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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-07-22 · N° 30. (22.7.1886) · p. Seite 117

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 30. (22.7.1886)
Date
1886-07-22
Page
Seite 117 (sequence 3)
Language
German
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— 117 — Nachschritt. So eben wird uns au unserer freudigen Ueberraschung in Dr. Wilhelm Freund’s Kommentar zu unserer Horazstelle Einsicht gewährt, mit dem unsere Ansicht — ganz unabhängig von dem Kommentar — wesentlich übereinstimmt. Freund, der hervorragende Philologe, erklärt: ״Da es ein jüdisches Fest dieses Namens (״der dreissigste Sabbat“) nicht gab, so sind vielerlei Vermuthungen über die Bedeutung ■dieser horazischen Worte aufgestellt worden. Die meiste Wahrscheinlichkeit hat die Annahme, dass damit der Neumondstag (rösch chödesch, vsopyjvla) gemeint sei, welcher nach dem hebräischen Mondkalender bei vollen Monaten auf den dreiasigsten Tag fiel und, wie aus der heiligen Schritt bekannt ist, als Festtag gefeiert wurde. Bei der grossen Ausbreitung, welche schon in der augusteischen Zeit die fremden Kulte fanden, und bei der abergläubischen Scheu, welche viele Römer vor einer Verletzung solcher Kulte empfanden, erscheint der von Fuscus in Gegenwart des lästigen Begleiters angegebene Vorwand völlig ausreichend, mit Horaz keine geschäftlichen Angelegenheiten besprechen zu wollen.“*) II. In Bezug auf Schabbat haggadol erlauben wir uns, ■eine von der gewöhnlichen Ansicht (Orach Chajim 430) abweichende Meinung aufzustellen und zu begründen. Der Sabbat vor dem Pessachfeste hat die Be- Zeichnung •לשי הגייוך wie uns scheint, von der Hapht. וערבה erhalten, an deren Schluss es heisst: לפני בוא יום ה, הגדול. Es werden ja auoh andere Sabbate nach der Hapht. benannt: ש‘ דדן, שי נחמו. Gleicherweise heisst der Ps. 136 von dem darin dreimal (V. 4, 7, 17) vorkommenden Ausdruck ״gross“ הלל הגדול und das Hallel für ר״ח וי״ט von dem Anfang des Ps. 114 הלל המצרי. (S. Berachot 4 und 56. Pessachim 118) Hierneben sei noch bemerkt, dass die Stelle im Ev. Joh. 19,31: Denn desselbigen Sabbats Tag war gross (V Y|1£ya/.r( v,|jipa r/E’vr, 00־ aa^a-toy) auf einer falschen Auffassung des שבת הגדול zu beruhen scheint; die christlichen Uebersetzer hatten keine Ahnung von der eigentlichen Bewaudtniss mit dem Ausdruck ״gross“, sie sahen ihn als Prädikat dieses besonderen Sabbats an, ohne doch einen Grund dafür zu haben. Recensionen. Deutsches Gebetbuch für die israelitische Jugend, herausgegeben von Oskar Waldeck. Leipzig Oswald Mutze. (Preis broch. 2 M., eleg geb. 3 M.) Die löbliche Sitte, dass bei Herausgabe eines neuen Werkes der Verfasser über den Zweck desselben, über die Motive, die ihn bei der Abfassung desselben geleitet haben und bei einem Buche, das in das unterrichtliche Fach einschlägt, auch über die Handhabung desselben sich in Form einer ״Vorrede“ zur Genüge ausspricht, vermissen wir ungern beim vorliegenden Werkchen, trotzdem es hier so sehr erforderlieh gewesen wäre. Denn, ob es den Kindern als alleiniges Gebetbuch in die Hände zu geben, oder ob daneben noch in althergebrachter Weise der Siddur zu benutzen sei, ob für das zarte, für das reifere oder für das gesammte Kindesalter bestimmt, ob für das Gotteshaus, oder für den privaten Gebrauch zu verwenden — nach genauem Durchlesen ist man nicht im Stande, darüber eine genügende Antwort zu geben, *I Wir möchten zur Unterstützung obiger Ansicht noch darauf hinweisen, dass ״Neumond“ und ״Sabbath“ gar oft aufs engste verbunden im A. T. Vorkommen (s. Jes. 1, 13: לחודש ושבת ib. <><i,23 u. a. m. (Red.) und