Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 20. (13.5.1886)
- Date
- 1886-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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* Jüdisches Jahrg-xv. Lltteratur-Blatt. Zur BrltorlitMUjt •Iler JutlriittiMm *tu» J««lm bttrrlTrHiUii lillrrari^rhcH Kr• <ehrin«nc«n »wf drm lirMHe «l*-r IM1ilu< <0phle4 («citrhirhlr, Klhw״*rÄ|»hi»•. 1be<*• lOfff«, <Me«1tftlla, Kien*»*. IlmiiHrtU. l.ltarffU. ra1U*<nrtk. Hersusgegeben von Rabbiner I1 י. Müritz I’ahmer. ,DRa^cc 111 י tcj. 13. STLoi!^36. Kirhtr der et«Nrt*liglKe(1 I.ll1(ntar,«1«lrh» itr Ue<Ur4lMN «11K«w4N4t w«r<i«w. AiiiI•■;וו «lifKfiN II lulle ttinrehen•!« Keftpreelmnit. riet Kin»en«lu*1r von «n«i KecetmlonH• Kxrmplnren rrfvlxl elottialUe kwr«« w Hr4th<tN!t(rlion. l)*8 ,«JttdUcbe l4ltter*4Hr-lll*4t** *rscheiiir' woeheurlich in einem halben Preis bei allen Buchhandluageu (in Leipzig bei Robert Friese)1 pro .lalirgang 8 lUrk. Aboutienten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen י Mark kostet) erhalten das ״.Indische Litteratur-Blatt־‘ gratis. — Inserate werden mit ii PT. tür die gespaltene Petitzeile. Beilagen mit 11 Mark, berechnet und sind au die Expedition dieses Blattes zu senden. MF Buchhändler, welche tlireci oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate eiuseudeu, erhalten 25 Rabatt. I 11 h :1 11: Wissenschaftliche Aufsätze: Uer 72. Psalm, mit gescbichtlicher Einleitung, kritisch erklärt und übersetzt von ArtburS Weissmann. — Noch einmal Ben Patura. Von M. S. Rens, Hamburg. — Daten-BorichtiguDgen zu Zunz ״Zur Geschichte und Litteratur.“ II. Von L. Cohen, Lehrer in Rees. Litteraturbericht: Recension: Buber, Saloinon. Midrasch Tanchuma zum ersten Male nach Handschriften zu Oxford, Rom, Parma und München herausgegeben etc. Notizen. — Brietkasten. Der 72. Psalm, mit geschichtlicher Einleitung, kritisch erklärt und übersetzt von Arthur S. Weissmann. Zum Unterschiede von allen übrigen Psalmen, mit alleiniger Ausnahme des 127. trägt dieser die Aufschrift: לשלמה. Dass aber König Salomo ihn auf sich selbst nicht veifasst habet•: konnte, haben schon die alten Uebersetzer und selbst die rabbinischen Ausleger eingesehen. Sie fassten die Aufschrift so auf, als bedeute לשלמה r oder auf Salomo“. Wer aber mochte der Verfasser dieses Ps. gewesen sein? Jbn Esra meint, ein zeitgenössischer Dichter; Raschi und D. Kimchi vermuthen König David. Freilich in einer Zeit, in der die Autorität des geschriebenen Wortes alleinheirschend war, und die Kritik sich noch nicht an’s Tageslicht wagte, konnte man nicht anders als also folgern: da dieser Ps. mit den Worten schliesst: ״zu Ende sind die Bittpsalmen Davids“, folglich muss David auch diesen Ps. gedichtet haben. Da aber dieser Annahme die Aufschrift לשלמה schnürstrskt zuwider läuft und man verlegen war, ob denn dem Sohlussvers oder der Aufschrift mehr Autenthicität beizumessen sei, verfiel man aut das Auskunftsmittel der Verlegenheit, לשלמה nicht als den Autorsnamen, sondern als das .Object zu deuten und David als Autor beizubehalten. — Soweit die Alten, denen auch in der Neuzeit alle diejenigen folgen, die vor dem Buchstaben wie vor einem Götzen in die Knie sinken. Anders die kritisehen Exegeten,׳ von denen Hitzig in seinem Psalmencommentar (1863—65) mit vielem Verständniss, krttischem Taot und geistreicher Erwägung die spätere Abfassungszeit dieses Psalms nachgewiesen bat. Vers 12 »st aus Hiob 29,12 herübergeuommen und V. 16 fusst auf Hiob 5,25, somit ist der Ps. jünger als das Buch Hiob. Vers 7 ist aus Seeharjah 9,10 und, wie die l.