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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-07-22 · N° 30. (22.7.1886) · p. Seite 118

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 30. (22.7.1886)
Date
1886-07-22
Page
Seite 118 (sequence 4)
Language
German
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118 — das er attsfükren wollte.“ Für das Neujahrsfest und | den Versöhnungstag dürfte die Anzahl der Gebete etwas reichlicher bemessen sein, doch sind die wenigen in Bezug auf Sprache und Inhalt der Feier dieser Tage würdig und angemessen, namentlich gilt dieses von dem kleinen Auszuge aus Jes. 57 Seite 43. Die Vision des Eliphas, Hiob Cap. 4, ״Mir schlich sich heimlich in das Ohr ein "Wort“ ist für Kinder wohl etwas schwer verständlich, ebenso auch später ״Was ist Gottesfurcht*. Uebers. von Hiob Cap. 28. Von den Gebeten für die übrigen Feste wäre Besonderes kaum mehr hervorzuheben. Verf. bringt einzelne kleine Abschnitte aus dem Pentateuch, übersetzt Psalmen, für Pessach Ps. 114, für das Wochenfest Ps. 29 und streut dazwischen selbstverfasste Gebete ein, die bald in prosaischer, bald in poetischer Form abgefasst sind. Hier wie überall ist zu bedauern, dass zu radical vorgegangen und auf das Bestehende nicht Rücksicht genommen ist. Auch Chanukah, Purim und der 9. Ab sind bedacht, für den letzteren Tag ist das 1. Cap. der Klagelieder übersetzt; die Sprache hier, wie fast überall in dem Buche, ist elegant, schwungvoll zu nennen. Von Seite 95 ab folgen Gebete für Familienereignisse, Confirmation, Krankheiten, Trauerfalle und Gebet für das Kaiserhaus. Bei einzelnen Gelegenheiten sind die Ps. 107, 144 und 18 übersetzt; als besonders gute Leistung verdient die Uebers. des Ps. 107 hervorgehoben zu werden. Seite 151 stehen die 10 Gebote; Verf. nennt sie ״das Wort des Herrn“. Warum der Verf. auch hierbei gekünstelt, ist uns nicht ganz klar; nach Belieben streicht er bald dieses, bald jenes aus dem betreffenden Gebote und setzt dafür beliebige Bibelstellen, die zuweilen gar nicht im Zusammenhänge damit stehen. Beim vierten Gebote beispielsweise, das ganz bedeutend verkürzt ist, ist eingeschaltet: ״Verachte Esau nicht, es ist dein Bruder, nicht den Egypter, denn er war dein Herr“. An die 10 Gebote schliesst sich Hasina — soll wohl heissen Haäsinu — in schöner, metrischer Ueber- Setzung; dann folgen noch die Ps. 88, 140 und 10 und zuletzt die drei Abschnitte des Sch’ma in annähernd richtiger Uebersetzung, diesesmal ohne die vielen ״und“. Der vierbuchstabige Gottesname auf der letzten Seite hätte übrigens, nachdem im ganzen Buche kein hebräisches Wort vorgekommen ist, ebenfalls fehlen dürfen. Die Ausstattung des Buches ist höchst elegant und eines Gebetbuches würdig. M. St ei n ha rdt. אבל כבד על מות הרב הנאק מו״ה. מתתיהו שטראשון דל. Nekrologe über M. Straschun s. A. gehalten und gesammelt von M. S. Antokolski, Wilna 1886. Der selige M. Straschun, einer alten russischen Gelehrtenfamilie entsprossen, hat die Traditionen seiner Familie treu bewahrt und, obwohl Kaufmann, seine freie Zeit dem Studium, sein Vermögen der Förderung der Wissenschaft des Judenthums geweiht. Dass solches Thun verdienstlich ist, braucht nicht erst erwähnt zu werden. M. S. Antokolski hat noch bei Lebzeiten Straschun’s einige von dessen Schriften veröffentlicht und ist mit der Anordnung und Veröffentlichung des Nachlasses, der sicherlich allgemeines Interesse hat, beauftragt. Laut testamentarischer Verfügung schenkte Straschun seine grosse Bibliothek dem Wilnaer Bet ham-midrasch und beauftragte seinen Neffen David Straschun, dieselbe gewissenhaft zu oatalogiriren. Möge dieser Catalog den jüdischen Gelehrten auch ausserhalb Busslands, sowie auch die Benutzung dieser, sicherlich auch handschriftliche Schätze bergenden Bibliothek zugänglich gemacht werden. Rmg. Notizen. 1. Tur. O. Ch. 56 drückt seine Verwunderung darüber ־ aus, dass die Spanier im Kaddisch-Gebet anstatt der aramaischen Worte: לעילא מן בל ברבתא ושירתא die hebritischen למעלה מכל הברכות והשירות sprechen. Er bemerkt namiich: ואני תמה על מנה: ספרד למה מפסיקק באמצע לומר בלשון הקדש. Nach unserer Auseinandersetzung im ״Litt.