Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 22. (27.5.1886)
- Date
- 1886-05-27
- Page
- Seite 85 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 85 11. Und alle Könige sich vor ihm niederwerfen, Alle Völker ihm dienen; 12. Denn er wird den Bedürftigen vom Geldmachthaber erretten, Wie auch den Armen und Hilflosen; 13. Sich des Geringen und Bedürftigen erbarmen Und den bedürftigen Leuten beistehen; 14. Von List und Gewalt wird er sie erlösen Und, weil ihr Blut in seinen Augen kostbar, sie leben lassen. 1B. Schaba-Gold wird er unter ihnen verschenken, Und sie werden für ihn beten, ihn beständig preisen. 16. Es werden Kornvorräthe im Lande sein, Und der Vornehmste der Berge wie der Libanon Frucht träufeln, Und die Sprösslinge seines Leibes wie Kraut des Feldes sein. 17. Sein Name bleibe ewig, 80 lange die Sonne, Joanon ist sein Name, dessen man sich rühme, Alle Völker preisen ihn. — זשבא וסבא jenes im siidl. Arabien , dieses in Aethiopien (Hupfeldl. Wäre aber dies der Fall, so würde auch Ezechiel, der eine grosse Kenntniss der bedeutenden Plätze der alten Zeit bekundet, es nicht unterlassen haben, bei Aufzählung so vieler auch derselben Erwähnung zu thun. Es lässt sich aber vermuthen, dass 0בא aus כנה, Ezech. 27,‘23, entstand — אשכר. Nur noch Ezech. 27,15. Preis. Lohn שכר ־. Es ist wohl wie hier Tribut, Gabe (Hupfeid). Kann nur Trinkgeld bedeuten; vermutlilich hat sich die Form von אשפר, II. Sam. 6,19, abgewandelt (Hitzig). Wahrscheinlich ursprünglich ein Weinschlauch, dem König oder Herrn dargebracht von שכר. Die Ableitung von 12כר? ist abenteuerlich (Graetz). Wenn es aber in Ezech. 27,15 deutlich genug heisst ״Zacken von Elfenbein“ (st. שן שנהבים •1. והבנים. Wie 1. Könige 10,22, 11. Chr. 9,21) gaben sie als Preis“, so kann nur Hupfeld’s Erklärung die richtige sein. V. 11. S Deuterojes. 49,7. Nur muss dort רקדו st. löpl parallel mit וישתחוו gelesen werden. V. 12. משוע, die Ableitung von ״ ,שועהschreien, um Hilfe rufen“, giebt hier, wie Hiob 29,12, keinen erschöpfenden Sinn. Da aber diese Schreibart durch Hiob verbürgt ist, so kann es nur anders gelautet haben, nämlich: ״ מ(צ1עBeicher, Begüt«rt6r, Schwelger“. Es werden darunter jene Geldmänner verstanden, die die Bedürftigen durch Darlehen, Geldvorschüsse in Zeiten der Noth ausbeuteten, bedrückten und auf ihre Unkosten schwelgten. V. 14. מתוך ומחמם. Auch Ezech. 28,16. Nur muss dort eine kleine Emendation vorgenommen werden 8t. תוכך חמם 1. ויקר דמם בעיניו - ♦תוך וחמם• Man erwartet eine Vervollständigung des Satzes, welche man nur dadurch erlangt, wenn man das darauffolgende *ויה V. 15. dazu nimmt. Nun ist aber דמם piur., mau muss also st. ויחי ויתז lesen ויחיו, יתן wie Hupfeid zum Theil vermuthet. — V. 15. מזהם• Das מ׳ ist hier nicht nothwendig, es dürfte zum vorhergehenden zu ziehen, st. לו מ1הב au lesen sein להם הב!. Die.LXX, welche für ויתפלל und יברכנהו den Plural haben ,ויתפללו und ברוכוהו, bestätigen auch unsere Muthmassung vollinhaltlich. — V. 16. פסת בר hat alle Ausleger zur wahrhaften Verzweiflung gebracht. Der Ausdruck kommt sonst nicht vor, wird aber dem Zusammenhänge nach ״Uebert'luss des Korns“ erklärt. (Olshausen) לשון פסיון Ueberfluss (Raschi) Abenteuerlich Abenezra und Rdak von פם Stück, Theil; log. שפעת (Graetz). Viel einleuchtender ist aber, wenn wir schon zur Emendation unsere Zuflucht nehmen, מסכנות (H. Chr. :!2, 28) dafür zu setzen. בראש ההרים giebt hier keinen Sinn, 1. וראש das Haupt oder der Vornehmste der Berge. So wurde schon früher der Berg Zion benannt (Jes. 2,2 Mcha 4,1.) Wechsel von ב und ו kommt in den heiliger! Büchern unzählige Mal vor. ירעש zittern, rauschen vom Getreide? lies יעשר (Grätz.) Allein יעשר im Zusammenhänge mit פריו ist ohne Analogie. Besser ירעף wie Ps. 65, 12. 15. — ׳ויציצו מעיר Das Subiect versteht sich von selbst, aus der Stadt blühen nur Menschen auf, eine Bevölkerung so dicht gedrängt, wie das Kraut auf der Erde (Ohlshausen) wie schon früher Raschi und Bdak. Welches ist das Subject im Plural? leg. ויציצו ערים (Grätz). Man vergleiche jedoch diese Stelle mit Deuterojes. 