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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-06-17 · N° 25. (17.6.1886) · p. Seite 98

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 25. (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
Seite 98 (sequence 4)
Language
German
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— 98 — Dieser Kirchenton ist sowohl in der katholischen, als auch der englischen Hochkirche (English high church) als Psalmodie gebräuchlich und hat wie der מקי 'TSteiger o e g zur Intonation, g zum Choralton, e zum Halb- und 0 zum Ganzschluss, wie mein -erstes Notenbeispiel. Wir stossen hier also auf die IdentitäteinerPsalmodiederchristlichen Kirche und der Synagoge. So wird das ״Juravit Deus“ der katholischen Kirche (Ps. 110,4), die übrigens noch jetzt alle acht Toni Psalmorum cultiyirt, nach der Melodie von אודך (P8. 118,21) gesungen.*) Für mich hat dieses Ergebniss wenig Ueberra8chendes. Im Gegensatz zu Ambrosius, der es als ein Martyrium ansah, eine von ihm niedergebrannte Synagoge wieder aufbauan zu müssen, gilt Gregor der Grosse als Freund der Juden, wenigstens wird er in den jüd. Schriften nur in diesem Sinne erwähnt. Als Schöpfer des Cantus planus aber erscheint er in einem andern Lichte, indem er mit der Aufhebung des rhythmischen Kirchengesanges nichts anderes beabsichtigte, als jede Spur des altjüdisohen Gesanges, wie ihn die abendländische von der morgenländischen Kirche mit Hinweis aufseinen Tempelursprung überkommen hatte, zu verwischen. Wenn wir trotzdem noch manche Psalmodie wiedererkennen, wie unsere 80 ,די מלך mag das ein Fingerzeig für uns sein, dass wir bei der Erforschung unserer Melodien den Gregorianischen Gesang zu Rathe zu ziehen haben. Uebrigens habe ich oben nicht ohne Absicht das אודך als Beispiel gebraucht, Tch bin nämlich der Ansicht? dass die An- Ordnung R. Elasar b. Parta H., von אודך bis zum Schlüsse des Psalms die Verse zu wiederholen (Succa 39), nicht allein in Rücksicht auf den Parallelismus, sondern auch in Rücksicht auf die alte Psalmodie geschah. Im Anfang des 15. Jahrhunderts sang man aut אדך bereits freie Compositionen. (לא כדין הוא ששורדים במשתאות אורך כי עניתני וכה״ג ... אך בבתי כנסיות לרגלים ולמוקדים מצוד. לשיח ולננן שירות ותושבחות לכבוד המלך גדול ונורא יתברך: לקוטי מהריי׳ל) Auf die andern Steiger näher einzugehen, muss ich mir, weil ich sonst den Rahmen einer Besprechung überschreiten müsste, leider versagen. Zum Verfasser und seiner Brochüre zurückkehrend, muss ich aber noch die auf S. 10 beanspruchte Priorität, die Steiger auf ihren Intervallenwerth geprüft und in ein System gebracht zu haben, berühren, da sie ihm nicht unbedingt zugestanden werden kann. Das Verhältniss der Synagogen-Melodien zu den Kirchentonarten ist schon *) Ich habe diesen Punkt bereits in No. 14—15 dies. Bl. vom. J. 1885 (S. 57) berührt. — Von den Druckfehlern dort sei mir gestattet, einen hier zu berichtigen Col. 26 v. u. muss es heissen: Ihn es dem Schüler leicht zu machen, wurde ihm für den Tonfall jeder Kirchentonart ein Merkvers’chen gesagt u. s. w. vielfach zum Gegenstand der Untersuchung gemacht worden. Es sei hier an den Federstreit der Cantoren Deutsch - Breslau und Weintraub-Frankfurt a. M. erinnert,**) sowie an das 8. Capitel der ״ Etüde historique sur la Musique des Hebreux* in Naumbourg’s ״Recueil de Chant relig.