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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-07-08 · N° 28. (8.7.1886) · p. Seite 109

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 28. (8.7.1886)
Date
1886-07-08
Page
Seite 109 (sequence 3)
Language
German
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109 — Daten-Berichtigungen.! Von L. Cohen, Lehrer in Rees am Rhein. Im Artikel ״Ueber einige alte Druckschriften“ von S. 'J. Halberstamm in Kobak’s ״ Jeschurun“, Jahrg. Y, deutsche Abth. S. 169, heisst es fälschlich: «באחר בשבת בעשרים יום לירח ניסן שנת ה״א ומאתים ושלשים" denn in diesem Jahre fiel der 20. Nissan auf Donners* tag; im Jahre 5229 dagegen auf Sonntag. Der Jahrg. VI, deutsche Abth. S. 169 enthält unter ״Hebräische Handschriften in Parma“ einen von Herrn Dr. M. Steinschneider beschriebenen Codex de Rossi’s No. 1390. In der Einleitung bemerkt Herr Dr. St. zu dem Chronogramm ה״מ״דל > welches noch in 3 andern Piecen dieses Cod. sich findet, ״das Datum kann nur 5076, nicht 5081 sein, da in letzterem Jahre der 1. Adar I Freitag war, und Adar II hier wohl nicht, gemeint ist, dessen 1. nur 5081 auf Montag fiel.“ Dies ist nur zum Theil richtig. Der 1. Adar I, der übrigens nie auf Freitag fallen kann, war im Jahre 5081 am Samstag, was auch schon daraus hervorgeht, dass der 1. Adar II auf Montag fiel. Es muss heissen: ״Der 1. des Neumondes Adar I war am Freitag“. Durch die vorstehende Bemerkung des Herrn Dr. St. und meine Berichtigung derselben ist aber erwiesen, dass das Chronogrammm 5076“ה״מ״ו־ל sei, also das ה die Tausende anzeige. Die Piece V dieses Cod. (S. 172) enthält dasselbe Chronogramm und stimmen Wochen- und Monatsdatum ebenfalls zu 5076. Dasselbe ist der Fall bei Piece VII (S. 176) wo Sonntag der 10. des 12. Monats (אלול) au* das Jahr 5076 hinweist. Dagegen stimmt in Piece VIII (8.176) das Datum ליל ב״יבט״ו לחדש שנים עשר שלשנת עיבור בשנת ה״מ״ו״ל nur zu dem Jahre 5081. Der Schreiber Menachem b. Binjamin (das Epigraph מ״י ב״ב״ל UQd מנחם י״ש״ל״ם ביר בנימין weiss ich nicht zu deuten) begeht hier eine doppelte Inconsequenz. In Pi60e VII bezeichnet er den אלול und in Piece VIH den אב als den 12. Monat; ebenso in den 3 zuerst angeführten Piöcen das Jahr 5076 und in der letzteren das Jahr 5081 durch ה״מ״י״ל• Beide Jahre waren Schaltjahre, was bei ihm ausdrücklioh aber nur bei dem letzteren durch die Angäbe שנת עיבור angedeutet wurde. Wahrscheinlich geschah dieses, weil 6s selbst in einem Schaltjahre gegen, den Gebrauoh ist, von einem dreizehnten Monate zu reden, um die Aufmerksamkeit hier auf den 12. Monat des Schaltjahres אב zu lenken. In Piece VH, wo dieser Hinweis fehlt, ist es nur durch die Angabe des Wochentages möglich, den 12. Monat אלול =־ zu eruiren, der in Wirklichkeit aber der 13. ist. Derartige Inconsequenzen erschweren aber die Feststellung der Daten und sollten deshalb sorgfältig vermieden werden. In Piece XI b (S. 177) am Schluss heisst es: ״am 22. des 3. Monats ל״ח בעומר• Dies muss heissen ״des 2. Monats“. Zur Hebr. Abth. S. 92. Am Schlüsse eines Briefes Rapaports über ר׳ מאיר בעל הנם steht das Datum יום ג׳ ד־ אב לסדר ולפרט בכל לבבך ובכל נפשך. Das Chronogramm ergiebt die Jahreszahl 014 1854. Das Monatsdatura ist hiernach unmöglich, weil im Jahre 1854 der 4. אב auf שבת fiel. Wahrscheinlich soll es heissen י״ד אב, welcher Tag auf Dienstag fiel. S. 98. Zu dem Datum der Grabschrift des Abraharn Aschkenasi ביום שני בי" א טבת בתקי״ו heisst es in der Anmerkung: 1756 היא שנת. Im Jahre 1756 gab es aber keinen 11. טבת, es muss heissen 1755. (Vergi. mein מפתח להבוע עתים). Die Grabschrift der Frau Asohkenasi’s hat das Datum ביום ח׳ כ־ אדר שני שנת ה׳ תקי״ז. Dieses Jahr war kein Schaltjahr und muss es heissen תקי״ח und statt 1757 in der Anmerkung 1758. Litteraturbericht, Recensionen. Geiger Ludwig, Professor, Dr. Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Band L Heft 1. Braunschweig C. A. Schwetschke und Sohn. 1886. Ich will nur gleioh vorwegnehmen, dass ich dieser Schöpfung des deutsoh-israelitisohen Gemeindebundes nicht ganz unbefangen gegenüberstehe. Eine ״historische Commission“ die ein de utsch-israelitisoher Gemeindebund ins Leben ruft, ohne in erster Reihe Professor Gr ätz zu berufen, hat nicht und nimmer meinen Beifall und wenn ich Vorstand einer Gemeinde wäre oder bei ihr Einfluss hätte, ich würde diesem israelitischen Gemeindebunde keinen Pfennig mehr senden, das verlangte mein jüdisch-nationales Gefühl, das der D.-J. G.-B. aufs tiefste verletzt hat. Herr Professor Ludwig Geiger mag zu Grätz stehen, wie er will, er hat das zunächst mit sich abzumachen, der isr. Gemeindebund kann es nicht, denn er hat die deutsoh-israelitisohen Gemeinden zu vertreten, weil es ihr Geld ist, das er verwaltet und die Gemeinden stehen bei einem solchen Vorgehen sicherlich nioht auf seiner und Geigers Seite Indess lassen wir uns durch die bekannten Worte Heine’s trösten, der da sagt, dass ״in Naturaliensammlungen fehlt oft unter den Thieren der — Wallfisch“. Doch auch abgesehen hiervon hat mioh das vorliegende erste Heft nicht sonderlich befriedigt hat. Es will mir scheinen, als ob man an den Bau gegangen ist, ehe man genügend sioh dazu vorbereitet. Man hat daher genommen, wessen man gerade habhaft werden konnte, um das Heft zu füllen und das Gegebene ist nicht eben imponirend. Gerade im ersten Heft hatte ich Stobbe und Weizsäcker und Geiger selbst anzutreffen vermuthet, denn das erste Heft einer neuen Zeitschrift ist eine Art Aushängeschild und ich finde statt dessen nur mehr oder weniger Gelegenheitsarbeiten. Vollends gilt dieses von der ersten Abhandlung des Heftes. ״Moses Mendelssohn und das Judenthum von Dr. Jaoob Auerbach“, so gut dieselbe auch gemeint sein mag. Dass man Mendelssohn zum Ausgangspunkt nahm, ist gewiss gerechtfertigt, wenngleich auch da sioh mir wieder die Frage aufdrängt, was wohl Mendelssohn dazu gesagt haben würde, wenn man ihn als erste Figur gewissermassen symbolisoh voranstellt und — Grätz, (auch Kayserling, Wolf u. A.) ignorirt. Die Auerbach’sche Arbeit gehörte nicht in das erste Heft, vollends nicht an die Spitze eines Unternehmens, das sich den Anstrich giebt, einem längst gefühlten Bedürfni83 abzuhelfen. Sie bringt weder Neues noch auch das Alte von neuen Gesichtspunkten aus. Weit besser, und meines Erachtens das Werthvollste des Heftes ist Franz Muncker’s ״Moses Mendelssohn und die deutsohe Litteratur“, eine von grossem Verständniss und eingehendem Studium zeugende, sehr lesenswerthe Arbeit, völlig objectiv und doch voller Wärme gehalten, die den Verdiensten H’8. durchaus gerecht wird. Darüber noch einige Worte in nächster Nummer. Schluss folgt.)

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