Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 20. (13.5.1886)
- Date
- 1886-05-13
- Page
- Seite 76 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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76 - Sprache man zu Zeiten Hiskia’8 nicht verstand, (s. Jes. 36,11.) — Und wenn bereits Raschi in לפני V. 5 die Bedeweise der Mischnah heraus wittert, wer wird nun verkennen wollen, dass die Ausdrucksweise צם שמש (das.) gradczu Hebräisirung des spätern volksthümliehen Ausdrucks עם הנץ השמש und צם דמדומי חמה ist. (Berachot 29. Sabbat 118.) — Y. 17 יהי שסו לעולם ist eine modernisirte, zuerst in Daniel (2,3. 3,9. 5,’0) vorkommende Phrase מלכא לצלמין חיי. — Aus alldem, was wir aus- und angeführt haben, ist zur Genüge zu ersehen, dass der P8. sehr jung ist, da er die griechische Üebersetzung zu Zechariah vor sich hatte, viel jünger als die griechische Ueber- Setzung sein muss. Und wenn angenommen werden muss, dass Palästina das Heimathsland des Verfassers war, so konnte derselbe unmöglich auf Ptolemaeus Philadelphia verfasst sein. Uud da er den Daniel kannte, so wird er später als in die Makkabäerzeit zu setzen sein. — Es bleibt uns also nichts übrig, als uns einen König aus viel späterer Zeit und wenn möglich nach einem jüdischen Umsehen. Aristobul I. war unter den Hasmouäern der erste, der sich den Königstitel anmasste. Er regierte aber nur ein Jahr (106—105.) und diese kurze Spanne Eegierungszeit war rein fluchwürdigen Angedenkens, (cfr. Josephus Ant. XIII. 11). Alexander Janai (105—79) führte auch den Königstitel, war aber nicht auch ein Königssohn (V. 1.) Und wer sollte diesen Ps. auf ihn, und bei welcher Gelegenheit, gedichtet haben? Die Sadducäer doch nicht, weil er doch auch Hohepriester war, und die Sadducäer die Hohenpriesterwürde als ihr alleiniges Eigenthum und Erbrecht ansahen. *) Die Pharisäer auch nicht, denn diese hatte er ja gar hart verfolgt. Die Morgentäufer**) erst recht nicht; — war er ja selbst in der Todesstunde auf diese Ueberheiligen nicht gut zu sprechen. Diesen Ps konnte man nur auf Johann Hyrkan II verfusst haben. Er war König und Königssohn. Allerdings war seine Eegierung keine selbstständige und ruhmreiche, wenn Könige je eigenen Eingebungen und selbstgewonnenen Ueberzeugungen gefolgt hätten und der wahre Ruhm in der rücksiofatslosen Herrschsucht bestände. Josephus wirft ihm zwar Unfähigkeit und Trägheit vor (Ant. XIII. 16. 1 2.) Aber man darf auf das Urtheil dieses Geschichtsschreibers, von dem Reuss sehr trefflich sagt: ״über den Mangel au Charakter vergisst mau bei ihm selbst den Mangel an Kritik“ und dem es eigentlich mehr darum zu thyn war, gefällig griechisch zu schreiben, als wahrheitstreu die Begebenheiten zu schildern, nicht allzuviel Gewicht legen. Aristobul II, der es sich herausnimmt seine Mutter und Königin im Beisein einer grossen Versammlung zu beschimpfen und zu schmähen,**“) ist ihm ein herzhaf’ter Mann. Und wenn er seinen ältern Bruder, den rechtmässigen Hohepriester und König, von Thron und Altar, auf Kosten des Bürgerkrieges, um nur seiner Herrschsucht, zu genügen, zu verdiängen sich bemüht, ist ihm eine tapfere, verdienstliche und regierungswürdige Person. Er ist ihm ein König *1 Ezechiel 10,4t;. 43,1!». •14,15. und 1H,11. **) Tosephtha .1 adaim II; die טובלי שחלית erscheinen hier als Gegner der Pharisäer. Und wenn Alexander Janai vor seinem .Sterben der Königin Alexandra nach der Ueberliet'erung des Talmud gesagt, habe: אל תודראי מן הפרושים ולא ממי שאינם פרושים התירא■ מן דדיבוצים שדומים לפרושים הצושים מצשה זמרי ומבקשים שבר כפנהם <Tr. sotah 22.), so hat er unter צבוצים mu die ״Morgeutäuter“ verstanden. (Daniel 4,22. 