“ (אגודת שירים Paris 1874), in welchem dieser Gegenstand eingehend behandelt wird. Aber auch ein schlichter deutscher Gantor — Herr Lachmann in Hürben — hat die ״Steiger“, wenn auch nicht ausführlich, so doch früher (im jüd. Cant. 1880 No. 6 u. 7) aut ihren Intervallenwerth geprüft und in ein Tonart-System zu bringen versucht. Die Arbeit des Herrn Singer bleibt aber eine anregende und darum dankenswerthe und verdient von den Cantoren eingehend studirt zu werden. Königsberg in Pr. Ed. Birnbaum. **; Siehe Zeit. d. Jud. 1801 S. 67 u. die Beil, zu No. 34 u. 50 u. die 2. Beil, zu No. 16 v. .1. 1862. Notizen. 1. Nur noch ein Wort über קטנותא! Diesen Au9druck halte ich für das griech. xaTavoT)T(ixds) — tiefdenkend, scharfsinnig, und erkläre demgemäss die qu. Talmudstellen: R. Josse war der tiete Denker unter den Chassidäern; der Sohn des R. Aschi erachtet die Ansichtsäusserung des Vaters lür die eines tiefen Denkers, für scharfsinnig. — Brandenburg a. d. H. Rabb. Dr. Krön er. 2. Das ״Journal officiel de la Republique fran<;aise“ vom 31. Mai enthält eine von Clermont-Ganneau in der jüngsten unter dem Vorsitze Renau’s abgehaltenen Sitzung der Asiatischen Gesellschaft vorgetragene anerkennendeBesprechung der״Beiträge zur Geschichte der hebräischen und aramäischen Studien" von Dr. Perl es*) die allerwärts in der wissenschaftlichen Presse: im ״Vessillo“ durch Perreau, in der ״Revue des 6tudes juives“ durch Neubauer, im Literarischen Centralblatt durch Nestle und in der Vierteljahresschrift für Kultur und Litteratur der Renaissance durch L. Geiger eine sehr günstige Besprechung erfahren haben. 3. Dr. Harkavy hat das Lexicon des R. Hai Gaon, Jas von den Schriftstellern des Mittelalters unter dem Namen Al- C h a w i citirt und von Jbn Ezra מאסף כלילת יופי genannt wird, entdeckt. Es erscheint darüber ein Artikel aus der Feder Harkavy’s in dem hebr. Jahrbuch ־כנסת ישראל 4. Das 5. Heft des Vessillo israelitico (1886) enthält interessante autobiographische Skizzen des berümten Beniamino- Consolo, der die Pirke Aboth, die Choboth Halebaboth, Job, Echa und die Psalmen in’s Italienische musterhaft übertragen und commentirt bat. — Guiseppe Nacamulli bat die Pirke Aboth in’s Griechische übersetzt und die Schrift dem Kronprinzen gewidmet, der dieselbe dankend annahm. — Der durch die Aufführung seiner eigenen Compositionen in der Berliner Singakademie gefeierte Pianist Eugenio Pi rani ist ein Jude aus Ferrara in Italien. (Vess. isr.» *) Als Antwort auf die Anfrage des Herrn L. Cohen in vor. No. über die Ereignisse in der Posener Gemeinde i. J. 1736 sei auf Perles’ Gesch, a, Juden in Posen S. 68—101 hingewiesen■ Berichtigung. In dem Art. ״Senior Sachs“ in vor. Nr muss es S. 91a Z. 7 v. 0. heissen: ״zu Paris“. Sp. b. Z. 3׳ ,,erahnen“ st wahren, u. S. 92a Z. 3. v. u. ״aus Kaidan“. IntmlfantfdE itlfl^nfdjrlft für \m ßeöüMe DuliliftiiE $eutfrt)e* *Wontaaö־־ *Blatt. Tii'jc littcraiifdi politijd)c ,')citidirift crftcii 'Jlnugcb oerbiubet bic Horjiigc einet uittcrbaltcubcii uub anivficiiben 1Jöocbenfdbrift mit beiieu einet rool)linformirtcn, rcid) mit 9Iad)rid)ttn uub erfter Cuellc aubgcftattctcu Jeitutig, unb jo cntfprid)t bab ״Ccittfche ']Wontaflet ,®latt" in feinet Toppd VJntur einem C1ttfd)iebrne11 SJ3ebürftit(S bed gcbilbetctt Uefcpublifume, wofür bic groftc Herbreituug beit befteu Bciocib liefert. Vlufjer bei! 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