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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-06-17 · N° 25. (17.6.1886) · p. Seite 97

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 25. (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
Seite 97 (sequence 3)
Language
German
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— 97 — ■druck, wie der Stumme, wie das Kiud seine G-edanken äussert. Israel war das erste Volk, das der Gottesidee vollen, klaren Ausdruck verliehen, allen verständlich, allen begreiflich, Israel hat durch die Art und Weise, wie es die Gottesidee in die Erscheinung treten Hess, Gott so hoch erhoben, dass Er aller Welt sichtbar geworden. — Welche Folgen hat denn die Gottesidee fär die Moral des Menschen! Welche Pflichten resultiren aus dem Glauben an ein Gött- Hohes Wesen! Was folgt daraus, wenn der ״Apis“, der ״weisse Elephant*, das ״Feuer“ eine Gottheit bildet! Die Völker vermochten diese Frage nicht zu beantworten; Israel allein hat das Verhältniss des Menschen zur Gottheit klar und fasslich dargestellt ,אח ה׳ האמרת היום להיות לך לאלו־,ים וללכת בדרכיו ולשמור חוקיו, ולשמע בקלו. ״Du hast die Gottes-Idee klar und verständlich ausgedräckt, durch dein Wort ihn zu deinem Gott erhoben, in dessen Wegen du wandeln, dessen Gebote du beobachten, auf dessen Stimme du hören sollst. — — Das ist das Verhältniss des Menschen zu seinem Gotte. "אמר" bedeutet also, ״eine Idee so zum Ausdruck zu bringen, dass sie aller Welt zugänglich, verständlieh wird;“ und das ist das Verdienst Israels, dass es die ■Gottesidee in dieser Weise zum Ausdruck gebracht hat, dadurch hat es Gott erhoben aus den Tiefen der Verborgenheit zu den Höhen der Sichtbarkeit, aus den Tiefen der Dunkelheit zu den Höhen der Klarheit. Wie Israel aber der Gottesidee, 80 hat Gott wieder der idealen Mission Israels klaren Ausdruck verliehen und zwar durch das Wort ״Ihr sollt mir ein Reich von Priestern seiu“. והי האמיו־ך ידום Und Gott hat dein innerstes Wesen der Welt verkündet, enthüllt, es zum sichtbaren Ausdruck gebracht, indem er dich zu seinem Eigenthum erkoren ״ולתתך עליון ־לתהלה לשם ולתפארת״ ״לעם סגלה״ und dich dadurch erhoben über alle Völker zum Ruhm — Ruf — und zur Herrlichkeit. Je sichtbarer eine Sache m die Erscheinung tritt, desto mehr entspricht sie dem Begrifl אמר״", und der ״Wipfel“ der Allen und auch in der Ferne sichtbar ist, heisst daher ״אמיר״. Wir haben diese Auffassung des Wortes אמר״" nachträglich vollkommen bestätigt gefunden in Gesen. Thes. S. 74 s. v. ״ — ״אמר״dixit“ . . Qrimario significatio est efferendi, hinc in lucem protulit, dixit A. gr. <fYj|n“. Das griechische ׳1!^׳. stammverwandt mit inf.?rjva: bedeutet aber auch nichts anderes als ״durch die Sprache ans Licht bringen “, wie ׳p atvco ans Licht bringen, sichtbar machen, erscheinen lassen, das heisst ״in lucem proferre“ und deckt sich vollständig mit dem Wort ״ .״האמרת״Du hast Gott sichtbar gemacht, ihn für die Menschheit ans Licht gebracht, ihn eo ipso so hoch erhoben, dass er auch denen, die ihm fern standen, sichtbar geworden, wie der "אמיר" - Wipfel, auch den Entferntesten deutlich — sichtbar ist.. Ob der Stamm אמר״" nicht ebenso verwandt mit מאר^^^, also אמרות mit ״מארת״, wie das gr. mn׳., -paiv« mit ׳f&o;, pto; - Licht, wollen wir hier unerörtert lassen. "אמר" bedeutet also ״ans Licht bringen“, ״in die Erscheinung treten lassen“. Was ist und bedeutet aber die ״Schöpfung“ etwas anderes, als die ״Idee“ der ״Welt“ zum Ausdruck bringen, als die