Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 29 (15.7.1886)
- Date
- 1886-07-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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—Jüdisches Lltteratur Jahrg. XV. Blatt. Znr BelearfatoMg •Iler J«deatL•■! ■ad Jaden betreffend«• lltter«rt1eben Br• ifhelnnngen •nf dem Gebiete der Philo• •ophle, Geerhlehte, Ethaographle, Theo• logfe, Orienten•, Exegese, Homiletik, Lltnrgtk, Pädagogik. Hörausgegeben von Rabbiner I)r. Moritz Rahuier. 9l£.agde-timy, 15. cJ-w-Ct 1886. Bicher der eliKhliglier Mltereter,welche der Ked.rtloa lugeeeadt werden, Reden In diesem Hlntte eingehende Besprechnnn. Bel Elnsendan! tos swel Becenslon■• Exemplaren erfolgt einmalige knrse Gratis*Insertion. Das 1!Jfdlgche Lltteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig hei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. 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(Fortsetzung.)*) Den Beweis für die Einweihung findet Herr W. in V. 2; er commentirt: " יקום אלהים ist eine liturgische Formel (?), die der Hohepriester bei einer Pro* Zession mit der heiligen Lade, und nur ergebrauchte (Num. 10, 35.30)*. Ob das wahr und richtig ist? In der Zeit der Wüsten Wanderung war es Moses, der, da die Bundeslade von den Priestern zur Weiterbeförderung aufgenommen wurde, בנםע הארק, das Aufbruchssignal gesprochen ויאמר משה und das, als Bitte an Gott gerichtet, dass er Feinde, die jeden Angenbliek zu gewärtigen waren, zerstreue. Iu späteren Kriegen und bis zur Zeit der Zerstörung des ersten Tempels mag dieses Mosaische Gebet, der ursprüngliehen Absicht entsprechend, bei Mitnahme der Bundeslade in den Krieg von den Priestern gebetet worden sein, was jedoch in den Zeiten des zweiten Tempels nicht der Fall war und nicht sein konnte, weil sie nicht mehr als solche existirte**) und laut misohnaischer Tradition nur durch אכן שתיה noch in der Erinnerung fortlebte. Wenn also das bestimmt in der Einleitung behauptet wird: ״ Bei dem festlichen Aufzuge waren nur noch wenige Stämme betheiligt (V. 28). Die heilige Lade mit dem Hohenpriester voran, (V. 2)u, so muss diese Darstellung, welche lediglich auf Verkennung der Basis, die sie stützen soll, gegründet ist, als ungeschichtlich bezeichnet werden. Das näher liegende, daher auoh einzig richtige, wird wohl sein, dass der Dichter in seinem zweiten Vers einen Kriegszug unter Mitnahme der Bundeslade an• *) In vor. No. ist auf der Titelseite zur Note hinzuzufügen: Aus dem von Grätz citirten Zusatz der Peschito hinter der Ueberschrift לדוד des p8.131: ומתאמר על ישוע כן יוודק כהנא רבא ist zu constatiren, dass dieser P8. nicht vou dem Hohenpriester selbst, sondern zu dessen Gunsten von Jemand Anderem. (ייתאמר על.) gedichtet ist. **) Joseph, bell. Jud. 5,5. 5. deutet und daher das Mosaische Aufbruohssignal als Merkzeichen fast wörtlich verwendet — ein historischer Vorgang also, der sich lediglich in der vorexilischen Zeit zugetragen haben kann. Beiläufig dürfte die Bemerkung am Platze sein, dass derjenige, welcher im Inhalt des V. 2 einen Fest- und Weihezug — einerlei ob in der vor- oder nachexiliscben Zeit — erkannt und danach interpretirt, denselben damit von dessen Abhängkeit von Num. 10,35 befreit und dadurch folge• richtig zu erkennen giebt, dass er mit der Ansicht Hitzig’s u. A. übereinstimme, ״dass die Stelle Num. 10,35 auf V. 2 des Psalms tusse“. Zu den sonstigen Beweisen der Ereignisse, die sich zur Zeit Simon II. zugetragen und die der Erklärer in dem Psalm nach seiner Meinung angedeutet findet, vermag er blos zu gelangen und sie kenubar zu machen durch auffällige Aenderungeu des Textes. Im Fabriciren von Emendationen besitzt er überhaupt eine wahre Virtuosität. Mitunter begnügt er sich auch nicht mit den seinigen, er citirt, kritisirt und acceptirt auch die Anderer. Prüfen wir nun einige seiner Emendationen auf ihre Berechtigung. Er ändert in V. 11 נשם נדבות תניף weil ״wir aus V. 27 sehen, dass der Chor aus Sängern, Spielern und paukenden Jungfrauen beständen. V. 5 sahen wir bereits Sänger und Spieler thätig eingreifen, und nur gerade die von Natur ungeduldigen Frauen sollten sich bis V. 27 gedulden müssen, daher נשים נדבות תופפו“. Wir merken jedoch V. 5 kein thätiges Eingreifen, entnehmen blos aus diesem Vers, dass eine allgemeine Aufforderung ergeht, und wohl ausschliesslich au Männer gerichtet, Gott, dem Vater der Waisen u. s. w. (V. 0) zu lobsingen, und zwar vor dem Auszug Gottes mit seinem Volke — zum Kampfe (V. 8), und dass während dieses Kriegszuges ein Erdbeben sbattgefundeu ארץ רעשה — eine Erschütterung gleich der jenes Sinai (זה פיני) bei Promulgation der zehn Gebote. Und nun sollte der Dichter 80 urplötzlich ״willige“ Frauen aufgefordert haben, die Pauken zu schlagen? Zu welchem Behufe und was sollte diese Paukenschlägerei bewirken? Besagt doch der zweite Verstheil klar erkennbar, dass bis dahin etwas nicht geheuer im eigenen Lande (נחלתך) gewesen war und ״dass Gott es wieder auf- und hergeriohtet habe“? Und was dem Lande gefehlt, was Menschen, Vieh und selbst die Erde in Erschlaffung und Ermattung vergebens herbeigesehnt, dass war der Regen“, den Gott in reichem Maasse gespendet גשם נדבות תניף אלהים• Das ist unverkennbar der Sinn des eisten Verstheils; diesen in נשים נדבות תופפו umzugestalten, ist, gelinde geurtheilt, sicherlich eine Verschlechterung und offenbar eine