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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-07-22 · N° 30. (22.7.1886) · p. Seite 116

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 30. (22.7.1886)
Date
1886-07-22
Page
Seite 116 (sequence 2)
Language
German
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— 116 — Cap. 5) abhängig sei, näher in’s Auge zu fassen und auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen. Es werden von Herrn W. eine ziemliche Zahl Worte angeführt, die nach seiner Ansicht vom Psalmisten aus dem genannten Liede entnommen worden sind. Jedoch sämmtliehe derartige Worte sind erst in seinem Umgestaltungs- Apparat Debora-Worte geworden. Wir haben bereits die Aenderung von plT in pTV, verweisend auf ירד in 5.11, angeführt. Es sei nur noch der Kürze wegen da9 zweimalige נבננים in 16 und 17 erwähnt, das naoh Ansicht des Herrn W. Hapaxlegomenon ist, und ״da dieser Psalm so viele Berührungspunkte und Nachbildungen von Richter 5 hat, so darf angenommen werden, dass auch dieser Vers Richter 5,21 nachgebildet ist; es wäre somit hier קדומים statt נבננים zu lesen“. Unter קדומים will Herr W. gleich vielen anderen Erklärern verstanden wissen ״uralt“, und daher lautet seine Uebersetzung des V. 17: ״Warum hüpft ihr uralten Berge?“ Sollte aber der geniale Dichter des Liedes mit seiner näheren Bezeichnung nichts anderes kund thun wollen, als dass der Bach oder Strom Kischon uralt s6i? Sind denn nicht alle Ströme der Erde uralt? Und da sie es siud, so muss angenommen werden, dass der Dichter nicht etwas, was allgemein bekannt war und ist, sondern durch seinen Vermerk נחל קרומים נחל קישון irgend eiue Andeutung von Wichtigkeit, sei es eine topographische oder eine ethnographische, geben wollte. Und in Wirklichkeit scheint er mit dem Vermerk eiue sehr wichtige geschichtliche Notiz geben zu wollen. Unter den kleinen Völkchen oder Stämmen, die in der ersten Zeit nach der Einwanderung Abrahams sich im Laude Kanaan zerstreut bereits befunden haben, und die Gen. 15, 19—21 namhaft gemacht sind, ist auch Kadmoni, ein Stamm, der sonst nicht mehr erwähut ist, verzeichnet. Dieses Völkchen scheint von Osten, קדם, eingewandert zu sein, daher sein Name קדמני. Es liegt also ziemlich nahe, קדמני mit קדמים*) zu identificiren, und dass der Dichter mit seinem Vermerk besagen will, dass zur Zeit des Kampfes gegen Sissera der Stamm Kadmoni, der um den Strom Kischon, welcher die Grenze zwischen dem Stamm Sebulun und Naphtali bildete, sesshaft war und mit Sissera gegen das Heer Debora-Barak’s gekämpft habe, daher nach diesem, vornehmlich von den beiden Stämmen Sebulun und Naphtali erfochtenen Siege, gänzlich aus der Gegend des Stromes Kischon von den Siegern vertrieben worden ist. Die Kanaaniter hingegen vermochten diese Stämme vorerst nicht zu verdrängen (Rieht. 1, 27.39). Angenommen nun, dass diese Erklärung des Wortes קדומים für zutreffend gefünden und anerkannt wird, zumal es auf קדם (gleioh קדמני) unverkennbar basirt, so kann קדומים, da wir den Strom Kischon, der im Berge Tabor entspringt und Gebiete durchströmt, welche entfernt sind vom Gebirge Baschan oder Hermongebirge, nur eiue verschlechternde Aenderung des Wortes גבננים bewirken, und zwar deswegen, weil die Kadmoniter oder Kadumim nur innerhalb des Nordens Palästina’s angesiedelt waren. Im Uebrigen kann נכננים kaum als Hapaxleg. angesehen werden, da sich Lev. 21,£0 der Sing, davon findet. Wir werden auch dieses Wort für richtig und als concises Erkennungsmerkmal des Hermon lediglich anzuerkennen haben. Wir haben somit in Vorstehendem den unrichtigen Weg gezeigt, der von Herrn Weissmann eingeschlagen worden, um aus dem Psalm 68 selbst die Zeit