Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 35. (26.8.1886)
- Date
- 1886-08-26
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
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— 137 — 3. ibid. 8,19 ״ הן הוא משוש דרכוSiebe, so ist sein wonnereicher Lauf“ — widerspricht ebenfalls dem Zusammenhänge, da vorher und naoher der Untergang der Gottvergessenen geschildert ist. — Ich halte hier מסום — משוש, vgl. Jesaj. 10, 18 ״Siehe, das ist die Yergänglichkeit seines Weges und aus dem Staube wachsen andere.“ — 4. ibid. 9, 33 u. 34 לו יש כינינו מוכיח ישית ידו על שנינו יסר מעלי כפו וכר ,,Wäre doch zwischen uns ein Schiedsmann, der seine Hand legte auf uns Beide! Er hebe weg von mir seine Hand* etc. Ich nehme es so: ״Wäre doch etc. —• Er würde schon wegheben von mir seine Hand eto.* — 5. ibid. 8, 35 אדברה ולא איראנו כי לא־כן אנכי עמדי ״Denn solches liegt nicht nur in mir“ — das giebt keinen Sinn. Vielleicht ״sonst wäre ich ungerecht (p לא) gegen mich.“ 6. Ibid 11,6 ״ תעלומות חכמהDas Verborgene der Weisheit,“ d. h. was der Weisheit (ironisch) des Hiob verborgen ist, nämlich in der Selbsterkenntniss: ודע ״ כי ישה לך אלה מעונךWisse, Gott liess Dich von Deinen Sünden vergessen,“ darum hältst Du Dich für unschuldig. 7. Ibid 12, 6 לאשר הביא אלה בידו Nicht, wie Zunz, ״Denen es Gott in die Hände gebracht“ u. dergl. sondern: ״Dem, der Gott in seiner Hand trägt“ d. h. dem Götzendiener. 8. ibid. 13,20 אך שתים אל תעש עמדי, d. h. leiden und schweigen. 9. Ibid. 16, 5 וניד שפתי יחשך Nicht ״Und das Beileid meiner Lippen würde lindern“, sondern: ״(Leere) Bewegung der Lippen würde aufhören,“ entsprechend dem Anfang des Verses: ״ אאמיצכם במו פיIch würde euch stärken mit meinem Munde, “ aber nicht, wie Ihr, gedankenlos, die Lippen bewegen. Dr. J. G. II. Zu desajah. C. 11, 8. ״Und es spielt der Säugling auf dem Loche der Natter; in die Höhle der Basilisken steckt seine Hand das entwöhnte Kind.“ Ohne auf gewisse sprachliche Schwierigkeiten der zweiten Hälfte des Verses einzugehen, so bezügl. der Uebersetzung von הדה (nach רד״ ק aus breiten), können wir einen Versuch, die herrliche Stelle in ihrer ganzen Kraft hervortreten zu lassen, nicht unterdrücken. Natonek hat in seinem nicht geistlosen Buche: ״Glaube und Wissenschaft“ das Wort מאורת hier nicht als Höhle, sondern als das, was das Licht von anderswo erhält und weiter trägt — in derselben Weise wie die Sonne, Mond und Sterne in Gen. 1, 14 und 15 als כארת bezeichnet werden, — bei dem Basilisk als den ״leuchtenden Rachen“ des Thieres erklärt. — Das Targum setzt die Bezeichnung hier bekanntlich zu den Augen in Beziehung. Von dem feurigen Rachen des Basilisken zu sprechen ist gewiss ein lebendiges Bild. Eine ganz andere Steigerung als es in obiger Ueber- Setzung geschieht, gewinnt der Vers nun in seinem zweiten Theile, wonaoh von dem Schlupfwinkel der Natter, auf dem der Säugling spielt, nun fortgefahren wird: Das (dreistere) schon entwöhnte Kind streckt seine Hand (nicht nach den Augen, sondern) in den (leuchtenden) Rachen des Basilisken. Um nun aber die unübertreffliche Schilderung des tiefsten Zustandes des Friedens weiter zu würdigen, ist eine Thatsache anzuführen, die dem allgemeinen Gesichtspunkte des geweissagten Bildes ent* spricht. Unter den Beispielen von Mutterliebe bei Thieren findet man angeführt: ״Sobald der Scorpion Gefahr bemerkt, öffnet er den Mund, die kleinen und zarten Jungen kriechen hinein, und er bringt dieselben in Sicherheit. Später öffnet er dann den Mund wieder und er lässt seine Lieblinge heraus“ (Schröder van der Kolk). Der Seher weist darauf hin, dass dereinst, in jenen gesegneten Zeiten, das dem Menschen feindlichste Thier*) die Kinder ebenso zärtlich behandein wird, wie die eigenen Jungen, da38 also Menschen und Thiere, wie im Paradiese vor dem Sündenfalle, eine einzige einander in Liebe zugethane Familie bilden werde. Durch diese Kimax im zweiten Theile gewinnt Vers und Bild ungemein an Poesie und Anschaulichkeit. Dr. Samuels. Zum jüd.