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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-05-20 · N° 21. (20.5.1886) · p. Seite 80

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 21. (20.5.1886)
Date
1886-05-20
Page
Seite 80 (sequence 2)
Language
German
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— 80 — schenke zu machen, er liess sich dazu bestimmen und händigte dem Antipater zu diesem Behufe das nöthige Geld ein. Derselbe missbrauchte aber das Vertrauen seines Herrn, indem er den Feldherren allerdings eB übergab, aber nicht als das seines Herrn, sondern als sein eigenes. Es kam Hyrkan zu Ohren, aber wider alles Erwarten grollte er nicht nur den Antipater deswegen nicht, sondern er war aufrichtig darüber erfreuet, dass jene die Geldgeschenke angenommen und auch ihre Gunst dem Geber zugewendet haben (Ant. XH 9, 9). Auch sein Verhalten gegen die damals tonangebenden Pharisäer soll durch nachstehende, beinahe dramatische Begebenheit charakterisirt werden. Ein Knecht des Königs Janai (Johan Hyrkan) beging einen Mord. Da sagte Schimeon ben Schetach zu den Chachamim (Synhedrialräthen): verfolget ihn gerichtlich. Sie stellten hierauf den Anklagebeschluss Janai zu, des Inhalts: ״Dein Knecht hat sich eines Mordes schuldig gemacht.“ Erstellte ihn ihnen, Sie beorderten ihn »aber: ״Erscheine auch Du! Im Beisein seines Herrn soll wider ihn gezeugt werden“. Auch sagt die Schrift (2. Mos. 20.28): ״Es komme der Herr des Ochsen und stehe bei seinem Ochsen“. Er kam und nahm seinen Platz ein. Schimeon ben Schetach aber sagte: ״Janais, erhebe Dich! damit man wider Dich zeuge, denn nicht vor uns, sondern vor dem, der da sprach: Es werde — und es ward die Welt“, stehest Du nach dem geschriebenen Wort: ״Und es stehen beide Männer, zwischen denen der Streit, vor Elohim“ (5. Mos. 19). Dagegen Janai: ״Nicht wie Du, sondern wie Deine Collegen sich erklären.“ Schimeon ben Schetach wendete sich zu seinen Collegen rechts, sie aber senkten ihr Angesicht nach links und auch diese senkten ihr Angesicht zur Erde. Da sprach Schimeon b. Schetach. ״Ihr seid bedachtsame Leute! So komme der Herr, dess die Gedanken, und lasse es Euch entgelten.“ Seit dieser Affaire wurde zur Norm gemacht: Ein König darf weder Bichter sein, noch vor Gericht gezogen werden. Weder soll er Zeuge sein, noch soll wider ihn gezeugt werden (b. Synhedrin 19). Dieser König Janai kann nur Johan Hyrkan n. sein, seinen Vater Alexander Janai wänden die Synhedristen gewiss nicht gewagt haben, vor sich zu citiren und würde es auch nicht so glatt abgelaufen sein. Mohnköpfe ständen auf ihren Stengeln sicherer, als die Köpfe der Synhedrialräthe. Wir haben also auch Johan Hyrkan von dieser Seite kennen gelernt. Bei all seiner unendlichen Güte, grossen Sanftmuth und Bescheidenheit verstand er auch, seiner Würde als König, allerdings mit seinem leutseligen, gewinnenden Wesen, Nachdruck zu geben. Wenn es daher je einen wahrhaft edeln, hochherzigen und grossmüthigen König gegeben, der trotz seiner hohen Stellung, die ihn über Gesetz und Menschen erhob, nicht vergass, dass auch er nur der Menschen einer ist, so war Johan Hyrkan II. einer der Auserlesensten. Und wenn je ein König das Lob, welches ihm Höflinge, Schmeichier oder gar Dankbare gespendet, auch verdient, so hat Johan Hyrkan H. es wohl verdient, dass dieser Ps. auf ihn gedichtet wurde.