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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-09-02 · N° 36. (2.9.1886) · p. Seite 141

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 36. (2.9.1886)
Date
1886-09-02
Page
Seite 141 (sequence 3)
Language
German
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— 141 — und sein Werk, Gartenl. Nr. 53, 1881) 8agt»n: ״Noch bis zu dieser Stande trägt das Antlitz der oivuisirten oder genauer gesprochen, der europäisoh-amerikanisoh-christliohen und der mohammedanischen Welt die geistige Signatur, welche ihr der semitische, zuerst durch die hebräischen Propheten zu einer sittlichen Macht ausgebildete Monotheismus verliehen hat“. Allerdings hätte dieses Weltantlitz bleibend einen viel freundliebem und erfreulichem Ausdruck gezeigt, als es leider so oft angenommen hat, wenn der hebräisohe Prophetismus im Christenthum za grösserer Herrschaft gelangt wäre. Wohl kam von den Juden das Heil ungezählten Millionen Menschen, aber nur eine versohwin- •dende Minderzahl prüfte Alles und behielt das Beste. — (Fortsetzung folgt.) Litteraturberiehk Becensionen. Egers, Jacob Dr. Diwan des Abraham Jbn Esra mit seiner Allegorie Hai Ben Mekiz. Berlin 1886. XX. und 187 S Gr, 8״. (In Commission bei J. Kaufmann in Frankfurt a. M.) Durch den gelehrten Herausgeber ist der Diwan des Abraham Jbn Esra aus dem einzigen, in der Berliner Königlichen Bibliothek sich vorfindenden Manuscripte veröffentlicht worden. Diese Publication sollte nach der Intention des Herausgebers zunächst eine Festgabe und Huldigung sein, seinem berühmten, greisen Lehrer, dem erfolgreichen Förderer der hebräischen Bibliographie, Herrn Dr. Moritz Steinschneider, bei Gelegenheit der Feier seines 70. Geburtstages überreicht. Diese Schrift hat aber vollen Anspruch darauf, mehr zu sein, als eine Jubelgabe, welche ihr Entstehen der Herzensergiessung des Schülers und Freundes verdankt. Sie ist eine wissenschaftliche weistueg von bleibendem Werthe, eine Leistung, Leiche den Schüler nicht minder ehrt, als den gefeierten Lehrer, eine Leistung, welche alle Freunde der mittelalterlichen hebräischen Poesie und Litteratur mit aufrichtigem Danke begrüssen. Nicht in letzter Beihe wird die historische Wahrheit und die geschichtliche Gerechtigkeit diesen zum ersten Male edirten Diwan des Abraham Jbn Esra nach Gebühr zu würdigen wissen. Diese überaus werthvolle Veröfientlichung hat — nolens volens — einen Act historisoher Sühne und geschichtlicher Klärung vollzogen. An Bewunderern, welche die schöpferischen, geistvollen, scharfsinnigen, witzigen, exegetischen, kritisehen, grammatischen Leistungen Jbn Esra’s verherrliehen, hat es freilich nioht gefehlt; aber ebensowenig an scharfen Kritikern, welche Jbn Esra und seine litterarischen Leistungen auf das Liebloseste beurtheilen oder richtiger verurtheilen. Man hat sich namentlich für berechtigt gehalten, Jbn Esra’s Aufrichtigkeit auf das Entschiedenste zu verdächtigen. Historiker und Kritiker, welche seinem genialen Geiste und seinen Licht und Feuer sprühenden litterarischen Erzeugnissen ihre bewundernde Anerkennung nicht zu versagen vermögen, stehen nioht an, auf Grund vieler, halb- oder ganz missverstandener, räthselhaft verschleierter, caustischer Winke und Wendüngen von oft kaum noch zu eruirender persönlicher Färbung ihm Charakterfestigkeit, Gesinnungstüchtigkeit, religiöse Ueberzeugungstreue, Glaubensmuth und sittlichen Halt abzusprechen. Man zimmert sich wohl schablonenhaft das Urtheil zurecht nach dem Satze: der Mensch ist ein Prodact seiner ungeregelten Neigungen, seiner wechselnden Eindrücke und wandelnden Geschicke. So gelangt man freilioh mühelos zu dem Ergebnisse, Gemüth und Charakter Jbn