBrieg. 2. Pascheies, Jakob W. Illustrirter israelitischer Volkskalender für das Jahr 5647 Mit vielen nützhohen und erheiternden Zugaben. 35. Jahrgang. Preis 70 Pf. Prag bei Jakob W. Pascheies. 1. Unter den vielen Kalendern, mit denen der jüd. Büchermarkt überschüttet wird — seit einigen Jahres treten auf demselben ״orthodoxe Kalender“ besondem marktschreierisch auf — nimmt der Liebermann’sche