der Verf. schweigt sich darüber aus. Dass der Siddur allein als Gebetbuch für die israelitische Jugend nicht mehr ausreicht, weiss jeder, der nur jemals einen Blick in die Verhältnisse unserer Reli• gionsschule geworfen hat. Ein Theil der jüdischen Kinder lernt überhaupt nicht mehr Hebräisch, eia anderer, und das ist der bei weitaus grösste Theil, besucht die Religionsschule einige Jahre, um dort, weil jede häusliche Nachübung fehlt, nur dürftig das Hebräische lesen und einige der wichtigsten Gebete übersetzen zu lernen, und nur ein ganz geringer Theil bringt es dahin, die alltäglichen Gebete geläufig zu lesen, gut zu übersetzen und vor allem inhaltlich auch zu verstehen. Die Synagoge besuohen unsere Kinder, da sie an Sabbath und Festtagen zur Schule müssen und nur in den seltensten Fällen vom Unterrichte dispensirt werden, fast gar nicht, lernen infolgedessen auch unsere vielfach complicierte Gebetordnung nicht kennen, und nicht selten kommt es vor, dass Herangewachsene, wenn sie in die Synagoge kommen, nicht wissen, was sie mit dem hebr. Gebetbuche beginnen sollen. Alles dieses in Betracht gezogen, wird wohl niemand das Bedürfniss eines Kinder- Gebetbuches zu bestreiten versuchen; nur dürfte ein solches nicht in so radikaler Weise, wie das uns vorliegende ״deutsche Gebetbuch“ abgefasst sein, sondern müsste sich vor allem eng an unseren Gottesdienst anschliessen und die wichtigeren Gebete in hebräischer Sprache — vielleicht mit einfacher, schlichter Uebersetzung daneben — bringen. Der Verf. des ״deutschen Gebetbuches“ hingegen nimmt aut alles dieses auch nicht die geringste Rücksicht. Er stellt Gebete zusammen, grösstentheils ohne jegliehen Bezug auf unseren Gottesdienst, theilweise selbstverfasste, theilweise übersetzte Psalmen, bald in einfacher, allzukindlicher Sprache, wie das Gebet vor der Arbeit (S. 9), bald in schwungvoller, phantasiereicher Sprache, ohne Rücksicht auf das Kindesalter, wie das Gebet für den Neumondtag (S. 28) oder das Confirmationsgebet für Mädchen (S. 98). Denn sehr kindlioh, wie doch die Confirmandin immerhin noch sein soll, klingt es gerade nicht, wenn dieselbe u. a. betet: ״Ich bin für das Haus und nicht für die Welt geschaffen. Du, mein Herr, hast mich eingesetzt als Priesterin am häuslichen Herd. Hier soll ich wachen und hüten am heiligen Altäre der Liebe etc.“ Von den Gebeten, die sonst bei unserem Gottesdienste gebräuchlich sind, finden sich in dem ״deutschen Gebetbuche“ nur wenige vor, so beim Morgengebete: אלהי־ נשמה in freier, metrischer Uebersetzung und der erste Abschnitt des שמע. Ueber letzterem steht mit lateinischen Lettern der erste Satz Schema jisroel etc. (Sch’ma wäre wohl richtiger). Die Ueber- Setzung liest sich sehr eigenthümlich, indem Verf. die Perfekta mit dem Waw conversivum sämmtlich mit ״und“ übersetzt, sodass der Reihe nach 5 Sätze mit ״und“ anfangen. S. 8 die Uebersetzung des אלהי נצור ist in würdiger, schöner Sprache gehalten, ebenso S. 14 die des אדון עולם. Bei dem Tischgebete ist die hebräische Form vollständig ignorirt, beim Nachtgebete hingegen ישב בסתר in etwas sehr freier Uebersetzung beibehalten. Für Freitag Abend fiuden sich zwei Gebete vor, ein Gedichtlein aus 3 Strophen bestehend und Psalm 83, für Sabbath-Morgen ein kleines Morgengebet, dessen kurzer Inhalt sehr wenig מענינא ist; daran schliesst sich ויכלו. Für den letzten Satz, der in dem Worte לעשות eine kleine Schwierigkeit enthält, hat Verf. eine eigenthümliche Uebersetzung gewählt: ״Und der Herr segnete und heiligte diesen Tag, denn da hat er geruhet. Fertig war das Werk,

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