48,19 und Hiob 5,20 und die richtige L.-A. wird sich von selbst ergeben pוצאצאי מעיך כעשב הא. - V. 17. יהי שמו לעולם vernünftiger ausgedrückt als Daniel 2,4. 3,9, 5,10. — ינון שמו war den Ausl, dadurch eine Aus alten Kalendern. Von L. Cohen, Lehrer in Rees a. Rhein. Die ״Kölnische Zeitung“ vom 11. April brachte eine Mittheilung über die Stadt Metz*) in welcher es u. A. heisst: ״Am treuesten an der deutschen Muttersprache hielten die Juden fest. Die Machthaber der ersten französischen Republik fanden keinen andern Ausweg, die jüdische Bevölkerung mit den peuen Grundsätzen bekannt zu machen, als indem sie für. dieselbe eine deutsche Zeitschrift herstellten. Diese erschien vom Jahre 1789 ab einmal wöchentlieh in sogenannter jüdisch-deutscher Sprache im Verlage von Abr. Spire (Spoier). ... In der bedeutenden Metzer Stadtbibliothek fehlt die erwähnte Zeitsohrift, gleichwie so manche andere auf das Deutschthum bezughabende wichtige Urkunde“. — Auch in der Rosenthal’schen Bibliothek zu Amsterdam sind nur einige Nummern dieser Zeitschrift der Jahre 1789—90 zu finden. Da über die Verhältnisse des Deutschthums unter den französischen Juden jener Zeit überhaupt die Quellen spärlich fliessen, so dürfte es vielleicht interessiren, über den Inhalt eines jüdisehen Kalenders aus dem Verlage der vorerwähnten Zeitschrift hier Einiges zu erfahren. Derselbe bietet nicht nur für die Kultur-, sondern auch für die Religionsverhältnisse jener Schreokenszeit manchen Anhalt. Sollte bei der sehr grossen Seltenheit derartiger Opuscula die Beschreibung eines solchen des Beifalls der geschätzten Leser sich zu erfreuen haben, so würde ich hierin nicht nur den schönsten Lohn für meine bescheidene Leistung, sondern zugleich auch eine Aufmunterung zu weiteren Mittheilungen auf diesem Gebiete dankbar erkennen Per Titel meines Büchleins, durchgängig mit hebräischen Lettern und im Format unserer heutigen Luchoth gedruckt, heisst: ״Kalender des 4. Jahres der R^publique fran9aise. לוח משנת תרנ״ו לפ״ק• Nach den gebräuchlichen ferneren Angaben des Titelblattes heisst es: ובמדינות אתרים מתחילין למנות ש״ח ביום ר כ־ טבת אלף תשצו• Metz bei Abr. Speier. Die 2. Titelseite enthält die Namen der 12 mois decadaires nebst jüdisch-deutscher Erklärung ihrer Bedeutung und die Witterungsangaben ״hübsch, feucht, kostbar, viel Regen“ für die 4 Jahreszeiten mit dem Herbste, als dem Anfang des republikanischen Jahres, beginnend. Es hat hiernach auch in jener Zeit sogenannte Wetterpropheteu gegeben. Die französischen Namen für die Tage der dekadischen Woche von Primidi-Decadi harte Nuss zu knacken, weil sie übersehen haben, das ינון ein Eigenname sei. Bereits im Eingänge haben wir es erklärt, dass ינון — Johanon Jochanan und dass ינאי, wie auch Johan Hyrkan II. seinerzeit genannt wurde, noch eine viel kürzere Form davon ist. Dass Hyrkan auch einen hebr. Namen führen musste, ist selbstverständlich, und dass dieser יוחנן war lässt sich aus dem Talmud nachweisen. Derselbe ret'erirt nämlieh, dass man in den Urkunden בשנת כך וכך ליוחנן כהן .. finden wir auch anderwärts eben diesem Hyrkan beigelegt. (Jos. Ant. XVI 6,2.) Im Targum Jeruschalmi hat sich eine Notiz erhalten, die lautet: ״die Feinde des Johanon des Hohopriesters sollen keinen Beistand haben“ (5 Mos. 33,1.), die gewiss aus jener Zeit herrührt, als Aristobul II. Johan Hyrkan II. mit Krieg überzog. — Unsere Ansicht findet im Talmud ihre volle Bestätigung. Es wird daselbst (Synhedrin c. XI.) die Frage aufgeworfen, wie der Name des Messias, der vorher verkündet wurde, sei? Jedes Lehrhaus suchte aus der Bibel Beweise dafür, dass derselbe, wie der ihres Meisters laute. Nun erklärte das Lehrliaus des Rabbi Janai, dass Jinon sein Name sei לבי רבי ״נאי אמרו עין שמיה und zwar mit Bezug auf eben unsere Psalmstello; auch hier wurde ינאי mit ינון identificirt. Die letzten 3 Verse des Ps. (18—20) gehören der Redaction an, die damit den Schluss dieses Psalmbuches bezeichnet. *) Siehe ״Jsr. Wochenschrift“ in No. 17 unter ״Magdeburg“.