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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-05-06 · N° 19. (6.5.1886) · p. Seite 73

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 19. (6.5.1886)
Date
1886-05-06
Page
Seite 73 (sequence 3)
Language
German
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fromiscue gebraucht werden, 80 springt dooh nach 'e8tstellang ihrer Etyma das Besondere ihrer Bedentung sofort in die Augen. פתי stammt von ־־ 0ףןה■ pateo (offen sein), das •durch Verstärkung des Hauchlautes ה zu ח transitiv wird: פתח — patefaoio 716x4(0 öffnen. פתי, zunächst Abstraktum, wie Spr. Sal. 1.22, entspricht also dem deutschen Thor sächlichen Gesohleohts, das, um ein Konkretum darzustellen, den männliohen Artikel (der Thor) erhalten hat. Zu vergleichen wären hier: die Heide und der Heide (goth. haithins, Heidenbewohnsr, dem lat. paganus, Dorfbewohner, naohgebildet, die Nichtchristen, welche Konstantin aus den Städten vertrieb), das Bund und der Bund (die Personen, die sich verbunden) u. m. a. Nach verschiedenen ■Germanisten freilich ״gehört der Thor zu Dusel“; wir gönnen indess ganz neidlos den gelehrten Herren den Rahm dieser etymologischen Zusammenstellung. Der פתי ist also gleichsam das weitgeöffaete Thor ("פר, cfr. Spr. 25,28), in das Alles, Schlechtes wie Gutes, ungehindert einzieht: er ist allen Eindrücken offen, verführbar und leichtgläubig, wie der Knabe, den ihm der Spr. 1,4 parallel stellt und den der Talmud auch durch פתיא bezeichnet; er ist aber auch der Belehrung zugänglich. "Wir geben für die Bedeutung des פתי nur einige Beweisstellen: Weisheitssprüche verleihen dem Thoren Klugheit (Spr. 1,4). Wer ein Thor ist, kehre hier — bei der Buhlerin — ein (das. 9,16). Der Thor glaubt Alles (ebend. 14,151 אויל stammt von אןל — אול =* valeo=oöX-iw mächtig, gewalti'g sein und bezeichnet den gewaltthätigen, leidenschaftlichen und überklugen Narren, der gar nioht oder doch nur schwer bessern Eindrücken zugänglich ist, den sogen, ״bösen Narren“. פתי und אויל stellen sonach bei aller Gemeinschaft der Unklugheit dennoch Extreme dar, die sich allerdings auch zuweilen berühren: naoh Spr. 14,18 ver• fällt der פתי nachgerade in אולת und wird dann für sein leidenschaftliches Thun und Treiben naoh Spr. 7,22 wie ein א1יל — härter als ein פתי — gezüchtigt. Wir geben für die Bedeutung des אויל ebenfalls nur einige loci classici: Weisheit und Zucht verachten die Narren (Spr. 1,7). Des Narren Weg ist gerade in seinen Augen — er hält sich für unfehlbar, auf Rath aber hört der Weise (das. 12,15). Der Jähzornige begeht Narrheit, Gewalt (ebend. 14,17). Schon diese wenigen Bemerkungen dürften ahnen lassen, wie manchen wissenschaftlichen Gewinn der Eingangs beregte Synonymenkreis der Forschung bieten kann.*) Litteraturbericht. Recensionen. Strack, Hermann L. Hebräische Grammatik mit Uebungsstüoken, Litteratur. Zweite, wesentlich vermehrte und verbesserte Auflage. (A. u. d. T. Porta linguarum orieutalium. Pars I.) Karlsruhe und Leipzig. Reuther 1885. Die Theologie hat sich am schwersten vom Herkommen frei gemacht. Das Lateinische erhält sioh kaum in der Philologie 80 zähe wie hier, dooh weicht *) Wir machen unsem sehr geschätzten Herrn Mitarbeiter auf das vor wenigen Jahren (1880 in Padna) in hebr. Sprache erschienene 327 Seiten starke W6rk des jüd. Gelehrten Moises Tedeschi in Triest aufmerksam das ganz diesem Zweige der Forschung gewidmet ist. Der lat. Titel lautet: Thesaurus Sy* nonymorum linguae hebraicae. (Red.) auoh da naoh und naoh die drückende Fessel des