Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 29 (15.7.1886)
- Date
- 1886-07-15
- Page
- Seite 112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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112 - Verkennung der Mittheilung, die im vorliegenden Texte enthalten ist. Zu Y. 11 erklärt Herr W. ״ חיתךDeine Schaar (in 2. Sam. 23, 11.13), nur muss man בציה statt בה lesen...“ Am einfachsten ״Deine Thiere, d. h. die Jehova heiligen oder geheiligten Thiere בהמות טהרות“. Also ציה Steppe, dürre, geändert statt בה, das, beiläufig bemerkt, sich auf נחלה im vorstehenden Vers bezieht. Denn man kann unter חיה nur Thiere verstehen, die das sonst blühende eigene Land geschädigt und verheert haben; בציה ist also eine Corruption. Deine Thiere sassen in Deinem Erbe (נחלתך בה), Du, Gott, bereitest •in Deiner Güte es für? לעני, Herr W. findet die Aenderung in לעם vorzüglich. Wenn die beiden V. 10 und 11, wie sehr zu vermuthen ist, einen historischen Hintergrund haben, so ■kann לני wie Zach. 9.9 u. a. St.ענין bedeuten, für den bei seiner Rückkehr Gottes Güte Alles wieder zum Guten bereitet hatte. Denn ein kleiner Theil des Volkes nur zog in den Krieg, aus welchem er glücklich zurückkehrte, dieser ist aber nicht.das gesammte Volk, nicht לם, daher lichtig לני Bescheidene, Demuthsvolle. אלהים schliesst die bisheiige Mittheilung ab, die in V. 8 mit demselben Gottesnamen einleitet und ist nicht, wie zwar Herr W. für nöthig erachtet, zum folgenden Vers herüberzunehmen, der ohnehina mit אדני beginnt. Um die Zeitverhältnisse im Psalm naohzuweisen, wird beliebig fortgeändert. V. 13 versteht Herr W. unter מלכי צבאות die Ptolemäer und Seleuciden, die ihrer Heerführersohaft das Königthum verdanken, sich bekämpfend auf einander losstürmen, daher statt!דדו* zu lesen ירדח und שדי in V. 15 zu ändern in ״ ,שדיdenn die Ptolemäer und Selnuciden sind ihm (dem Psalmisten) noch immer Fürsten der Könige, was sie waren“. Kurz, aus בפרש שדי מלכים בה תשלג כצלמון ist בפרש zu entfernen, die zum folgenden Vers gehörig, und zu lesen שרי מלכים יה תשלך בצלמות. Wenn aber der umgestaltete und bis zur Unkenntlichkeit entstellte Vers richtig, wenn der Sinn desselben wäre — und er ist es iu Wirklichkeit — dass Schaddai mit Königen seines Volkes, Königen von Juda und Israel auszog, sondern Ländergebiote, netzartig überfallend zu umschliessen בפרש שלי, Gebiete, die der geniale Dichter in in V. 14 in seinem selten schönen Bilde als schwebende Taube darstellt, Gebiete כין) כנפי יונה) , die von der Natur reioh ausgestattet waren und sonst überaus grossen Reichthum besessen, unn wenn endlich לתשלג בצלמק das die Exegeten sich nicht zu entziffern vermochten, einzig und allein ein Merkmal ist für die Zeit, in weloher der Ueberfall stattgefunden, so wird dann die Zeit, in welcher dieses Ereigniss sich zugetragen, als vorexilisch erkannt sein. Bis auf die gegenwärtige Zeit hat die Gesohichts- Schreibung, die ihrerseits fast ausschliesslich auf das altbiblische Schriftenthum angewiesen ist, weder Ereignisse, noch Zeit, in welcher diese sich zugetragen, und im Psalm angedeutet sind, zu combiniren vermocht; beide sind für sie bisher ein versiegeltes Buch geblieben. Und das ist der alleinige Grund, dass die Erklärer rathlos vor demselben schönen Psalm stehen, der eine Fülle von Andeutungen . und Beziehungen auf hochwichtige Begebenheiten in sich birgt, die in der vorexilischen Zeit der Könige hüben und drüben sich ereignet haben, in welcher die Stämme in ihren Gebieten sesshaft waren und repräsentirt wurden von ihren Fürsten. Da in V. 28 die Rede ist von Fürsten, (שרי) Juda’s, Sebulon’8 und Naphtali’s, kann der Psalm sich nur auf die Zeit beziehen, in weloher dieselben existirt und fiorirt haben, in den Zeiten der Könige. Denn zur Zeit des zweiten Tempels, jedenfalls in den ersten drei Jahrhunderten und wohi noch später gab es keine Fürsten שרים, sondern nur ראשי אבות (Nehem. 