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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-08-12 · N° 33. (12.8.1886) · p. Seite 129

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 33. (12.8.1886)
Date
1886-08-12
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
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- 129 — Grab hinaus Exclus ivität — in der jüdischen oder in der christlichen? Seht, diese Exclusivität vereitelt eure ganze ״Liebe“, hat sie noch stets vereitelt, muss sie folgerichtig stets vereiteln: Diese ״Liebe“ muss den ungezählten Millionen der ohne den Glauben an des Gottessohnes Mittlerschaft verlorenen Seelen die Erde vergällen, um ihnen den Himmel zu versässen. Und diese unüberbrückbare Kluft zwischen Judenthum und Christenthum sollte ״von untergeordneter Bedeutung“ sein? 0, Sie Mann der ״Gedanken“, wo waren denn Ihre — Gedanken, als Sie sich das in die Feder sagen liessen?! — — — Urplötzlich motivirt der Neubekehrte seine Empfehlung, die Synagoge zu verlassen, damit, dass sich innerhalb des Christeuthums für die Juden Gelegenheit biete, ״im Sinne der traditionellen Aufgabe des Judenthums thätig za sein“. Ipsissima verba. Wie viel Jammern-, Wimmern und Wehklagen hat dieser ״Wolf in Schafskleidern“ in christlichen Kreisen hervorgeruten, wie manches weit herbere Epitheton hat sich dieser ״Jude, der Jude bleibt“, in antisemitisch - scheinchristlichen Kreisen zugezogen! Doch, wir sagen es euch zum dritten und letzten Mal, wir Juden weisen jede Verantwortlichkeit für den zu eurer ״Wahrheit“ Bekehrten weit von uns, wir verabscheuen die von ihm angedeuteten Schleichwege aus tiefstem Herzensgrund. Ja, hier werden wir so recht an das Wort unserer Alten gelegentlich der Taufe eines Juden gemahnt: ״An dem haben wir (die Juden) nix verloren, und sie (die Christen) nix gewonnen.“ (Ende des Schlussartikels folgt. 1 Die Kirchenväter in ihrem Yerhältniss zur talmudischen Litteratur und insbesondere zur Hagada. (Fortsetzung von No. 31.) Schliesslich bringt der Midrasch Koheleth unter dem Schlagworte מה שהיה הוא שיהיה Folgendes: ועוד ישב ר׳ מאיר ודרש עתיד זאב להיות גזיז מילתן, והכלב גלבטינז אמרו לו דייך ל' מאיר und ferner ibid. die Erklärung des Rabbi Jehuda, dass unter תחש zu verstehen sei אלטינון,:) während ר׳ נחמיה es mit גלסינון,s) und Rabbi Joseph, dem das Targum zugeschrieben wird, תחש mit den Worten ססגונא, שש בגוונן הרבה übersetzt, ״das sich vieler Farben erfreut“, was also dem ״Chamäleon“ gleichkäme. Ich will noch an die bekannte Stelle im Talmud* *) erinnern, deren Sinn dahin geht, dass in dieser Welt die Lüge שקר herrsche; dies ergebe sich schon aus der Reihenfolge der Buchstaben ש ק ר, während der alphabetischen Ordnung gemäss die Reihenfolge קרש sein musste. Dies werde aber auch in einer glücklicheren Zukunft der Fall sein. Soweit die jüdische Agada, in der bekanntlich Rabbi Meir eine bedeutende Rolle spielt (Joma ,)אל ist der Artikel und טינון entspricht dem טיי[ק __• Tflt'.vöv (?), das im Namen Rabbi .1 i da’s im Talm. jerus. Sabbat Fol. 4 d erwähnt wird. •> Im Talm. jerus. ibid. Sabbat Fol. 4 c richtiger mit גלהטינון erklärt. (Nach Kohut im Aruch compeltum (tom II p. 28!