-a. רב שלוש st. דבר שלום beweist, sogar nach der griechischen Uebersetzung, hergenommen. Da aber das einheimische Königthum der Juden zur Zeit der Abfassung erloschen war, meint Hitzig sich nach einem nichtisraelitischen Gebieter Israels umzusehen und zwar nach einem wohlthätigen König, für dessen Heil und Wohl einen Bittpsalm zu verfassen, man sich in Israel besonders veranlasst sah. Dass Jaden auch für heidnische Könige ihren Jehova augehen sollen, hat nichts Befremdendes. (Jirmijah 29,7: Baruch 1,11.) — Welcher heidnische König aber mochte sich bei den Juden 80 beliebt und verdient gemacht haben, dass man ihn zum Gegenstände eines Bittpsalms machte? keiu anderer als Ptolemaeus II Phüadelphu9. Und Hitzig war davon so überzeugt, dass er den Umstand, dass Ps. 72 gerade den König angehe, welcher die 72 Dolmetscher der heiligen Schrift besohäftigt haben soll, nioht auch zur Stärkung seiner Vermuthungj sondern als reinen Zufall anführt. Diese Ansicht Hitzig’s fand viele Nachbeter und Nachtreter. Man erwog nioht einmal, dass man in conservativen jüdischen Kreisen Ptolemaeus Philadelphus, eben wegen der griechischen Uebersetzung, welche man als ein Nationalunglüok ansah (Tr&ctat Sopherim 1.), nichts weniger als gewogen sein konnte. Und da der Verfasser des Bittpsalms, wie erwiesen, die gr. Uebersetzung von Seoharia kannte, er doch in viel jüngerer Zeit gelebt haben müsste, zu einer Zeit, als man die Ursprache der Uebersetzung wegen vernachlässigte. Am meisten befremdet es mich, dass auch der sonst so hellsehende Forscher und unpartheiische Kritiker Reu88 dieser Ansicht zuneigt und sogar 68 für lächerlich findet, dagegen geltend zu machen, dass es in Aegypten nicht regnet (V. 6), und dass dort das Korn nicht auf Höhen wächst (V. 16.); der Verfasser lebt eben und denkt in Palästina. (Reuss. Gesch. d. b. Sehr. § 433. 530) Gr ätz in seinem kritisoheu Commentar zu den Psalmen (Breslau 1882) ignorirt nicht nur Hitzig, sondern verschliesst auch ganz sein Auge davor, dass dieser Ps. im Ausdrucke das Gepräge einer spätem Zeit trägt, was doch einem Historiker und Exegeten seines Schlages nioht hätte entgehen sollen. Seine Muthmassuug, dass dieser Ps. tiei Gelegenheit der Thronbesteigung des Königs Hiskiah als ״Hui digungsadre88e“ gedichtet wurde, entbehrt jeder Begründung. Für die späte Abfassungszeit dieses Ps. wollen wir zu den von Hitzig angeführten Belegen noch folgende nachtragen. Vieles wurde aus Ezechiel verwendet. Man vergleiche V. 1 mit Ezech. 21.32, V. 10 Ezech. 27.15 und V. 14. Ezeoh. 28.16, — V. 4 □עניי ע ist einfach der von den Griechen entlehnte, damals auch in Juda allgemein gewordene Ausdruck ״gemeines Volk“ für ״Land-Volk“ עם הארץ ins Hebräische übertragen. — זרדיי ist entschieden aramäisch, welche