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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-07-15 · N° 29 (15.7.1886) · p. Seite 113

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 29 (15.7.1886)
Date
1886-07-15
Page
Seite 113 (sequence 3)
Language
German
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Tafeln in Gold, Silber, Lapis-Lazuli, Jasper, Karneol und Porzellan mit eingravii tem Namen und Titel des Königs) ergaben Psammetioh I. als Erbauer der Veste um etwa 665 v. Chr. und zwar war sie, wie Herodot (Buch II. Kap. 154) berichtet, bestimmt für die carisehen und jonischen Söldner, mit deren Hülfe er den Thron erkrmpft hatte, und deren Ansiedelung und Schifi8docks ״ 1ייDaphnä von Pelusium“, lange nach• dem sie der spätere König Amasis nach Memphis umquartiert hatte, noch zu Herodots Zeiten zu sehen waren. Dieses ״Kasr“ nun steht mitten in einem 2000 Fu88 langen und 1000 Fuss breiten, einst mit einem Wall (grösste Stärke 50 Fuss) umgebenen Hofraum, dessen Nord-Thor sich auf den Kanal (den Pelusisohen Nilarm), dessen Süd-Thor sich nach der alf ,n Heerstrasse zwischen Egypten und Syrien öffnet. 6 Zoll unter dem Boden fanden die Araber eine Unmenge von Pfeilspitzen, aus Bronze und Eisen, Pferdegebissen, eisernen Werkzeugen und Gittern, Ketten eto. Nach Herodot müsste ein zweites solches Lager, das als Hauptquartier des Feldherrn und gelegentliche Besidenz des Königs diente, auf der andern Seite des (nun kanalisirten) Nilarms gelegen haben. Später sind von verschiedenen anderen Herrschern in ganz unregelmässiger Weise allerlei ״ Annexe“ an die äussere Wallmauer angefügt worden, doch scheinen sie mit dem Thurm (Kasr) im Centrum keine Verbindung gehabt zu haben. Die Ausgrabungen sind sehr günstig ausgefallen, trotzdem hier Plünderung und Zer- Störung vieles bereits zerstreut haben, bevor das Feuer das Uebrige that. Die ״ Staatszimmer “ waren mit schönen Kalksteinplatten durchzogen, und diese mit Hieroglyphen, Basreliefs und sehr zarter Malerei bedeckt. Am meisten Aussicht auf Funde boten die Fundamenträume, in die die oberen hinabgestürzt waren. Die Küche von ״Pharaos Haus“ erweist sich als ein weiter Baum mit Nischen zum Anrichten etc. in den dicken Mauern. 14 grosse Krüge und 2 grosse Flaohschüsseln standen daselbst etc. Das Innere, wohin Weinkrüge aus den Kellern zum Oeffnen gebracht wurden, wies zwar keine ganzen Amphoren aber eine Unzahl von Krugdeckeln und Stopfen auf, mit dem Stempel von Psammetich sowie Necho, seinem Nachfolger, ebenso einen Topf mit Harz (?). Die leeren Amphoren wurden in eine Art Schutt-Depot nahebei gebracht, ihre Scherben zeigten mit Tinte geschrieben dreimal in Hieroglyphen das Wort ״nefer“ (gut), was vielleicht für Pharao die Bedeutung des Est, Est oder t. t. t. gehabt hat. Am merkwürdigsten ist ein kleiner Baum, der offenbar der Aufwasoh- oder Scheuermaid geweiht war. Er enthält eine Nische mit einem Ausguss, eine gemaueite Bank, und Bücherbordartige Aushöhlungen in der Mauer, in welche das aufgewaschene Gesohiu' kam. Der Ausguss war ein grosser Krug ohne Boden, gefüllt mit vertikal gestellten Topfscherben, durch dieses ״Sieb“ lief dann das Aufwasohwasser in einen Kana), der aus lauter in einander gestellten kleineren Krügen ohne Boden bestand und unten im reinen Sande endigte. Au den Scherben klebten nooh organische Stoffe und Fischgräten. In andern Gelassen fanden sich Scherben altgriechischer Vasen aus der Zeit von 550 bis 600 v. Chr. mit Dar- Stellungen aus der Gigantomachie, Garpyien, Sphinxen, Tänzerinnen, daneben Sohwertgriffe, Bronzeringe, Amulette, Siegel u. a. kleinere Gegenstände. Einige Täfelohen zeigen den Namen