Welt ״ans Licht bringen“, ״sie in die Erscheinung treten lassen“! ״ כי הוא אמד ויהיdenn er ״sprach“ und es trat in die Erscheinung“ (Ps. 33.9). Die ״Schöpfung“ geschah aber nicht mit einem Male, plötzlich, sondern nur allmählich, von Stufe zu Stute, von Höhe zu Höhe, entfaltete, entwickelte, vervollkommnete sich die ins Dasein getretene Welt, bis sie zum vollkommensten ״Ausdruck“ gelangt und vollendet bestand ״ויכלו״. Diese allmähliche Entfaltung und Entwickelung Anden wir ja allenthalben in der Natur. Ein Baum wird nicht plötzlich zum Baume, eine Frucht nicht mit einem Male zur Frucht. Wurzelschlagen, keimen, knospen, blühen, grünen, wachsen, gedeihen, reifen u. s. w., das sind die mannigfachen Entwickelungsstufen in der Natur heute, und 80, sagt die Mischna, war es auoh in den Tagen der Schöpfung בעשרה מאמרות נברא העולם —ZehnEntwiokelungsstufen(Höhen, Phasen) musste die ״werdende“ Welt durchlaufen immer höher seigend. immer sichtb arer zum Ausdruck kemmend, bis sie in ihrer Erscheinung vollendet dastand! Selbstverständlich haben die 'עשרה מאמרות,, für uns nur linguistisches Interesse, denn was mit den ״Zehn Entwickelungsstufen“ gemeint sei, ob wir darunter die gewöhnliche, landläuflge oder die ״ Darwinisehe Theorie“, ohne ihre anti-religiösen Ausschreitungen, verstehen sollen, darüber zu entscheiden, überlassen wir dem Naturforscher vom Fach; viel grösseres Interesse flösst uns die ethische Consequenz, die die Mischna aus dieser ״naturwissenschaftlichen“ Theorie zieht, ein. ״Und was lehrt das! Dass die Bösen mit Recht bestraft und die Frommen mit Recht belohnt werden, die Ersteren, weil sie eine Welt zu Grunde richten, die Letzteren, weil sie eine Welt erhalten, die in al lmählic her Entfaltung undEntwickelung "בעשרה מאמרית" geschaffen wurde. — Dieses ethische Moment soll in einem besonderen Artikel besprochen werden. Recension. Singer, Joseph, Oberoantor der israelit. Cultusgemeinde in Wien. Die Tonarten des traditionellen Synagogen-Gesanges (Steiger), ihr Verhältniss zu den Tonarten der vorchristlichen Musikperiode. (Schluss.) Um jedem Missverständniss vorzubeugen, möchte ich ausführen, dass ich nur den ״Steiger“ in seiner heutigen Form — ich möchte sie Kunstform nennen — der oben bezeichneten jüngern Epoche zuschreibe, die stabile Melodie des ד מלך aber erachte auch ich für viel älter. Und ich freue mich, in diesem Punkte mit dem Verfasser, wenn auch nur scheinbar, übereinzustimmen. Das Soheinbare unserer Ueberein- Stimmung darf jedoch nicht übersehen werden. Während Herr Singer alle Steiger auf Grund ihrer Uebereinstimmung mit seinen Tonarten in ein 80 hohes Alter setzt, halte ich die מלך ^-Melodie nur aus dem Grunde für alt, weil ich in ihr eine Psalmodie alten Ursprungs erkenne, nach welcher alle liturgischen Sabbath- und Festtags - Psalmen gesungen werden, nicht wie der Verf. S. (13) sagt: ״Der Adonoj-moloch- Steiger jedoch findet nur eine einmalige Verwendung und zwar bei der Liturgie des Freitag Abend-Gottesdienstes uud bei den Gebetstücksn, dessen Namen er trägt“. Zur Bekräftigung meiner Deßnition bin ich sogar in der Lage, anzuführen, dass der Tonus quiutus des Gregorianischen Gesanges dieselbe Melodie im Initium, Mediatio und Finale aufweist. Der Lehrsatz zur Festhaltung der Melodie des V. Kirchentons lautet nämlich in der Transposition nach C also: ce gg gggg Quintus Tonus sic iucipit g e ga g sic mediatur g a f g e et sic flnitur g a f g ec Seculorum Amen.

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