20.22;10.5.21.1 Targum von וטבלתם!st ותצבצק. ***! Sprüche 30,17 ist sicher, wie das ganze Oapitel geschichtlicher Iteminiszenzen voll ist und aus dieser Zeit stammt, aut Aristobul II gemünzt — ganz nach seinem Herzen. Aristobul war den Pharisäern feind. Und das ist es, was ihn in seinen Augen, 80 sehr erhöhet; aus demselben Grande fällt er über Johann Hyrkau II ein so abfälliges Urtheil Hatte dieser ja die Partei der Pharisäer besonders begünstigt. Aber wir können, Dank der vielen verbürgten und überlieferten Thatsachen, die aus dem Wechsel und ereignissreichen Leben dieses Königs auf uns gekommen sind, ihn selbst beurtheilen. (Fortsetzung tolgt.) Noch einmal Ben Patura. Im Litt.-Bl. No. 52 v. vergang J. versucht Herr Dr. Sidon in Werschetz meine Vermathang, dass unter Ben Patura (B. Mez. 62 a) Jesus gemeint sei, dadurch zu widerlegen, dass der Name B. P. noch zweimal in der Tosefta (Sota V. 13 u. VI. 2) erscheint. In der ersten Stelle tradirt R Jehuda b. Pat. im Namen des R. Akiba, in der andern R Josua im Namen des B. Pat. und hieraus schliesst Herr Dr. S., dass B. P. Zeitgeuosse dieser beiden Tauaiten gewesen sei und zu ihrem Kreise gehört habe. — Hierbei ist jedoch eine wichtige Regel ausser Acht gelassen, welche die □כללי, die Einleitungen z. Talmud, aufstellen worüber auch Raschi (Chulin 113 b) uns belehrt. Wenn es nämlich im Talmud heisst: ״Es sagt Ploni, R. Ploni hat gesagt“, so ist diea das Verhältniss des Schülers zum Lehrer und jener hat das Tradirte direct von diesem empfangen; heisst es aber: ״Ploni sagt im Namen (משום> des R. Ploni“, so hat er es von letzterem nicht direct, sondern durch Vermittelung anderer Personen, welche manchmal 3—4 aufeinander folgenden Geschlechtern angehören, überkommen. Und in der That finden sich häufig Aussprüche eines späten Amora ״im Namen“ eines früheren Tanaiten, von welehern er zeitlich und räumlich getrennt lebte. Hat nun nach der Tosefta B. Pat. ״im Namen“ des R. Akiba, und R. J06ua ״im Namen“ eines B. P. tradirt, so ist es klar, dass im ersten Falle B. P. später als R. Akiba und im zweiten Falle der betreffende B. P. früher als R. Josua, keinesfalls aber mit diesen Tanaiten zugleich gelebt, oonversirt oder zu ihrem Kreise gehört hat. Ich vermuthe daher, dass die Bezeichnung Paturi — Peter den erstgeborenen Söhnen mit Bezug auf das biblische 2) פטל רחם. B. M. 13,2) als Ehrentitel beigegebeu wurde und daher unter den Juden stark vertreten war. Finden wir doch noch unter den Tosafiten einen R. Peter (Gittin 8,1; Sebachim 87,2 u. mehr) und ist der Name שניא1ר das latein. Senior. — Matth. 10,2 sagt bei Aufzählung der 12 Apostel einfach ״Simon genannt Petrus“ und kennt die Legende, dass Jesus ihm den Namen beigelegt (in der Bedeutung von ״Felsen“) nicht. Da nun, wie wir oben gesehen, B. Pat. nicht Zeitgenosse des B. Akiba war und nicht mit ihm oonversirt hat, so muss die Leseart im Safra י אמ ל־׳ רי׳ע nach welcher er jenen mündlich widerlegte, corrumpirt und die in B. Mez. צד שבא ר״צ die richtige sein und ist daher nicht ausgeschlossen, dass hier Ben Patura die Bedeutung von ״filius patris“ hat. Hamburg. M. S. Rens. Daten-Berichtigungen zu Zunz ״Zur Geschichte und Litteratur“. 11.ד Von L. Cohen, Lehrer in Rees. In dem vorgenannten Werke befinden sich unter ״Drucker und Drucke von Mantua“ noch 3 Irrtbümer, *I S. No. 10 und 11 die» Dl