Amasis (Ahmes H.) und ein grosses Bronze-Siegel den Namen von Apries (Hophra, Ua-ab-Be ) Jetzt erinnerte der Beisende sich auch der Steine, welche der Prophet Jeremiah die flüchtigen Juden bei ihrer Ankunft unter das Mauerwerk vor dem Hause Pharao’s legen liess, und von denen er ihnen verkündete, dass König Nebukadnezar seinen Thron und sein Zelt darüber aufrichten werde. (Jerem. Kap. 43, 10). Er fand wirklieh die Beste einer Art gemauerten Platfoim vor dem Eingang des Hauses, einen gepflasterten Pia' ', wie man ihn zum Abladen von Gütern etc. bei e'~1em am Verkehrs-Wege liegenden Hause braucht und den die Araber mit ״Balät“ bezeichnen. Die Identität des ״Balät“ mit dem ״Mauerwerk“ in der Bibel ist nach seiner Ansioht zweifellos. Die Steine konnte er natürlich nicht finden, da sie wahrscheinlich kerne Insohrifben trugen. Ob aber Nebukadnezar nach Jeremiah’s Verkündigung wirklich nach Tahpanhes kam und auf eben den Platz sein Königszelt aufschlug? Nach egyptisohen Inschriften kam er und wurde von Apries besiegt, babylonische dagegen bekunden, dass er als Eroberer kam Jedenfalls, meint Petrie, stammen die 3 Thonoylinder im Museum von Bulak mit des Königs Namen, Titeln eto., die er auf seinen Feldzügen als Merkzeichen seiner Siege aufriohtete, nicht, wie die arabischen Händler sagten, aus Tessun, sondern von diesem Platze, in Tahpanhes, dessen zerfallene und zerstäubte Buinen das Ende von ״Pharao’s Haus in Tahpanhes“ erzählen. Biblisches und Talmudisches in weltlichen deutschen Dichtungen. Unter vorstehendem Titel hat Heir Babbiner Dr. Krön er in Brandenburg a. d. Havel bereits einige ebenso hochinteressante wie geistreiche Abhandlungen in diesen gesoh. Blättern veröffentlicht. Herr Dr. Kr, dem die Leser der Jsr. Wochenschi Ift und des Jüd. Litt.-Bl. so manche geistige Anregung verdanken, der sozusagen Pfadfinder auf obengenanntem noch unbearbeitetem Felde ist, wird es wohl gestatten, wenn man einige derartige Beiträge, — die auf wissenschaftliche und giüudliohe Behandlung im Sinne des Herrn Dr. Kr. natürlich keinen Anspruch erheben, — unter seiner Flagge segeln lässt. Die 4 letzten Strophen in Schillers ״Bing des Polykrates“, welche die Quintessenz des ganzen Gc diohts enthalten, lehnen sich inhaltlich genau an eine Stelle im Talm. Berachoth an, die in den Semiroth für Freitag Abend angeführt ist, mit den Worten: יוסף מצא דג ומצא מרגליות כבשרו Nach talmudischer Vorschrift soll man den Sabbat durch den Genuss von Fischen vor den Werktagen noch besonders auszeichnen. Im Anschluss hieran erzählt der Talmud die Sage, wie ein Babbi in Aus- Übung dieser Vorschrift gleioh den Lohn in Gestalt einer im Innern eines Fisohes gefundenen kostbaren Perle empfing. Schiller scheint diese talmudische Erzählung gekannt und sie dem oben genannten Gediohte zu Grunde gelegt zu haben. Polykrates wirft nemlioh auf den Bath seines königlichen Freundes, um ״das Unglück selbst herzurufen“, einen Bing, sein höchstes Gut, in das Meer. Die Götter aber, welche ’hm ihre Huld gewährt haben, )rasen ihn wieder zu diesem Ringe gelangen, denn dieser wird am puderen Morgen im Magen eines Fisches gefunden, welch letzteren ein Fischer seinem Gebieter (Polykrates) zum Geschenke gebracht hat. Die kleine Abweichung in Sch’s. Darstellung, wonach Polykrates seinen eignen Bing in’s Wasser geworfen hat, während nach dem Talmud der Babbi eine fremde, ihm nicht gehörende Perle findet, lässt die Sage nooh viel fabelhafter klingen, thut aber der Behauptung von Schillers Entlehnung des Stoffes keinen Abbruch; es passte so viel besser zum gesammten Inhalt des Gedichts. M. Baum.

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