-Bl.“ Nr. 27—28, dass das Kaddisch und die Keduscha Responsorien zwischen Vorbeter und Gemeinde bildeten, und das der hebräischen Sprache unkundige ״Volk“ dasselbe in aramäischer Sprache wiederholt, was der Vorbeter in hebräischer Sprache vorgetiagen, ist die spanische Sitte begreiflich und vollkommen gerechtfertigt. Das hebräische למעלה מכל הברכות ist das ehemalige Recitativ des Vorbeters, das aramäische *לעילא מן כל ברכתא,, die Paraphrase des der hebr. Sprache unkundigen Volkes . . , Dass man in Spanien, im Lande der hebräischen Dichter und Denker, das Hebräische beibehalten, und das Aramäische fallen gelassen, wer darf sich darüber wundem! 2. in der Mechiita (בשלח s. 45) heisst es:׳לפי שפרשו ״ מדברי תורה שלשת ימים לכך מרדוWeil sie drei Tage ohne Thorah waren, deshalb haben sie sich aufgelehnt, empört gegen Gott und Mosche“. Im Talmud Baba kama 82a lautet die stelle: כיון שהלכו שלשת ימים בלא תורה נלאו ״Weil sie drei Tage ohne Thorah waren, ermatteten sie d. h. geistig, in ihrem Glauben und Vertrauen zu Gott“. Beide. Mechiltha und Boreitha, haben offenbar bei ihrem מרדו oder נלאו den Vers <2 b. m. 15.24!״ ״רמו העם על משה״und das Volk murrte wider Mosche“ im Auge. Merkwürdiger Weise erklärt der gelehrte Herausgeber der Mechiita. Herr Friedmann, in seinem Commentar מאיר עין das Wort ״מרדו״ mit נתייסרו ״sie sind bestraft, gezüchtigt worden“. Abgesehen davon, dass von einer ״Züchtigung“ in diesem Falle in der Bibel Nichts vorkommt, möchten wir wissen, was Herrn Friedmann zu dieser uns unbegreiflichen Erklärung des Wortes מרדו veranlasst. Sagt doch• die Thora ausdrücklich: ״Und das Volk murrte wider Mosche“ und däs ist und heisst מרדו — Herr Friedmann verweiset auf Aruch s. v. *מרד. Wir finden dort keinerlei Aut- Schluss über dieses Rüthsei, oder Herr Friedmann verwechselt gar in der Anmerkung Mussafia’s מרד mit רדה! — Dem gelehrten Herrn Friedmann, mit dem wir in früher Jugend, manche Wochen und Monate, in gemeinsamer rastloser Arbeit verlebt, d. h. Er als Lehrer und ich als sein ihn stets verehrender Schüler, rufen wir aus weiter Ferne zu: ילמדנו רבעו! Inowrazlaw. Rabbiner Dr. Kohn.*) :1. Talmndlsch - Particularlstisches. Natürlich kein politischer, sondern grammatischer Particularismus, u. zwar vom ״Patikulus“ ״ ,כיdenn“. In der enklitischen Bedeutung kommen diese beiden Partikel כי und ״denn“ auoh sehr merkwürdig überein. כי ist ebenso wie ״denn“ ־ ausgenommen z. B. in. כי אם ברכתני, a. b. M. 82,27! ״du segnetest mich denn“ Ferner könnte כי ידבר אליכם פרעה (II. Moses 7,9) ״Wenn denn Ph. reden wird“ übersetzt werden. Merkwürdiger noch ist aber die häufige talmudische Form in Sätzen wie z. B. וכי על אמה נפש חטא (Tanith 11a) ״An welcher Seele hat er sich denn versündigt“? Das ״denn“ ist natürlich an diesen Stellen tonlos. Aber auch das betonte ״denn“ könnte durch וכי ausgedrückt werden, z. B. würde וכי מי לי אם אין אני ganz genau entsprechen dem deutschen: Wenn ich nicht für mich bin, wer ist denn für mich? in welchem Falle ״denn“ betont wäre. Oder wenn ich schliesse: Auf etymologischer Grundlage scheint diese Uebereinstimmung nicht zu beruhen. Auf welcher ״denn“ וכי על מה אם לא על שרש המלות? »r. j. Goidschmid t ף ibn Esra erklärt 1. c. v. 25 ״שם שם לו חק ומשפט״ allerdings mit: ליטר אותם וללמדם; — das war aber erst die Folge von מרדו ihrer ״Empörung“. — Wenn Mussaiia 8. v. מרד das aramäische Wort "ובמר״דות" mit ״מוסר״ übersetzt, so stammt dieses ״מרדות״von רדה (wie רדה באף גרם ■Tesaj. 14.6) nicht aber von ״מרד״ wie למרד ב ה Josua 22.29) her. In diesem Sinne ist auch — nach M. — מכת מרדות zu erklären, Schläge der ״Züchtigung“, aber nicht Schläge ״für die Empörung“, wie Aruch sagen will. K.. Berichtigung. In meinem Artikel ״Sprachen-Concession“ Litt.-Bl. Nr. 28 8. 1<•8b. Z. 55 v. o. soll es anstatt ״Gebieten“ heissen ״Gebeten“. K. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer Magdeburg. Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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