Herkommens, und die Petermaun’sohe Porta, welche nooh bis jetzt zum Theile an der lateinischen Spraohe festhält, hat sie in den nothwendig gewordenen Neubearbeitungen aufgegeben und sicherlich nioht za ihrem Naohtheil. Die ״hebräische Grammatik“ ist in der kurzen Zeit von nioht ganz drei Jahren zum zweiten Male aufgelegt, was bei dem Ueberflusse an derartigen Lehrbüchern gewiss eine Empfehlung ist, wie sie kein Rezensent besser geben könnte. Es ist auch Straok als Gelehrter and Lehrer berufen gewesen, ein brauchbares Buch zu schaffen und die wesentliohen Zusätze und Verbesserungen, deren die zweite Auflage sioh mit vollem Reohte rühmt, sind Beweis dafür, dass der Verf. bestrebt ist, seine praktischen Erfahrungen zur Erhöhung des Werthes seines Baches zu benutzen. Von diesen Verbesserungen ist das Wesentlichste die Hinzufügang einer Auswahl aus der Syntax, welche der ersten Auflage vollständig fehlte, durch Manches wohl nooh wird ergänzt werden müssen, jedooh schon jetzt das Wichtigste bietet. Die in der Lautlehre S. 18 gegebene Erklärung der Form הורד aus howräd, können wir nicht als stichhaltig anerkennen, indem הו die ursprüngliche Bildungssilbe des Hophäl ist, statt deren in geschlossener Silbe ה eintritt, wie ja das הו noch bei allen einsilbigen Stämmen erscheint und ebenso der Verf. selbst (S. 45) für die Substantive (einsilbige Stämme mit dem Grundvooale ״u“) von derselben Idee ausgeht. In der Ordnung der Formenlehre ist der Verf. vom Nomen zum Verbum übergegangen, wofür wohl die Wissenschaft aber nioht die Praxis spricht, da im Unterrichte dooh mit dem Verbum begonnen werden muss, wie ja auoh die Lautlehre der Formenlehre nioht vorangehen kann. Hat ja auoh der grosse Pädagoge Franoke diesem Umstande die häufige Erfolglosigkeit des hebräisohen Unterrichts an den Universitäten zugeschrieben, welche im ersten Semester nicht über die Sohriftlehre herauskommen. Was aber in diesem Buche unvergleichlich besser, als in irgend einer dem Ref. bekannten Grammatik durohgeführt erscheint, ist die Eintheilung des Substantivs in Nomina a.) mit unveränderlichen Vooalen: עד, b). mit veränderlichem Vooal in v 0 rletzter Silbe: נשיא, 0.) mit veränderlichem Vooal in letzter Silbe: מקדש, d.) Masoulina mit zwei veränderlichen Voealen,—wo viel praktischer wie im Gesenius-Kautzsch die Lautgruppen a a; a e und e a unterschieden sind — דבר, JpJ, שער, eine Eintheilung, die sicherlich zu allgemeiner Giltigkeit sioh erheben wird; ebenso ist es praktisch, dass Stack die einsilbigen Masoulina □חק ,אם ,י nicht sohleohtweg zu den Segolat - Formen zählt, wie in der Tabelle I der Gesenius’sohen Grammatik, weil es entschieden überflüssig ist, so disparate Formen unter eine Kategorie zu zwängen una in Folge dessen das Gedachtnies nur belastet wird, denn der Schüler wird im Anfange immer einem Räthsel gegenüberstehen, wenn er wirkliche einsilbige Stämme mit solohen, die wie מלך im Status absolutus zweisilbig erscheinen, gemeinsam behandelt sieht, hingegen scheint mir die Bezeichnung ״mit doppeltem Schlussbuchstaben“ eine nicht gut gewählte, denn thatsächlich ist der Sohlusskonsonant nicht doppelt, sondern erscheint nur vor vooalisoh anlautenden Suffixen dageschiert, weil der kurze Vocal erhalten bleiben 8011 z. B. חקי. (S. Stade ״Lehrbuch“ § 133 0.) Die Absicht des Verf. liegt aber hier offenbar in der Beibehaltung der trilitteralen Theorie, welche dieses Dagesoh nioht als Zeichen der Verschärfung, sondern der Verdoppelung ansieht, daher war es natür-

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