-russischen Jargon. Im Magazin für die Litteratur des Auslandes veröffentlicht Herr S. Wiener aus Bialystock eine Sprach-Studie: ״Das jüdische Volapück“, dem wir Einiges unsere Leser besonders Interessirende entnehmen: Den Quellen dieses sonderbaren Sprachengemisches nachgehend, sehen wir das Deutsche als den eigentliehen Hauptstrom, mit einer starken Vermischung von hebräischen und chaldäischen und einer noch stärkern von slavischen Wörtern. Letztere ist in Südrussland — in Podolien und Wolhynien — so stark, dass das dortige Judendeutsch ohne die Kenntniss des Russisehen nur schwer verständlich ist. Das Polnische hat jedenfalls ein grosses Kontingent geliefert und Wörter, wie ״Spilke“ (Stecknadel), ״Kascha“ (Grütze), ״Katschke“ (Ente), ״Bulke“ (Semmel), ״Butelke“ (Flasche), ״Wetschere“ (Abenbrod), ״chappen“ (fangen), ״odewen“ (erziehen), ״Seide“ (Grossvater), ״Bobe“ (Grossmutter) und ähnliche sind auch den ausserhalb Polens lebenden Juden geläufig. Uns interessirt in erster Reihe das gewaltige Anlehen aus unserem deutschen Sprachschatz, desson Münzen, von gar altem Klang, draussen in der Fremde noch umgesetzt werden, während sie an der Entstehungsstätte ausser Kurs gesetzt sind. Wörter wie: ״Schnur“ (Schwiegertochter), ״Schwäh’r“ (Schwäher, Schwiegervater), ״schier“, ״Seiger“ (Uhr, polnisch zegarek), ״Sangen“ (Aehre), ״schütter“, ״Söldner“ für Soldat, ״itzt“ auch ״itzund“, ״jeglicher“, ״jedweder“, ״Sohwebel“, davon ״Schwebelaoh“ (Streichhölzchen), ״Haber“, ״Moid“ (Maid), ״Tändler“ (Trödler), ״Laibei“ (Laib Brod), ״ebbes“(etwas), ״Gewinnerin“ (Gebärerin), ״winzig“ (wenig) u. s. w. sind solche Münzen. Dafür läuft aber auch mittelmässige und herzlich sohlechte Münze als Provinzialismen und Barbarismen mitunter wie: ״Maul“ für Mund, ״Futter“ für Pelz, ״Stub“ für Haus, ״grob“ für dick, ״der dösige“ für dieser, ״Peim“ für Böhm (Silbergrosohen für drei Kopeken), ״Jauch“, recht unästhetisch für Suppe, ״klären“ (nachdenken), ״überbeissen“ (frühstücken), ״aubeissen“ (zu Mittagessen), ״Fortuch“ (Vortuch für Schürze, auch polnisch Fartuch), ״Zimes“ (Gemüse), entstanden aus ״Zum essen“ oder ״Zugemüs“, ״Knupp“ (Knoten), ״Hack“ (Axt), ״Schaff“ (Schrank), ״Patsch“ (Ohrfeige), ״as“ (dass), ״Wedel“ (Schweif und Schwanz, sowohl von Pferden, Hunden, als auch von Vögeln und Fischen). Das Wort ״Schalent“, eine bekannte Sabbatspeise, dürfte von Schalen, weil in Schalen, oder irdenen Töpfen beim Bäcker eingestellt, oder nach Andern von dem französsischen chalent, chaleur herzuleitm sein, wie ״Zandakd, d. i. derjenige, welcher den NeUgebornen bei der Beschueidung hält, aus Syndicus entstanden ist. (Dass Heirat, weil dies Wort zufällig mit den ersten 2 Worten der hebräischen Trauungsformel ״harei at“ eine Aehnlichkeit hat, hebräischen Ursprung ist, beruht auf Erfindung.) Weit wichtiger und für den Sprachforscher und Geschichtsschreiber von bedeutendem Interesse ist *) Man denke an den Fluch der ewigen Feindschatt zwischen dem Schlangengezücht und dem Menschengeschlecht. tGenes. 3.15.1