Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 21. (20.5.1886)
- Date
- 1886-05-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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‘ Jüdisches üfes Litteratur-Blatt. Zar Belcvchtii(( aJlar JadtatliaiM •ad Jadta betreffende■ )1tterari*rtae« Kr- •chelaaage■ *af dem Gebiete der Philo- •ophle, aetrhlehte* Kthaofraphie. Theoloffe« Oriental!■, Kxeffeac. HoaiHetlk, MUrgIk, Piilapofflk. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Rahnier. 9Tto^3e^>u.t<j, 20. 1886. Bicher 4er el*aei1ligig«> Mlter.t.r,«reiche 4er Kedectlo» 1age«»dt wer4ea, Rede■ la tlieaeai Blatte elagehea4e Beeprechaag. Bel Elaaendaag ▼oa awe! Beeeaeloaa* Exeaiplarea erfolgt damalige karae (Iratli-Iaeertloa. Dm ״Jldliche Litteratar• Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 88 PL für die gespaltene Petitzeileי Beilage■ mit U Hark« berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Dm* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in ,Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Der 72. Psalm, mit geschichtlicher Einleitung, kritisch erklärt und übersetzt von Arthur S. Weissmann. (Fortsetzung). — Der geschiehtliehe und mythologische Simson. LitteraturberichtiRecensionen: Buber,Salomon.Midrasch Tanchuma zum ersten Male nach Handschriften zu Oxford, Rom, Parma und München herausgegeben etc. — Lob Jsidore. Tables du calendrier juit depuis l’ere chretienne jusqu’au XXX siede avec la concordance de dates juives et des dates chretiennes et une methode nouvelle pour calculer ces tables. Prix: 10 Francs. Paris 1886. 45 S. gr. 4. Der 72. Psalm, mit geschichtlicher Einleitung, kritisch erklärt und übersetzt von Arthur S. Weissmann. (Fortsetzung.) Als Alexander Janai gestorben war, war Johann Hyrkan II bereits grossjährig, er soll 33 Jahre gezählt haben. Als älterer Sohn sollte er ihm in der Regierung folgen, wie er ihm in der Hohenpriesterschalt gefolgt. Alexandra aber, die Königin-wittwe, die aus Besorgniss vor der Kriegspartei, worunter auch der säbelrasselnde jüngere Sohn Aristobul II, verstanden werden muss, ziemlich lange den Tod des Königs zu verheimlichen und in seinem Namen zu regieren verstand, wollte auch, naohdem sie sich der Gunst der tonangebenden Parteien und die Liebe des Volkes vergewissert hatte, und der Tod des Königs allgemein bekannt war, die Zügel der Regierung nicht aus Händen geben. (Joseph. Ant. XTTT 15.) Und wie verhielt sioh Johann Hyrkan gegen seine Mutter, bei ihrer unrechtmässigen Vorenthaltung seiner Herrsoherrechte? Nicht nur hat er es nicht versucht, ihr die Zügel der Regierung aus den Händen zu winden, sondern er liess sie ruhig gewähren, ohne auch nur im Geringsten ihre Politik beeinflussen zu wollen. Und als sein Bruder, der herrschsüchtige und rebellische Aristobulos, ihn tun Tiara und Diadem bringen wollte, trat er nicht etwa desshalb ins Privatleben zurück, weil er der Gewalt weichen musste — denn die Pharisäer, diese unter Alexandra's Regierungszeit erstärkte und vielvermögende, weil beim gemeinen Volke hochangesehene Partei, war auf seiner Seite, und ihm eine feste Mauer gewesen — sondern nur, weil er auf Kosten eines Bürgerkrieges dem oberhoheitlichen Kitzel nicht nachgeben wollte. ״Denn ihr Blut war ihm theuer“. (V. 14.) Nur bei einer aufrichtigen Würdigung des Volks- Wohles, des glücklichen Familienlebens der Kleinbürger, wie auch der erhabenen Gleichgültigkeit gegen Pomp, Glanz und die Sucht, der erste Mann im Staate und Kirche zu sein, können wir es begreifen, dass Johann Hyrkan lange den Einflüsterungen seines eben 80 klugen, a!3 treuen und ihm ergebenen Freundes und Unterthanen Antipater, dass Aristobulos, um seine Herrschaft zu sichern, ihn aus dem Wege zu schaffen trachte, kein Gehör sohenkte. Und doch musste ihm ein schreiendes Beispiel seiner eigenen Familie aus gar nicht lang vergangener Zeit vor Augen schweben. War es ja sein Oheim Aristobulos I., der um gleichen Zweckes willen gleiohe Mittel angewendet. Es ist interessant, zu hören, wie Josephus selbst sioh hierüber vernehmen lässt. ״Hyrkan war ein von Natur gütiger Mann, der seinem redliohen Gemüthe gemäss keine Verleumdung annehmen und allen Einflüsterungen keinen Glauben sohenkeu wollte“. (Ant, XIV. 1, 3.) Wenn derselbe Josephus im Handumdrehen den edlen Charakter des Hyrkan abzuschwächen sucht, dass er Faulheit und Mangel an Tapferkeit als Ursaohen dieses seines Verhaltens hinstellt, so kennzeichnet dies nur die Art der Geschichtschreibung des Josephus. Er ist unzuverlässig, parteiisch und manchmal auch verlogen. Es ist gut, seine Thatsachen zu registriren, ohne etwas auf sein Urtheil zu geben. Und es wird wohl in punoto Tapferkeit des Jonan Hyrkan vollkommen genügen, wenn wir das unparteiische und gewiss Wahrheitsgemässe Zeugniss des Julius Cäsar über denselben anhören. Es lautet wie folgt: ״Wir Cajus Julius Cäsar, Imperator und Pontifex maximus und zum zweiten Male Diotator, entbieten den sidonisehen Obrigkeiten, dem Senat und dem ganzen Volke unsem Gruss. Wenn es Euch gut geht, so freuet es mioh, ioh und die Armee befinden uns wohl. Hierbei sende ioh Euch eine Abschrift eines Tabulardecrets, welches Hyrkan, des Alexander Sohne, dem jüdischen Hohepriester und Fürsten zu Liebe ist aufgesetzt worden, dass Ihr solches in Euren Archiven beilegen und auf eherne Tafeln eingraben sollet. Dieses lautet wie folgt: Wir Julius Cäsar, zum zweiten Male Imperator und Pontifex maximus, haben aus einer Rathserkenntniss folgendes beschlossen: Naohdem Hyrkanus, ein Jude, des Alexander Sohn, sowohl jetzt, als in früheren Friedens- und Kriegszeiten, nach dem allgemeinen Zeugniss aller Hauptleute uns mit aller Treue und Sorgfalt beigestanden, und erst neulioh in dem alexandrinischen Kriege mit 1500 Mann zu Hilfe gekommen und auoh überaus an Tapferkeit allen Andern zuvorgethan, als er von uns dem Mitradates zugeschiokt worden u. s. w. Nebenbei wurde angeordnet, dieses Dekret griechisch und lateinisch auf eherne Tafeln einzugraben (Ant. XII. 10, 2). Johan Hyrkans selbstlose Hingebung und Hochherzigkeit als Freund und Gönner möge aus folgender Begebenheit gefolgert werden. Besagter Antipate - beredete Hyrkan, den römischen Feldherren Geldger