5.13), also auch dieser Vers weist auf ein Ereigniss vorexilischer Zeit hin. Merkwürdig ist, dass noch keinem der neueren Erklärer aufgefallen ist, wie es komme, da der Stamm Benjamin ebenso wie die auderen im V. 28 genannten Stämme, die nur durch Fürsten שרים repräsentirt wurde, in diesem Vers, sei es, dass er bei einem andern unbekannten Ereigniss thätig war, zuerst genannt ist als בגנמן צליר Benjamin der kleine, jüngste und jedenfalls dem Anscheine nach als Stamm in corpore vorangestellt ist. Die Verenstaltung, und blos diese, sucht Herr W. zwar folgendermassen zu erklären: ״Die Priester aus dem Stamme Zadok haben auch die politische Oberhoheit an sich gerissen und sogar Serubabel die Krone streitig gc ׳ macht. Es lrg daher in ihrem Interesse, den Stamm Benjamin vorzuziehen. In der That finden wir später einen Benjaminiten als Tempelvorsteher (2. Maco. 3)“. Kann aber später nioht ebenso wie die Hohenpriesterwürde auch das Tempelvorsteheramt käuflich gewesen sein, und der Benjaminite, der laut dem Bericht sogar später zum Verräther und Angeber geworden, nicht vom derzeitigen zedokitischen Hohenpriester, sondern für schweres Geld von dem Machthaber eingesetzt worden sein? Schwerlich wird aut dieser in sich unbestimmten Mittbeilung der Vorrang des Stammes Benjamin in V. 28 zu begründen sein. _ (Schluss folgt.) Pharao’s Haus in Tahpanhes. In dem verlassendsten Winkel des nordöstlichen Nil-Delta’s, wo man bisher nur Tempel und Gräber gefunden hatte, hat der englische Forscher FJinders Petrie während der letzten Wochen das Glück gehabt, auf die Ueberreste eines alten Königspalastes zu stossen, der übereinstimmend in der Geschichte von 4 grossen Kulturvölkern seinen Platz hat. Nach dem Buche des Propheten Jeremiah (Kap. 43) brachte Johanan, der Sohn Kareah’s, gefolgt von allen Hauptleuten und allen Uebrigen aus Judah, entgegen der Stimme des Propheten, die flüchtigen Töchter des Königs Zedekiah, der entthront in Babylon gefangen sass, in einen Palast des Pharao, damals Ua-ab-Ra (26. Dynastie, 585 v. Ohr., hebräisch Hophra, grieoh. Apries), der sie sehr gastlioh aufnahm, den Männern grosse Länderstrecken zwischen Tahpanhes und Bubastis und den Prinzessinnen diesen Palast an wies, den die Bibel ״Pharao’s Haus in Tahpanhes“ nennt. Die Gegend, damals fruchtbar durch die Ueberschwemmungen des Pelusischen und Tauitischen Nilarms, ist jetzt öde Wildniss; die östlich gelegenen Hügel, genannt Teil Defenneh, nach allen Egyptologen das ״Pelusisohe Daphnä“ der giiechischen Scbvift steiler und das ״Tahpanhes“ der Bibel, zogen den Reisenden wegen der zahlreichen verstreuten Reste von schwärzlichem Mauerwerk und Scherben an, um so mehr, als seine Araber ihm die lokale Bezeichnung für dieselben nannten, nämlich: ״El Kasr el Bint el Yahudi“ d. h. ״Thurm der Toohter des Juden“. Den interessanten Bericht in der ״Times“ über die einsame Arbeit des Forsohers mit 40 arabischen Männern, Knaben und Mädohen in der verlassendsten Oede können wir hier nur sehr verkürzt wiedergeben DasGebäude, zuerst Festung, war rechtwinklig, massiv; 8ämtätliche, auch die Zwischenmauern waren enorm stark. Es enthielt 16 quadratische Zimmer iu jedem Stock, die Zahl der Stockwerke ist nicht mehr zu ermitteln. Die Gründungsdokumente, welche Petrie in den vier Ecken fand: (Trankopfergefässe, Kornmahlsteine, Modellziegel, Knochen eines Opferstiers und eines kleinen Vogels, und eine Reihe kleiner