Esra’s seien ein Zerrbild der Zerfahrenheit, flüchtiger Veränderlichkeit und unstäter Ruhelosigkeit. Freilich hat ihn sein herbes Geschick dazu verartheilt, flüchtig, unstät, beunruhigt, unter schweren Heimsuchungen und Anfechtungen als Jüngling, Mann und Greis von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von Welttheil za Welttheil umherzusohweifen, umherzuirren. Diese anscheinend plan- und ziellosen Wanderungen und Irrfahrten bedeuten wohl allenfalls die Summe seiner Tage, aber durchaus nioht — was man so oft übersieht — die Summe und das Facit seines Lebens. Trotz aller Wechselfalle seines feindseligen Geschickes hat Jbn Esra sich, sein Herz, sein Gemüth, seinen Charakter und seine Gesinnung nioht verloren. Die seinem warm schlagenden Herzen und seinem tief empfindenden, glaubensfrohen Gemüthe abgelauschten, bisher zum grossen Theile unbekannt gebliebenen Ergiessungen zeigen uns ein klares und wahres, lichtumfiossenes Bild, aus welchem Jbn Esra, der Mensob, der Mann, der Vater, der Freund, der Israelit in allen Stadien der Freude und des Schmerzes treu und lebensecht sioh abhebt. Wer über die Gemüth- und Charakter-Anlage in’s Beine kommen, wer bei diesem Meister der Bäthsel das Bäthsel seines so oft verkannten Herzens lösen will, wird auf die poetischen Erzeugnisse, welche der Diwan uns mittheilt, nicht verzichten dürfen. Hier wird er den Schlüssel zur Lösung des Lebensräthsels Jbn Esra’s finden. Mit grosser Sorgfalt und mit pietätvoller Gewissenhaftigkeit ist der Text vom gelehrten Herausgeber wiedergegeben. Er war bemüht, den Text der Hand- Schrift in voller Integrität wiederzugeben. Eigene, redactionelle Zuthaten, Conjecturen, Emendationen selbst an solchen Stellen, welche offenbar Corruptelen enthalten, sind stets durch Fragezeichen markirt. Dass der Herausgeber nioht die Mühe gescheut hat, mit allen grösseren Bibliotheken sich in Verbindung zu setzen, um durch eingehendes Collationiren den Text nach Möglichkeit zu sichten und sicher zu stellen, versteht sioh im Grunde von selbst. Auf die interessante Handschrift selbst hat zuerst Stein- Schneider in seiner hebräischen Bibliographie XE, 72 und Verzeichniss der Berliner Handschriften 71 aufmerksam gemacht. Näheres hierüber sowie über die in der Handschrift fehlenden Piecen findet sioh in der Einleitung des Herausgebers pg. XI ff. Werthvoll ist die arabisch abgefasste Einleitung des Sammlers, welche Prof. Kauffmann in Pest in’s Deutsche übertragen hat. Auch hat er sioh erfolgreich um die Lösung der Bäthsel von No. 21 bis No. 46 unseres Diwän’s bemüht. Zutreffend hat der geehrte Herr Bedaoteur dieses Blattes das Bäthsel in No. 48 gelöst. Der Herausgeber bemerkt: ״Der Vers ist dunkel; selbstverständlich bevor man die Lösung des Bäthsels kennt. ״ Der Vers lautet wie folgt:ואם תרצה שמו לידע. נרע לך משמו אחד. Der Sammler verräth bereits in der Aufschrift die richtige Lösung: משה. Der Schlüssel dazu findet sioh in dem zweiten Halbverse. Wenn man von 1 שמו abzieht, erhält man das zu orrathende Wort. שמו hat den Zahlenwerth von 346, 1 davon abgezogen, ergiebt die Summe von 345, welche dem Zahlenwerthe von משה entspricht.*) Andere Bäthselaufgaben harren noch ihrer richtigen Lösung. Be- *) Aehnlich ist’8 mit der Lösung des Bäthsels No. -'•י welches mit der Ueberschrift ״Auf Mose“ wie folgt lautet: שמונה ״ בהסירך מחמשה, שמו תמצא באותיות שלשה.Lässt Du die א■ von fünfen schwinden, wirst in dein Rest den Namen linden.“ (חמשה minus ח giebt משה). Wir beabsichtigen die übrigen noch nicht gelösten Rüthsei nächstens je nach Raum im Familienbl. zu veröffentlichen, damit der Scharfsinn unserer Räthsel lösenden Leser sich daran erprobe. (Red.!

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