>) ist die richtige Lesart (גלא קסיטן (~ קטיט Yixtt; —xtt; ״Wiesel, Marder“ und hat garnichts mit Ya׳'a ״Milch“ zu thun, der Midrasch will vielmehr sagen, dass der Hund ein so schönes Fell wie der Marder haben würde. Red.) *1 Ich ersuche die gelehrten Leser dieses Blattes 11m Angabe der betr. Quelle, die mir entfallen. (Dem Herrn Verfasser schwebt offenbar die Stelle im Tract. Sabb. 104a vor, die aber gerade das Gegentheil besagt שקרא לא קאי, während אמת ausdemersten, m itte 1 sten und letzten Buchstaben des hehr. Alphabets besteht, also auf breiter Grundlage von 3 Pfeilern getragen teststeht, darum קושטא קאי Red.) Fol. 84, Debarim rabba, Par. 44), denn von ihm wird berichtet ר־ מאיר היה דייק בשמא oder היה דורש שמות, zu diesen zählte auch R Hosaja, von dem der Midrasch Bereschit-rabba in seiner gegenwärtigen Fassung eröffnet wird. Sie führten auch den Namen דורשי חמורות oder auoh חמדות, was wohl auf Daniel als איש חמדות, den Begründer der dunklen apokalyptischen Litteratur zurückzuführen ist. Daniel hat zuerst Thiergestalten als Zeichen göttlicher Macht vorgeführt und seither haben zahlreiche Agadisten diese und andere Thiere bis ins Ungeheuerliche vorgeführt und zu ihren Zwecken verwendet. Ein altes derartiges Buch ist der Physiologus, der im Jahre 1877 von Fritz Hommel in deutscher Uebersetzung erschien. (Den weitgehenden Einfluss des Physiologus auf die Kunst und die Theologie des Mittelalters hat Eduard Koloflf in Raumer’s Hist. Taschenbuch, 4. Folge 8. Jahrg. (1867) p. 179—269 nachgewiesen und zwar in dem Aufsatze: ״Die sagenhafte und symbolische Thiergeschichte des Mittelalters“ und verweisen wir auf diesen trefflichen Aufsatz.) Zunächst sei nun hervorgehoben, dass Christus der zweite Adam genannt wird, eine ausführliche Parallele zwischen Adam und Christus ziehen Gregor aus Nazianz orat. 1 p. 11 ff, Leon M. 8erm. 25, 5 und dieser sagt auch serm. 12, 1: Nos quotidie reparat gratia salvatoris, dum quod cecidit Adam pnmus, erigitur in secundo. War nun Christus ein zweiter Adam, so musste er naturgemäss ursprünglich die ganze Schöpfung umfasst haben, wie in der That der Midrasch von Adam berichtet, dass er מסוף העולם עד סופי von einem Ende der Welt bis zum andern reichte, oder wie ein altes halb-griechisches und halb-lateinisches Räthsel auf Adam lautet: Anatole (avaxo^), dysis (Sjat?), artos (apto;), mesembria (|iear]pßp1a) quattuor hae partes esse loquuntur. Das ״Horn“ nun wurde bekanntlich als Zeichen der Macht betrachtet, weshalb im täglichen Gebet noch jetzt das Aufspriessen des Hornes erbeten wird (מצמיח קרן ישועה). Christus wird aber schon im Physiologus mit dem Einhonn2) verglichen und der Psalmvers 11 im Cap. 91 ותרם כראם קרני (Es wird mein Horn erhöht, wie das eines Einhorns) auf ihn bezogen Die Erklärung fugt hinzu: Dieses (Einhorn) ist unserem Heiland ähnlich, — welcher für uns das Horn unserer Erlösung vom Hause David seines Knechtes auf sich genommen hat. (Luc. 1, 69). In der Handschrift zu Mainz, Karth. No. 570 Blatt 42 ist zu lesenJ): Christus war ein Kint czweier eynhorner, wan er hatte in dem hiemel ein vatter ane mutter, und hatte ofi erden eyn mutter ane vatter (Christus war ein Kind zweier Einhörner, denn er hatte im Himmel einen Vater ohne Mutter und auf Erden eine Mutter ohne Vater). Nach dieser Auffassung war natürlich auoh Adam ein Einhorn, da er ja auch ohne Mutter war. Der תחש wird von Rabbi-Josef auch als farbenreich "״םםנונא bezeichnet, wie der Panther, von dem im Physilogus zu lesen ist4): ״Und bunt ist sein Ansehen wie das Kleid des Josef, und sehr schön ist das Thier und zahm und friedlich .. . und der Schmuck unseres Heilands Christus ist bunt durch Keuschheit und Tugend, durch Reinheit, durch Milde und Güte und Vortrefflichkeit, durch Friede und Mässigung. Auch diese Erklärung des תחש stimmt zu der Symbolik der Thiere. Dass bei dem Worte קרש, das ja lautlich dem griechischen Kepa; ״Horn“ entspricht, gedacht wurde, ist leicht erklärlich; die angeführten Stellen aus dem *) Hommels Physiologus p. 118—119. *) Mitgetheilt von F. Mone im 1. Bande seiner Lateinischen Hymnen des Mittelalters p. --f. ‘j Honmiel 1. c. p •>113—צ.

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