darzuthun, in welcher er verfasst worden, und dass die Beweise sowohl dafür, wie für die Abhängig- *) Aelmlich ערום plur. עירמים. Der Hamitischo Stamm להבים t!en. 10, u scheint aus להב gebildet — piur. לרבות. keit des Psalms vom Deboraliede auf unberechtigten״ das selten schöne Original entstellenden Aenderungen basirt sind. Wir vermögen diesem Erklärer des ganzen Psalters blos anheim zu geben, eine andere Abfässungszeit, die allem Anscheine wie noch wie ein verborgener Schatz im Schoosse des Psalms selbst noch immer ungehoben ruht, jedoch ohne entstellende Textänderungen, nachzuweisen. Collectanea. Von Dr. Krön er, Kabb. in Brandenburg a. d. H. XX.V. Tricesima Sab bat a des Horaz und Schabbat haggadol. I. Ueber die Tricesima Sabbata des lloraz (Sut. 1, 9,69) giebt es vier verschiedene Ansichten: 1. Einige Forscher (s. Jüd. Litt.-Bl. No. 27) halten die T. S. für das Passahfest oder für den Sabbat vor diesem Feste, der Schabbat haggadol heisst. Sie zählen vom 1. Tischri bis zu diesem Fest resp. Sabbat dreissig Sabbate. — Wenn sie jedoch die geringe Mühe nicht scheuen, in mehreren jüdischen Kalendern (Luchot) die Sabbate des fraglichen Zeitraums za zählen, so werden sie — auch bei Hinzurechnung des Neujahrs-, Versöhnungs-, Laubhütten- und Beschlussfestes — die Unrichtigkeit ihrer Ansicht sofort finden: es ergeben sich ohne Hinzurechnung dieser vier Feste weniger, mit ihr mehr als dreissig Sabbate. 2. Andere (s. Georges’ lat. Lex. s. V. Sabbata) halten die T. S. für das Versöhnungsfest. Sie zählen vom 1. Nissan bis zum 10. Tischri dreissig Sabbate. — Wir empfehlen ihnen gleichfalls, in mehreren Luchot die Sabbate des betreffenden Zeitraumes zu zählen. (Hätte Herr Dr. Duschak z. B im Luacli für 5645 diese Sabbate gezählt, so würde er deren 25 gefunden und in voriger No. d. Bl. nicht behauptet haben, dass 6״ Monate 24 Sabbate geben,״ Haben denn die jüd. Monate nur 28, nicht 29 resp. 30 Tage?) 3. Wieder Andere, z. B. Heinrich Düntzer, meinen, der schalkhafte Freund des Horaz, Aristius Fuscus, nenne, mit dem jüdischen Kultus sich vertraut stellend, auf gut Glück als einen besonders heiligen Sabbat, an dem man gar nichts Weltliches treiben dürfe, den dreissigsten. 4. Noch Andere endlich (s. Georges’ und Klotz’ lat. Lexica s. V. Sabbata, sowie die Voss’sohe Uebersetzung der qu. Horazstelle) halten die T. S. für die Neumondsfeier. Zweifellos ist ihnen T. S. eine Braohylogie — Feiertag (welche allgemeine Bedeutung Sabbata bei römischen Schriftstellern öfter hat) des dreissigsten Monatstages. Vergl. Nägelsbach, Lat. Stilistik § 20 über den Ersatz der Substantiva durch nicht substantivirte Adj Es sei von den zahlreichen Beispielen, die hier angeführt werden, nur auf Cic. Fam. 3, 8, 9 hingewiesen: Hortonsium roges, ut de hac quoque sententia bima decedat, dass er auch seine Ansicht von zweijähriger Dauer des Prokonsulats aufgebe; sonst heisst bekanntlich bimus nur zweijährig (zweiJahre alt) Sententia bima ist doch gewiss noch bündiger, als Tricesima Sabbata in letztgedachter Bedeutung. Uebrigens wurde auch bei Griechen und Römern nach Macrob. Saturn. 1,15 der Neumondstag festlich begangen. Freilich war die Festfreude dieses Tages bei ihnen keine ernste, wie beiden Hebräern. Cfr. 4. M. 10.10 (lesikkaron etc.), 28, 11 —15 u. a. St. Mit Hinblick hierauf und auf die epikureische Lebensrichtung des Dichters ist unsere Horazstelle als Spott desselben über die ernste Neumondsfeier der Juden und das rückhaltlose Interesse mancher damaligen Römer für jüdische Religionsgebräuohe zu fassen. Wir unsererseits schliossen uns mehr der von uns begründeten letzten, als der vorletzten Meinung am

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