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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-08-12 · N° 33. (12.8.1886) · p. Seite 130

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 33. (12.8.1886)
Date
1886-08-12
Page
Seite 130 (sequence 4)
Language
German
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180 — jüdischen Schrifttlium zeigen nns, wie weit wir diese Deutung zurückverlegen dürfen, und wie man gegen dieselbe Opposition machte. Wird dieses Einhorn im Talm. babyl. schon dem Stiere Adams zugeschrieben, so geht der Midrasch Bamidbar. Rabbah noch weiter, indem er dem Brudermörder Kain ein solohes (ein Einhorn) wachsen lässt, während nach eines Anderen Ansicht ein Hund dem Kain mit• gegeben wurde. 1 Der Midrasch im Kokeleth zu den Worten מה שהיה ״ הוא שיהיהWas war, wird wiederum (in Zu* kunft) sein“ lässt R. Meir den Ausspruch thun: ״Einst wird der Wolf wie das Schaf sich scheeren lassen (d. h. sanft werden) und der Hund (גלבטיק) Milch geben(?)“; es sollte dies wohl eine Ironie sein, dass selbst in der messianischen Epoche nichts Widernatürliches statthaben könne. Deshalb schnitten die Hörer und Genossen ihm das Wort ab אמרו לו דייך ר מאיר — In demselben Abschnitte erklärt R. Juda das Wort תחש durch אלטינק, während R. Nechemja es durch נלקטינון (m i 1 c h g e b e n d also ein reines Thier) er-! klärt. Zu den Erklärungen ist noch R. Juda’s | טביא דבי צילאי hinzuzutügen; uns will bedünken, dass sowohl טיעון als auch אלטינין aus טביא דבי עילאי entstellt ist. Raschi erklärt, wie wir bereits erwähnt ,דבי עיליא als ״ שם;יערNamen eines Waldes“, wir aber würden טביא ״ דבי עילאיein Reh höherer Art“, also etwa Einhorn, im ironischen Sinne aufgefasst erklären. Nur so wird es verständlich, dass Rabbi Meir den תחש als בריה ״ בפני עצמהals Geschöpf für sich“ hinstellt, dass er daran seinen Witz übt und dass ferner die Frage aufgeworfen wird, ob es ein reines oder unreines Thier gewesen sei. Uebrigens waren ja auch in der Stiftsshütte die Cherubim, jedenfalls Thiergestalten, die in der Stätte der Verehrung des einig-einzigen Gottes nicht selten sein dürfen, so dass die Frage um die Bedeckung mit (selbst unreinen) Tacliaschfeilen eine kleinliche im Vergleiche zu der mit den Cherubim wäre. Als beissende und bittere Kritik auf das Christenthum als ״Einhorn“ jedoch finden sfimmtliohe Stellen leicht ihre Erklärung. Rmg. Liitterarische Notizen. 1. Leber die chaldäische Kednscha. Die Ansicht des Herrn Dr. Kolm (in Ko. 28 d. Bl.), wonach die Keduscha de Sidra deshalb in chaldäischer Uebersetzung (nach dem Targum) im Morgengehet autgenommen worden sei, um als Responsorium zwischen Vorl>eter und Gemeinde zu dienen, ist doch noch sehr zu bezweifeln. Zunächst dürfte die Frage zu beantworten sein, was wohl Jonathan ben Usiel, welcher bekanntlich die seit Esra bis dahin mündlich überlieferte chaldäische Bibelübersetzung schriftlich abfasste, veranlasst habe, gerade die Keduscha mit einer dreifachen Deutung zu paraphrasiren!׳ Erwägt man, dass derselbe sein Targum nach der Entstehung des Christenthums schrieb, welches das Dogma von der Dreieinigkeit mittelst einer meist gezwungenen Deutung alttestamentlicher Bibelsprüche zu stützen sucYite und besonders das ״dreimal heilig“ in der Keduscha dazu benutzte, so ist es klar, dass Jonathan, 1 um seine jüd. Glaubensgenossen vor einer solchen unjüdischen I Deutung zu bewahren, den dreifachen Ausdruck auf dio Er- I habenheit Gottes über Raum und Zeit bezog und darum parapiirasirte; heilig ist Gott in der Himmelshohe, heilig aut Erden, dem Werke seiner Allmacht, und heilig in alle Zeit und Ewigkeit!*! Weil man aber das hebräische Pflicht gebet (Tephilla) mit keiner chaldäischen Paraphrase vermischen wollte, so wurde letztere in einem Nachgebete (ובא לצ יק) eingeschaltet, damit dieselbe am Schlüsse jedes werktäglichen Morgengebete« und am Sabbat Nachmittag in dem gleichem Vorgebete vor dem kurzen Pflichtgebete (Mincha) jedem Israeliten in Erinnernng bleibe! Frankfurt a. M, 28. Juli 1 Sn;. Dr. Benjamin II o eh 81 ä d t er, -- emerit Bezirksrabbiner. *) Vgl. 11z. meine .,Erläuterung“ No. 10 zu meiner biblischreinen Glaubens- und Piiichtenlehre. H. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er Magdeburg. Druck vc 2. Die chronologische Notiz in letzter Nr. de9 Litteraturblattes betreffend gestatte ich mir, dem geehrten Einsender Herrn Cohen-Rees zu bemerken, dass meine Mittheilungen der bekannt besten Dr. Klemmschen Chronik entnommen sind, deren (Quellen z. Th. Hasche und Hilscher bilden, beide anerkannt sorgfältige, zuverlässige Chronisten (II. Band Seite 441). Zugegeben jlass Herr Cohen Recht hat und der Chronist sich in J)atum des Tages irrte, hat dies mit der Zuverlässigkeit der andern Daten wohl weniger zu thun. Eines jedoch, aas ich selbst mit ״meines Wissens“ berichtete, bin ich heute in der Lage, richtig zu stellen. Der erste Rabbiner Dresdens war bis 181)1 Ober- Rabbiner Löbel aus Polen, diesem folgte erst der in der Chronik erwähnte, 1818 verstorbene David Wolf Landau aus Liasa (l’rgrossvater des Schreiber dieses) hierauf bis 1885 Lippmann Abraham Lüvy aus Teplitz (uns. Grossvater mütterl. Seite). Dresden. Ad. Landau. 3. Die jüngst an dieser Stelle ausführlich besprochene geistreiche Studie Dr. Leonhard Freund's über Eduard Lasker ist jetzt im Verlag von Karl Fr. Pfau in Leipzig auch in Seperataitsgabe erschienen, auf welche die Freunde des verstorbenen Panamentariers hiermit hingewiesen sein mögen. M. W. 1. Leon Schlossberg hat. ein Buch unter' ■dem Titel “©D ״ הלכות פסוקות או הלכות ראוach dem einzigen Manuscript, das sich in der Bodlejana befindet, herausgegeben und Herr S. J. Halberstam in Bielitz hat diese werthvolle Halachasammlung mit einer Einleitung versehen. Nach Dr. Steinschneider stammen diese Halachot Psukoth von Rabbi Jehudai Gaon und dessen Schülern. Es ist nunmehr festgestellt, dass R. Simeon Kajjar!nicht Kahira) diese Halachot benutzt hat, und nicht umgekehrt. 5. Das talmudische התגדר in מקום הניחו לי אבותי להתגדר בו Chulin 7, מתגדר במלאכתו Bernehoth 17, ם• s. w. ist immer noch nicht sicher erklärt. Raschi nimmt es gleich להתגדל aber das ist schon gegen die rabbinische Bescheidenheit Die biblische Bedeutung ״einzäunen“ würde Chulin 7 im Kal wohl eine Sinn geben, aber nicht im Hithpael; für die zweite Stelle etc. passt auch die Kai-Bedeutung nicht. — Mit Kohgf es aus dem arab. ניר ~ geehrt sein zu erklären, scheint mir unwahrscheinlich. התכבד od. התגדל liegt dem talmudischen Idiom doch viel näher. — Im ״Hameliz“ No. 47 weist Herr S. Jonas auf Taanith 23 b (nicht 27 bi מגנדרא hin, welches Raschi auf התגדר zurückführt, u. גנדר soll im Arabischen ״kokettiren“ bedeuten. Was uns aber hier das ״Kokettiren“ helfen soll, ist mir unergründlich. — Meiner Ansicht nach ist der gerade Weg auch hier der beste: halten wir daher die biblische Bedeutung von גדר bei, ״einzäunen1', u. z. in dem Sinne, in dem sich die Kabbinen als עושי סיג ' גודר' נדר betrachteten. Das Hitlipael ist aber das ״Denominative“: התגדר soviel wie: ״als גודר sich benehmen“, wie ״ התח0דsich als Tbh benehmen“, מתעשר sich als עשיר benehmen, מתרושש sich als רש benehmen. —!Vielleicht ist das schwierige התפאר Exodus 8,5 auch nur;. ״Benimm dich als ein »,Pharao«, und die Verwandlung des פרעה in פאר deutet vielleicht darauf hin, dass die Hebräer den Titel פרעה von פאר ableiteten.) התגדר ist demnach so viel wie עושה סיג oder מתקן תקנות sein, und die Stelle Berachoth 17 eutlrält vielleicht einen Tadel der ״Janmenser“ gegen unberufene מתקג* תקנית. Dr. J. (joldschmidt-Weilburg. Berichtigung. In No. 30, Notiz 3 muss es st. ״Particulus“■ heissen: ״Particula“. 0. Carthagische Inschrift aus dem Museum in Treviso. Pellogrini aus Trapani veröffentlicht im Vessillo 1880 p, 193. folgende Inschrift mit lateinischer Uebersetzung: Herae-nostrae Tauitlii fäciei-Baalis לחבתן לת1נת1 פנבןעלן] D0min0(!ne Baali Hnmmoni (votum 1 ולאדן לבעלחמ1ןן Quod vovit Labath fiiia 1א1ש נדרא לבת ב!תן ubad Eschmuni fii» .Täa/.ar עבד אשמן בן יע ור Zn dem Woite לרבתן vgl. Euting Punische Steine p. 24. *)T7 ist abgekürzt aus יערובעל!adiuvabit Baal); vgl. die biblischen עזראל, עזריאל. KriefkaHten der Ke«laction. Herrn A. W. in Z. Ihre ״Entgegnung“ in der nächsten’Nummer. Wir dürfen doch den interessanten Brief von Eduard Reuss mit abdrucken? Ps. 45 kommt in einer der nächsten Nummern. An unsere ge sch. R e c en sen ten. Wir bitten um baUlgeÜ. Recensionen der Werke: ״Diwan“. ״LeoIIebraeus“, ״Sermons“ u. a. m. — Die zugesandten Kalender, Predigten u. diverse Broschüren werden demnächst besprochen werden. D. L. Woltt, -Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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