*) Dass dieser Ps. aber auf Johan Hyrkan H. gedichtet wurde, besagt ausdrücklich V. 17: ינון״ (= Joanon Johanon ינאי יוחנן) ist sein Name“. Und soll nicht auch יאשרהו einfach der Name Hyrkan hebräisirt sein? (Das Letztere ist uns unverständlich. Bed) Merkwürdig ist noch, dass Baschi V. 16 diesen Ps. auf die Zeit des Schimeon b. Schetaoh, bekanntlieh Bruder der Königin Salome - Alexandra, Wittwe *1 Auch J. H. Wei»s nennt ihn nicht anders, als Joch&nan llyrknnos II. (VUHVT דור דור I, 16. Abschnitt, p 140 ff) nach Alexander Janai und Mutter von Johan llyrkan II. bezieht, was er gewiss aus einer alten Agada her hat. Die Antwort, die wir auf die Frage: ״AQf wen wurde dieser Ps. gedichtet?“ gegeben habpn, wird erst zur Gewissheit, wenn wir die zweite Frage: ״Wer hat ihn gedichtet?“ beantworten. Die Aufschrift sagt ,שלמד. Nun war ja der jüdische Name der Königin Alexandra-Salomea!שלמינו bei den Babbinen im aramaischen Idiom, hebräisch — שלמה. Die Königin Alexandra - Salome war eine kluge, würdige und gesinnungstüchtige Regentin, die die Zügel der Regierung nach dem Ableben ihres zweiten Gemahls — Aristo bul I. war ihr erster — Königs und Hohepriesters Alexanders Janai 9 Jahre (79—70) selbstständig und stramm in Händen hielt. Auch sie lobt und tadelt Josephus in einem Athem, was nur von seinem unkritischen Sinn und schlecht verhehlter Parteilichkeit zeugt. Sein gespendetes Lob und sein dick aufgetragener Tadel sind solcher Natur, dass sie sich gegenseitig aufheben oder ausschliessen. Er wirft ihr Herrschsüchtigkeit vor und dass sie die Zügel der Regierung den Pharisäern überliess (Ant. XIII. 16, 2. 3). Das abfällige Urtheil des Josephus hat also in seiner Voreingenommenheit gegen die Pharisäer, denen er übel wollte, seinen Grund und er war auf sie nur deshalb übel zu sprechen, weil sie ihnen wohl wollte. Muss er doch zugeben, dass sie sich der Liebe und Gunst des Volkes erfreute, weil man allgemein der Ansicht war, dass sie an ihres Mannes — besser beider Männer — Uebelthaten Missfallen hatte (Ant. XIII. 16, 1). Ebenso muss er eingestehen, dass sie mehr Kunst und Gewandtheit zum Begieren, als manche Könige besass (das. 6). Wir aber müssen geradezu diese hohe Frau bewundern, wenn wir erwägen, dass sie es unter den beiden Brüdern Aristobul I. und Alexander Janai, denen man rücksichtslose Hartherzigkeit und rasende Grausamkeit nicht absprechen kann, mit deren ruchlosem Gebahren und Verfahren sie durchaus unzufrieden, wenn es ihr nicht gar ein Gräuel war, habe aushalten und überleben können, um ihre milden Grundsätze zur Geltung zu bringen. Gleich nach dem Tode ihres ersten Gatten Aristobul I. gab sie die Gefangenen frei, zog Alexander Janai aus dem Kerker, gab ihm ihre Hand und den Thron und als sie auch diesen überlebte, wendete sie sofort ihr Wohlwollen jener Partei, den Pharisäern, zu, die er so hart und grausam bedrängt und verfolgt hatte. Sie folgte hierin nur ihrer innern Ueberzeugung; denn sie hatte von väterlichen d. h. überlieferten Gebräuchen, alten Gesetzen und jüdischer Wissenschaft genaue Kenntniss, hatte dazu ein sehr frommes Gemüth und betete oft und andächtig (Joseph, jüd. Kriege I. 5,12). Ihren ältern Sohn Johan Hyrkan setzte sie in die Hohepriesterwürde ein. Den jüngern Aristobulos, der gern mit dem Säbel rasselte und sich mit der rohen Tugend der Tapferkeit brüstete, setzte sie über das Heer. Er sollte die Feuertaufe bestehen und vor Damaskus gegen Ptolomaeus Menneus eine Probe seiner Tüchtigkeit ablegen, bestand aber diese schlecht. Er kehrte unverrichteter Sache heim (Ant. XIII. 16, 3). Der geschichtliche und mythologische Simson. Ueber dieses Thema wurde jüngst im Leipziger Lehrerverein ein Vortrag von Herrn Glaser gehalten, der für die Leser d. Bl. von hohem Interesse sein dürfte. Wir geben deshalb einen gedrängten Auszug aus demselben. Der Vortragende wies zuerst in längerer Ausführuug naoh, wie in den Mythen der alten Natur-

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